{"id":26026,"date":"2023-07-13T15:29:25","date_gmt":"2023-07-13T13:29:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/30499-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:29:27","modified_gmt":"2023-07-13T13:29:27","slug":"30499-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/30499-01\/","title":{"rendered":"Schutz und nachhaltige Nutzung der nat\u00fcrlichen Ressourcen des Memeldeltas"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bis 2004 existierten im Kaliningrader Gebiet (Russland) eine ganze Reihe Schutzgebiete in regionaler Zust\u00e4ndigkeit. Diese Sakazniks mussten in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden durch Rechtsakte best\u00e4tigt werden, was ab 2004 nicht mehr erfolgte. Zu diesen ehemaligen Schutzgebieten z\u00e4hlten auch Teile der Memel-Delta-Region im Norden des Kaliningrader Gebietes.<br \/>\nSeit dem politischen Umbruch 1990 hat es zudem erhebliche Ver\u00e4nderungen im Bereich der Landnutzung gegeben. Riesige Areale sind aus der Bewirtschaftung gefallen, ganze Ortschaften zerfallen, die l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung wandert in St\u00e4dte ab.<br \/>\nIm Litauischen Teil der Memel-Delta-Region existiert hingegen mit einem Regionalpark ein Schutzgebiet, das neben Naturschutzzielen auch die Regionalentwicklung bef\u00f6rdert.<br \/>\nZiel des Vorhabens war es, im Rahmen einer Machbarkeitsstudie die Rahmenbedingungen f\u00fcr die Ein-richtung eines regionalen Schutzgebietes im russischen Teil der Region zu pr\u00fcfen, das ggf. Ausgangs-punkt f\u00fcr die Etablierung eines l\u00e4nder\u00fcbergreifenden UNESCO-Biosph\u00e4renreservates sein k\u00f6nnte. Wie auf litauischer Seite sollte dieses Schutzgebiet auch einer nachhaltigen Regionalentwicklung dienen. Be-trachtet werden sollte in diesem Zusammenhang auch die M\u00f6glichkeit alternativer landwirtschaftlicher Produktionsverfahren (v.a. Paludikultur). Wesentlicher Hintergrund ist, dass konventionelle Produktlinien gro\u00dfr\u00e4umig auf eine intensive Fl\u00e4chenentw\u00e4sserung angewiesen sind. Einerseits ist das bestehende Entw\u00e4sserungssystem in vielen Teilen stark sanierungsbed\u00fcrftig, andererseits ist die Entw\u00e4sserung mit negativen Umweltwirkungen verbunden.  <\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Vorhaben geht zur\u00fcck auf die deutsch-russischen Umwelttage 2011 in Kaliningrad, bei denen die Wiedereinrichtung von Teilen des regionalen Schutzgebietssystems diskutiert und dabei auch die Memel-Delta-Region als Gebiet mit hohen Potenzialen herausgearbeitet wurde. In Abstimmung mit Verant-wortlichen aus dem Kaliningrader Gebiet sollte das Vorhaben die erste von bis zu drei Phasen auf dem Weg zu einem Schutzgebiet bilden und bei positivem Ergebnis von einer detaillierten Schutzgebietskon-zeption und der anschlie\u00dfenden Umsetzung abgel\u00f6st werden.<br \/>\nDie Machbarkeitsstudie beinhaltete v.a. Gespr\u00e4che mit Entscheidungstr\u00e4gern auf lokaler und regionaler Ebene, eine Sichtung und Auswertung vorhandener Studien und Konzepte f\u00fcr die Entwicklung er Region sowie eine Analyse der landschaftlichen Potenziale inkl. einem ersten groben Abgrenzungsvorschlag f\u00fcr ein m\u00f6gliches Schutzgebiet.<br \/>\nDie Bearbeitung erfolgte in allen Teilen gemeinsam mit Dr. Maxim Napreenko vom russischen Projekt-partner \u0084Naturerbe\u0093.     <\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Landschaft der Memel-Delta-Region ist ein Mosaik aus naturnahen, wenig gest\u00f6rten Systemen und anthropogen grundlegend ver\u00e4nderten Arealen. Es bietet aktuell hervorragende Potenziale f\u00fcr die Ein-richtung eines Schutzgebietes, das nicht nur der Natur dient sondern auch die dringend erforderliche Regionalentwicklung bef\u00f6rdern kann. Ein erster Abgrenzungsvorschlag wurde vorgenommen und um-fasst eine Fl\u00e4che von ca. 83.000 ha, was im mitteleurop\u00e4ischen Vergleich mittleren bis gro\u00dfen Biosph\u00e4-renreservaten entspricht (vgl. BR Schorfheide-Chorin: 130.000 ha).<br \/>\nIn den vorangegangenen Jahren wurde eine Vielzahl an Konzepten f\u00fcr die Region erarbeitet, die mehr-heitlich die Einrichtung eines gro\u00dfr\u00e4umigen Schutzgebietes unter Ber\u00fccksichtigung der in Litauen an-grenzenden gesch\u00fctzten Areale empfehlen. Als besonders schutzw\u00fcrdig werden dabei durchweg die hydrologisch nicht reglementierten Bereiche des Gebietes, Teile der W\u00e4lder und zentrale Bereiche der gro\u00dfen Regenmoore angesehen. Die meisten Konzepte sehen jedoch auch in einer Fortsetzung der landwirtschaftlichen Nutzung eine wichtige Funktion dieses Raumes. Das setzt zumindest in Teilen eine Wiederinstandsetzung der Entw\u00e4sserungssysteme bzw. die Etablierung neuartiger landwirtschaftlicher Produktionszweige wie Paludikultur voraus. Das Fl\u00e4chenpotenzial hierf\u00fcr liegt bei mehreren tausend ha.<br \/>\nBeide Zielsetzungen \u0096 Erhalt weitgehend unreglementierter Landschaftsteile auf der einen und landwirt-schaftliche Entwicklung auf der anderen Seite lassen sich mit einer geeigneten Schutzgebietskategorie verbinden und um den Aspekt der touristischen Nutzung und der Etablierung alternativer Landnutzungs-formen erweitern. Leitbild f\u00fcr eine solche Entwicklung bieten die UNESCO Biosph\u00e4renreservate entspre-chend der Servilla-Strategie.<br \/>\nIn der Region gibt es zahlreiche Akteure und Entscheidungstr\u00e4ger in Politik, Wirtschaft und Zivilgesell-schaft, die der Einrichtung eines solchen Schutzgebietes sehr positiv gegen\u00fcber stehen. Im Rahmen der Studie konnte das vor allem f\u00fcr die lokale Ebene (Landkreis, Gemeinden, Wirtschaftsakteure) nachge-wiesen werden. Trotz intensiver Bem\u00fchungen und fr\u00fchzeitiger Terminabstimmung kam ein Gespr\u00e4ch auf Ebene der Gebietsregierung letztlich nicht zustande. R\u00fcckblickend liegt hierin die gr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che des Projektergebnisses.<br \/>\nNach Auswertung der Projektergebnisse durch die Gebietsregierung wird eine Entscheidung erwartet, ob und ggf. welche weiteren Schritte im Hinblick auf eine Schutzgebietsentwicklung in der Memel-Delta-Region erfolgen werden. Bei entsprechendem Interesse der Gebietsadministration sollte \u0096 wiederum mit Unterst\u00fctzung durch die deutsche Seite \u0096 eine detaillierte Schutzgebietskonzeption (Abgrenzung, Zonie-rung, Entwicklungskonzeption, Besucherlenkung, Umweltbildung, Schutzgebietsverwaltung etc.) erfol-gen. <\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Landschaft der Memel-Delta-Region ist ein Mosaik aus naturnahen, wenig gest\u00f6rten Systemen und anthropogen grundlegend ver\u00e4nderten Arealen. Es bietet aktuell hervorragende Potenziale f\u00fcr die Ein-richtung eines Schutzgebietes, das nicht nur der Natur dient sondern auch die dringend erforderliche Regionalentwicklung bef\u00f6rdern kann. Ein erster Abgrenzungsvorschlag wurde vorgenommen und um-fasst eine Fl\u00e4che von ca. 83.000 ha, was im mitteleurop\u00e4ischen Vergleich mittleren bis gro\u00dfen Biosph\u00e4-renreservaten entspricht (vgl. BR Schorfheide-Chorin: 130.000 ha).<br \/>\nIn den vorangegangenen Jahren wurde eine Vielzahl an Konzepten f\u00fcr die Region erarbeitet, die mehr-heitlich die Einrichtung eines gro\u00dfr\u00e4umigen Schutzgebietes unter Ber\u00fccksichtigung der in Litauen an-grenzenden gesch\u00fctzten Areale empfehlen. Als besonders schutzw\u00fcrdig werden dabei durchweg die hydrologisch nicht reglementierten Bereiche des Gebietes, Teile der W\u00e4lder und zentrale Bereiche der gro\u00dfen Regenmoore angesehen. Die meisten Konzepte sehen jedoch auch in einer Fortsetzung der landwirtschaftlichen Nutzung eine wichtige Funktion dieses Raumes. Das setzt zumindest in Teilen eine Wiederinstandsetzung der Entw\u00e4sserungssysteme bzw. die Etablierung neuartiger landwirtschaftlicher Produktionszweige wie Paludikultur voraus. Das Fl\u00e4chenpotenzial hierf\u00fcr liegt bei mehreren tausend ha.<br \/>\nBeide Zielsetzungen \u0096 Erhalt weitgehend unreglementierter Landschaftsteile auf der einen und landwirt-schaftliche Entwicklung auf der anderen Seite lassen sich mit einer geeigneten Schutzgebietskategorie verbinden und um den Aspekt der touristischen Nutzung und der Etablierung alternativer Landnutzungs-formen erweitern. Leitbild f\u00fcr eine solche Entwicklung bieten die UNESCO Biosph\u00e4renreservate entspre-chend der Servilla-Strategie.<br \/>\nIn der Region gibt es zahlreiche Akteure und Entscheidungstr\u00e4ger in Politik, Wirtschaft und Zivilgesell-schaft, die der Einrichtung eines solchen Schutzgebietes sehr positiv gegen\u00fcber stehen. Im Rahmen der Studie konnte das vor allem f\u00fcr die lokale Ebene (Landkreis, Gemeinden, Wirtschaftsakteure) nachge-wiesen werden. Trotz intensiver Bem\u00fchungen und fr\u00fchzeitiger Terminabstimmung kam ein Gespr\u00e4ch auf Ebene der Gebietsregierung letztlich nicht zustande. R\u00fcckblickend liegt hierin die gr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che des Projektergebnisses.<br \/>\nNach Auswertung der Projektergebnisse durch die Gebietsregierung wird eine Entscheidung erwartet, ob und ggf. welche weiteren Schritte im Hinblick auf eine Schutzgebietsentwicklung in der Memel-Delta-Region erfolgen werden. Bei entsprechendem Interesse der Gebietsadministration sollte \u0096 wiederum mit Unterst\u00fctzung durch die deutsche Seite \u0096 eine detaillierte Schutzgebietskonzeption (Abgrenzung, Zonie-rung, Entwicklungskonzeption, Besucherlenkung, Umweltbildung, Schutzgebietsverwaltung etc.) erfol-gen. <\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Machbarkeitsstudie hat deutlich gezeigt, dass die Einrichtung eines Schutzgebietes in der Memel-Delta-Region sinnvoll ist und daf\u00fcr insbesondere auf lokaler Ebene ein hohes Interesse besteht. Mittel-fristige Zielsetzung sollte ein UNESCO-Biosph\u00e4renreservat sein, weil dieses in beispielhafter Weise Na-turschutzaspekte mit Formen einer nachhaltigen Landnutzung verbindet und damit die Potenziale und Herausforderungen der Region optimal aufgreift. Nicht gekl\u00e4rt werden konnte w\u00e4hrend der Projektlaufzeit jedoch die abschlie\u00dfende Haltung der Kaliningrader Gebietsregierung zu einem solchen Vorhaben. Sollte auch die Gebietsregierung daran Interesse haben, l\u00e4ge der n\u00e4chste Schritt in einer detaillierten Schutzgebietskonzeption<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bis 2004 existierten im Kaliningrader Gebiet (Russland) eine ganze Reihe Schutzgebiete in regionaler Zust\u00e4ndigkeit. Diese Sakazniks mussten in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden durch Rechtsakte best\u00e4tigt werden, was ab 2004 nicht mehr erfolgte. Zu diesen ehemaligen Schutzgebieten z\u00e4hlten auch Teile der Memel-Delta-Region im Norden des Kaliningrader Gebietes. Seit dem politischen Umbruch 1990 hat [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[1266,46,50,51,53],"class_list":["post-26026","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-grenzueberschreitend","tag-internationale-aktivitaeten","tag-naturschutz","tag-ressourcenschonung","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"30499\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"","dbu_projektdatenbank_bsumme":"30.500,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Michael Succow Stiftung","dbu_projektdatenbank_strasse":"","dbu_projektdatenbank_plz_str":"17489","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Greifswald","dbu_projektdatenbank_p_von":"2012-05-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2013-04-30 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"12 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"03834\/83542-10","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Grenz\u00fcberschreitend","dbu_projektdatenbank_foerderber":"129","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/26026","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/26026\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":43223,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/26026\/revisions\/43223"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26026"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26026"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26026"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}