{"id":25745,"date":"2026-03-13T10:32:18","date_gmt":"2026-03-13T09:32:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/29402-01\/"},"modified":"2026-03-13T10:32:20","modified_gmt":"2026-03-13T09:32:20","slug":"29402-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/29402-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Konservierung einer Grotte aus umweltgesch\u00e4digtem Kalktuff unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Erprobung geeigneter Restaurierungsmethoden und -materialien"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Kalktuff war f\u00fcr die Grottenarchitektur ein beliebtes Baumaterial. Ausgehend von seiner sehr hohen Po-rosit\u00e4t verbunden mit hoher Wasseraufnahmef\u00e4higkeit unterliegt das Gestein starken Verwitterungs-sch\u00e4den und biologischer Besiedlung. Verbunden mit der ehemals vorhandenen innerst\u00e4dtischen starken Luftverschmutzung in Worms konnten sich an der Grotte im Heylshof schwarze Verkrustungen bilden. Neben einer spezifisch auf das weiche Gestein und dessen zahlreiche Hohlr\u00e4ume und Vertiefungen abgestimmten Reinigungsmethode sollten die Erprobung und \u00dcberpr\u00fcfung von Konservierungsmittelar-ten und geeigneten Applikationstechniken zu einer denkmalgerechten Restaurierung und Konservierung f\u00fchren.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden<br \/>\nZu Projektstart standen eingehende Literaturrecherchen zum Gesteinstypus und zu den M\u00f6glichkeiten einer wirkungsvollen Konservierung im Vordergrund. Das Gestein ist je nach Ausbildung in unterschiedlichem Ma\u00dfe entfestigt. Vor allem die aufgelockerten Partien verlangten eine schonende restauratorische Behandlung. Die Reinigungsmethode soll neben der optischen Aufhellung vor allem die sch\u00e4digenden und den Eintrag von Konsolidierungsmittel behindernden Schmutz- bzw. Gipskrusten reduzieren\/entfernen. Hierzu standen alternativ mechanische, chemische und lasergest\u00fctzte Reinigungsmethoden zur Auswahl, deren Wirkungsweise naturwissenschaftlich untersucht wurden. Zu einer Festigung wurden konfektionierte und speziell rezeptierte Festigungsmittel vor Ort und im Labor eingehend \u00fcberpr\u00fcft. Aus j\u00fcngeren Restaurierungsphasen stammende zement\u00e4re M\u00f6rtelantragungen mussten entfernt und durch optisch und physikalisch angepasste Reparaturm\u00f6rtel ersetzt werden. Die metallene St\u00fctzkonstruktion musste statisch beurteilt und ggf. ert\u00fcchtigt werden.<br \/>\nInsgesamt war die Erhaltung und Wiederherstellung des Gesamtbildes dabei vorrangig zu beachten.<br \/>\nNach musterm\u00e4\u00dfiger Erarbeitung und Umsetzung o. g. Arbeitsschwerpunkte sollten die Ergebnisse in Form einer Publikation und eines Kolloquiums vorgestellt werden. <\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Ein Hauptthema war die gesteinsspezifische Optimierung und Anwendung einer sensiblen aber doch wirkungsvollen Reinigungsmethode. Nach labortechnischer Absicherung stellte sich die Lasertechnik als zielf\u00fchrend besonders im Bereich der Kalotte und der architektonischen Gliederung heraus. Bereiche mit &#8220;brockigem&#8221; Gef\u00fcge konnten dagegen mit Wasser- und Strahlreinigung in jeweiliger Abstufung als sinn-voll auch besonders unter wirtschaftlichen Hintergr\u00fcnden durchgef\u00fchrt werden.<br \/>\nDie konservatorischen Behandlungen zu einer Verfestigung der entfestigten (und zuvor gereinigten) Ge-steinspartien konnten weder vor Ort noch unter Laborbedingungen einwandfrei als wirksam und sinnvoll interpretiert werden. Zwar wurden sch\u00e4digende, negative Auswirkungen ebenso wenig definiert, insge-samt wurden jedoch weitergehende Konservierungsarbeiten gegen\u00fcber restauratorischen Arbeiten wie Austauschen oder Abarbeiten zur\u00fcckgestellt.<br \/>\nUnter Auswahl geeigneter Steinqualit\u00e4ten und Formate sowie des nachgestellten Setzm\u00f6rtels auf Kalk-Zement-Basis konnten nach zahlreichen Musterlegungen kleinere Reparaturstellen oder auch gr\u00f6\u00dfere Ausbr\u00fcche angelehnt an das Vorbild wieder aufgemauert werden. Der eingesetzte M\u00f6rtel orientierte sich dabei an einen stark zement\u00e4ren original Setzm\u00f6rtel, der \u00fcber die Standzeit jedoch zu keinerlei Folge-sch\u00e4den am weichen Gestein verursacht hatte. Unter Betrachtung der Verarbeitung, der Dauerhaftigkeit und der Witterungsresistenz wurde ein M\u00f6rtel auf Kalk-Zement-Basis rezeptiert.<br \/>\nBereichsweise mussten statisch-konstruktive Verbesserungen vorgenommen werden. Besonders die auskragenden Bauteile verlangten den Einbau von Eisenarmierungen, an denen die Steine entsprechend dem bauzeitlichen System &#8220;angeh\u00e4ngt&#8221; werden konnten. Auch die Bogenkonstruktionen wurden konstruktiv \u00fcberpr\u00fcft und ggf. repariert oder ert\u00fcchtigt.<br \/>\nDurch die Sanierung wurde der starke Bewuchs entfernt. Genauere Aufma\u00dfe und Begutachtungen ergaben jedoch, dass die Grotte im Originalzustand sicherlich teilweise bepflanzt war. Unter Abw\u00e4gung von Pflege, Schadenspotential und \u00e4sthetischer Gesamtwirkung konnten M\u00f6glichkeiten zu einer neuerli-chen Bepflanzung vorgestellt werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Grotte im Heylspark steht unter st\u00e4ndiger Beobachtung durch Besucher und Touristen. Um die lau-fenden Bauma\u00dfnahmen an der Grotte vermitteln zu k\u00f6nnen, wurden Plakate (&#8220;Schilder&#8221;) am Bauzaun befestigt, die die Grotte und ihre Geschichte sowie die restauratorischen Arbeitsabl\u00e4ufe und auch die beteiligten Firmen und Institute sowie finanziellen F\u00f6rderer aufzeigt.<\/p>\n<p>Am 4. September fand ein Abschlusskolloquium statt. Neben objektbezogenen Themen zur Grotte, zu den durchgef\u00fchrten restauratorischen Arbeiten oder zum Baumaterial usw. wurden auch \u00fcbergreifende Beispiele der Grottenarchitektur vorgestellt. Die Tagung fand mit ca. 100 Teilnehmern guten Anklang. Im Anschluss an die Vortragsreihe konnte die Grotte unter Einbeziehung von Fachf\u00fchrungen besichtigt werden.<br \/>\nZur Tagung ist ein Tagungsband in der IFS-Schriftenreihe erschienen (IFS Bericht 45\/2013 Die Herku-lesgrotte in Worms &#8211; Sch\u00e4den, Konzepte, Ma\u00dfnahmen; 156 S.).<br \/>\nDar\u00fcber hinaus werden die Ergebnisse der Tagung 2014 in einem Band der &#8220;Zeitschrift f\u00fcr Kulturtechno-logie und Konservierung&#8221; publiziert.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit dem Modellvorhaben konnte aus steinkonservatorischer und restauratorischer Sicht eine sehr befrie-digende L\u00f6sung zur Erhaltung der Grotte gefunden werden. Unter Beibehaltung des bauzeitlichen Kon-zeptes uns Systems aus zusammengef\u00fcgten Kalktuffbrocken konnten Erg\u00e4nzungen und Reparaturen optisch und fachtechnisch sehr gut durchgef\u00fchrt werden. Das verwendete Ersatzgestein erweist sich als sehr gut vergleichbar mit dem Originalmaterial, sowohl was die Optik als auch die technischen Parameter anbelangt. Auch mit der eingesetzten M\u00f6rtelrezeptur wurde eine an den bauzeitlichen Setzm\u00f6rtel optimal angepasste Materialit\u00e4t gefunden.<br \/>\nDie statischen Sicherungen und das Konzept einer Wiederbepflanzung lehnen sich an die historische Bauweise bzw. Gestaltung an.<br \/>\nDie durchgef\u00fchrten planerischen und handwerklichen Arbeiten erlauben eine abgesicherte Weiterf\u00fchrung noch ausstehender Bauabschnitte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Kalktuff war f\u00fcr die Grottenarchitektur ein beliebtes Baumaterial. Ausgehend von seiner sehr hohen Po-rosit\u00e4t verbunden mit hoher Wasseraufnahmef\u00e4higkeit unterliegt das Gestein starken Verwitterungs-sch\u00e4den und biologischer Besiedlung. 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