{"id":25642,"date":"2024-11-27T10:38:59","date_gmt":"2024-11-27T09:38:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/29055-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:39:03","modified_gmt":"2024-11-27T09:39:03","slug":"29055-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/29055-01\/","title":{"rendered":"Zeitzeugen als Quelle f\u00fcr Forschung und Bildung &#8211; Das Beispiel Naturschutz in der DDR"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>F\u00fcr das Projekt bestanden zwei Anl\u00e4sse:<br \/>\n&#8211; Im Vergleich zu den anderen drei Quellenbereichen waren bisher m\u00fcndliche Zeitzeugenberichte zur DDR-Naturschutzgeschichte (als erg\u00e4nzende Quelle, die insbesondere durch die pers\u00f6nliche, emotionale, erlebnis-bezogene Perspektive mitunter die eigentlichen Hintergr\u00fcnde von Entwicklungen beinhalten) kaum bzw. nicht vorhanden und fehlen somit als Grundlage einer Aufarbeitung bestehender und ggf. neuer Forschungsfragen.<br \/>\n&#8211; Obwohl der Natur- und Umweltschutz in der Liste der Themen, die die \u00d6ffentlichkeit in der DDR interessierten und in der Liste der dringlich zu l\u00f6senden Probleme in der Zeit der \u0084Wende\u0093 an erster Stelle stand, ist es bemerkenswert, dass das Thema \u0084Natur- und Umweltschutz\u0093 im Allgemeinen im Themenspektrum der Bildung f\u00fcr nachhaltige Entwicklung eine untergeordnete und das Thema Geschichte des Natur- und Umweltschutzes im Besonderen gar keine Rolle zu spielen scheint.<br \/>\nDas Projekt verfolgte daher zwei Hauptziele:<br \/>\n&#8211; die Verbesserung der Quellenlage zur Geschichte des Naturschutzes durch die Gewinnung von Informationen aus Zeitzeugenberichten,<br \/>\n&#8211; die Entwicklung eines Bildungsangebots zum Thema Naturschutzgeschichte auf der Grundlage von Arbeit mit Zeitzeugen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenLeitend war die Fragestellung, wie Zeitzeugen und Zeitzeuginnen die Entwicklung, die M\u00f6glichkeiten und Restriktionen des Naturschutzes in der DDR erlebt haben und wie sie damit umgegangen sind. Es wurden 27 Zeitzeugen und Zeitzeuginnen, die zu den verschiedenen Phasen der DDR-Naturschutzgeschichte auf unterschiedlichen r\u00e4umlichen und institutionellen Ebenen Auskunft geben k\u00f6nnen und die aus verschiedenen sozialen Schichten stammen, befragt. Dar\u00fcber hinaus wurden 5 weitere Zeitzeugen auf Grundlage bereits vorliegender Quellen einbezogen. Die Zeitzeugen und Zeitzeuginnen spiegeln das Spektrum des DDR-Naturschutzes wider: Ministerium f\u00fcr Land-, Forst- und Nahrungsg\u00fcterwirtschaft, Institut f\u00fcr Landschaftsforschung und Naturschutz (ILN), andere Forschungseinrichtungen, \u0084gesellschaftliche Organisationen\u0093 wie Kulturbund und die Kirche.<br \/>\nZum Einsatz kam die Methode der Oral History. Das Projekt umfasst sechs sich zeitlich zum Teil \u00fcberlagernde Phasen, zu denen jeweils verschiedene Arbeitsschritte geh\u00f6ren: (1) Vorbereitung der Zeitzeugengespr\u00e4che, (2) Durchf\u00fchrung und Nachbereitung der Zeitzeugengespr\u00e4che, (3) Zeitzeugensymposium, (4) Erarbeitung des Zeitzeugenbuchs, (5) Erarbeitung einer Internetseite als Bildungsangebot, (6) abschlie\u00dfende Produkterstellung.<br \/>\nDie Vorbereitung der Zeitzeugengespr\u00e4che umfasste im Wesentlichen vier Arbeitsschritte: die Auswahl der Zeitzeugen, die Erarbeitung eines Interviewleitfadens sowie die Durchf\u00fchrung eines Pretests, die Erarbeitung einer Vereinbarung zu den Zeitzeugengespr\u00e4chen, die organisatorische und inhaltliche Vorbereitung der einzelnen Zeitzeugengespr\u00e4che. Es wurden insgesamt 31 Termine mit Zeitzeugen wahrgenommen. Die Gespr\u00e4che wurden in den meisten F\u00e4llen vor Ort bei den Zeitzeugen (in der Wohnung, am Arbeitsort) gef\u00fchrt. Die Gespr\u00e4che wurden von unserer Seite durch zwei Personen begleitet. Eine Person war f\u00fcr die Aufnahmetechnik zust\u00e4ndig, die andere Person f\u00fchrte das Interview durch. Die Gespr\u00e4che wurden zum einen mit einer Kamera und zugeh\u00f6rigem Mikrofon auf Mini-DV aufgenommen. Dar\u00fcber hinaus wurde zur Sicherheit \u00fcber ein weiteres Mikrofon ein weiterer Audiofile erstellt, der direkt auf die Festplatte eines Notebooks gespeichert wurde. Als sehr zeitaufwendig erwies sich die Nachbereitung der Zeitzeugengespr\u00e4che. Sie umfasste folgende einzelne Aufgaben: \u00dcberspielen der Zeitzeugengespr\u00e4che, Transkription der Zeitzeugengespr\u00e4che, Bearbeitung der Transkripte. Die Transkripte wurden zu einem Quellenband zusammengefasst und liegen als Prim\u00e4rquelle vor.<br \/>\nDie Erarbeitung des Zeitzeugenbuchs umfasste folgende Arbeitsschritte: Diskussion zur inhaltlichen Struktur des Buches, Erarbeitung eines wissenschaftlichen Rahmentextes, Bearbeitung der vorliegenden Transkripte, Recherche von Fotos, Abstimmung der Textentw\u00fcrfe mit den Zeitzeugen, Gesamtlayout, Lektorat, Drucklegung.<br \/>\nParallel zur Erarbeitung des Zeitzeugenbuchs wurde die Internetseite &#8220;Naturschutzgeschichte Ostdeutschlands&#8221; aufgebaut. Ausgehend von einer Recherche zum Stand der Bildungs- und Informationsangebote zur DDR-Geschichte, zur Naturschutzgeschichte bzw. zur Arbeit mit Zeitzeugen wurde eine inhaltliche Struktur entwickelt, die zum einen anhand einer Einteilung in vier Phasen und zum anderen anhand des Zugangs \u00fcber Einzelseiten zu Zeitzeugen den Zugang zur Geschichte des Naturschutzes erm\u00f6glicht.<br \/>\nEin weiterer Aspekt der Arbeiten zum Punkt Bildungsangebot war ein Kooperationsprojekt mit dem Gymnasium in Demmin. Hier wurde von unserer Seite im AWT-Unterricht zweier 10. Klassen ein Projekt \u0084Landschaften im Wandel\u0093 begleitet. Dabei sahen wir es als unsere Aufgabe an, das Angebot gemeinsam mit dem Lehrer zu strukturieren und zu entwickeln, durch einzelne thematische Beitr\u00e4ge zum Angebot beizutragen sowie durch Auswertung der bei der Durchf\u00fchrung gemachten Erfahrungen verallgemeinerbare Hinweise und Empfehlungen f\u00fcr die Arbeit mit Zeitzeugen als Teil schulischer Bildungsangebote zu erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Rahmen des Projekts entstand eine Reihe von Produkten:<br \/>\n&#8211; ein Quellenband, der die Transkripte der gef\u00fchrten Zeitzeugengespr\u00e4che b\u00fcndelt (Gesamtumfang 871 Seiten), Der Band steht als Prim\u00e4rquelle f\u00fcr weitere Forschungsarbeiten im Studienarchiv Umweltgeschichte des Instituts f\u00fcr Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V. zur Verf\u00fcgung. Gleiches gilt f\u00fcr die Videomittschnitte zu den gef\u00fchrten Gespr\u00e4chen.<br \/>\n&#8211; ein Zeitzeugenbuch zum Naturschutz in der DDR mit dem Titel &#8220;Naturschutzgeschichte(n). Lebenswege zwischen Ostseek\u00fcste und Erzgebirge&#8221;, Das Buch umfass folgende Teile: Einleitung der Herausgeber (Editorial), Hauptteil mit 31 Zeitzeugenberichten, wissenschaftlicher Rahmentext &#8220;Naturschutz in der DDR \u0096 ein \u00dcberblick&#8221;, Index.<br \/>\n&#8211; ein Zeitzeugensymposium, In Kooperation mit der Hochschule Neubrandenburg hat das Institut f\u00fcr Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V. am 30.9. und 1.10.2011 in Halle\/Saale eine Veranstaltung durchgef\u00fchrt, die im Zeichen der Zeitzeugen des Natur- und Umweltschutzes stand. An der Veranstaltung haben fast 80 Personen teilgenommen, darunter auch zahlreiche Zeitzeugen, die im Rahmen des Zeitzeugenprojekts als solche befragt worden sind. Ein weiteres, inhaltlich und organisatorisch bereits vorbereitetes Symposium sollte am 14. und 15. Juni 2013 auf dem M\u00fcritzhof bei Waren stattfinden. Die geringe Zahl der R\u00fcckmeldungen f\u00fchrte zum Entschluss, die Veranstaltung abzusagen.<br \/>\n&#8211; eine Internetseite &#8220;Naturschutzgeschichte Ostdeutschlands&#8221; (www.naturschutzgeschichte-ost.de) als Informations- und Bildungsnagebot zum bis dato im Internet kaum pr\u00e4senten Gegenstand Naturschutz in der DDR.<br \/>\n&#8211; ein Projektbericht: Der Ablauf des Projekts und die dabei gemachten Erfahrungen wurden in einem Projektbericht zusammengefasst. <\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Folgende Aktivit\u00e4ten zur \u00d6ffentlichkeitsarbeit gab es: eine Pressemeldung der DBU zum Projektbeginn, zwei Radiointerviews mit dem NDR zum Projekt und zum Natur- und Umweltschutz der DDR allgemein am 23. Februar 2011 sowie im Fr\u00fchjahr 2013 in Neubrandenburg, ein Radiointerview mit dem am 31. M\u00e4rz 2011 in Neubrandenburg, die Ver\u00f6ffentlichung einer Meldung zum Projektbeginn auf den Internetseiten der Hochschule Neubrandenburg (www.hs-nb.de) sowie des Instituts f\u00fcr Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V. Im Wochenendteil des Nordkuriers erschien am 3. Dezember 2011 ein ganzseitiger Beitrag \u0084Gr\u00fcnes Erbe der DDR vor blauer Tonne bewahrt\u0093. Im Beitrag wurde auch auf das laufende Zeitzeugenprojekt hingewiesen. Im Heft 16 der Schriftenreihe Studienarchiv Umweltgeschichte wurden die Beitr\u00e4ge der Veranstaltung \u0084Zeitzeugen des Natur- und Umweltschutzes\u0093 in Halle ver\u00f6ffentlicht (S. 3-42). Im Heft 17 der Schriftenreihe Studienarchiv Umweltgeschichte wurde \u00fcber das DBU-Projekt berichtet (S. 97-99). Fernsehbeitrag im Nordmagazin des NDR am 29.9.2913 zum Naturschutz in der DDR sowie zum Zeitzeugenbuch. Der Rahmentext des Buches wurde auf Wikipedia in der Rubrik \u0084Naturschutz in der DDR\u0093 ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt schlie\u00dft einerseits mit Blick auf die Natur- und Umweltschutzgeschichte Deutschlands exemplarisch eine Quellenl\u00fccke. Andererseits wird mit den Ergebnissen des Projektes Bildung f\u00fcr nachhaltige Entwicklung unterst\u00fctzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens F\u00fcr das Projekt bestanden zwei Anl\u00e4sse: &#8211; Im Vergleich zu den anderen drei Quellenbereichen waren bisher m\u00fcndliche Zeitzeugenberichte zur DDR-Naturschutzgeschichte (als erg\u00e4nzende Quelle, die insbesondere durch die pers\u00f6nliche, emotionale, erlebnis-bezogene Perspektive mitunter die eigentlichen Hintergr\u00fcnde von Entwicklungen beinhalten) kaum bzw. nicht vorhanden und fehlen somit als Grundlage einer Aufarbeitung bestehender [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[63,50,2423],"class_list":["post-25642","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-mecklenburg-vorpommern","tag-naturschutz","tag-umweltkommunikation"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"29055\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"","dbu_projektdatenbank_bsumme":"111.200,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Hochschule Neubrandenburg\nFB Landschaftswissenschaften und Geomatik\nFG Landschaftsplanung\/Planung im l\u00e4ndlichen Raum","dbu_projektdatenbank_strasse":"Brodaer Str. 2","dbu_projektdatenbank_plz_str":"17033","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Neubrandenburg","dbu_projektdatenbank_p_von":"2011-01-10 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2013-08-31 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre und 8 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"0395\/5693 224","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Mecklenburg-Vorpommern","dbu_projektdatenbank_foerderber":"134","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/25642","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/25642\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":43173,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/25642\/revisions\/43173"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25642"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25642"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25642"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}