{"id":25585,"date":"2025-06-25T10:32:33","date_gmt":"2025-06-25T08:32:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/28834-01\/"},"modified":"2025-06-25T10:32:33","modified_gmt":"2025-06-25T08:32:33","slug":"28834-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/28834-01\/","title":{"rendered":"M\u00f6glichkeiten zur Schaffung eines hygienisch einwandfreien, umweltvertr\u00e4glichen und nachhaltigen Umgangs mit F\u00e4kalien in Kleing\u00e4rten am Beispiel einer Kleingartenkolonie in Leipzig"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In Deutschland stellen Kleing\u00e4rten einen festen Bestandteil des urbanen Lebensraums dar und erf\u00fcllen st\u00e4dtebauliche, soziale und \u00f6kologische Funktionen. Bundesweit gibt es rund 1,3 Millionen Kleing\u00e4rten (KG), die insgesamt etwa 50.000 ha umfassen. Die letzte bundesweite Bestandserfassung zur Situation im KG-Wesen hat demonstriert, dass gesellschaftliche, wirtschaftliche und soziale Ver\u00e4nderungen auch im Kleingartenwesen einen Wandel in dem Sinne bewirken, dass Anforderungen nach mehr Komfort bestehen. Im bundesweiten Mittel verf\u00fcgen 88 % der KG \u00fcber einen Wasseranschluss, 33 % \u00fcber eine Wassersp\u00fcltoilette (Tendenz steigend) und 34 % \u00fcber eine Trockentoilette (Tendenz sinkend).<br \/>\nDas Projekt widmete sich der Problematik der F\u00e4kalienentsorgung aus den KG mit dem \u00fcbergeordneten Ziel, die nachhaltige Nutzung von KG zu f\u00f6rdern, indem das KG-Wesen unter Beachtung der Regelungen des KG-Gesetzes modernisiert und attraktiver gemacht wird. Im Einzelnen waren die technisch m\u00f6glichen F\u00e4kalienentsorgungskonzepte zu eruieren und hinsichtlich ihrer rechtlichen Konformit\u00e4t (u. a. BkleingG), Umweltvertr\u00e4glichkeit (Reduzierung der Emissionen, hygienische Unbedenklichkeit) und \u00f6konomischen Tragbarkeit (Kosten der Umsetzung) zu beurteilen. Die Hindernisse und Hemmnisse zur Umsetzung technischer Konzepte waren zu identifizieren und auf deren Basis der Demonstrationsbedarf zu ermitteln.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAuf Basis der Auswertung vorhandener Studien zur sanit\u00e4ren Situation in KG und einer Vor-Ort-Erhebung (Fragebogenaktion, Workshop mit Kleing\u00e4rtnern) wurden Handlungsschwerpunkte identifiziert und Anforderungen der Nutzer an ein F\u00e4kalienentsorgungskonzept ermittelt. Die enge Zusammenarbeit mit dem Projektpartner Stadtverband Leipzig der Kleing\u00e4rtner e. V. und dem Kleingartenverein Seilbahn e. V. war dabei hilfreich, die Untersuchung m\u00f6glichst praxisorientiert durchzuf\u00fchren. Mit Hilfe des BDZ e. V. wurden Kontakte zur Stadtverwaltung Leipzig (Verkehrs- und Tiefbauamt, Sachgebiete Abwasserbeseitigung und Abfall) sowie zum Staatsministerium f\u00fcr Umwelt und Landwirtschaft Freistaat Sachsen gekn\u00fcpft, um zum einen den rechtlichen Rahmen bez\u00fcglich Abwasser-\/F\u00e4kalienbeseitigung in KG-Anlagen zu kl\u00e4ren, zum anderen die Anforderungen seitens der Beh\u00f6rden an ein Entsorgungskonzept zu erfassen. Auf Grundlage einer umfassenden Literatur- und Internetrecherche wurden verfahrenstechnische Konzepte zur F\u00e4kalienentsorgung aus Kleingartenanlagen formuliert und allgemeing\u00fcltige Kostenaufstellungen zu jedem Konzept ausgearbeitet. Unter Ber\u00fccksichtigung der erfassten sowie ermittelten Anforderungen der Endnutzer und der Beh\u00f6rden an ein Entsorgungskonzept in KG-Anlagen wurde eine Kriterienmatrix zur Bewertung der ausgew\u00e4hlten Konzepte erarbeitet und angewandt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Projekt wurden Wasser verwendende und wasserlose Entsorgungskonzepte betrachtet. Die Konzepte mit der Behandlung der Abw\u00e4sser in einer Kleingartenanlage wurden aufgrund von Besonderheiten der Kleingartennutzung (starke hydraulische Schwankungen, hoher Urinanteil im Abwasser, keine fachliche Betreuung m\u00f6glich, die Zust\u00e4ndigkeit aufgrund freizeitlichen Nutzung der Kleing\u00e4rten schwierig) bei der Vorauswahl aus der Betrachtung ausgeschlossen. Bei wasserlosen Konzepten wurde die Betrachtung auf Urin separierende Erfassungssysteme (Trockentrenntoiletten) begrenzt, da diese eine bessere Handhabung (Geruchsfreiheit) und Vorteile f\u00fcr anschlie\u00dfende Behandlung und Verwertung bieten. Nach der Vorauswahl konzentrierte sich die Betrachtung auf vier Entsorgungskonzepte: innere Erschlie\u00dfung und Anschluss an Kanal; Sammelgruben auf einzelnen Parzellen, Erfassung mittels Trockentrenntoiletten mit interner Behandlung und Verwertung der F\u00e4kalien im Kleingarten (Behandlungsvarianten: Hei\u00dfkompostierung, Wurmkompostierung, TerraPreta); Erfassung mittels Trockentrenntoiletten mit Abfuhr zur zentralen Entsorgung.<br \/>\nAlle betrachteten Entsorgungskonzepte tragen (durch Elimination der N\u00e4hrstoffe oder ihre stoffliche Verwertung zur D\u00fcngung) zur Reduktion der Emissionen in die Gew\u00e4sser bei. Anhand der Kalkulation des D\u00fcngemittelbedarfes eines durchschnittlichen Kleingartens wurde belegt, dass im Kleingarten anfallende F\u00e4kalien im Rahmen einer sachgem\u00e4\u00dfen D\u00fcngung restlos aufgebracht werden k\u00f6nnen. Das Erreichen der hygienischen Unbedenklichkeit der F\u00e4kalkomposte ist auch bei kleinskaliger Behandlung m\u00f6glich (Hei\u00dfkompostierung mit Zusatz von Industriezucker; Kaltrotte, Wurmkompostierung und TerraPreta-Behandlungsdauer >1,5 Jahr).<br \/>\nDie technische Realisierbarkeit der Konzepte unter der Bedingung vertretbarer Kosten ist unterschiedlich. Das Konzept Kanalanschluss ist  technisch realisierbar und \u00f6konomisch tragbar unter der Bedingung der g\u00fcnstigen Topografie des Standortes. Das Konzept  Sammelgruben erfordert Standortvoraussetzungen wie die Zufahrtm\u00f6glichkeit f\u00fcr das Entsorgungsfahrzeug und maximaler Grundwasserstand nach Herstellerangaben. Die wasserlosen Entsorgungskonzepte  mit interner Verwertung sind in ihrer Realisierung an keine Standortbedingungen gekn\u00fcpft.<br \/>\nEin genereller Kostenvergleich aller Konzepte ist nicht m\u00f6glich. Die vorliegenden Kostenbetrachtungen der benannten Entsorgungskonzepte erlauben jedoch die Aussage, dass die sachgem\u00e4\u00dfe Errichtung der Sammelgruben (mit DIBT-Zulassung und regelm\u00e4\u00dfigem Dichtigkeitsnachweis) die mit Abstand kostenintensivste Entsorgungsvariante darstellt. Bei wasserlosen Konzepten mit interner Verwertung der F\u00e4kalien bietet die gemeinschaftliche Behandlung der F\u00e4kalien in vereinseigenen Anlagen verfahrenstechnische und finanzielle Vorteile (Einsparpotential). W\u00e4hrend bei den Konzepten Kanalanschluss und Sammelgrube finanzielle Mittel langfristig gebunden werden (\u00fcberwiegend einmalige Errichtungskosten), fallen bei wasserlosen Entsorgungskonzepten h\u00e4ufigere aber  bedeutend niedrigere (Re)Investitionen an. Aus dieser Hinsicht erscheinen sie flexibler bez\u00fcglich der Problematik wachsender Leerst\u00e4nde.<br \/>\nDie Nachteile der Entsorgungskonzepte mit interner Verwertung liegen seitens der Nutzer in der niedrigen Akzeptanz der wasserlosen Erfassungssysteme und dem Unwillen, sich mit der F\u00e4kalienbehandlung zu befassen, seitens der Beh\u00f6rden in der fehlenden rechtlichen Regelung der Zust\u00e4ndigkeiten sowie in der schlechten Praktikabilit\u00e4t der Kontrolle der sachgem\u00e4\u00dfen Konzeptumsetzung in einzelnen Kleingartenanlagen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>&#8211;\tWorkshop im Kleingartenverein Seilbahn in Leipzig (Projektpartner); die Mitglieder des Vereines wurden \u00fcber die allgemeine Entsorgungsproblematik in Kleing\u00e4rten informiert, die Ziele und Inhalte des Projektes wurden ihnen erl\u00e4utert. Die Zwischenergebnisse wurden in regelm\u00e4\u00dfigen Projekttreffen sowie auf der j\u00e4hrlichen Veranstaltung der Kleingartenfachberater am 27.10.2011 in Leipzig pr\u00e4-sentiert.<br \/>\n&#8211;\tAusgabe 05\/2012 des Leipziger Gartenfreundes (Zeitschrift des Stadtverbandes Leipzig der Klein-g\u00e4rtner e.V.) mit Beitrag  Was tun, wenns im Garten mal pressiert?<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Alle betrachteten Entsorgungskonzepte &#8211;  innere Erschlie\u00dfung und Anschluss an Kanal, Sammelgruben auf einzelnen Parzellen, Erfassung mittels Trockentrenntoiletten mit interner Behandlung und Verwertung der F\u00e4kalien im KG, Erfassung mittels Trockentrenntoiletten mit Abfuhr zur zentralen Entsorgung &#8211; sind als emissionsreduzierend zu betrachten. Die Ressourceneffizienz kann nur durch das Konzept mit interner stofflicher Verwertung erreicht werden. Die Realisierung dieses Konzeptes ist durch niedrige Akzeptanz bei Nutzern erschwert. Das Konzept NASS &#8211; zentrale Verwertung weist eine maximal m\u00f6gliche Ressourceneffizienz  auf (stoffliche Verwertung der N\u00e4hrstoffe aus den F\u00e4kalien). Die Realisierung dieses Konzeptes ist momentan aus mehreren Gr\u00fcnden (u. a. technischen und rechtlichen) nicht m\u00f6glich. Durch Aufbau eines zu hohen gesetzlichen Zwangs kann eine ung\u00fcnstige Tendenz in Gang gesetzt wer-den, wobei die etablierten Konzepte (Kanalanschluss, abflusslose Sammelgruben) angesichts der ungen\u00fcgenden Kompetenz der Kleing\u00e4rtner als Entsorgungspflichtigen einen Vorrang bekommen, obgleich sie aus wissenschaftlicher Sicht bereits als \u00fcberholt gelten. Der gr\u00f6\u00dfte Demonstrationsbedarf wird f\u00fcr die Neuartigen Sanit\u00e4rkonzepte als Trockentrenntoilette mit semizentraler Behandlung in KG-Anlagen und Trockentrenntoilette mit Einbindung in ein gr\u00f6\u00dferes Biomasse-Verwertungskonzept gesehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In Deutschland stellen Kleing\u00e4rten einen festen Bestandteil des urbanen Lebensraums dar und erf\u00fcllen st\u00e4dtebauliche, soziale und \u00f6kologische Funktionen. Bundesweit gibt es rund 1,3 Millionen Kleing\u00e4rten (KG), die insgesamt etwa 50.000 ha umfassen. 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