{"id":25397,"date":"2023-07-13T15:28:08","date_gmt":"2023-07-13T13:28:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/28142-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:28:10","modified_gmt":"2023-07-13T13:28:10","slug":"28142-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/28142-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Entwicklung und Umsetzung einer Ufersicherungsbauweise f\u00fcr eine anthropogen umweltgesch\u00e4digte historische Gr\u00e4fte am Beispiel von Haus R\u00fcschhaus in M\u00fcnster unter Ber\u00fccksichtigung der Nachhaltigkeit und Umweltvertr\u00e4glichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Haus R\u00fcschhaus ist ein herausragendes Ensemble von Architektur und Gartenkunst mit internationaler Bedeutung. Die Gr\u00e4fte bildet den gestalteten Rahmen f\u00fcr Garten und Hof.<br \/>\nSeit Errichtung des Geb\u00e4udeensembles haben sich die hydrologischen Rahmenbedingungen deutlich ver\u00e4ndert. Stra\u00dfen- und Siedlungsbauten f\u00fchren heute zu stark schwankenden Wasserst\u00e4nden in der Gr\u00e4fte. Diese stellen besondere Anforderungen an den Uferverbau. Zu Beginn der 1980er Jahre wurde die Anlage nach Originalpl\u00e4nen aufw\u00e4ndig rekonstruiert, wobei die seitlichen Spundw\u00e4nde mit Tropenholz erneuert und gesichert wurden. Trotz kontinuierlicher Unterhaltungsarbeiten befinden sich weite Be-reiche der Einfassung der Gr\u00e4fte nach 25 Jahren wieder in sehr schlechtem Zustand. Es sollte eine Ufersicherung realisiert werden, die auf Tropenh\u00f6lzer verzichtet, im Erscheinungsbild die Anforderungen des Denkmalschutzes erf\u00fcllt und zugleich auch langlebig und wartungsfreundlich ist.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Rahmen der Vorplanungen wurde ein Verfahren zur Ufersicherung erarbeitet, das den Anforderungen an eine langlebige Ufersicherung gerecht wird. Gleichzeitig werden in besonderem Ma\u00dfe die Belange des Denkmalschutzes und des Umweltschutzes ber\u00fccksichtigt. Vor dem Hintergrund der angespannten \u00f6ffentlichen Haushalte ist zudem besonderer Wert auf eine nachhaltige L\u00f6sung gelegt worden.<\/p>\n<p>Die Stadt M\u00fcnster hat in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus den Bereichen Landschaftsarchitektur, Technische Denkmalpflege, Gartendenkmalpflege und Wasserbau einen intensiven fachlichen Austausch zum Thema Gr\u00e4ftensicherung am Haus R\u00fcschhaus gef\u00fchrt. Im Rahmen eines eint\u00e4gigen Workshops wurden M\u00f6glichkeiten und Anspr\u00fcche mit den benannten Fachleuten er\u00f6rtert. Bei einem Treffen der Landesdenkmalpfleger Deutschlands wurden ebenfalls verschiedene Bauweisen diskutiert. Als Ausbauziel wurde am Ende der verschiedenen Diskussionen eine Konstruktion angestrebt, die m\u00f6glichst langlebig und zugleich wartungsfreundlich ist. Als Leitmotiv sollte das von Holz gepr\u00e4gte Erscheinungsbild der Sanierung aus den 1980gern aufgegriffen und mit Eichenholz umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Aus diesen Vor\u00fcberlegungen wurde eine v\u00f6llig neue Verbaumethode entwickelt. Sie besteht aus zwei Komponenten: Einer Unterkonstruktion aus Stahl und den daran befestigten Holzbohlen. Im unteren Bereich wurden die B\u00f6schungen zudem mit Wasserbauschotter vor Nutria und Bisam gesichert.<br \/>\nBeschreibung der Konstruktion:<br \/>\n3 Meter lange Stahlpfosten aus IPB-100 wurden auf ca. 2 Meter L\u00e4nge in den Untergrund eingebracht. Der Abstand der Pfosten zueinander betr\u00e4gt ca. 3 Meter. An den Pfosten wurden Konsolen montiert, die \u00fcber Langl\u00f6cher um einige cm verschiebbar sind. Sie dienen zur Montage der l\u00e4ngsverlaufenden Stahlprofile. Unten wurde ein U-Profil 150&#215;7 so eingebaut, das es mit dem U nach oben zeigt. Oben wurde ein L-Profil 100&#215;8 angebracht. An der Vorderseite wurde eine Halfenschiene HM 38\/17 M12 angeschwei\u00dft. Anschlie\u00dfend wurden die Eichenbohlen in das U-Profil gestellt und an den Halfenschienen verschraubt.<br \/>\nDa die Gr\u00e4fte nicht nur gradlinige Uferverl\u00e4ufe aufweist, sondern auch diverse, vordefinierte und formal relevante Radien, war ein genaues Aufma\u00df der Bestandssituation sowie eine entsprechende Detailplanung erforderlich. Die Stahlelemente wurden im Werk, noch vor dem Verzinken, entsprechend gebogen und zugeschnitten. Die Konstruktion erm\u00f6glicht durch L\u00e4ngl\u00f6cher an allen Verbindungspunkten einen Montagespielraum von wenigen Zentimetern. Bei der Montage und auch dem Einmessen der Standorte f\u00fcr die Pfosten musste entsprechend genau gearbeitet werden.<br \/>\nIm Rahmen der Fertigung durch die Ausf\u00fchrungsfirma kam es produktionsbedingt zu kleineren Abweichungen zur urspr\u00fcnglich vorgesehenen Konstruktion. Diese Abweichungen sind im Wesentlichen auf die fertigungsspezifischen Bedingungen zur\u00fcckzuf\u00fchren. So war es, entgegen der Einsch\u00e4tzung w\u00e4hrend der Planungszeit, g\u00fcnstiger, Halfenschienen zu verarbeiten als Langl\u00f6cher entlang des oberen Holmes einzulassen. Dieses hat zudem den Vorteil, dass einzelne H\u00f6lzer zuk\u00fcnftig sehr einfach durch das L\u00f6sen einer Hutmutter ausgetauscht werden k\u00f6nnen. Erdarbeiten werden nicht mehr erforderlich.<br \/>\nHinter den Bohlen wurde eine Drainmatte eingebracht. Sie verhindert den direkten Boden-Holz-Kontakt und dass es zu Aussp\u00fclungen von Erdmaterial kommt.<br \/>\nAuftragnehmer bei der Stadt M\u00fcnster war Firma K\u00f6nning Garten- und Landschaftsbau GmbH, M\u00fcnster.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Bauzeit wurde wiederholt in der \u00f6rtlichen Presse \u00fcber die Arbeiten berichtet. Zudem hat der WDR einen detaillierten Bericht \u00fcber die Bautechnik ausgestrahlt. Nach Abschluss der Arbeiten wird noch eine umfassende Projektdokumentation verfasst. Diese soll u. a. \u00fcber das Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau IRB abrufbar sein. Unter der st\u00e4dtischen Homepage soll die Dokumentation ebenfalls angeboten werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Planungs- und Detailierungsphase war langwierig und zeitaufw\u00e4ndig. Bei verschiedensten Fragestellungen konnte nicht auf bestehende Erfahrungen zur\u00fcckgegriffen werden. Dank der guten und konstruktiven Zusammenarbeit aller am Projekt Beteiligten gelang es, die an das Projekt gestellten Erwartungen vollst\u00e4ndig zu erf\u00fcllen.<br \/>\n&#8211;\tDer historische Zustand und Linienverlauf wurde durch ein denkmalpflegerisches Aufma\u00df verortet.<br \/>\n&#8211;\tIn einer kurzen Bauzeit von nur 12 Wochen, konnten alle Arbeiten erfolgreich abgeschlossen werden.<br \/>\n&#8211;\tSelbst die komplizierten Uferverl\u00e4ufe des Barockgartens mit verschiedenen Radien konnten exakt nachgebildet werden.<br \/>\n&#8211;\tDurch eine arch\u00e4ologische Begleitung wurden die w\u00e4hrend der Bauzeit freigelegten Funde   dokumentiert und vor Ort belassen.<br \/>\n&#8211;\tDie Bauabwicklung konnte so organisiert werden, dass der bestehende Barockgarten nicht gesch\u00e4digt wurde. F\u00fcr den weiter laufenden Museumsbetrieb wurden die Behinderungen minimiert.<\/p>\n<p>Da die Gr\u00e4fte relativ starken Wasserstandsschwankungen ausgesetzt ist, gilt es nun noch Erfahrungen \u00fcber die Lebensdauer der unbehandelten Eichenbohlen zu sammeln. Dank der reparaturfreundlichen Konstruktion wird der Austausch von Bohlen aber problemlos m\u00f6glich sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Haus R\u00fcschhaus ist ein herausragendes Ensemble von Architektur und Gartenkunst mit internationaler Bedeutung. Die Gr\u00e4fte bildet den gestalteten Rahmen f\u00fcr Garten und Hof. Seit Errichtung des Geb\u00e4udeensembles haben sich die hydrologischen Rahmenbedingungen deutlich ver\u00e4ndert. Stra\u00dfen- und Siedlungsbauten f\u00fchren heute zu stark schwankenden Wasserst\u00e4nden in der Gr\u00e4fte. 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