{"id":25342,"date":"2023-07-13T15:28:00","date_gmt":"2023-07-13T13:28:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/27821-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:28:01","modified_gmt":"2023-07-13T13:28:01","slug":"27821-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/27821-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung eines Softwaremoduls zur Prognose von Ruhezeiten f\u00fcr Erdbestattungen unter Ber\u00fccksichtigung pedologischer, klimatischer und standortspezifischer Parameter"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Zur Planung und kosteneffizienten Nutzung von Friedhofsfl\u00e4chen ist eine konkrete Festlegung von Ruhezeiten f\u00fcr Erdbestattungen und eine Vermeidung von Verwesungsst\u00f6rungen unabdinglich. Ziel des Projektes war die Erarbeitung eines Softwaretools, das in Abh\u00e4ngigkeit klimatischer, pedologischer und standortspezifischer Einflussparameter individuelle Ruhezeiten f\u00fcr Friedhofsstandorte berechnet. Das Werkzeug sollte zur Visualisierung der Ergebnisse an die GIS-Komponente f\u00fcr Friedhofsverwaltungssysteme angebunden werden. Unter Vorgabe der o. a. Einflussparameter wurde vom Programm die Ruhefrist f\u00fcr einen Leichnam berechnet. Bestattungstechnisches Fehlverhalten sowie Ver\u00e4nderungen der nat\u00fcrlichen Abbaurate sollten im EDV-Tool nicht integriert werden, da davon ausgegangen werden konnte, dass in der zuk\u00fcnftigen Friedhofsnutzung durch die Anwendung der Grunds\u00e4tze der guten fachlichen Praxis Fehler der Vergangenheit vermieden werden.<br \/>\nDas Softwaretool sollte so ausgelegt werden, dass es mit leicht zug\u00e4nglichen und kosteng\u00fcnstigen Daten einsetzbar war.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZu Beginn erfolgte die Vereinfachung vorhandener Modellberechnungen auf die wesentlichen Parameter. Hierzu wurden die pedologischen Einflussfaktoren (Textur, luftgef\u00fclltes Porenvolumen bzw. Diffusionskoeffizient) sowie deren Einfluss auf die Ruhezeit mathematisch beschrieben. Anschlie\u00dfend musste der Einfluss klimatischer Faktoren (Bodentemperatur, Bodenwassergehalt sowie Niederschlagsmengen und -verteilung) auf die Verwesung und damit auf die Ruhezeiten in die Berechnungen integriert werden. Des Weiteren erfolgte die Quantifizierung des Einflusses von Grabpflege und -gestaltung (Versiegelung, Vegetation, Bew\u00e4sserung) auf die Verwesung und Ruhezeit.<br \/>\nAus den erarbeiteten mathematischen Zusammenh\u00e4ngen erfolgte die Programmierung einer Software-Anwendung, aufgeteilt in die Erarbeitung des Softwarekerns, die Nutzeroberfl\u00e4che und die Anbindung in die GIS-Komponente.<br \/>\nWeiterf\u00fchrend sollte das erarbeitete Modul anhand konkreter Friedhofssituationen bzw. anhand vorhandener Daten zu Friedh\u00f6fen \u00fcberpr\u00fcft werden. Anschlie\u00dfend sollten die Ver\u00f6ffentlichung der Projektergebnisse und die Markteinf\u00fchrung des Softwaremoduls erfolgen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die mathematische Modellierung wurde im Rahmen einer Java-Programmierung in die Software-Anwendung RuheSoft umgesetzt, die der Bestimmung der erforderlichen Ruhefrist f\u00fcr die Leichenumsetzung dient.<br \/>\nRuheSoft kann in zwei Anwendungsformen genutzt werden:<br \/>\n1.\tRuheSoft bietet als Stand-alone-Anwendung die M\u00f6glichkeit, die Ruhefrist f\u00fcr eine Fl\u00e4che (Friedhof oder eine Teilfl\u00e4che davon) zu berechnen. Weiterhin k\u00f6nnen beliebige Variationen von Einzelparametern vorgenommen werden.<br \/>\n2.\tRuheSoft als Plugin kann f\u00fcr das GIS OpenJump und DGF4 (RuheSoft OpenJump) verwendet werden, um so neben der Modellierung und Ergebnisdarstellung auch eine r\u00e4umliche Visualisierung der Ergebnisse zu erm\u00f6glichen.<br \/>\nZu vereinfachenden Anwendung sind als Minimaldaten nur Bodeninformation (Bodenartengruppe) und Klimadaten (Klimatische Wasserbilanz) einzugeben, w\u00e4hrend andere Parameter wie Gewicht der Leiche, Gewicht des Sarges, Tiefe des Grabes, Zusatzbew\u00e4sserung, Sargholz und Grababdeckung als Standardwerte vorgeschlagen werden, aber ver\u00e4nderbar sind.<br \/>\nIm Rahmen der mathematischen Modellierung stellte sich heraus, dass speziell f\u00fcr den Bereich Friedhof und die damit verbundene Betrachtung des Untergrundes bis in 2 m Tiefe oder in Einzelf\u00e4llen sogar dar\u00fcber hinaus nahezu keine bodenkundlichen Grundlagenuntersuchungen zu Fragen der Diffusion vorlagen.<br \/>\nAuch bei der Frage nach der biologischen Umsetzung von Sargholz im Boden liegen keine ausreichenden Untersuchungen vor, so dass hier zun\u00e4chst nur mit einem kalorimetrischen Ansatz gearbeitet wird.<br \/>\nBei der besonderen Betrachtung von Grababdeckungen kann der Anwender zwar die Fl\u00e4chenabdeckung variieren, es musste hier aber mit einem vereinfachten Ansatz gearbeitet werden, weil keine experimentellen Kenntnisse \u00fcber die Sauerstoffversorgung bei Grabdeckungen vorliegen.<br \/>\nHierzu w\u00e4re es im Rahmen einer weitergehenden Entwicklung des Modells und einer Verfeinerung der Aussagen w\u00fcnschenswert, wenn die spezielle Frage von Umsetzungsbedingungen im Untergrund bear-beitet werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Rahmen verschiedener Veranstaltungen wurden Friedhofsverwaltungen \u00fcber die Entwicklung und Anwendung von RuheSoft informiert:<br \/>\n1.\tFr\u00fchjahrstagung des Verbandes der Friedhofsverwalter Deutschlands-VFD in Essen (21. bis 22. Januar 2010)<br \/>\n2.\tSommer-Fortbildungsseminar des VFD am Seddiner See (16. bis 18. August)<br \/>\n3.\tFriedhofskulturelle Tagung in Bad Nauheim (10. und 11.9.2010)<br \/>\nWeiterhin wurde an der Akademie f\u00fcr \u00f6ffentliches Gesundheitswesen in D\u00fcsseldorf (15.9.2010) die Software-Anwendung RuheSoft auch in der speziellen Anwendung f\u00fcr Aufsichts- und Genehmigungsbe-h\u00f6rden des \u00f6ffentlichen Gesundheitswesens pr\u00e4sentiert.<br \/>\nIn Heft 10\/2010 der FRIEDHOFSKULTUR erschien unter dem Titel RuheSoft zur Ermittlung der Ruhefrist der erste Teil eines umfassenden Fachbeitrages \u00fcber RuheSoft. Der 2. Teil ist f\u00fcr Februar 2011 geplant.<br \/>\nWeiterhin soll im Heft 1\/2011 Der Hygieninspektor eine umfassende Darstellung zu RuheSoft erscheinen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Anwendung RuheSoft stellt erstmals eine einfach zu bedienende Softwareanwendung dar, die es im Rahmen einer Simulation erlaubt, den Leichenabbau zeitlich dimensioniert darzustellen.<br \/>\nDurch die M\u00f6glichkeit der Variation einzelnen Parameter wie Gewicht der Leiche, Gewicht des Sarges, Tiefe des Grabes, Zusatzbew\u00e4sserung, Sargholz und Grababdeckung k\u00f6nnen an einem Standard bei gleichbleibender Bodenart und Klimabedingungen die Auswirkungen auf den Leichenabbau simuliert werden.<br \/>\nDer Anwender erh\u00e4lt Einblick in M\u00f6glichkeiten und Grenzen, im Rahmen eines gezielten Fl\u00e4chenmanagement, den Verwesungsprozess zu steuern und auch die Ruhefrist zu variieren.<br \/>\nF\u00fcr gro\u00dffl\u00e4chige Planung kann zudem mit dem Modul RuheSoft OpenJump eine GIS-gest\u00fctzte Auswertung durchgef\u00fchrt werden. Weiterhin besteht die M\u00f6glichkeit, RuheSoft als Planungswerkzeug f\u00fcr die Friedhofsverwaltungssysteme HADES und FIM einzusetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Zur Planung und kosteneffizienten Nutzung von Friedhofsfl\u00e4chen ist eine konkrete Festlegung von Ruhezeiten f\u00fcr Erdbestattungen und eine Vermeidung von Verwesungsst\u00f6rungen unabdinglich. Ziel des Projektes war die Erarbeitung eines Softwaretools, das in Abh\u00e4ngigkeit klimatischer, pedologischer und standortspezifischer Einflussparameter individuelle Ruhezeiten f\u00fcr Friedhofsstandorte berechnet. 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