{"id":25291,"date":"2023-07-13T15:27:54","date_gmt":"2023-07-13T13:27:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/27643-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:27:54","modified_gmt":"2023-07-13T13:27:54","slug":"27643-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/27643-01\/","title":{"rendered":"Untersuchungen zur Leistungsf\u00e4higkeit von Bordkl\u00e4ranlagen mit Membrantechnik und Optimierung des Anlagenbetriebs an Bord von Flusskreuzfahrtschiffen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bordkl\u00e4ranlagen k\u00f6nnen zur Behandlung h\u00e4uslicher Abw\u00e4sser auf Fahrgastbinnenschiffen eingesetzt werden und stellen eine Alternative zum Entsorgungsweg der Abwasserspeicherung an Bord und Abgabe an Land dar. Aufgrund der Raumknappheit m\u00fcssen Bordkl\u00e4ranlagen wie alle technischen Anlagen an Bord der Schiffe kompakt ausgef\u00fchrt werden.<br \/>\nZielsetzung des Projektes war es, den Betrieb von Membranbelebungsanlagen an Bord von Flusskreuzfahrtschiffen erstmals wissenschaftlich zu untersuchen. Da mit Membranbelebungsanlagen deutliche Platzeinsparungen realisiert werden k\u00f6nnen, lassen sich Betriebsprobleme von konventionellen Anlagen vermeiden, die als Folge der erforderlichen kompakten Bauformen aufgrund zu geringer Kapazit\u00e4tsreserven auftreten k\u00f6nnen.<br \/>\nDer Kenntnisstand in den Bereichen Leistungsf\u00e4higkeit, Betriebsstabilit\u00e4t und Betriebskosten von Membranbordkl\u00e4ranlagen sowie allgemein zur Abwassersituation auf Flusskreuzfahrtschiffen sollte verbessert werden. Es sollten Grundlagen geschaffen werden, auf deren Basis zuk\u00fcnftig eine verbesserte Anlagenplanung und ein verbesserter Anlagenbetrieb erfolgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAn Bord von zwei Flusskreuzfahrtschiffen wurde der Betrieb von Membranbordkl\u00e4ranlagen begleitet und die Abwassersituation im Zulauf ermittelt. Die Untersuchungen erfolgten w\u00e4hrend mehrt\u00e4giger Messphasen und Einzelmessungen. Anlagensteuerung und -\u00fcberwachung oblagen dem Betriebspersonal. Untersucht wurden Membranbelebungsanlagen vom Typ BMA 300 des Projektpartners Martin Systems AG.<br \/>\nZur Bestimmung der Leistungsf\u00e4higkeit wurden Zu- und Ablauf der Membranbordkl\u00e4ranlagen beprobt. Weitere Betriebsdaten wurden mit Hilfe der Anlagensteuerungen erfasst. Zur Ermittlung der Abwassersituation wurden zus\u00e4tzliche Probenahmestellen in die Grau-, Schwarz- und K\u00fcchenabwasserleitungen installiert. An Bord eines Schiffes wurden die Abwasserleitungen zus\u00e4tzlich mit magnetisch-induktiven Durchflussmessern ausger\u00fcstet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>1) Es wurde nachgewiesen, dass die geforderten Grenzwerte f\u00fcr den Parameter CSB von 125 mg\/l und f\u00fcr den Parameter BSB5 von 25 mg\/l mit der installierten Anlagentechnik eingehalten werden k\u00f6nnen. Die aufgrund der hohen Schmutzkonzentrationen im Rohabwasser erforderlichen Eliminationsleistungen von, zum Teil deutlich, gr\u00f6\u00dfer  90 % wurden erreicht. Beide Bordkl\u00e4ranlagen arbeiteten entsprechend den eingestellten Betriebsparametern stabil, w\u00e4hrend des Projektzeitraumes wurden keine Betriebsprobleme festgestellt.<br \/>\n2) Der Wasserbedarf an Bord der untersuchten Schiffe wurde durch den Einsatz von Vakuumanlagen zur Ableitung der Schwarzw\u00e4sser und durch Wasserspararmaturen gepr\u00e4gt. Der mittlere personen-spezifische Abwasseranfall an Bord wurde zu 124 l\/d ermittelt. Im Zulauf zu den Bordkl\u00e4ranlagen wurden hohe organische Schmutzfrachten mit umgerechnet bis zu 3 Einwohnerwerten je Person festgestellt (Basis 60 g BSB5\/EW).<br \/>\n3) Die Auslegung von Bordkl\u00e4ranlagen f\u00fcr Flusskreuzfahrtschiffe sollte ausreichende Kapazit\u00e4tsreserven ber\u00fccksichtigen, um aus bemessungstechnischer Sicht einen stabilen Betrieb zu gew\u00e4hrleisten. Auf Basis des aktuellen Kenntnisstandes wird in Abh\u00e4ngigkeit der Speiseabfallentsorgung hinsichtlich der organischen Schmutzfracht ein Ansatz zwischen 2,5 bis 3 Einwohnerwerten je Person empfohlen. Aufgrund der sehr hohen Zusatzbelastungen sollten an Bord der Schiffe zur (Teil-) Entsorgung von Speiseabf\u00e4llen keine Kompaktoren betrieben werden. Der Einsatz ist weder \u00f6kologisch noch \u00f6konomisch sinnvoll.<br \/>\n4) Die Reststoffentsorgung konnte im Rahmen des Projektes nur ansatzweise untersucht werden. Sie wird aber aufgrund unzureichend vorhandener Abgabem\u00f6glichkeiten zurzeit noch als problematisch erachtet. Die Reduzierung der an Land abzugebenden Reststoffmengen durch Aufkonzentrierungs- und Desintegrationsma\u00dfnahmen k\u00f6nnen zur Verbesserung der Situation beitragen. Das grunds\u00e4tzliche Problem fehlender \u00dcbergabestellen muss jedoch in Zukunft gel\u00f6st werden.<br \/>\n5) F\u00fcr den Einsatz von Membranbordkl\u00e4ranlagen wurden exemplarisch auf Basis von Membranersatz-, Reststoffentsorgungs- und Wartungskosten fahrgastspezifische Kosten zwischen 0,22 und 0,78 \u0080\/d in Abh\u00e4ngigkeit unterschiedlicher Entsorgungsgeb\u00fchren f\u00fcr Reststoffe und mittlerer j\u00e4hrlicher Auslastungsgrade ermittelt. Belastbare Aussagen zur Standzeit der Membranen k\u00f6nnen aktuell nicht getroffen werden. Offen ist zurzeit die Frage, inwieweit Reststoffe zuk\u00fcnftig in Kanalsysteme eingeleitet werden k\u00f6nnen, bzw. mittels Saugwagen zu entsorgen sind und wie hoch der Kostenaufwand dazu ist.<br \/>\n6) Es ist davon auszugehen, dass f\u00fcr Membranbordkl\u00e4ranlagen gegen\u00fcber konventionellen Bordkl\u00e4ranlagen h\u00f6here Investitions- und Betriebskosten aufzuwenden sind. Unter dem Gesichtspunkt der hohen Reinigungsleistung in Kombination mit der kompakten Ausf\u00fchrung verf\u00fcgen Bordkl\u00e4ranlagen mit Membrantechnik \u00fcber Vorteile gegen\u00fcber konventionellen Bordkl\u00e4ranlagen. Ein weitergehender \u00f6konomischer und \u00f6kologischer Vergleich ist aufgrund fehlender Informationen zurzeit nicht m\u00f6glich.<br \/>\n7) Betrieb und Kosten von Bordkl\u00e4ranlagen k\u00f6nnen durch technische und strategische Ma\u00dfnahmen optimiert werden. M\u00f6glich sind der Einsatz von Datenfernwirktechniken zur Betriebs\u00fcberwachung sowie die Reduzierung an Land abzugebender Reststoffmengen durch Aufkonzentrierungs- und Desintegrationsma\u00dfnahmen. Hierzu sind weitere Untersuchungen erforderlich.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Erkenntnisse werden nach Abschluss des Projektes dem betroffenen Gewerbe sowie weiteren Verantwortlichen zug\u00e4nglich gemacht. Geplant sind Ver\u00f6ffentlichungen in Fachzeitschriften, die Zusendung der Ergebnisse an die Zentralkommission f\u00fcr die Rheinschifffahrt (verantwortlich f\u00fcr technische Ausr\u00fcstungen von Binnenschiffen) sowie an die Interessensgemeinschaft der Flusskreuzfahrt-Reedereien IG River Cruise in Basel, die nach eigenen Angaben aktuell 85% des europ\u00e4ischen Flusskreuzfahrtenmarkts vertritt. Die Zielgruppe wird dadurch erreicht. Das Projekt wurde bisher in der Informationsbrosch\u00fcre acwa-aktuell, Ausgaben 7 und 8, der Aachener Institute f\u00fcr Siedlungswasserwirtschaft vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Rahmen des Projektes konnte die Leistungsf\u00e4higkeit der Membrantechnik nachgewiesen werden. Wichtige Erkenntnisse zum Bordkl\u00e4ranlagenbetrieb wurden gewonnen. Die Ergebnisse sind auf andere Schiffe jedoch nur begrenzt \u00fcbertragbar. Weitere Untersuchungen zur Absicherung des Kenntnisstandes zur Abwassersituation auf Flusskreuzfahrtschiffen werden als notwendig erachtet. Sie stellen die entscheidende Basis f\u00fcr Auslegungen von Bordkl\u00e4ranlagen dar. Untersuchungen an konventionellen Bordkl\u00e4ranlagen sollten durchgef\u00fchrt werden, um den allgemeinen Stand der Bordkl\u00e4ranlagentechnik gesichert darstellen, Defizite aufdecken und Optimierungsma\u00dfnahmen erarbeiten zu k\u00f6nnen. Ein interessanter Aspekt k\u00f6nnte in Zukunft die Nachr\u00fcstung konventioneller Bordkl\u00e4ranlagen mit Membrantechnik sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bordkl\u00e4ranlagen k\u00f6nnen zur Behandlung h\u00e4uslicher Abw\u00e4sser auf Fahrgastbinnenschiffen eingesetzt werden und stellen eine Alternative zum Entsorgungsweg der Abwasserspeicherung an Bord und Abgabe an Land dar. Aufgrund der Raumknappheit m\u00fcssen Bordkl\u00e4ranlagen wie alle technischen Anlagen an Bord der Schiffe kompakt ausgef\u00fchrt werden. 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