{"id":25275,"date":"2024-11-27T10:38:48","date_gmt":"2024-11-27T09:38:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/27559-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:38:51","modified_gmt":"2024-11-27T09:38:51","slug":"27559-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/27559-01\/","title":{"rendered":"Einf\u00fchrung integrativer Naturschutzstrategien im geplanten FFH-Gebiet Klausenburger H\u00fcgelland (Rum\u00e4nien) zur Erhaltung europaweit bedeutender Vorkommen gef\u00e4hrdeter Arten und ihrer Lebensr\u00e4ume"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Seit den 1990ern sind in den l\u00e4ndlichen Regionen Siebenb\u00fcrgens (Rum\u00e4nien) ein R\u00fcckgang der traditionellen kleinb\u00e4uerlichen Landwirtschaft und \u00dcberalterung der Bev\u00f6lkerung festzustellen. Dieser Wandel hat negative Auswirkungen auf das naturschutzfachlich oft hoch bedeutsame Kulturgrasland, vor allem auf die artenreichen, mageren Heuwiesen. Diese Lebensr\u00e4ume zeichnen sich im Projektgebiet durch das europaweit einzige Vorkommen aller Arten der Ameisenbl\u00e4ulinge (Maculinea spp.) und durch die weltweit h\u00f6chste Pflanzenartenvielfalt auf kleinen Fl\u00e4chen aus.<br \/>\nDas Ziel des Mozaic-Projektes war es, einen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft des FFH-Gebietes \u00d6stliches Klausenburger H\u00fcgelland und der bedeutenden Vorkommen gef\u00e4hrdeter Arten und ihrer Lebensr\u00e4ume zu leisten. Die Schutzbem\u00fchungen sollten sich von der traditionellen Landutzung ableiten und als integrative Ma\u00dfnahmen die lokale Bev\u00f6lkerung mit einbeziehen.<br \/>\nZu diesem Zweck wurden Probleme bei der Einf\u00fchrung von Agrarumweltma\u00dfnahmen untersucht und anhand eines Pilotprogramms L\u00f6sungsstrategien entwickelt, um in Zukunft \u00f6kologisch relevante Leistungen der Landwirtschaft honorieren und ihre Weiterf\u00fchrung f\u00f6rdern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt verband naturschutzfachliche und wissenschaftliche Untersuchungen im Bereich \u00d6kologie, Sozio\u00f6konomie und Agrarpolitik mit einem angewandten Schwerpunkt, zu dem die Erstellung eines Managementplanes und die Durchf\u00fchrung von Pilot-Vertragsnaturschutzma\u00dfnahmen auf ausgew\u00e4hlten Heuwiesenfl\u00e4chen geh\u00f6rten. Das Projekt gliederte sich in 5 Bereiche:<br \/>\n1.\tNaturschutzfachliche Analyse des Untersuchungsgebietes (Vegetation, priorit\u00e4re Schmetterlingsarten) und der Landnutzung sowie Erstellen eines ersten Managementplans<br \/>\n2.\tUmsetzung von Pilot-Vertragsnaturschutzma\u00dfnahmen in ausgew\u00e4hlten traditonellen Heuwiesen<br \/>\n3.\tVorbereitung der langfristigen Durchf\u00fchrung von Vertragsnaturschutz, agrarpolitische Aktivit\u00e4ten<br \/>\n4.\tAustausch mit der Bev\u00f6lkerung \u00fcber die Wertsch\u00e4tzung der Kulturlandschaft und integrative Naturschutzkonzepte, Information \u00fcber Natura 2000 und Umweltbildung f\u00fcr Kinder<br \/>\n5.\t\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation der Projektergebnisse.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>1.\tIn den Projektgemeinden sind ca. 5740 ha von Kulturgrasland bedeckt, das sind 51% der Gemeindefl\u00e4che und 62% der landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4che. Ungef\u00e4hr 1\/3 des Gr\u00fcnlandes sind Wiesen und 2\/3 Weiden. Das gesamte Gr\u00fcnland ist naturnah und kann 6 verschiedenen pflanzensoziologischen Verb\u00e4nden zugeordnet werden, von denen die halbtrockenen kontinentalen Wiesensteppen, Pfeifengraswiesen und kontinentalen Trockenrasen hervorzuheben sind. Die Untersuchungen der Ameisenbl\u00e4ulinge haben gezeigt, dass sich die Populationen je nach Heuwiese deutlich in ihrer Gr\u00f6\u00dfe unterscheiden und dass die Individuenzahl je nach Art zum Teil \u00fcber die Jahre konstant geblieben ist, zum Teil aber auch abgenommen hat.<br \/>\n2.\tDas Pilot-Vertragsnaturschutzprogramm f\u00fcr die Mahd traditioneller Heuwiesen wurde im Jahr 2011 durchgef\u00fchrt. Das fr\u00fcheste Mahddatum war der 25, August, die Rate betrug 140\/200\u0080 \/ ha f\u00fcr maschinelles\/manuelles M\u00e4hen. An dem Pilotprogramm nahmen 29 Landwirte teil und es wurden f\u00fcr 33,5 ha Vertr\u00e4ge abgeschlossen. Davon sind 19,5 ha (32 Parzellen) gem\u00e4ht worden, das entspricht 58% der Fl\u00e4che unter Vertrag. Ein h\u00e4ufiges Problem der Landwirte war es, Tagel\u00f6hner f\u00fcr das M\u00e4hen zu finden. Was die Durchf\u00fchrung und das positive Image des Pilotprogramms betrifft wurden die gesetzten Ziele erreicht und sogar \u00fcbertroffen. Des Weiteren konnten wichtige Erkenntnisse f\u00fcr die Fortsetzung des Pilotprogramms 2012 und das nationale Vertragsnaturschutzprogramm gewonnen werden, wie beispielsweise: 1. Das sp\u00e4te Mahddatum hat vor allem f\u00fcr die aktiven Subsistenzbauern mit Milchviehhaltung die gr\u00f6\u00dften Nachteile, deshalb wurde das Programm im Mozaic-Projekt II (DBU AZ 30167) weiterentwickelt. 2. Die illegale Schafbeweidung der Wiesen im Sommer tr\u00e4gt zur Aufgabe der Mahd bei. 3. In vielen F\u00e4llen kennen die Landwirte die Lage der eigenen Parzellen nicht. 4. Die Zusammenarbeit zwischen den Landwirten sollte gef\u00f6rdert werden.<br \/>\n3.\tIm Jahr 2012 wurden die lokale Bev\u00f6lkerung und Gemeindeverwaltungen \u00fcber ein neu eingef\u00fchrtes nationales Vertragsnaturschutzprogramm informiert. Untersuchungen zur Umsetzung der Agrarsubventionen im Allgemeinen haben Folgendes ergeben: 1. Der Ablauf der online-Antragstellung sollte verbessert werden. 2. ca. 10% der Parzellen sind von allen fl\u00e4chengebundenen Subventionen ausgeschlossen, da sie nicht die Mindestgr\u00f6\u00dfe von 0,3 ha erreichen. 3. die Entscheidung dass die Landwirte in den Projektgemeinden keine Agrarumweltvertr\u00e4ge f\u00fcr HNV-Gr\u00fcnland abschlie\u00dfen k\u00f6nnen, ist falsch, wie unsere Daten beweisen. In Workshops und durch die Zusammenarbeit mit anderen NGOs wurden folgende \u00c4nderungsvorschl\u00e4ge des nationalen Agrarumweltprogramms erarbeitet: 1. \u00c4nderung der F\u00f6rderf\u00e4higkeit der HNV-Gr\u00fcnland-Vertragsnaturschutzpakete; 2. Zwei unterschiedliche Programme f\u00fcr Heuwiesen und Weiden; 3. Festsetzung des fr\u00fchesten Mahddatums auf Anfang Juni; 4. Entscheidung der Verf\u00fcgbarkeit der Vertragsnaturschutzprogramme auf Parzellenebene; 5. Herabsetzung der Mindestgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr Parzellen; 6. Ber\u00fccksichtigung von Einachsm\u00e4hern in den Subventionsprogrammen.<br \/>\n4.\tEs wurde eine Informationsveranstaltung f\u00fcr die B\u00fcrgermeister aller Gemeinden des FFH-Gebiets organisiert. In den Projektgemeinden wurden an den Schulen Umweltbildungsaktivit\u00e4ten durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Projektmitarbeiter stellten die Ergebnisse auf 11 wissenschaftlichen Tagungen im In- und Ausland vor und ver\u00f6ffentlichten 4 Berichte bzw. Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften. Mit der lokalen Bev\u00f6lkerung wurden die Ergebnisse bei Treffen zum Pilotprogramm diskutiert. Im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsarbeit wurde eine Projektwebseite erstellt (www.mozaic-romania.org), Informationsmaterial in Form eines Faltblatts und von Informationsbl\u00e4ttern ver\u00f6ffentlicht und im Jahr 2012 ein Heuwiesenfest in einer der Projektgemeinden veranstaltet, an dem mehr als 80 G\u00e4ste teilnahmen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Durchf\u00fchrung von Pilot-Vertragsnaturschutzprogrammen erm\u00f6glicht neben der unmittelbaren Schutzwirkung auf naturnahe Graslandhabitate auch das Verstehen grundlegender Herausforderungen des Vetragsnaturschutzes und Testen neuer Aspekte. Der lokalen Bev\u00f6lkerung wird signalisiert, dass die nat\u00fcrlichen Ressourcen einen Wert f\u00fcr die Gemeinschaft darstellen. Nicht zuletzt kann ein Pilotprogramm mit vergleichsweise geringen finanziellen Ressourcen durchgef\u00fchrt werden.<br \/>\nEs besteht ein dringender Bedarf an Daten und Informationen \u00fcber die Umsetzung und den Erfolg der staatlichen Agrarumweltprogramme. Des Weiteren muss das Agrarumweltschutzprogramm Rum\u00e4niens f\u00fcr die EU-F\u00f6rderperiode 2014-2020 weiter entwickelt werden.<br \/>\nEine wichtige Zielsetzung m\u00f6glicher Projekte im l\u00e4ndlichen Raum Siebenb\u00fcrgens ist es, den Informationsstand der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung, v. a. der Kleinbauern \u00fcber F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten zu verbessern und die Zusammenarbeit zwischen den Landwirten zu unterst\u00fctzen. Des Weiteren besteht in Rum\u00e4nien ein gro\u00dfer Bedarf an gut ausgebildetem wissenschaftlichem Nachwuchs.<br \/>\nEin wichtiges Projektziel, die Sicherung der Nachhaltigkeit, wurde durch die erfolgreiche Beantragung des Mozaic-Projekts II bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (AZ 30167) und durch die Gr\u00fcndung des Mozaic-Vereins mit Sitz in Cluj erreicht (www.mozaic-romania.org).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Seit den 1990ern sind in den l\u00e4ndlichen Regionen Siebenb\u00fcrgens (Rum\u00e4nien) ein R\u00fcckgang der traditionellen kleinb\u00e4uerlichen Landwirtschaft und \u00dcberalterung der Bev\u00f6lkerung festzustellen. Dieser Wandel hat negative Auswirkungen auf das naturschutzfachlich oft hoch bedeutsame Kulturgrasland, vor allem auf die artenreichen, mageren Heuwiesen. 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