{"id":25217,"date":"2025-08-02T10:32:04","date_gmt":"2025-08-02T08:32:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/27360-01\/"},"modified":"2025-08-02T10:32:05","modified_gmt":"2025-08-02T08:32:05","slug":"27360-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/27360-01\/","title":{"rendered":"Artenschutz im Gottesgarten &#8211; Ma\u00dfnahmen zum Dohlenschutz am Kloster Banz"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das ehemalige Benediktinerkloster Kloster Banz, gelegen im so genanntenFr\u00e4nkischen Gottesgarten am Obermain, ( Bayern \/ Oberfranken \/  Landkreis Lichtenfels \/ Stadt Bad Staffelstein )  das sich seit 1979 im Besitz der CSU- nahen Hanns Seidel Stiftung befindet und seither als \u00fcberregional anerkannte Bildungsst\u00e4tte verwendet wird. Als auch die markante Klosterkirche von Kloster Banz, die 1719 geweiht wurde und im Besitz der Kirchenstiftung Banz \/ Altenbanz befindlich ist , stehen im Fokus einer nicht allt\u00e4glichen Projektreihe, die Artenschutz- Denkmalschutz und Umweltbildung in sich vereint.  Das Projekt m\u00f6chte konkret und exemplarisch darstellen wir alle im Vorfeld benannten Komponenten in Einklang zu einander zu setzen sind, um hochwertige Kulturdenkm\u00e4ler aus dem Gesichtpunkt der Lebensraumerhaltung im Bestand teils stark r\u00fcckl\u00e4ufiger Tierarten, ohne den Eindruck einer optischen, hygienischen und funktionellen Beeintr\u00e4chtig der Bauwerke auftreten zu lassen, zu konservieren sind.  Vielfach vom Menschen ihren urspr\u00fcnglichen Lebensr\u00e4umen beraubt, bzw. erst aus Gr\u00fcnden einer mehr und mehr zutage tretenden menschlichen Lebensraumver\u00e4nderung in die Lage versetzt neue Lebensst\u00e4tten zu erschlie\u00dfen, gelang es zahlreichen so genannten Kulturfolgenden  Spezies sich auf Sekund\u00e4rbiotope einzustellen. Exponiert gelegenen Bauwerke, wie beispielsweise Schl\u00f6sser, Burgen sowie pr\u00e4gnante kirchliche Geb\u00e4ude als steinerne Sekund\u00e4rform ( Kunstfelsen ) menschlicher Pr\u00e4gung , kamen und kommen diesbez\u00fcglich im Rahmen der Biodiversit\u00e4t auch heute noch einer ganz besonderen Bedeutung zu. Dabei sind aktuell jedoch tendenzielle, vielfach stark negative Auspr\u00e4gungen erkennbar. Diese wirken sich konkret und direkt auf die sich hier vielfach letztmalig reproduzierenden Lebensformen aus. Die umfangreiche Klosteranlage musste in den vergangenen Jahrzehnten h\u00f6chst umfangreichen Sanierungsma\u00dfnahmen unterzogen werden um den damals deutlich voranschreitenden Verfall zu stoppen. Mit hohem finanziellem Aufwand konnte das Kloster, nebst sich unmittelbar daran anschlie\u00dfender Klosterkirche vor dem Verfall gerettet werden und in neuem Glanz erstrahlen. So erfreulich sich die Sanierungsma\u00dfnahmen f\u00fcr die bauliche Substanz erwiesen, so negativ wirkten sich die Arbeiten auf die sich seit Jahrhunderten am Bauwerk befindlichen \/ reproduzierenden Vogelarten- und S\u00e4ugetiere aus. Diese werden landl\u00e4ufig unter dem Oberbegriff Geb\u00e4udebr\u00fcter zusammengefasst. War das Projekt in seiner urspr\u00fcnglich angedachten Form auf die alleinige Sicherung der letzen gro\u00dfen an Bauwerken Oberfrankens reproduzierenden Dohlenkolonie ausgerichtet, wurde das Projekt in 2009 in seiner Umf\u00e4nglichkeit auf Optimierungsprojektionen aller am Bauwerk ( Fortpflanzungs-) best\u00e4tigten Individuen und deren Lebensst\u00e4tten ausgelegt. Ein besonderer Schwerpunkt wurde dabei auf die Verbindung zwischen Denkmalschutz- Artenschutz- und erlebbarer Umweltbildung gelegt.<br \/>\nProblemstellung:<br \/>\nDurch den offensichtlichen Mangel an geeigneten Fortpflanzungstellen weichen die Tiere auf suboptimale Standorte aus, die zum einen eine erh\u00f6hte Populationssterblichkeit ( Jungensterblichkeit ), sowie eine vielfach starke Beeintr\u00e4chtigung der Bauwerke ( Kotverschmutzung \/ Nistmaterialverschmutzung ) hervorrufen. In ganz besonderem Ma\u00dfe ist hierbei die markante, mit Sandsteinfiguren besetzte Fassade der Pfarrkirche, jedoch auch in strukturellem Ma\u00dfe die Fassadenfl\u00e4che des Klosters betroffen. Der Mangel an Kenntnissen \u00fcber die Ursachen, sprich den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung der Vorg\u00e4nge macht effektive Aufkl\u00e4rungsarbeit \/ Umweltbildung relevant.<br \/>\nDurch die Einbindung so genannter Patenschulen aus der Region soll wertvolle Aufkl\u00e4rungsarbeit im Sinne der uns nachfolgenden geleistet werden. In engem Konsens mit Fachbeh\u00f6rden des Naturschutzes und des Denkmalschutzes soll das Pilotprojekt dazu anregen sich in \u00e4hnlicher Form einzubringen um den Aspekt Artenschutz, Denkmalschutz und Umweltbildung ( Multiplikation ) in die bundesweite Fl\u00e4che zu bringen.<br \/>\nDas Projekt konzentrierte sich auf folgende am Bauwerk pr\u00e4sente Arten:<br \/>\nDohle ( Corvus monedula ) &#8211; Status Rote Liste Bayern V Art der Vorwarnliste, bzw. G &#8211; Gef\u00e4hrdet ( Bayerisches Schichtstufenland &#8211; Bestandsdichte in Bayern ( Brutpaare) 10.000 &#8211; 15.000 Exemplare , Bestandsdichte am Bauwerk min. 72 Exemplare \/ max. 86 Exemplare &#8212;  Paarbildung duchschnittlich 33 Paare ( gr\u00f6\u00dfte in Oberfranken bekannte Fortpflanzungskolonie )<br \/>\nMehlschwalbe ( Delichon urbicum ) &#8211; Status Rote Liste V Art der Vorwarnliste &#8211; Bestandsdichte in Bayern ( Brutpaare ) 140.000 &#8211; 220.000 Exemplare, Bestandsdichte am Bauwerk in 2009  &#8211; 39 Tiere  ( 18 Fortpflanzungsbereiche dokumentiert )<br \/>\nMauersegler ( Apus apus ) &#8211; Status Rote Liste V Art der Vorwarnliste &#8211; Bestandsdichte in Bayern ( Brutpaare ) 25.000 &#8211; 75.000 Exemplare, Bestandsdichte am Bauwerk in 2009  &#8211; 42 Tiere ( 3 Fortpflanzungsbereiche dokumentiert )<br \/>\nTurmfalke ( Falco tinnunculus ) &#8211; Status Rote Liste Bayern Nicht im Bestand gef\u00e4hrdet &#8211; Populationen jedoch regional stark r\u00fcckl\u00e4ufig. &#8211; Bestandsdichte in Bayern ( Brutpaare) 10.000 &#8211; 17.000 Exemplare , Bestandsdichte am Bauwerk in 2009 1 Paare. ( Kein Fortpflanzungsnachweis )<br \/>\nDaneben beherbergt die Klosteranlage ( Geb\u00e4udeerfassung ) mindestens vier Fledermausarten, welche die Bauwerke als Sommer\/Zwischenquartier nutzen. Darunter eine Art der Fauna Flora Habitat Richtlinie ( Anhang II ) &#8211; Gro\u00dfes Mausohr ( Myotis myotis ), und eine Art die in Bayern als Gef\u00e4hrdet gelistet ist &#8211; Graues Langohr ( Plecotus auritus ) , weiter Braunes Langohr ( Plecotus austriacus ) und Zwergfledermaus ( Pipistrellus pipistrellus ) gleichfalls als streng gesch\u00fctzte Fledermausarten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas umfangreiche Projekt gliedert sich in 14 Einzelbausteine. Zu Beginn starteten wir mit zahlreichen vor Ort Terminen, bei welchen Eigent\u00fcmer, Fachbeh\u00f6rden des Denkmalschutzes und des Naturschutzes, Architekten und Schulen beteiligt waren. Sobald diese Vorabstimmungen getroffen waren ging es an die Auswahl geeignet erscheinender Nistmodule. Diese so genannten Sekund\u00e4rhabitate wurde im Baustein Dohle als Baumh\u00f6hlenhabitat und Geb\u00e4udehabitat ausgef\u00fchrt. Eigenentwicklungen sollten im Besonderen die Pr\u00e4datorensicherheit, sowie das Mitwachsen der Nisthilfen mit ihren Tr\u00e4gern ( B\u00e4umen ) &#8211; aufgleitende Montage &#8211; gew\u00e4hrleisten.  Gleichfalls wurden Dohlennisthilfen entwickelt die im Innenraum der Kirche ( Glockenturm ) eingebracht wurden. Die Montage fand verdeckt hinter bauseits pr\u00e4senten Holzverschalungen statt, in die lediglich Zugangs\u00f6ffnungen eingeschnitten wurden. Durch diese gelangen die Dohlen in die direkt dahinter befindlichen, in sich geschlossenen  Nisthilfen. Ausgestattet wurden diese ferner mit speziellen, oben liegenden Glasplatten die eine r\u00e4umliche Abtrennung zur gleichfalls angedachten Internetcam darstellen. Schmutzschutz des Objektivs. Die Nisthilfen f\u00fcr die Mauersegler wurden gleichfalls neu konstruiert und in Modulbauweise an die Fassade des Klosters, in rund 12 Meter H\u00f6he verbracht. Die Besonderheit der Klonienisthilfen liegt darin, das sie durch die Entnahme der Eingangsblende vom Mauersegler- in ein Dohlenhabitat verwandelt werden k\u00f6nnen. Dem Turmfalken der zwar am Kloster als Einzeltier pr\u00e4sent, jedoch als Reproduktionsart von den Dohlen am gleichen Bauwerk verdr\u00e4ngt wurde, konnte eine Nisthilfe bereit gestellt werden. Der Reiz dieser Montageform fand sich in der Verbindung zwischen Moderne und Kulturhistorie wieder. F\u00fcr die Mehlschwalben kam eine Kombinationsentwicklung zum Einsatz, welche Handels\u00fcbliche Kunstnester auf eine speziell kreierte Unterkonstruktion auftrug, die einer zus\u00e4tzlichen naturnahen Farbgestaltung unterworfen wurde. Ein abgestimmtes Unterfangen zur Entfernung von Mehlschwalbennistst\u00e4tten ( hygienische Aspekte ) und deren Kompensation fand ebenso wie die Erhaltung angestammter Fledermaus &#8211; Sommerlebensr\u00e4ume ( Holzschutzkomponenten ) Eingang in das umfangreiche Ma\u00dfnahmenpaket.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bei allen durchgef\u00fchrten Projekten und Varianten wurde neben der rein, auf den Artenschutz ausgerichteten Projektionen auch der wissenschaftliche Baustein nicht vergessen. Die teils kompletten Nisthilfen &#8211; Neukonstruktionen sollen uns Aufschluss \u00fcber deren Funktionalit\u00e4t und Einsatzf\u00e4higkeit bringen. Gleichfalls spielen Langlebigkeit und Wartungsfreiheit eine gro\u00dfe Rolle. Im ersten Jahr nach Montage der Nisthilfen zeigte sich eine erste Bilanz. Von den montierten Baumhabitaten wurde 80 % beflogen. Aus diesen wiederum schl\u00fcpften aus 59 % der Nisthilfen Jungv\u00f6gel ( Dohlen ) aus. Die Mauerseglernisthilfen wurde von den V\u00f6geln angeflogen, jedoch bislang nur von einem Paar Hausrotschw\u00e4nzen und einem Paar Haussperlingen erschlossen. Es fand jeweils eine erfolgreiche Reproduktion dieser Spezies statt. Die Mehlschwalbennisthilfen wurden bislang nicht besiedelt. Der Fledermausschutz zeigt gleichfalls positive Ergebnisse. Sowohl Braunes Langohr , also auch Gro\u00dfes Mausohr konnten in den Holzschutzbehandelten Dachr\u00e4umen der Pfarrkirche dokumentiert werden. Das Projekt Turmfalke konnte ebenfalls \u00fcberzeugen, da drei Jungfalken bereits im ersten Jahr der m\u00f6glichen Fortpflanzung die Nisthilfe verlassen konnten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die uns wertvolle Einbindung der erlebbaren Umweltbildung fand sich in mehrfacher Hinsicht wieder. Drei Schulen der Region wurde in das Projekt integriert. Ebenso Eigent\u00fcmer und Projektpartner. Durch die Installation von Webcams und einer Internetplattform wurde die Information und die Umweltbildung verquickt und \u00fcber das Medium Internet an interessierte Mitb\u00fcrger weitergereicht. Am Standort selbst wurde eine eigens kreierte Informationstafel in witterungs- und UV best\u00e4ndiger Ausf\u00fchrung installiert, der die vielen tausend Besucher der Anlage \u00fcber das Projekt aufkl\u00e4ren m\u00f6chte. Ein Projekttag den wir am 15.Juni 210 im Tagungszentrum der Hans Seidel Stiftung generierten, f\u00fchrte das gemeinschaftliche Engagement den geladenen politischen, p\u00e4dagogischen und kirchlichen G\u00e4sten inkl. den Medienvertretern vor Augen. Beginnend mit einleitenden Worten \u00fcber die Artenvielfalt und deren Bestandsstatus, wurden gezielt Problemstellungen und L\u00f6sungsans\u00e4tze vorgestellt. Hierbei kam das von unserer Initiative flexibel eingebundene Medium Power Point Pr\u00e4sentation gef\u00fchrt auf \u00fcber 70 Einzelfolien und 150 Schrifts\u00e4tzen zum  Einsatz.  Die Dauer der gesamten visuellen Pr\u00e4sentation belief sich auf 60 Minuten. Dieser Projekttag fand durch die enge Einbindung von Sch\u00fclern der Patenklassen eine in unseren wertvolle Aufwertung. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler hatten sich in den zur\u00fcckliegenden Wochen und Monaten intensiv mit dem Artenschutz- dem Umweltschutz auseinandergesetzt. Sie trugen am Projekttag eigen entwickelte Projekte vor! Bereits zum achten Mal zeichnete unserer Organisation uns begleitende Projektpartner mit dem Protection of species award aus.  Preistr\u00e4ger war diesj\u00e4hrig ( 2010 ) die Hanns &#8211; Seidel &#8211; Stiftung, f\u00fcr die Unterst\u00fctzung des Projektes am Banzer Kloster. Herr Staatssekret\u00e4r a.D. Dr. Hans Zehetmair nahm als Vorsitzender der Hans &#8211; Seidel &#8211; Stiftung die Auszeichnung pers\u00f6nlich entgegen. n den Medien wurde die Projektvorstellung vielfach publiziert.<br \/>\nhttp:\/\/www.obermain.de\/nachrichten\/5864\/details_38.htm<br \/>\nhttp:\/\/www.infranken.de\/nc\/nachrichten\/lokales\/artikelansicht\/article\/artenschutz-ist-zugleich-menschenschutz-57595.html<br \/>\nhttp:\/\/www.hss.de\/politik-bildung\/themen\/themen-2010\/auszeichnung-fuer-artenschutz.html<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Ein erstes Fazit nach einem Jahr seit Beginn des Projekts zeigt bereits erste positive Ergebnisse. Ein sich anschlie\u00dfendes 7jahres Monitorring soll weiterf\u00fchrende Ergebnisse dokumentieren und diese nach Abschluss der Untersuchungsreihe publizierend an Fachbeh\u00f6rden \u00fcbermitteln. Als Multiplikationsprojekt soll das hier Vorgestellte, andere Organisationen dazu anhalten sich hier in eine gleiche Ausrichtung zu bem\u00fchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das ehemalige Benediktinerkloster Kloster Banz, gelegen im so genanntenFr\u00e4nkischen Gottesgarten am Obermain, ( Bayern \/ Oberfranken \/ Landkreis Lichtenfels \/ Stadt Bad Staffelstein ) das sich seit 1979 im Besitz der CSU- nahen Hanns Seidel Stiftung befindet und seither als \u00fcberregional anerkannte Bildungsst\u00e4tte verwendet wird. 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