{"id":25196,"date":"2025-06-29T10:32:10","date_gmt":"2025-06-29T08:32:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/27312-01\/"},"modified":"2025-06-29T10:32:10","modified_gmt":"2025-06-29T08:32:10","slug":"27312-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/27312-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Evaluierung von Restaurierungs- und Konservierungsma\u00dfnahmen an historischen Glasmalereien mit starken Sch\u00e4den durch anthropogene Umwelteinfl\u00fcsse"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In den Jahren von 1994 bis 2006 wurden zahlreiche Umweltprojekte zur Sanierung wertvoller historischen Glasmalereien aus dem Mittelalter und dem 19. Jahrhundert in national bedeutenden Bauensembles erfolgreich und modellhaft durchgef\u00fchrt. Im Verlauf des vergangenen Zeitraums seit 1994 wurden sie in der Methode weitgehend anerkannt, auch als Modellma\u00dfnahmen l\u00e4nder\u00fcbergreifend vielfach aufgenommen und praktiziert. Die Initiatoren der Projekte sehen sich daher nach 14 Jahren seit Beginn der DBU-Projekte in der Pflicht, die entwickelten Methoden und durchgef\u00fchrten Arbeiten auf ihre Wirksamkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDurch eine Erfassung der Belastungssituation vor allem im Spalt zwischen Original und Au\u00dfenschutzverglasung sowie an der Innenseite des Originals l\u00e4sst sich ermitteln, wie gut die Schutzwirkung gegen die Umweltlasten tats\u00e4chlich ist. Dazu sind Messungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftstr\u00f6mungsgeschwindigkeit an ausgew\u00e4hlten Objekten durchzuf\u00fchren. Durch Messungen der Staubbelastung und die Analyse ihrer Kornfraktionen und der chemischen Zusammensetzung soll eine quantitative Ermittlung der Wirkung von Feinstaub an Modellgl\u00e4sern unter simulierten Umweltbedingungen erfolgen. Auf der Basis der Zustandsdokumentation, die sowohl durch die BAM als auch durch die Werkst\u00e4tten w\u00e4hrend der damaligen Restaurierung zu den jeweils relevanten Einzelerscheinungen angefertigt wurde, k\u00f6nnen durch den Vergleich mit dem gegenw\u00e4rtigen Zustand inzwischen eingetretene Materialver\u00e4nderungen charakterisiert werden. Dazu erfolgen  mikroskopische Untersuchung der Glasoberfl\u00e4chen an Stellen, die einer intensiven Reinigung unterzogen wurden, eine visuelle und mikroskopische Erfassung der Malschichtbeschaffenheit sowie eine quantitative Erfassung von Schadensbildern.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Sowohl die klimatischen Messungen als auch die materialanalytischen Untersuchungen wurden bereits unmittelbar nach Beginn der Arbeiten und dann kontinuierlich \u00fcber die gesamte Projektlaufzeit ausgewertet, so das bei entsprechender Notwendigkeit Sofortma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Schutzsituation m\u00f6glich gewesen w\u00e4ren. Die Ergebnisse gaben dazu keinen Anlass. Andererseits muss langfristig in den vier mit mittelalterlichen Glasmalereien ausgestatteten Kirchen wohl mit einem messbaren Korrosionsfortschritt gerechnet werden. Sowohl die Durchschnitts- als auch die Maximalwerte der relativen Feuchte im Spalt &#8211; also auch an der Au\u00dfenseite der Originale &#8211; liegen vor allem in der Klosterkirche Marienstern und im Stendaler Dom in Bereichen, in denen die optimale Wirkung der Schutzverglasung nicht gegeben ist. Kritisch sind insbesondere bei diesen beiden Objekten auch die hohen und mitunter sehr kurzfristigen Schwankungen von Feuchte und Temperatur. Bei den Nordfenstern (Dom Havelberg, Dom Halberstadt) sind die Schwankungen deutlich geringer, der Durchschnitt der Luftfeuchte liegt jedoch \u00fcber die l\u00e4ngste Zeit des Jahres ebenfalls bei so hohen Werten (Dom Havelberg), dass man von einer Dauerbelastung ausgehen muss. Nur das Fenster der Nikolaikirche in Quedlinburg &#8211; eine der beiden Kirchen, die im Winter beheizt wird &#8211; weist \u00fcber das gesamte Jahr Durchschnittswerte auf, die auch f\u00fcr mittelalterliche Gl\u00e4ser unbedenklich w\u00e4ren. Erfreulicherweise waren korrosive Ver\u00e4nderungen an den Originalen in sehr geringem Ausma\u00df und \u00fcberhaupt nur deshalb nachweisbar, weil detaillierte Vorzustandsaufnahmen zum Vergleich herangezogen werden konnten. Die unter dem Lichtmikroskop sichtbaren geringf\u00fcgigen Korrosionsfortschritte betreffen lediglich das Fenster des Stendaler Doms. Am Havelberger Dom lie\u00df sich anhand von elektronenmikroskopischen Aufnahmen ein Korrosionsfortschritt vermuten. An allen anderen Objekten sind die Materialzust\u00e4nde unver\u00e4ndert. Die im Evaluierungsprojekt erstmalig an allen f\u00fcnf Objekten durchgef\u00fchrten Staubanalysen ergaben, dass man durchaus mit aggressiven Partikeln rechnen muss, die &#8211; wie bei Simulationsuntersuchungen an Modellgl\u00e4sern im Klimaschrank gezeigt werden konnte &#8211; die Reaktion der Atmosph\u00e4rilien mit mittelalterlichem Glas katalysieren.<br \/>\nAu\u00dfenschutzverglasungen aus VSG haben sich in der Praxis vor allem auch bei Vandalismusangriffen bew\u00e4hrt. Die Bearbeitung von Verbundsicherheitsglas zu Rauten- oder Rechteckscheiben f\u00fcr Au\u00dfenschutzverglasungen erfordert jedoch sehr gro\u00dfe Erfahrungen und eine pr\u00e4zise Vorgehensweise beim Zuschnitt des VSG. Sch\u00e4den an  Au\u00dfenschutzverglasungen aus VSG, die durch eine Delamination der PVB-Folie gekennzeichnet sind und zu einer optischen Beeintr\u00e4chtigung des Erscheinungsbildes der Au\u00dfenschutzverglasung f\u00fchren, sind auf das Eindringen von Medien zur\u00fcckzuf\u00fchren, die ihrerseits mit der PVB-Folie reagieren k\u00f6nnen. In Untersuchungen im  Labor an VSG-Proben lie\u00dfen sich solche Sch\u00e4den simulieren, die sich jedoch nicht nur auf eine einzelne Ursache zur\u00fcckf\u00fchren lassen, vielmehr ist es vermutlich immer ein Zusammenwirken mehrerer Unzul\u00e4nglichkeiten (Folienqualit\u00e4t, Verarbeitung, Zuschnitt, Kitt, Klimabedingungen).<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Am 08. Juni 2001 fand in Stendal ein Abschlusskolloquium mit etwa 60 Teilnehmern statt. Die Projektergebnisse wurden in sieben Vortr\u00e4gen pr\u00e4sentiert. In der regionalen Presse (Stendaler Volksstimme 09.06.2011 und Altmarkzeitung 10.06.2011) wurde dar\u00fcber berichtet. Die wesentlichen Projektergebnisse sind in 2 Faltbl\u00e4ttern zur Sanierung historischer Glasmalereien zusammengestellt (Blatt 6 und Blatt 7) und wurden allen Teilnehmern des Kolloquiums zugesandt sowie im Internet ver\u00f6ffentlicht. Ein Poster mit Projektergebnissen wurde auf der Abschlussveranstaltung des COST D42-Projektes in Dublin pr\u00e4sentiert (Manfred Torge et all The effect of climate and dust on the state of preservation of historic stained glass windows COST-D42 Final meeting, Dublin Irland, 08.-10.11.2010). Der ausf\u00fchrliche Abschlussbericht liegt vor.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Sch\u00e4digungspotential der durch den steigenden Autoverkehr hohen Konzentration an NOx und daraus resultierende Reaktionen mit anderen Umweltemissionen und die Wirkung auf historische Glasfenster muss weiter erforscht werden.<br \/>\nDie Langzeitstabilit\u00e4t von Au\u00dfenschutzverglasungen aus VSG bedarf weiterer materialtechnischer Untersuchungen. Die Tatsache, dass jedes Originalfenster hinter einer fachgerechten Schutzverglasung vor einer direkten Belastung mit Kondenswasser bewahrt wird, hat sich auch an den evaluierten f\u00fcnf Objekten best\u00e4tigt. An der allgemein positiven Wirkung dieser Konservierungsma\u00dfnahme gibt es keinen Zweifel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In den Jahren von 1994 bis 2006 wurden zahlreiche Umweltprojekte zur Sanierung wertvoller historischen Glasmalereien aus dem Mittelalter und dem 19. 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