{"id":25145,"date":"2026-03-08T10:32:04","date_gmt":"2026-03-08T09:32:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/27142-01\/"},"modified":"2026-03-08T10:32:05","modified_gmt":"2026-03-08T09:32:05","slug":"27142-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/27142-01\/","title":{"rendered":"Erforschung und Wiedernutzbarmachung der biologischen und gestalterischen Vielfalt historischer G\u00e4rten am Beispiel des gartenk\u00fcnstlerischen Werkes Eduard Petzolds als Beitrag zur Abmilderung der Auswirkungen des Klimawandels in historischen G\u00e4rten un[&#8230;]"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel des Projektes ist eine grenz\u00fcbergreifende wissenschaftliche Untersuchung zur gartenk\u00fcnstlerischen Geh\u00f6lzverwendung im 19. Jahrhundert als Grundlage f\u00fcr Erhalt und Wiederherstellung der Arten- und Sortenvielfalt historischer Geh\u00f6lzsortimente in Hinblick auf die durch den Klimawandel zu erwartende und teils bereits eintretende Einschr\u00e4nkung des derzeit verwendbaren Artenspektrums. Eine Revitalisierung des breiten historischen Arten- und Sortenspektrums ist sowohl f\u00fcr die praktische Gartendenkmalpflege als auch f\u00fcr Forstbotanik und Artenschutz von hohem Interesse.<br \/>\nEin Gro\u00dfteil des historischen Artenspektrums ist heute jedoch nicht mehr in Baumschulen erh\u00e4ltlich. Die kommerzielle Ausrichtung, der \u00f6konomische Sachzwang f\u00fchrten kontinuierlich zu einer stringenten Reduzierung auf ein Mainstream-Sortiment. Ein gro\u00dfer potenzieller Fundus an \u00f6kologisch und gestalte-risch bestens geeignetem Pflanzenmaterial ging bei dieser Entwicklung verloren. Ein weiteres wesentli-ches Ziel des Projektes ist es deshalb, eine Basis f\u00fcr die Anzucht und Aufschulung historischer Geh\u00f6lzarten und -sorten zu schaffen, damit die Projektergebnisse praktisch umgesetzt und langfristig im Rahmen von gartendenkmalpflegerischen Ma\u00dfnahmen, in der Forstwirtschaft und im Natur- und Artenschutz angewendet und genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt gliederte sich in drei wesentliche Bestandteile:<br \/>\n1.\tWissenschaftliche Untersuchung zur theoretischen und praktischen Geh\u00f6lzverwendung des Gartenk\u00fcnstlers Eduard Petzold mit dem Hintergrund im 19. Jahrhundert verf\u00fcgbarer Geh\u00f6lzsortimente.<br \/>\n2.\tErfassung heute noch vorhandener historisch verwendeter Geh\u00f6lzarten und -sorten und ihrer Standorte in Parkanlagen Petzolds in Polen, Tschechien, den Niederlanden und Deutschland.<br \/>\n3.\tExperimente zur Entnahme und Kultivierung von Derivaten seltener Geh\u00f6lze im Rahmen der Revitalisierung der Muskauer G\u00e4rtnerei als Genpool f\u00fcr den Erhalt historischer Geh\u00f6lzsortimente.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>W\u00e4hrend f\u00fcr die dendrologische Zuordnung  vorwiegend die genetischen Identit\u00e4ten von Bedeutung sind, spielen f\u00fcr die g\u00e4rtnerische Verwendung, die Abweichungen in Habitus, Blatt, Bl\u00fcte und besonders, im Sinne Petzolds, die F\u00e4rbungen im jahreszeitlichen Wandel eine gro\u00dfe Rolle. Eduard Petzold hat diese Beobachtungen in seinen Publikationen, h\u00e4ufig auch spezifisch f\u00fcr die Einzelpflanze, nicht nur in Empfehlungen umgesetzt. Die Darstellungen der Gestaltungsideen in seinen Arbeitspl\u00e4nen zeugen von dieser Herangehensweise.<br \/>\nDie floristische Vielfalt wurde durch Carl Eduard Petzold als Chance begriffen und in seinen gartenk\u00fcnstlerischen Sch\u00f6pfungen eingesetzt. Dieses Kriterium seines Schaffens ist von gro\u00dfer Bedeutung und aktuell besonders im Hinblick auf die Authentizit\u00e4t der G\u00e4rten in Pflege und Erhaltung aus gartendenkmalpflegerischer Sicht. Dieses Ziel setzte Petzold auch vielerorts um, \u00fcberdauern konnten jedoch nur Relikte seiner gartenk\u00fcnstlerischen Kompositionen. Die Problematik der Entwicklung und Erhaltung der Anlagen liegt auch verbunden mit den Schwierigkeiten im hohen Pflegeanspruch den Petzold f\u00fcr die Erhaltung und Entwicklung der von ihm geschaffenen Anlagen forderte und dem die Eigent\u00fcmer und Auftraggeber m\u00f6glicherweise nicht in jedem Fall gewachsen waren.<br \/>\nEin anderer Aspekt bez\u00fcglich des Strukturverlustes in den G\u00e4rten Petzolds l\u00e4sst sich \u00fcber die ver\u00e4nderten Nutzungsbedingungen als Folgen der fortschreitenden Industrialisierung zum Ende des 19. Jahrhunderts erkl\u00e4ren. H\u00e4ufige Besitzerwechsel, monet\u00e4re Interessen und \u00c4nderungen im Zeitgeschmack bedingten vielfach mangelndes Interesse an den Sch\u00f6pfungen der landschaftlichen Gartenkunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts.<br \/>\nIm Ergebnis der Vergleichsanalyse von Planung und Bestand wird deutlich, dass eine F\u00fclle von vitalen Geh\u00f6lzen in den untersuchten G\u00e4rten, in den historischen Arboreten und (Forst)Botanischen G\u00e4rten der Projektl\u00e4nder vorhanden ist, jedoch in den aktuellen Sortimenten der Baumschulen fehlen. Das bedeutet f\u00fcr den Erhalt und die Restaurierung des Geh\u00f6lzbestandes in den historischen G\u00e4rten und Kulturlandschaften, dass aktuell ein stark eingeschr\u00e4nktes floristisches Spektrum zur Verf\u00fcgung steht, mit der Folge des Verlustes von Authentizit\u00e4t im dendrologischen Bereich der Garten- und Landschaftskunst.<br \/>\nIn den Untersuchungen wird deutlich, dass in G\u00e4rten und Landschaften vielf\u00e4ltige Spektren an genetischen Potentialen in Form von B\u00e4umen und Str\u00e4uchern zur Verf\u00fcgung stehen, die sich bereits \u00fcber Jahrhunderte gegen\u00fcber Standortver\u00e4nderungen und klimatischen Einfl\u00fcssen als vitales Sortiment bew\u00e4hrten.<br \/>\nDie Geh\u00f6lzvielfalt wird durch Publikationen und im umfangreichen Katalogmaterial der  G\u00e4rtnereien und Baumschulen des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Einen stand\u00f6rtlichen Nachweis vermitteln die Herbarien, die Bestandslisten der Dendrologischen Gesellschaften oder die Dokumentationen in Zeitschriften und Archiven der historischen G\u00e4rten. Dennoch ist eine Vielzahl der Geh\u00f6lze, bez\u00fcglich der nomenklatorischen Zuordnung in den aktuellen Publikationen, kaum erfasst. Die Bestimmung einzelner Spezies ist kompliziert und h\u00e4ufig mangelt es an Nachweisen zur Einordnung der Merkmale.<br \/>\nFehlende Dokumentationen zum Wert und Erscheinungsbild im Entwicklungsverlauf von historischen Taxonen erschweren eine Alterszuordnung der Geh\u00f6lze. Tr\u00e4gw\u00fcchsigkeit, Konkurrenzen und ein ver\u00e4nderter Habitus f\u00fchren h\u00e4ufig zu Fehleinsch\u00e4tzungen in der Alterszuordnung und nicht selten zum Verlust wertvoller Exemplare.<br \/>\nIn den Untersuchungen und tabellarischen Auflistungen best\u00e4tigt sich, dass eine F\u00fclle der Geh\u00f6lze erst seit der Mitte bzw. der 2. H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts kultiviert oder dokumentiert wurde. Demzufolge ist die 1. Generation dieser Spezies heute erst max. 150 Jahre alt.<br \/>\nDie Besch\u00e4ftigung mit den Vermehrungstechniken und dem aktuellen wirtschaftlichen Aspekt in der Baumschulbranche verdeutlicht, dass die finanziellen Zw\u00e4nge und monopolistische Strukturen die Sortimente beeinflussen und ausd\u00fcnnen. Kleinbetriebe im Baumschulsektor werden durch das Gro\u00dfmarktwesen und die Konkurrenzproduktionen verdr\u00e4ngt oder m\u00fcssen sich anpassen. Die vergleichsweise aufw\u00e4ndigen und intensiven Vermehrungstechniken in Handarbeit und die Vermarktungsschwierigkeiten f\u00fcr seltene Spezies, beeinflussen die Struktur der Betriebe in Richtung Verkaufscenter.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Einer Einladung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf folgend, wurde das Projekt im Rahmen der Veranstaltungsreihe WEIHENSTEPHANER SYMPOSIUM zur Gartendenkmalpflege am 25. Juni 2010 in einem Referat vorgestellt. Die Vortragsreihe behandelte die Thematik historischer Pflanzen und Pflanzungen des 18. bis 20. Jahrhunderts im Kontext mit den Problemen und Strategien zum Erhalt der Sortimente. <\/p>\n<p>Am 20. Januar 2012 konnte die Thematik und der aktuelle Projektstand im Rahmen der j\u00e4hrlich stattfin-denden Veranstaltung Kolloquium zur S\u00e4chsischen Gartengeschichte der Forschungsgruppe S\u00e4chsische Gartengeschichte in Dresden vorgestellt werden.<br \/>\nDie Abschlusstagung vom 26.-28. April 2012 in den R\u00e4umen des Marstallgeb\u00e4udes im Schlossvorwerk der Stiftung F\u00fcrst-P\u00fcckler-Park Bad Muskau in Bad Muskau befasste sich mit der Projektarbeit und Dokumentation der bearbeiteten Thematik im Kontext. F\u00fcr die Pr\u00e4sentation der viersprachigen Projektarbeit wurden die Tagungssprachen englisch und deutsch gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich l\u00e4sst sich res\u00fcmieren, dass die Thematik des fortschreitenden Verlustes der historischen Geh\u00f6lzsubstanz in unseren Kulturlandschaften vielschichtig zu bearbeiten ist.  Dabei wird auch zuk\u00fcnftig dringend erforderlich sein, die Problematik im \u00f6ffentlichen Rahmen zu diskutieren.<br \/>\nDer Erhalt von Vielfalt in den Kulturlandschaften ist als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu betrachten und in den entsprechenden \u00f6ffentlichen Einrichtungen zu lancieren. Um das Bewusstsein f\u00fcr Vielfalt in den Sortimenten bspw. der Baumschulen zu sch\u00e4rfen, muss f\u00fcr dieses Thema geworben werden. Das Wissen um die Hintergr\u00fcnde des Verlustes kann m\u00f6glicherweise ein Umdenken in den Marktstrategien bewirken, wie es bereits im Bereich der Obst- und Gem\u00fcsebranche ansatzweise gelingt. Das Thema ist gleichbedeutend mit dem Naturschutz und im Komplex zu betrachten.<br \/>\nDeshalb ist der Genpool Historische Geh\u00f6lze in den \u00f6ffentlichen Institutionen, wie bspw. in einer Stiftung, sinnvoll angesiedelt. Der zus\u00e4tzlich hohe Aufwand f\u00fcr die Einrichtungen kann jedoch nicht durch den laufenden Betrieb \u00fcbernommen werden, sondern muss zus\u00e4tzlich ausgestattet und finanziert werden. Eine erfolgreiche, strategische Umsetzung der Aufgabe kann dauerhaft auch zum Amortisieren des Standortes f\u00fchren.<br \/>\nEin weiterer wichtiger Aspekt des Projektes war die europaweite Zusammenarbeit f\u00fcr einen wissenschaftlichen Austausch auf den theoretischen und praktischen Ebenen. F\u00fcr langfristig vergleichbare Ergebnisse im grenz\u00fcbergreifenden Kontext war der Projektzeitraum zu kurz. Die wissenschaftlich-praktischen Analysen konnten innerhalb des Projektablaufes nicht dokumentiert werden.<br \/>\nEin langfristiges Monitoring ist jedoch notwendig, um aussagekr\u00e4ftige Ergebnisse zur Entwicklung des historischen Geh\u00f6lzsortimentes in den Projektl\u00e4ndern zu erhalten und diese bspw. unter dem Aspekt der Klimaver\u00e4nderungen mit den Auswirkungen auf die Vitalit\u00e4t und Stabilit\u00e4t der Geh\u00f6lze (Phythopatholgie) dokumentieren und vergleichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des Projektes ist eine grenz\u00fcbergreifende wissenschaftliche Untersuchung zur gartenk\u00fcnstlerischen Geh\u00f6lzverwendung im 19. 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