{"id":25130,"date":"2023-07-13T15:27:31","date_gmt":"2023-07-13T13:27:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/27119-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:27:32","modified_gmt":"2023-07-13T13:27:32","slug":"27119-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/27119-01\/","title":{"rendered":"Verfahrensentwicklung und Anlagenkonzeption f\u00fcr die extraktive Aquakultur von Muscheln und Makroalgen in der Ostsee"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Ostsee ist ein nahezu vollst\u00e4ndig geschlossenes Randmeer, welches f\u00fcr Eutrophierung von Natur aus sehr anf\u00e4llig ist. \u00dcberdies geh\u00f6ren ihre K\u00fcsten zu den am dichtesten besiedelten der Erde.<br \/>\nAnthropogene N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge tragen in der Ostsee zu erh\u00f6hten N\u00e4hrstoffkonzentrationen bei, welche in verst\u00e4rkten Planktonbl\u00fcten, verringerter Transparenz und Sauerstoffmangel resultieren. Um diese N\u00e4hrstoffanreicherung zu mildern und somit die Wasserqualit\u00e4t zu verbessern, m\u00fcssen (i) die Eintr\u00e4ge verringert und (ii) die vorhandenen N\u00e4hrstoffe reduziert werden. Eine L\u00f6sungsm\u00f6glichkeit bietet die ex-traktive Aquakultur, also die Kultur von Organismen, die N\u00e4hrstoffe aus dem Wasser aufnehmen. Dieser Ansatz steht in Form einer kombinierten Kultur von Algen und Muscheln im Fokus von EBAMA.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas \u00fcbergeordnete Projektziel, der Aufbau einer Pilotanlage zur integrierten Kultivierung von Mu-scheln und Algen in der Ostsee, bildet die Grundlage f\u00fcr drei synergistisch miteinander verbundene Forschungs- und Entwicklungsans\u00e4tze, die \u00f6kologische und \u00f6konomische Vorteile vereinen:<br \/>\n1. Ziel: Abreicherung des Ostseewasser an N\u00e4hrstoffen, Verbesserung der Wasserqualit\u00e4t.<br \/>\n2. Ziel: Herstellung und Vermarktung nachhaltig erzeugter Meeresprodukte. Dies sind zun\u00e4chst die kulti-vierten Organismen Zuckertang und Miesmuscheln selbst. F\u00fcr Miesmuscheln besteht derzeit eine starke Nachfrage bei relativ geringem Angebot, was g\u00fcnstige Vermarktungsm\u00f6glichkeiten erwarten l\u00e4sst. F\u00fcr Zuckertang in unaufgearbeiteter Form gibt es in unserem Raum kaum Abnehmer (von einigen Restau-rants abgesehen, die Algenbl\u00e4tter als Beilage oder Dekoration servieren), daher spielen Extraktion und Weiterverarbeitung eine gr\u00f6\u00dfere Rolle (Techniken und Vermarktungswege wurden durch CRM schon in der Vergangenheit entwickelt). F\u00fcr die Algen und ihre Extrakte existiert ein Markt im Bereich der Kosme-tik und Kosmetikzulieferer, der von der Firma oceanBASIS erschlossen wurde.<br \/>\n3. Ziel: Verfahrensentwicklung \/ Produktvorentwicklung zur Gewinnung von langkettigen unges\u00e4ttigten Fetts\u00e4uren (\u0084Fisch\u00f6l\u0093) aus Muscheln z. B. als Zusatzstoff f\u00fcr die Futtermittelindustrie (Fischzucht, Klein-\/ Nutztierhaltung). <\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im ersten Projektjahr von EBAMA stand vor allem der Aufbau und Betrieb der Aquakultur im Vordergrund und die ersten Langleinen wurden in der Kieler F\u00f6rde verankert. Weiterhin war die Beobachtung verschie-dener Umweltparameter sowie die Bearbeitung der Kriterien der Site-Selection vorgesehen. Das Umwelt-Monitoring auf der Arbeitsfl\u00e4che der Langleinenfarm musste aufgrund der geringen Gr\u00f6\u00dfe der Farm teil-weise auf das zweite Projektjahr verschoben werden. Die Module zur Site Selection konnten an sechs Standorten erfolgreich in Betrieb genommen werden und die ersten Daten zeigen bereits spannende Er-gebnisse. Aufgrund der guten Zusammenarbeit der Projektpartner und der involvierten Institute konnten bereits im ersten Projektjahr die ersten Untersuchungsergebnisse der Muschelanalytik erzielt werden, die eigentlich sp\u00e4ter geplant waren. Im zweiten Projektjahr wurde der Aufbau Aquakulturanlage weitergef\u00fchrt. Der Plan auf alte Bootskomponenten aufzubauen musste verworfen werden und ein Neubau war erforder-lich. Das neue Boot wurde feierlich im Oktober des zweiten Projektjahres zu Wasser gelassen. Unmittelbar nach der Inbetriebnahme des Bootes konnte die aktive Aquakulturarbeit am Farmstandort starten. So wurden mehrere Verankerungen gesetzt und die ersten Langleinen in Betrieb genommen. Das geplante Umwelt-Monitoring verlief reibungslos und die Untersuchungen hinsichtlich der Site Selection an den sechs verschiedenen Standorten wurden abgeschlossen. Die Produktqualit\u00e4t der Muscheln wurde in ver-schiedenen internen Verkostungen best\u00e4tigt und durch die labortechnischen Analysen (Schadstoffe, Mik-robiologie, Toxine) untermauert. Mittlerweile zeigte sich auch die Neugierde der Presse sowie der umlie-genden Restaurants und Hotels hinsichtlich der Muscheln. Durch intensive \u00d6ffentlichkeitsarbeit wurde das Bild der Ostsee-Miesmuschel aus nachhaltiger Aquakultur geformt und eine durchweg positive Resonanz war zu versp\u00fcren. Im letzten Projektjahr wurde der Aufbau der Aquakulturanlage abgeschlossen. Mit sie-ben Langleinen war die Farm komplett ausgebaut. Das zus\u00e4tzliche Ausstatten der Langleinen mit gro\u00dfen Eckauftriebsbojen erh\u00f6hte nicht nur die Sichtbarkeit der Farm sondern verbesserte auch das Auftriebsver-halten der Langleinen im allgemeinen und erleichterte so die Arbeit auf der Farm. Das Socking der Jung-muscheln verlief problemlos. Das Umwelt-Monitoring wurde im dritten Projektjahr weitergef\u00fchrt und zeigte wie in den Jahren zuvor ein durchweg positives Bild. Die Produktentwicklung wurde im letzten Projektjahr vorangetrieben, neben der Einsatzm\u00f6glichkeit als Fischfutter-Komponenten wurden auf die Analytik der Inhaltsstoffe Augenmerk gelegt. Weiterhin war das Upscaling ein weiterer Punkt, der \u00e4u\u00dferst gut gelang. Durch die gute Pressearbeit in den vergangenen Projektjahren entstanden gute Kontakte, die bei der Markteinf\u00fchrung sehr hilfreich waren und eine Nachfrage nach der Regional produzierten Kieler F\u00f6rdemu-schel wurde geweckt<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Insgesamt wurden w\u00e4hrend der Projektlaufzeit f\u00fcnf Bachelorarbeiten, eine Master- und eine Promotions-arbeit angefertigt. In 19 Vortr\u00e4gen, Postern und Ver\u00f6ffentlichungen konnte das Projekt EBAMA themati-siert werden und es entstanden drei Fernseh- und zwei H\u00f6rfunk Beitr\u00e4ge<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Ein kritischer Blick zur\u00fcck \u0096 und ein optimistischer Blick in die Zukunft<br \/>\nNicht alles im Projekt verlief so, wie urspr\u00fcnglich geplant. Der Bootsumbau dauerte l\u00e4nger als gedacht und die Futterkombinationsversuche mit Muscheln und Algen konnten aus Zeit und Kostengr\u00fcnden nicht durchgef\u00fchrt werden. Au\u00dferdem hinken Produktionszahlen der Planung hinterher. Ein Projekt dieser Art wirft viele neue Probleme und Fragestellungen auf, und gerne h\u00e4tten wir uns mit weiteren Detailuntersuchungen besch\u00e4ftigt. Wir hoffen dass dies in Zukunft m\u00f6glich sein wird, denn das Projekt wird von uns als ganz ausgesprochen erfolgreich angesehen. Dazu geh\u00f6ren die au\u00dferordentlich positive Resonanz der \u00d6ffentlichkeit: Nicht nur die Fischereibeh\u00f6rde, sondern auch der schleswig-holsteinische Umweltminister sind beeindruckt von der Muschelfarm. Die Medienresonanz war \u00fcberw\u00e4ltigend und die Produkte finden rei\u00dfenden Absatz. So wurden in der ersten Saison knapp 5 t frische Miesmuscheln verkauft. Die Schadstoff-Untersuchungen haben gezeigt, dass die Belastung der Muscheln in H\u00e4ngekultur mit Umwelttoxinen unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte ist, ebenfalls konnte eine Bio-Zertifizierung nach EU-\u00d6koverordnung erreicht werden. Mit der Markteinf\u00fchrung erhielten die Kieler F\u00f6rdemuscheln ihr eigenes Logo und eine Reihe von lokalen Restaurants haben de Muscheln auf ihre Speisekarte gesetzt und r\u00fchmen ihre Qualit\u00e4t. Die Muschelsocking und die Muschelernte hat sich als sehr arbeitsintensiv und k\u00f6rperlich anstrengend erwiesen. Derzeit bauen wir an einem F\u00f6rderband und einer verbesserten Muschel-Sortiermaschine, um den k\u00f6rperlichen Einsatz zu reduzieren. Das Boot st\u00f6\u00dft bereits jetzt an Kapazit\u00e4tsgrenzen. Sp\u00e4testens in 2 Jahren ist ein gr\u00f6\u00dferer Ersatz erforderlich. Nachhaltige Wirtschaftsweisen generieren keine riesigen und schnellen Gewinne. Aber wir hoffen, mit der ersten Algen-\/Muschelfarm in Deutschland einen Schritt in eine \u00f6kologisch und wirtschaftlich tragf\u00e4hige Nutzung der K\u00fcstengebiete gemacht zu haben Um diese Informationen auch an den Endverbraucher weiter zu geben sind die Kieler F\u00f6rdemuscheln ebenfalls im Internet vertreten (http:\/\/www.kieler-foerdemuschel.de, http:\/\/www.facebook.com\/KielerFoerdemuschel ).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Ostsee ist ein nahezu vollst\u00e4ndig geschlossenes Randmeer, welches f\u00fcr Eutrophierung von Natur aus sehr anf\u00e4llig ist. \u00dcberdies geh\u00f6ren ihre K\u00fcsten zu den am dichtesten besiedelten der Erde. Anthropogene N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge tragen in der Ostsee zu erh\u00f6hten N\u00e4hrstoffkonzentrationen bei, welche in verst\u00e4rkten Planktonbl\u00fcten, verringerter Transparenz und Sauerstoffmangel resultieren. 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