{"id":25110,"date":"2024-11-27T10:38:44","date_gmt":"2024-11-27T09:38:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/27024-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:38:46","modified_gmt":"2024-11-27T09:38:46","slug":"27024-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/27024-01\/","title":{"rendered":"Energetische Optimierung eines Plattenbau-Karrees &#8211; ein Beitrag zum st\u00e4dtischen Klimaschutz"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>An einem konkreten Fallbeispiel (komplexes Wohnquartier\/Wohnkarree) am Standort Wei\u00dfwasser soll exemplarisch die best-practice-L\u00f6sung (Vorzugsvariante) f\u00fcr angepasste, energetische sowie bautechnische und architektonische Aufwertungsma\u00dfnahmen f\u00fcr den zu ver\u00e4ndernden Plattenbaubestand (Ver\u00e4nderung, Reduzierung) aufgezeigt werden. Derzeitige Sanierungsma\u00dfnahmen von industriell errichteten Wohnbauten beinhalten meist eindimensionale Untersuchungen und L\u00f6sungen. Daher gilt es, einerseits die verschiedenen energetischen Sanierungs- und Modernisierungskonzepte \u00fcber eine Lebenszyklusbetrachtung auf wissenschaftlicher Basis zu bewerten. In Abh\u00e4ngigkeit der unterschiedlichen Ma\u00dfnahmenpakete zur Verbesserung der D\u00e4mmung der H\u00fcllkonstruktion und der Anlagentechnik ist die tats\u00e4chliche Effizienz des Energie- und Umweltverbrauchs und der Kosten offen zu legen. Als Entscheidungsgrundlage ist hierzu eine praxistaugliche Empfehlung f\u00fcr ein geeignetes Bewertungssystem zu ermitteln.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie anstehenden Aufgabenschwerpunkte gliedern sich in:<br \/>\nArbeitsschritt 1: Bestandsaufnahme zur Baukonstruktion\/Voruntersuchungen am Modellquartier in Wei\u00dfwasser<br \/>\nArbeitsschritt 2: Gegen\u00fcberstellung\/Abgleich der Konzeption zum Modellquartier mit Zielstellungen zum Passivhaus-Standard sowie zu geplanten Umbau- und Aufwertungsstrategien<br \/>\nArbeitsschritt 3: Erarbeitung m\u00f6glicher Varianten zur energetischen Geb\u00e4udesanierung als Vergleich gegen\u00fcber dem Passivhaus-Standard unter Ber\u00fccksichtigung der Anforderungen geltender Regelungen, der \u00f6rtlichen M\u00f6glichkeiten der Nutzung alternativer Energien, der M\u00f6glichkeiten zur Wohnwertverbesserung im Modellquartier<br \/>\nArbeitsschritt 4: Berechnung der Energieeinsparung mittels verschiedener Programme zur Ermittlung der Vorzugsvariante f\u00fcr die energetische Sanierung<br \/>\nArbeitsschritt 5: Darstellung verallgemeinerbarer Aussagen als Grundlage f\u00fcr einen zu erarbeitenden Leitfaden Nachhaltige Sanierung Plattenbau<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Auf der Grundlage des Istzustandes der Bestandsbauten im untersuchten Plattenbaukarree mit 395 WE und den lokalen Versorgungsgegebenheiten wurden auf Basis der gesetzlichen Vorgaben zur Minimierung des Energiebedarfs f\u00fcr 235 WE nach durchzuf\u00fchrendem und zwischenzeitlich erfolgtem Teilr\u00fcckbau und Abbruch drei grundlegende Sanierungsvarianten der energetischen Aufwertung konzipiert:<br \/>\n&#8211;\tVariante 1: Energieeinsparungsverordnung (EnEV) 2009 Neubau in drei Ausf\u00fchrungsvarianten der Anlagentechnik (Var. 1.1 &#8211; Var. 1.3),<br \/>\n&#8211;\tVariante 2: Effizienzhaus 70 in vier Ausf\u00fchrungsvarianten der Anlagentechnik (Var. 2.1 &#8211; Var. 2.4),<br \/>\n&#8211;\tVariante 3: Passivhaus-Standard in zwei Ausf\u00fchrungsvarianten der Anlagentechnik (Var. 3.1 und Var. 3.2).<br \/>\nDie Berechnungen der entwickelten Varianten erfolgten im Vergleich der computergest\u00fctzten Programme B 52 der Solar Computer GmbH, Version 5.02, und LEGEP. Der Vorteil der LEGEP-Software besteht ge-gen\u00fcber \u00fcblicher Arbeitsweisen darin, dass ein integraler Planungsansatz gegeben ist.<br \/>\nDie berechneten Ergebnisse und die Untersuchungen zu alternativen D\u00e4mmmaterialien sowie dar\u00fcber hinaus umfangreichen Analyseergebnissen der Befragung der Bewohner zu den geplanten Umbauma\u00dfnahmen, die erarbeiteten Vorschl\u00e4ge zur Umgestaltung aus st\u00e4dtebaulicher und -r\u00e4umlicher Sicht samt der Wohnumfeldgestaltung wurden stetig dem Bauherrn vorgestellt und mit ihm intensiv diskutiert. Erg\u00e4nzungen, Korrekturen etc. flossen in die erarbeiteten Unterlagen ein. Alle Akteure wirkten aktiv mit.<br \/>\nDer Vergleich der berechneten Ergebnisse zur energetischen Aufwertung nach o.a. computergest\u00fctzten Programmen zeigt, dass diese nicht immer identisch sind. Zwar wurden f\u00fcr dieselben Varianten die besten Ergebnisse ermittelt, auch die Abstufung verhielt sich etwa ad\u00e4quat, aber die einzelnen Kennwerte weichen z. T. erheblich voneinander ab wie z.B. die Energie-\/Betriebskosten  f\u00fcr Fernw\u00e4rme und Strom. Dennoch besteht Kongruenz darin, dass durch eine verbesserte H\u00fcllfl\u00e4che und Anlagentechnik Energieverluste in Abh\u00e4ngigkeit des Niveaus der Sanierungsma\u00dfnahme erwartungsgem\u00e4\u00df reduziert werden. Unstrittig ist, dass aus technischer Sicht Passivhaus-Standard erzielbar ist. Mit Passivhaus-Var. 2 (Heizung zentral (Fernw\u00e4rme), Warmwasserversorgung zentral mit Zirkulation und Solaranlage, Zu- und Abluftanlage mit W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung) sind die h\u00f6chsten Reduktionen gegen\u00fcber dem Bestandsgeb\u00e4ude erzielbar. N\u00e4mlich: -90 % Heizw\u00e4rmebedarf, -85 % bis -95 % Endenergiebedarf und -85 % bis -90 % Prim\u00e4renergiebedarf. Hinsichtlich der Herstellungskosten ist dies jedoch die aufw\u00e4ndigste. Die Energiekosten der Passivhaus-Varianten reduzieren sich am st\u00e4rksten; gegen\u00fcber dem Bestand um ca. 83   94 %. Die Berechnung der Lebenszykluskosten nach LEGEP ergab, dass nach statischer Berechnung die g\u00fcnstigste Variante die Passivhaus-Var. 2 ist, aber nach dynamischer Berechnung des Barwerts in \u0080\/m\u00b2 BGF die Effizienzhaus 70-Var. 1 am besten abschneidet. Die \u00f6kologischen Untersuchungsergebnisse belegen, dass durch die Passivhaus-Var. 2 die h\u00f6chste quantitative Entlastung erzielt wird.<br \/>\nUnter Ber\u00fccksichtigung der M\u00f6glichkeiten der F\u00f6rdermittelinanspruchnahme im Freistaat Sachsen in H\u00f6he von 130 \u0080\/m\u00b2 NGF, Wfl. hat der Bauherr zwar nicht die Passivhaus-Var. 2, aber zumindest die ermittelte Passivhaus-Var. 1 (Heizung zentral (Fernw\u00e4rme), Warmwasserversorgung zentral mit Zirkulation, Zu- und Abluft mit W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung) umgesetzt. Die Solaranlage (entspr. Passivhaus-Var. 2) ist aus Kostengesichtspunkten nicht installiert worden.<br \/>\n\u00c4u\u00dferst kritisch anzumerken ist, dass die Vorschl\u00e4ge, alternative D\u00e4mmstoffe f\u00fcr die Au\u00dfenwand (z. B. Steinwolle, Zellulose) zu verwenden, leider unber\u00fccksichtigt blieben. Die D\u00e4mmung des Drempelgeschosses hingegen erfolgte aus Kostengr\u00fcnden mit Holzfaserd\u00e4mmung &#8211; also auch \u00f6kologisch sinnvoll.<br \/>\nDenn gegen die Verwendung von Polystyrol sprechen mehrere Aspekte. Zum einen betrifft dies die Phase Abbruch\/R\u00fcckbau am Ende des Lebenszyklus mit nachfolgender Entsorgung des hier im Bestand erzeugten Verbundbaustoffes\/-systems. Zum anderen besteht das Problem der Algenbildung und starker Verschmutzung von Au\u00dfenputzen auf WDVS, was sich auch \u00e4sthetisch in k\u00fcrzester Zeit negativ auf die Umgebung auswirkt.<br \/>\nDie Untersuchungen haben gezeigt, dass es nicht ausreicht, energetische Sanierungen eines Plattenbaukarrees einzuleiten. Der erfolgreiche, nachhaltige Umbau eines solchen Quartiers ist nur in seiner Komplexit\u00e4t zu erreichen. Es sind gesamtheitliche L\u00f6sungen aus architektonisch, st\u00e4dter\u00e4umlicher Sicht, aus Vermarktungssicht der Wohnungen neben den o. a. Untersuchungen erforderlich. Dies erfolgte hier in der vorgelegten Arbeit. Dieser komplexe L\u00f6sungsansatz ist verallgemeinerbar. Ein Rezept zur energetischen Sanierung f\u00fcr die Aufwertung von Plattenbaukarrees gibt es nicht, weil die lokalen Rahmenbedingungen immer unterschiedlich sind.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich erzielte Arbeitsergebnisse sind kontinuierlich, d. h. mehrfach unter Einbeziehung der Kooperationspartner, Vertretern des Bauherrn und z. T. G\u00e4sten (bspw. Vertretern der SAB) vorgestellt und intensiv diskutiert worden. Eine Endpr\u00e4sentation zu allen ermittelten Ergebnissen fand vor dem Bauherrn statt.<br \/>\n\u00dcber regionale Medien (lokale Zeitungen) wurde mehrfach von der Umgestaltung des Wohnquartiers berichtet. Allerdings konzentrierten sich die Aussagen \u00fcberwiegend auf den Abbau des Wohnungs\u00fcberhangs und auf die Erf\u00fcllung der Wohnbed\u00fcrfnisse der Mieter. Dass durch die Umsetzung der Passivhaus-Variante in rd. 15 % der Wohnungen des Karrees ein Beitrag zum st\u00e4dtischen Klimaschutz erzielt wird, ist leider nur kurz in einem Beitrag erw\u00e4hnt worden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Autoren schlagen vor, die hier umfassend erzielten Ergebnisse f\u00fcr Sanierungsma\u00dfnahmen von Plattenbaukarrees ganzheitlich in einem zu erarbeitenden Leitfaden Nachhaltige Sanierung Plattenbau einflie\u00dfen zu lassen und diese um die Monitoring-Untersuchungen zu erg\u00e4nzen. Die methodische Herangehensweise sollte so gestaltet werden, dass sich die unterschiedlichen Sichtweisen bzw. Akteurshandlungen (Bauherr, Planer, ausf\u00fchrende Unternehmen, F\u00f6rdermittelgeber, Politiker, Nutzer) wiederspiegeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens An einem konkreten Fallbeispiel (komplexes Wohnquartier\/Wohnkarree) am Standort Wei\u00dfwasser soll exemplarisch die best-practice-L\u00f6sung (Vorzugsvariante) f\u00fcr angepasste, energetische sowie bautechnische und architektonische Aufwertungsma\u00dfnahmen f\u00fcr den zu ver\u00e4ndernden Plattenbaubestand (Ver\u00e4nderung, Reduzierung) aufgezeigt werden. Derzeitige Sanierungsma\u00dfnahmen von industriell errichteten Wohnbauten beinhalten meist eindimensionale Untersuchungen und L\u00f6sungen. 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