{"id":25045,"date":"2023-10-01T10:32:06","date_gmt":"2023-10-01T08:32:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/26854-01\/"},"modified":"2023-10-01T10:32:08","modified_gmt":"2023-10-01T08:32:08","slug":"26854-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/26854-01\/","title":{"rendered":"ntwicklung und Erprobung eines Systems von dezentralen mobilen Erfassungsger\u00e4ten und zentralen GIS-Anwendungen zur Steigerung von Qualit\u00e4t, Effizienz und Attraktivit\u00e4t der ehrenamtlichen Artenerfassung im Gel\u00e4nde (Artenerfassung digital in Niedersac[&#8230;]"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Wissen um Vorkommen und Verbreitung wildlebender Tier- und Pflanzenarten in Niedersachsen st\u00fctzt sich wesentlich auf die Arbeit von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in Naturschutzverb\u00e4nden, die ihre Arbeitsergebnisse der zust\u00e4ndigen Fachverwaltung melden. Im Zeitalter der Automatisierung von Er-fassung, \u00dcbertragung und Verarbeitung von Daten bieten sich Methoden an, die den derzeitigen Arbeits-ablauf erleichtern und beschleunigen. Derzeit werden Aufnahmen im Feld noch mit Notizblock, Kompass und Bestimmungsb\u00fcchern durchgef\u00fchrt. Die Standortbestimmung per GPS, die Vorortbearbeitung von Information mit einem Smartphone und die Daten\u00fcbertragung per UMTS\/GPRS entsprechen heute dem technischen Alltag. Eine \u00dcbertragung von im Feld erfassten Daten direkt an die zust\u00e4ndige Fachverwal-tung kann dort den erforderlichen Bearbeitungsaufwand reduzieren und zu Einsparungen f\u00fchren. Zudem k\u00f6nnen die Beobachtungen zeitnah \u00fcbermittelt werden; auch R\u00fcckkoppelungen an die Ehrenamtlichen noch w\u00e4hrend des Erfassungszeitraums sind m\u00f6glich. Ziel des Vorhabens war die Konzeption, Entwick-lung und Erprobung einer geeigneten Infrastruktur und einer die Arbeit vereinfachenden Erfassungssoft-ware zum Einsatz auf markt\u00fcblichen Smartphones und Tablet PCs sowie die Bereitstellung, Visualisie-rung und Analyse der erfassten Daten mit dem WebGIS-Portal eMapper. Diese Software sollte an die Er-fordernisse im Zusammenhang mit amtlich zu erhebenden Artendaten (Libellen und V\u00f6gel) angepasst werden. Mit den zu entwickelnden Komponenten der Artenerfassung und dem Einsatz mobiler Endger\u00e4te k\u00f6nnen insbesondere j\u00fcngere Menschen f\u00fcr ehrenamtliche T\u00e4tigkeiten im Naturschutz angesprochen werden und dem Trend der \u00dcberalterung bei den ErfasserInnen entgegenwirken. Die Softwareprodukte sollten in ausgiebigen Gel\u00e4ndetests erprobt werden um Schwachstellen auszubessern.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAusgehend von der grundlegenden Planung der Architektur des Artenerfassungssystems wurden die Aufgaben nach Arbeitspaketen aufgeteilt durchgef\u00fchrt. Beginnend mit der Entwicklung von Erfassungs-hilfen f\u00fcr die Artenbestimmung von Brut- und Rastv\u00f6geln sowie von Libellen durch den NABU und die AG Libellen in Zusammenarbeit mit der Jadehochschule, folgte die Umsetzung mit der Entwicklung der Bestimmungs- und Erfassungssoftware f\u00fcr die erworbenen Testger\u00e4te (Samsung Galaxy, IPhone, IPad, Motorola Defy, Betriebssysteme Android und IOS) innerhalb der ersten zwei Quartale. Die Endger\u00e4te wurden nach vorhandenen Schnittstellen, M\u00f6glichkeiten der Integration eigener Software und Handlich-keit aber auch nach den Kosten gew\u00e4hlt. F\u00fcr die Implementierung der Methoden der Artenerfassung wurden Treffen zwischen Entwicklern und ehrenamtlich sowie beruflich T\u00e4tigen Artenerfassern durchge-f\u00fchrt. Hier wurden die Methoden in Worklflows aufgezeichnet und anschlie\u00dfend in die Erfassungskomponenten integriert. F\u00fcr die Bestimmung von Libellenarten konnte ein Bestimmungsschl\u00fcssel des NABU herangezogen und digital aufbereitet werden. Artensteckbriefe f\u00fcr V\u00f6gel und Libellen konnten auf Basis von Informationen aus einschl\u00e4giger Literatur und anhand von Fotos und Zeichnungen ehrenamtlich T\u00e4tiger sowie aus Wikipedia-Quellen hergestellt werden. Die zu erhebenden Parameter der Artenerfassungen richteten sich nach den vom Nieders\u00e4chsischen Landesbetrieb f\u00fcr Wasserwirtschaft, K\u00fcsten- und Naturschutz angebotenen Meldeb\u00f6gen. Der Libellen-Erfassungsbogen wurde um erg\u00e4nzende Parameter der Meldeb\u00f6gen aus Baden-W\u00fcrttemberg und Nordrhein-Westfalen erweitert. Um die Erfassung von Arten zu kontrollieren, wurden Plausibilit\u00e4tskontrollen auf Basis der in den Apps vorliegenden Arteninformationen zum Zeitraum und des Gebietes des Vorkommens\/Auftretens integriert.<br \/>\nNachdem ein erster Prototyp der Software mit den Smartphones durch Mitglieder des NABU sowie im Rahmen eines universit\u00e4ren Praktikums durch Studenten ab dem dritten Quartal im Gel\u00e4nde getestet wurde, konnten die Softwaremodule zur Artenbestimmung, Erfassung und Daten\u00fcbertragung bis Ende des siebten Quartals weiter optimiert und getestet werden. Parallel zur Entwicklung der Funktionalit\u00e4ten der mobilen Software bzw. WebApps wurden die Softwarekomponenten f\u00fcr die zentrale Datenerfassung auf einem Server in enger Kooperation zwischen der Jadehochschule, IP SYSCON und der Universit\u00e4t Oldenburg abgestimmt und der Server eingerichtet. In die Infrastruktur des Servers wurde die Visualisie-rungskomponente \u0084eMapper\u0093 einschlie\u00dflich der als Basis zu Grunde liegenden Open Source Software in-tegriert. Diese Software wurde um die digitalen Formulare zur Modifikation von Daten zu den genannten Arten und um Auswertungsroutinen erweitert. Ab dem vierten Quartal wurden die Visualisierungs- und Analysekomponenten getestet und der Datenexport erprobt. Die Programmierung der jeweiligen Soft-warekomponenten erfolgte in enger Kooperation zwischen Entwicklern und Mitgliedern der Naturschutz-verb\u00e4nde. Ab Ende des siebten Quartals wurde die Infrastruktur bis zur abschlie\u00dfenden Praxistauglich-keit optimiert.<br \/>\nEin Beirat begleitete die Arbeiten des Projekts, das auch im April 2012 bei der Nieders\u00e4chsischen Natur-schutzakademie in Schneverdingen auf einer daf\u00fcr eingerichteten Tagung vorgestellt wurde. <\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mit dem Projekt ARDINI konnte eine Infrastruktur f\u00fcr die Artenerfassung hergestellt werden, wie sie in Deutschland bisher einmalig ist. Einerseits werden die amtlichen Vorgaben f\u00fcr die zu erfassenden Para-meter beachtet, auf der anderen Seite werden schon mit dem Versand der Daten an den Server interna-tionale Standards der Geodatenverarbeitung nach dem Open Geospatial Consortium genutzt. Die Daten k\u00f6nnen so \u00fcber eine Schnittstelle direkt in die GIS-Infrastruktur der Beh\u00f6rde integriert werden. Eine Digi-talisierung der sonst schriftlich vorliegenden Daten und Geodaten entf\u00e4llt somit bei der Beh\u00f6rde. Auch die Plausibilit\u00e4tskontrollen werden zu einem Teil bereits auf den Ger\u00e4ten durchgef\u00fchrt, so dass auch dieses zu einer Vereinfachung der Arbeit f\u00fchrt. Beispieldaten von Testerfassungen wurden der IT-Abteilung des NLWKN in Norden bereits zur Verf\u00fcgung gestellt, um vor Ort die M\u00f6glichkeiten der Einrichtung einer Schnittstelle zu pr\u00fcfen.<br \/>\nZwar kann der Ablauf der Datenerfassung vom Gel\u00e4nde bis in die zentralen Stellen der Landesbeh\u00f6rde vereinfacht und vor allem beschleunigt werden, jedoch bleibt anzumerken, dass nationale Standards der Artenerfassung noch fehlen. Dieses w\u00fcrde einen Einsatz der Apps im gesamten Bundesgebiet f\u00fcr die Erfassung von Libellen- und Vogeldaten erlauben. Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr die vollst\u00e4ndige Nutzung der Apps liegen in der Verwendung der Bestimmungshilfe f\u00fcr Libellen sowie in der Nutzung der Fotos und Tonbeispiele. Diese durften nur f\u00fcr die Projektlaufzeit bzw. im Rahmen der NABU-Mitgliedschaft verwendet werden.<br \/>\nDer Quellcode der Apps wird als Open Source Software bereitgestellt (Webseite: www.ardini.de). Damit w\u00e4ren auch andere Naturschutzverb\u00e4nde und Beh\u00f6rden in der Lage, die Apps an die l\u00e4nderspezifischen Standards anzupassen. Eigene Abbildungen und Arteninformationen k\u00f6nnten integriert werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Mitglieder der AG Libellen Weser-Ems (BIOSYS e.V.) wurden im Oktober 2010 \u00fcber den aktuellen Stand des Projekts informiert und auf die M\u00f6glichkeiten der Mitarbeit im Rahmen der Testphase hingewiesen. Die ehrenamtlichen Beobachter der OAO wurden auf deren Jahresversammlung am 13.11.2010 im Gut Altona \u00fcber den aktuellen Stand des Projekts informiert und die speziell interessierten Mitarbeiter auf die kommenden T\u00e4tigkeiten im Rahmen der Probeerfassung von V\u00f6geln hingewiesen.<br \/>\nDurch die IP SYSCON GmbH wurde ein Beitrag auf der Geoinformatik 2011 vom 15.06 bis 17.06. 2011 in M\u00fcnster in der Rubrik \u0084Innovative Anwendungen\u0093 mit dem Titel \u0084WebGIS-Technologien im Einsatz f\u00fcr den ehrenamtlichen Naturschutz\u0093 vorgestellt. Hier wurde auch das Projekt \u0084ARDINI\u0093 aufgef\u00fchrt. Eine Kurzver\u00f6ffentlichung dazu ist im Tagungsband erschienen (auch online unter dem angegebenen Link verf\u00fcgbar):<br \/>\nLipski, A. &#038; Hachmann, R. (2011): WebGIS-Technologien im Einsatz f\u00fcr den ehrenamtlichen Naturschutz. In: Schwering, A., Pebesma, E. &#038; Behncke, K. [Hrsg.]: Geoinformatik 2011 \u0084Geochange\u0093: S. 215-218. (http:\/\/www.osnago.de\/110527aka_gi2011_gesamt_p5.pdf)<br \/>\nBei der AGIT in Salzburg wurde das Projekt am 08.07.2011 im Rahmen eines Vortrags und eines Artikels im Tagungsband unter dem Titel \u0084Artenerfassung digital in Niedersachsen \u0096 Ein Beitrag zur effektiveren Arbeit im ehrenamtlichen Naturschutz\u0093 der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt.<br \/>\nAden, C., Schaal, P. &#038; Loesbrock, J. (2011): Artenerfassung digital in Niedersachsen \u0096 Ein Beitrag zur effektiveren Arbeit im ehrenamtlichen Naturschutz. In: Strobl, J., Blaschke, T. &#038; Griesebner, G. [Hrsg.]: Angewandte Geoinformatik 2011: Beitr\u00e4ge zum 23. AGIT-Symposium Salzburg, Wichmann, S. 196 ff.<br \/>\nAuf der Jahresversammlung 2011 der OAO am 5.11.2011 in Westerstede-Burgforde wurde wiederum der aktuelle Stand des Projekts pr\u00e4sentiert und \u00fcber Anforderungen und Erfahrungen bei der mobilen Erfassung diskutiert.<br \/>\nBei dem eigens f\u00fcr das Projekt eingerichteten Statusseminar \u0084ARDINI\u0093 vom 23.-24.04.2012, bei der Nieders\u00e4chsischen Naturschutzakademie, wurde das Projekt praktisch und mit Hilfe von Pr\u00e4sentationen einem Fachpublikum sowie dem Beirat vorgestellt.<br \/>\nBei der AGILE &#8211; International Conference on Geographic Information Science 2012 vom 24.-27.04.2012 (Avignon, Frankreich) wurde das Projekt mit einem Poster sowie einem schriftlichen Beitrag vorgestellt.<br \/>\nBrinkhoff, T. Loesbrock, J. (2012): Mobile Mapping of Dragonflies and Birds by Portable Web Apps. (Online Abstract: http:\/\/iapg.jade-hs.de\/personen\/brinkhoff\/paper\/AGILE2012.pdf)<br \/>\nAm 30.08.2012 wurde das Projekt im Rahmen des GiN-Forums &#8220;Mobile Systeme&#8221; pr\u00e4sentiert:<br \/>\nBrinkhoff, T.: Mobile Erfassung von Brutv\u00f6geln und Libellen am Beispiel des Projektes \u0084ARDINI\u0093<br \/>\nEine weitere Ver\u00f6ffentlichung wurde am 01.10.2012 bei der Fachzeitschrift &#8220;Naturschutz und Landschaftsplanung&#8221; zur Begutachtung eingereicht:<br \/>\nAden, C., Kastner, F., Loesbrock, J. &#038; Krohn-Grimberghe, S.: Neue Ans\u00e4tze digitaler Artenerfassung f\u00fcr den ehrenamtlichen Naturschutz &#8211; Ergebnisse der Entwicklung mobiler L\u00f6sungen im Rahmen des Projekts &#8220;Artenerfassung digital in Niedersachsen&#8221;<br \/>\nBei der INTERGEO (Hannover, 9.-11.10.2012) wurde das Projekt ebenfalls mit einem Poster auf dem Messestand der Jade Hochschule vorgestellt. <\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt stellte sowohl technische als auch kommunikative Herausforderungen an die Mitglieder der einzelnen Arbeitsgruppen. Es trafen ehrenamtlich T\u00e4tige, Biologen und Landschafts\u00f6kologen, Software-entwickler und Umweltwissenschaftler aufeinander. Die Ergebnisse des Projekts zeigen jedoch, dass die Aufgaben unter Zustimmung aller Beteiligten erfolgreich bearbeitet werden konnten und eine einsatzbe-reite Infrastruktur umgesetzt werden konnte, die den gestellten Anspr\u00fcchen gerecht wird und die Arbeit der im Feld T\u00e4tigen als auch der Sachbearbeiter in der Beh\u00f6rde vereinfachen und beschleunigen kann. Dabei wurden auch bereits Vorstellungen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Entwicklungen besprochen, die im Rahmen die-ses Projekts nicht mehr umgesetzt werden konnten. Zum einen geht es dabei um die Implementierung des Systems in Niedersachsen, zum anderen aber auch um die Angleichung von Erfassungsstandards in Deutschland, um die zentrale Erfassung solcher Daten in nationalen Beh\u00f6rden zu vereinfachen. Auch die Implementierung von Open Source Bestimmungsschl\u00fcsseln (z. B. Key2Nature) stellt eine M\u00f6glichkeit der Fortentwicklung der Apps dar. Schlie\u00dflich bleibt anzumerken, dass mit diesem Projektkonsortium eine sehr gut kooperierende Gruppe entstanden ist, die weitere Anstrengungen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Projekte unter-nimmt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Wissen um Vorkommen und Verbreitung wildlebender Tier- und Pflanzenarten in Niedersachsen st\u00fctzt sich wesentlich auf die Arbeit von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in Naturschutzverb\u00e4nden, die ihre Arbeitsergebnisse der zust\u00e4ndigen Fachverwaltung melden. 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