{"id":25004,"date":"2023-09-30T10:32:39","date_gmt":"2023-09-30T08:32:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/26476-01\/"},"modified":"2023-09-30T10:32:39","modified_gmt":"2023-09-30T08:32:39","slug":"26476-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/26476-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderschwerpunkt: Langzeitkontrolle von Ma\u00dfnahmen zur Beseitigung anthropogener Umweltsch\u00e4den an bedeutenden Kulturdenkm\u00e4lern &#8211; Untersuchungen im Regionalverbund Nord-Ost"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Nach wie vor ist in der Denkmalpflegepraxis die Tendenz zu periodischen Gro\u00dfma\u00dfnahmen zu beobachten, in deren Verlauf Geb\u00e4ude und Einzelmonumente in umfassender Weise instandgesetzt und renoviert werden. Unter dem Druck knapper \u00f6ffentlicher Finanzmittel ist diese kostspielige Art der Restaurierung bei zunehmend k\u00fcrzeren Restaurierungsintervallen jedoch nicht mehr haltbar. Es besteht deshalb gro\u00dfer Bedarf an der Qualit\u00e4tssicherung und Nachhaltigkeit f\u00fcr alle k\u00fcnftigen Restaurierungsma\u00dfnahmen. Die beste M\u00f6glichkeit, diese Forderungen zu erf\u00fcllen, besteht in der Untersuchung vorangegangener Ma\u00dfnahmen und der Analyse, wie sich diese im Lauf der Jahre im nat\u00fcrlichen Umfeld bew\u00e4hrt haben. Im Verbund der Kooperationspartner, die in drei Regionalgruppen und entsprechenden Einzelprojekten organisiert sind, sollen deshalb zielgerichtet ausgew\u00e4hlte Denkm\u00e4ler untersucht werden, die einen m\u00f6glichst breiten Bereich an Gesteinen und Konservierungsmethoden abdecken. Vorrangige Ziele des Verbundprojekts sind:<br \/>\n\teine einheitliche, auf m\u00f6glichst einfachen Messungen beruhende Methodik f\u00fcr das Monitoring von Steinkonservierungsma\u00dfnahmen zu entwickeln<br \/>\n\tauf der Grundlage einer breiten Datenbasis ein System zur allgemeinen Bewertung der Dauerhaftigkeit g\u00e4ngiger Konservierungsmittel und -methoden \u00fcber die Einzelfallbewertung hinaus zu schaffen<br \/>\n\tDenkmaleigent\u00fcmern einen Empfehlungskatalog bereitzustellen, mit dem sie eine kosteng\u00fcnstige und nachhaltige Pflege ihres Denkmals erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUm diese Ziele zu erreichen, wird ein Kanon von Untersuchungsmethoden bewertet. Die sichersten und am besten durchf\u00fchrbaren Untersuchungsmethoden wurden als verbindlich zur Untersuchung an allen ausgew\u00e4hlten Denkm\u00e4lern vereinbart. Ein wichtiges Auswahlkriterium war, dass die Untersuchungsmethoden nach einer standardisierten Vorschrift auch noch nach Jahrzehnten bekannt sind und unabh\u00e4ngig von der messenden Person verl\u00e4ssliche Resultate liefern. Jeder Partner steuerte seinen Teil zu der genannten Datenbasis bei. Die Auswertung aller Projektergebnisse m\u00fcndet in die Schlussfolgerungen.<br \/>\nArbeitsschritte:<br \/>\n\tdie Entwicklung einer sicheren, einheitlichen und m\u00f6glichst einfachen Monitoring Methodik und<br \/>\n\tdie Bereitstellung einer breiten Datenbasis zur Bewertung von Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit weit verbreiteter Konservierungsstoffe und Konservierungsmethoden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Nachuntersuchungen fr\u00fcherer Ma\u00dfnahmen zur Konservierung und Restaurierung von Naturstein wurden an ca. 35 Objekten im Rahmen des Projektes von verschiedenen erfahrenen Restauratoren und Naturwissenschaftlern mit jeweils verschiedenen Kombinationen standardisierter Pr\u00fcfmethoden durchgef\u00fchrt.<br \/>\nF\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung einer hydrophobierenden Impr\u00e4gnierung wurde an den Objekten zumeist das Karstensche Pr\u00fcfr\u00f6hrchen eingesetzt. Hinsichtlich der Dauerhaftigkeit der Ma\u00dfnahme deutet sich eine direkte Abh\u00e4ngigkeit vom behandelten Gestein ab. Haupts\u00e4chlich kieselig gebundene Sandsteine weisen eine nachhaltigere Wirkung der ausgef\u00fchrten Hydrophobierungen auf als vorwiegend tonig gebundene Materialien. Gr\u00fcnbewuchs als bekannte Folge einer Hydrophobierung konnte vereinzelt beobachtet werden. An vielen der im Projekt nachuntersuchten Objekte waren Steinfestigungen mit Kiesels\u00e4ureester vorgenommen worden. Ein Vergleich der Untersuchungsergebnisse ist nur bedingt m\u00f6glich, da viele Einflussfaktoren zu ber\u00fccksichtigen sind. Bez\u00fcglich der Nachhaltigkeit der Ma\u00dfnahmen zeigt sich trotz aller Streuung erwartungsgem\u00e4\u00df eine Tendenz zu schlechteren Bewertungen mit zunehmendem Behandlungsalter. An den im Projekt untersuchten Denkmalobjekten wurde starkes Absanden in gefestigten Bereichen vor allem dort gefunden, wo bei der letzten Restaurierung keine Ma\u00dfnahmen zur Reduzierung der damals schon vorliegenden Salzbelastungen vorgenommen wurden. Auch die Acrylharzvolltr\u00e4nkung (AVT) fand im Rahmen des Projektes Ber\u00fccksichtigung. Sch\u00e4den an \u00e4lteren Objekten ergeben sich aus damaligen Problemen des Verfahrens. Zur Bewertung der AVT wurden im Rahmen dieses Projekts sowohl Problemgesteine als auch Marmor herangezogen und mittels Ultraschall nachuntersucht. Als Ergebnis l\u00e4sst sich festhalten, dass sich das Konservierungsverfahren an Marmorobjekten sehr gut bew\u00e4hrt hat. Das Verfahren f\u00fchrt zu sehr guten Festigkeitssteigerungen, die auch nach \u00fcber 20 Jahren noch wirksam sind. Hinsichtlich toniger Sandsteine ist eine andere Entwicklung zu beobachten. Als Ergebnis l\u00e4sst sich festhalten, dass die AVT zwar zu einer Festigkeitssteigerung des Sandsteins, aber auch zu intensiver Rissbildung gef\u00fchrt hat. Dies l\u00e4sst das Konservierungsverfahren f\u00fcr diese Gesteinsart problematisch erscheinen. Im Zuge von Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an steinernen Objekten spielen auch Steinerg\u00e4nzungsmaterialien eine entscheidende Rolle. Je nach Gesteinsart, Art und Umfang an Sch\u00e4den sowie denkmalpflegerischer oder handwerklicher Vorgabe werden verschiedenartige Produkte eingesetzt. Unabh\u00e4ngig von der jeweiligen Rezeptur zeigt sich ein unterschiedliches Langzeitverhalten. Gro\u00dffl\u00e4chig und d\u00fcnn aufgezogene Erg\u00e4nzungsmassen neigen aufgrund spannungsreicher und feuchtesperrender Materialeigenschaften zu Schadensbildern wie Hohlstellen und Rissen. Nicht selten kommt es durch zu dichte Steinerg\u00e4nzungsm\u00f6rtel zu Folgesch\u00e4den durch Feuchte- und Salzverlagerung in angrenzende Steinbereiche. Eine Abh\u00e4ngigkeit von der Standzeit ist schwer nachzuvollziehen, zu individuell sind dabei Art und Weise der Applikation, Parameter zu Stein und M\u00f6rtelrezeptur sowie objektspezifische Gegebenheiten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4sentation des im Rahmen des Verbundprojektes erstellten Leitfaden Naturstein-Monitoring, der die Ergebnisse der Untersuchungen und die empfohlene Methodik erl\u00e4utert, erfolgte im Rahmen einer stark frequentierten Fachtagung auf der DENKMAL 2010 in Leipzig. (Extrabericht)<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Naturstein-Monitoring ist in der Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege von besonderer Bedeutung. F\u00fcr ein verl\u00e4ssliches Monitoring sind Untersuchungsverfahren zu empfehlen, deren Methodik und Auswertung standardisiert und auch noch nach Jahrzehnten bekannt sind und ohne gro\u00dfen Aufwand durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nNaturstein-Monitoring liefert Aussagen zu:<br \/>\no\tder Best\u00e4ndigkeit der Steinvariet\u00e4ten in Abh\u00e4ngigkeit von Exposition und fr\u00fcherer Behandlung<br \/>\no\tder Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit von Mitteln \/ Ma\u00dfnahmen zur Konservierung und Restaurierung<br \/>\no\tder material- und objektspezifischen Definition von Wartungs- und Pflegezyklen zur langfristigen Substanzerhaltung und Kostenkontrolle<br \/>\nNeben materialrelevanten Aspekten und Aussagen zu Wartungsintervallen gibt es auch Effekte, die zur Kostenkontrolle der Bauunterhaltung sowie zur Kosteneinsparung beitragen k\u00f6nnen.<br \/>\n\u00d6konomische Bedeutung:<br \/>\no\tdie Feststellung von notwendigen u. die Vermeidung von unn\u00f6tigen bzw. sch\u00e4dlichen Ma\u00dfnahmen,<br \/>\no\tdie Fr\u00fcherkennung von Schadensprozessen,<br \/>\no\tdie Schadensvorsorge zur Vermeidung von Gro\u00dfsch\u00e4den, deren Beseitigung weitaus mehr kostet, als die kontinuierliche Wartung und Pflege im Rahmen des Bauunterhalts.<br \/>\nDas Monitoring muss als Bestandteil der Bauunterhaltung betrachtet werden.<\/p>\n<p>Neben einer Pr\u00fcfung unmittelbar nach einer Neubehandlung sollte die Effektivit\u00e4t der Ma\u00dfnahme in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden kontrolliert werden. Es wird empfohlen, die behandelten Fl\u00e4chen im 5-j\u00e4hrigen Rhythmus zu begutachten. Kritische Materialien, wie beispielsweise der Schilfsandstein, erfordern k\u00fcrzere Untersuchungsintervalle. Das Monitoring soll an Referenzfl\u00e4chen unter Ber\u00fccksichtigung der verschiedenen Expositionen und Geb\u00e4udesituationen erfolgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Nach wie vor ist in der Denkmalpflegepraxis die Tendenz zu periodischen Gro\u00dfma\u00dfnahmen zu beobachten, in deren Verlauf Geb\u00e4ude und Einzelmonumente in umfassender Weise instandgesetzt und renoviert werden. Unter dem Druck knapper \u00f6ffentlicher Finanzmittel ist diese kostspielige Art der Restaurierung bei zunehmend k\u00fcrzeren Restaurierungsintervallen jedoch nicht mehr haltbar. 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