{"id":24996,"date":"2023-10-01T10:32:02","date_gmt":"2023-10-01T08:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/26723-01\/"},"modified":"2023-10-01T10:32:06","modified_gmt":"2023-10-01T08:32:06","slug":"26723-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/26723-01\/","title":{"rendered":"Sanierung der umweltgesch\u00e4digten fr\u00fchgotischen Kalksteinportale der Rostocker Marienkirche"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In das Querhaus der Marienkirche gew\u00e4hren zwei gro\u00dfe, fr\u00fchgotische Portale den Zugang. Beide Portale wurden w\u00e4hrend einer fr\u00fcheren Restaurierungsphase mit einer Beschichtung \u00fcberzogen. Es ist nicht erkennbar, ob die Portale nur aus Kalkstein oder auch aus anderen Materialien (Kalkstuck) bestehen. Die Schl\u00e4mme zeigen viele Risse und Fehlstellen, an denen stark besch\u00e4digtes Originalmaterial sichtbar ist. Proben weisen eine extreme Belastung bausch\u00e4dlicher Salze auf. In Verbindung mit dem \u00dcberzug und eindringender Feuchte kommt es deshalb zu fortschreitendem Verlust an der Originalsubstanz. Die wissenschaftlichen Untersuchungen haben die Schadwirkung und die Beseitigung oder Reduzierung der umweltbedingten Eintr\u00e4ge und der sch\u00e4digenden Schl\u00e4mme, sowie die Sicherung der Originalsubstanz zum Gegenstand. Sie sind Grundlage f\u00fcr die fachgerechte restauratorische Erhaltung beider Portale mit dem Ziel einer Standzeitverl\u00e4ngerung dieser bedeutenden Bauteile.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenInhalte der wissenschaftlichen Untersuchungen: 1. Aufnahme des Bestandes und Zustandes der Portale, 2. Untersuchung der Materialien, 3. Untersuchung der Salzbelastung und klimatischen Bedingungen, 4. praktische Versuche zur Abnahme der Schl\u00e4mme und zur Salzreduzierung, 5. Festlegung des Restaurierungskonzeptes, 6. Auswahl und Anpassung von Konservierungsmaterialien, 7. Anlage von Musterfl\u00e4chen und Begutachtung, 8. Begleitung der Durchf\u00fchrung der Ma\u00dfnahme.<br \/>\nNach Ger\u00fcstaufstellung an beiden Portalen und Aufnahme des Bestandes und Zustandes sowie Untersuchungen zu Schadensfaktoren, Ausma\u00df der Umweltbelastung und Sch\u00e4digungsgrad und -tiefe werden Versuche zur Abnahme der Schl\u00e4mme mit verschiedenen Verfahren durchgef\u00fchrt. Methoden und Materialien f\u00fcr Konservierungsarbeiten (Festigung, Schlie\u00dfen von Fehlstellen, Rissen und Fugen, Hinterf\u00fcllen loser Partien, Schutz- oder Opferschicht) an der Originalsubstanz werden entwickelt und erprobt.<br \/>\nDie bautechnischen, restauratorischen und wissenschaftlichen Ergebnisse werden dokumentiert.<br \/>\nZiel ist es, f\u00fcr nachtr\u00e4glich beschichtete und umweltgesch\u00e4digte Denkmale aus Kalkstein oder Kalkstuck des Ostseeraums ein schonendes Verfahren zur Entfernung der sch\u00e4dlichen \u00dcberz\u00fcge und Konservierungs- und Restaurierungsm\u00f6glichkeiten zu entwickeln und anzuwenden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Untersuchung der Altbeschichtungen an beiden Portalen und der darunter liegenden Steinpartien zeigte deutlich den sch\u00e4digenden Einfluss. Praktische Versuche zur Reinigung f\u00fchrten zu dem Ergebnis, dass eine vorsichtige mechanische Abnahme dickerer Beschichtungen und Antragungen und eine nachfolgende trockene Mikropartikelstrahlreinigung das beste Resultat erzielte. Es folgte die Abnahme der Beschichtungen.<br \/>\nNach der Entfernung wurde deutlich, dass beide Portale nicht neu, sondern als Zweitverwendung versetzt worden sind. Beide Portale bestehen \u00fcberwiegend aus Kalksteinen. Es wurden zwei unterschiedliche Kalksteine und verschiedene M\u00f6rteltypen verwendet.<br \/>\nDie beiden Kalksteinvariet\u00e4ten unterscheiden sich stark in ihrem Aussehen, ihren physikalischen Eigenschaften und ihren Verwitterungsformen. Die bl\u00e4ulichen, dichten Kalksteine des S\u00fcdportals zeigen vor allem Aufbl\u00e4ttern und Schuppenbildung, sowie Rissbildung als Schadensformen, die hellen weicheren Kalksteine des Nordportals neigen zu Absanden, Schalenbildung und Br\u00f6ckelzerfall. Am Nordportal kamen untergeordnet auch die dichten Kalksteine zum Einsatz.<br \/>\nAls Setz- und Antragsm\u00f6rtel wurden Gipsm\u00f6rtel verwendet, die am Nordportal noch weitgehend erhalten waren, am S\u00fcdportal gab es nun noch wenige Zeugen dieser Technologie.<br \/>\nAufgrund dieser Ergebnisse mussten entgegen der urspr\u00fcnglichen Planung verschiedene Konservierungskonzepte sowie unterschiedliche Konservierungsmaterialien und Applikationstechniken erarbeitet werden.<br \/>\nBei den Gesteinen und M\u00f6rteln wurden die Materialeigenschaften bestimmt. Hierdurch ist die Basis f\u00fcr die Entwicklung angepasster Konservierungsmaterialien gegeben. F\u00fcr die dichten Kalksteine wurden zus\u00e4tzlich Ersatzgesteine f\u00fcr Steinerg\u00e4nzungen auf ihre Eignung untersucht. Das Konservierungskonzept f\u00fcr das S\u00fcdportal sieht vor: Stabilisierung der aufbl\u00e4tternden Bereiche, in begrenztem Rahmen Einsetzen von Steinerg\u00e4nzungen, F\u00fcllung von Hohlstellen, Schlie\u00dfung der Fugen und Oberfl\u00e4chenschutz mittels einer transparenten Schl\u00e4mme. Hier wurden M\u00f6rtelsysteme mit Kalk als Bindemittel empfohlen.<br \/>\nDas Konzept und die Konservierungsmaterialwahl f\u00fcr das Nordportal wichen davon ab. Es wurde eine Festigung instabiler Bereiche mit Kiesels\u00e4ureester vorgeschlagen, die Schlie\u00dfung der Fugen mittels Gipsm\u00f6rtel, gro\u00dfe Antragungen und eine Oberfl\u00e4chenschutzschl\u00e4mme auf Kalkbasis. F\u00fcr die innere Portalteile wurden teilweise Steinerg\u00e4nzungen in dem dichten Kalkstein aufgenommen. Die qualitativ hochwertigen Zementgusskapitelle von 1870 sollen erhalten werden.<br \/>\nKonservierungsmaterialien und  Applikationstechniken wurden teilweise neu entwickelt, teilweise wurden auch kommerzielle Produkte mit oder ohne Modifizierung verwendet. Alle Konservierungsmaterialien und Applikationstechniken wurden im Labor untersucht und an Musterfl\u00e4chen an den Portalen \u00fcberpr\u00fcft. Nach der Entwicklung und dem Test von Materialien und Anwendungstechniken wurde das Konservierungskonzept bei der Restaurierung der beiden Portale in die Praxis umgesetzt. Die Restaurierung ist abgeschlossen.<br \/>\nAlle Untersuchungen, praktischen Tests und die Durchf\u00fchrung erfolgten in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt f\u00fcr Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (LAKD): Dipl. Rest. Elke Kuhnert. Die Durchf\u00fchrung der Ma\u00dfnahme lag bei Dipl. Rest. Markus Mannewitz (Rostock).<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Rahmen des Projektes wurde eine Masterarbeit am Institut f\u00fcr Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der FH K\u00f6ln: Konservierung der Querhausportale der Marienkirche in Rostock von Dipl. Rest. Manuela Prechtel erstellt. Die Ergebnisse des Projektes wurden in verschiedenen Vortr\u00e4gen der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt, zuletzt beim Abschlusskolloquium des Projektes verbunden mit der Fachtagung Portale- und Gew\u00f6lbesicherung am 20.01.2012 in Rostock. Die Ergebnisse des Projektes werden weiterhin in der Schriftenreihe zu dieser Tagung und in einer Fachzeitschrift publiziert. Teilergebnisse wurden bereits in der Festschrift: Lehre und Forschung 25 Jahre CICS an der FH K\u00f6ln ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Rahmen des Projektes wurden nach der Kl\u00e4rung des Gef\u00e4hrdungspotentials der Altbeschichtungen Methoden ihrer schonenden Entfernung und individuelle Konservierungskonzepte f\u00fcr zwei verschiedene Kalksteine und M\u00f6rtelsysteme entwickelt, getestet und in der Restaurierung der Portale direkt in die Praxis umgesetzt. Aufgrund der guten Erhaltung von Gipsm\u00f6rteln am Nordportal wurde hier auch wieder in dieser mittelalterlichen Technik gearbeitet. Die Umsetzung der wissenschaftlichen und praktischen Untersuchungsergebnisse direkt in die Restaurierungsma\u00dfnahme ist beispielhaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In das Querhaus der Marienkirche gew\u00e4hren zwei gro\u00dfe, fr\u00fchgotische Portale den Zugang. 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