{"id":24958,"date":"2024-11-30T10:33:04","date_gmt":"2024-11-30T09:33:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/26625-01\/"},"modified":"2024-11-30T10:33:05","modified_gmt":"2024-11-30T09:33:05","slug":"26625-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/26625-01\/","title":{"rendered":"Die anthropogen umweltgesch\u00e4digten Burgen Drei Gleichen als Objekte einer Sanierungskonzeption in Zusammenarbeit von Naturschutz und Denkmalpflege"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die st\u00e4rkere Verkn\u00fcpfung von \u00f6kologischen und kulturellen Aspekten ist unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr den nachhaltigen Schutz von historischen Kulturlandschaften. Burganlagen sind in ihrer Gesamtheit sowohl einzigartige Bio- und Geotope als auch denkmalsch\u00fctzerisch besonders wertvolle Objekte. Die Region der Drei Gleichen-Burgen am S\u00fcdrand des Th\u00fcringer Beckens ist ein in Deutschland einzigartiges Ensemble aus Kulturlandschaft und Baudenkm\u00e4lern. Diese Burgberge bieten auch einer gro\u00dfen Vielfalt von einheimischen und eingewanderten Pflanzen- und Tierarten Zuflucht.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Gebiet der Drei Gleichen ist eine der landschaftlich reizvollsten Gegenden des Th\u00fcringens Beckens. Die Burgberge der Drei Gleichen sind weithin sichtbare Landschaftselemente. Wie der Bauk\u00f6rper der Burg sind auch die Vegetation des Burgberges und der besondere geologische Untergrund Teile eines Ensembles. Sie alle tragen die Spuren der \u00fcber die Jahrhunderte wechselnden Nutzung in sich und sind entsprechend herausgehoben aus dem v\u00f6llig anders &#8211; n\u00e4mlich durch Ackerbau und d\u00f6rfliche Siedlungen &#8211; gepr\u00e4gten Umland. Ebenso wie die Bauk\u00f6rper der Burgen selbst hat die Vegetation der Burgberge \u00fcber die Jahrhunderte hinweg erhebliche Ver\u00e4nderungen erfahren und ist zu einem unverwechselbaren Zeugnis der Geschichte geworden. Es gab bis dato keine Anstrengungen, die Burgen im Blick auf das gesamte Ensemble zu erhalten, sondern lediglich nicht aufeinander abgestimmte, einzelne Ma\u00dfnahmen. Zielsetzung des Projektes war es daher die Erarbeitung eines naturvertr\u00e4glichen Sanierungs- und Pflegekonzeptes, das wesentliche Vorgaben des Denkmal- und Naturschutzes integriert. Dieses sollte nicht nur bezogen auf den Bauk\u00f6rper der Burg als Kunstobjekt wie auch als Lebensraum f\u00fcr Pflanzen und Tiere geschehen, sondern auch bezogen auf die Wechselbeziehung zwischen dem Bauk\u00f6rper und dem unverwechselbaren Erscheinungsbild seines Umfeldes &#8211; den Burgberg. Neben einer Zustandserfassung wurden konzeptionelle Arbeiten unter verschiedenen Gesichtspunkten wie materialwissenschaftlicher Untersuchungen, Erfassung der Aufwuchsflora und vegetations\u00f6kologischer Zusammenh\u00e4nge durchgef\u00fchrt, um die Eigenart, Vielfalt und Sch\u00f6nheit der historischen Kulturlandschaft in Verkn\u00fcpfung mit den Belangen des Denkmalschutzes modellhaft zu erarbeiten.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Fachwissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen (Geologie, Geographie, Biologie, Materialwissenschaften, Denkmalpflege, Bauforschung und Kunstgeschichte) haben sich zusammen gefunden, um die Besonderheiten der Landschaft und der drei Burgen aus ihren jeweiligen Blickwinkeln zu dokumentieren.<br \/>\nDas Landschaftsbild der Drei Gleichen ist im Wesentlichen von einer Vegetation gepr\u00e4gt, die aus historischen Nutzungsformen in einer seit Jahrhunderten gewachsenen mitteleurop\u00e4ischen Kulturlandschaft entstanden ist. Nahezu s\u00e4mtliche auf den Burgbergen vorkommenden Pflanzengesellschaften sind aber auch im europ\u00e4ischen Kontext stark im R\u00fcckgang begriffen. Hierzu geh\u00f6ren s\u00e4mtliche Gesellschaften des Trockenrasen-Komplexes, die Trockengeb\u00fcsche, die artenreichen mesophilen Gr\u00fcnl\u00e4nder, die Labkraut-Eschen-Hainbuchen-W\u00e4lder und Buchenwald-Gesellschaften.<br \/>\nDie Geologie des Drei-Gleichen-Gebietes spiegelt sich an den Geb\u00e4uden ihrer St\u00e4dte und D\u00f6rfern wider. Dies gilt f\u00fcr die namensgebenden mittelalterlichen drei Burgen, aber auch f\u00fcr weniger auff\u00e4llige H\u00e4user und Bauten, die mitunter vollst\u00e4ndig aus regional auftretenden Werksteinen bestehen. Grundlegend ist festzuhalten, dass die Wachsenburg, im Gegensatz zu ihren zwei Nachbarburgen, heute im nahezu vollst\u00e4ndig restaurierten Zustand existiert, und damit kaum mehr originalverbaute Gesteine besitzt. Die Ruinen Burg Gleichen und M\u00fchlburg bestehen dagegen auch heute noch gr\u00f6\u00dftenteils aus ihren Originalbausteinen und zeigen dadurch das Spektrum der regionalen Naturwerksteine. Die mikrobielle Besiedlung der Werksteine ist in im Zusammenhang mit vielen Schadbildern auff\u00e4llig. Die Schadensformen (Abplatzen von Krusten, Absanden und Abschalen) sind auch bei augenscheinlich nicht besiedelten Werksteinen sichtbar, k\u00f6nnen allerdings durch Mikroorganismen beschleunigt werden.<br \/>\nIm Rahmen des Projektes erfolgte eine konservatorische Bestandsaufnahme der gesamten Burganlage der Wachsenburger Gleiche. Als ein praktischer, materialspezifischer Ansatz wurden modellhaft Musterfl\u00e4chen unterschiedliche M\u00f6rtelvarianten appliziert, um diese hinsichtlich ihrer Langzeitstabilit\u00e4t zu testen. Ziel ist es, Empfehlungen geeigneter Vorgehensweisen und Materialien f\u00fcr nachhaltige Sanierungsma\u00dfnahmen der Gesamtanlage f\u00fcr die Zukunft geben zu k\u00f6nnen. Nach zweij\u00e4hriger Standzeit stehen die M\u00f6rtel grunds\u00e4tzlich betrachtet stabil da. Es ist erfreulich, dass die Bereiche, die in Folge der Bestandsaufnahme als besonders gef\u00e4hrdet angesehen wurden, derzeit von der Stiftung Th\u00fcringischer Schl\u00f6sser und G\u00e4rten restauratorisch bearbeitet werden. Als Schwerpunkt der Arbeiten werden derzeit die Kanzlei und die Reste des Kellers des Herrenhauses bearbeitet. Die leitende Architektin greift f\u00fcr die Arbeiten auch hinsichtlich der Restaurierungsm\u00f6rtel auf die Erkenntnisse des Projektes zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Der Transfer der Projektidee- und Ausf\u00fchrung in der \u00d6ffentlichkeit wurde durch Berichterstattungen in den regionalen Zeitungen und durch mehrere Fernsehberichte des MDR realisiert. Im Dezember 2010 sind das Buch Die Drei Gleichen &#8211; Baudenkm\u00e4ler und Naturraum (Edition Leipzig, Leipzig) sowie ein Jahreskalender (Druckmedienzentrum Gotha, mit Unterst\u00fctzung des NABU, Kreisverband Gotha) erschienen. Im Rahmen des Projektes wurde eine Dauerausstellung auf der M\u00fchlburg er\u00f6ffnet. In Bildern und in greifbaren Objekten wurden die Resultate des Projektes durch das Graphikdesignb\u00fcro von Marion Jahnke (Kiel) umgesetzt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Aus den umfangreichen geologischen, floristischen, vegetationskundlichen, mikrobiologischen, bauhistorischen und restauratorischen Untersuchungen wurde ein seltenes Ensemble aus Kulturlandschaft und Baudenkm\u00e4lern am Beispiel der Drei-Gleichen am S\u00fcdrand des Th\u00fcringer Beckens herausgestellt. Entsprechenden Empfehlungen f\u00fcr Pflegema\u00dfnahmen wurden abgeleitet. Neben den \u00fcblichen naturschutzrelevanten Aspekten, der Hervorhebung von Burgberg-typischen Elementen wird zudem darauf abgezielt, durch die Empfehlungen die Elemente in bestehende  Landschaftsbilder einzupassen, bzw. diese Landschaftsbilder zu schaffen und zu erhalten, die den Charakter der Burgberge herausstellen. Eine Schl\u00fcsselfunktion aus restauratorischer Sichtweise kommt jedoch der regelm\u00e4\u00dfigen Beobachtung der Situation, der Inspektion und einem regelm\u00e4\u00dfig zu terminierenden Monitoring zu. Auf Grundlage von Bestandsaufnahmen k\u00f6nnen hierf\u00fcr ehrenamtlich aktive Personen mit einbezogen werden. Niemand kennt in der Regel die Objekte besser als der \u00f6rtliche Burgwart oder die Mitglieder eines \u00f6rtlichen Burgenvereins, niemand kann Ver\u00e4nderungen am Bauk\u00f6rper schneller erkennen. Viele dieser langj\u00e4hrigen Begleiter haben das Schicksal der Geb\u00e4ude und Objekte \u00fcber Jahre verfolgt und dar\u00fcber hinaus ein pers\u00f6nliches Interesse ausgebildet. Nicht wenige fungieren neben Ihrer Funktion als W\u00e4chter heute auch als Fremdenf\u00fchrer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die st\u00e4rkere Verkn\u00fcpfung von \u00f6kologischen und kulturellen Aspekten ist unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr den nachhaltigen Schutz von historischen Kulturlandschaften. Burganlagen sind in ihrer Gesamtheit sowohl einzigartige Bio- und Geotope als auch denkmalsch\u00fctzerisch besonders wertvolle Objekte. 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