{"id":24919,"date":"2023-07-13T15:27:03","date_gmt":"2023-07-13T13:27:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/26503-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:27:03","modified_gmt":"2023-07-13T13:27:03","slug":"26503-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/26503-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung wirtschaftlicher und substanzschonender Erhaltungstechnologien f\u00fcr umweltgesch\u00e4digte Edelputze und Steinputze am Beispiel des Hauses der Ida-Simon-Stiftung und des Pergamonmuseums (UNESCO-Welterbe)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Denkmalbestand Berlins umfasst eine Vielzahl oft bedeutender Bauwerke, deren Architekturoberfl\u00e4-chen durch die Verwendung von Stein- und Edelputzen gekennzeichnet sind. Das Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel geh\u00f6rt dabei zu den prominentesten Beispielen. Diese Putz- und Dekor-materialien besitzen Eigenschaften, Verwitterungsbilder und mithin Restaurierungserfordernisse, die sie deutlich von konventionellen Putzen unterscheiden. Im Rahmen des Projektes wurden Untersuchungen durchgef\u00fchrt, die die M\u00f6glichkeiten der substanzgerechten Erhaltung dieser wichtigen Materialgruppe des 19. und 20. Jahrhunderts aufzeigen. Neben der besonderen stofflichen Charakteristik dieser Putze, spielen auch Aspekte der Wirtschaftlichkeit zu entwickelnder Erhaltungstechniken und -technologien eine Rolle. Dadurch sollen die M\u00f6glichkeiten und denkmalpflegerischen Chancen der Erhaltung dieser mitun-ter auch unscheinbaren Materialien verbessert werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZiel des Projekts war die Entwicklung und Erprobung von Methoden und Verfahren zur Wiederherstellung und Erhaltung der kristallinen Oberfl\u00e4chen von Edel- und Steinputzen mit ihrer charakteristischen Eigenfarbigkeit und Oberfl\u00e4chenstruktur, die unter Zugrundelegung denkmalpflegerisch-konservatorischer und fachhandwerklicher Anspr\u00fcche auch wirtschaftlich vertretbare L\u00f6sungen mittels Reparatur des historischen Bestandes darstellen. Dabei wurden durch Objekt- und Laboruntersuchungen der chemisch-physikalischen Eigenschaften der historischen Putze sowie ihrer Schadbilder und Schadursachen die technologischen Anforderungen an Materialien und Technologien der Instandsetzung und Restaurierung herausgearbeitet. Folgende Ma\u00dfnahmeschritte und Erhaltungstechnologien wurden dabei untersucht:<br \/>\n?\tReinigung mittels verschiedener Partikelstrahlverfahren, w\u00e4ssriger und chemischer Methoden<br \/>\n?\tAnstrichentfernung<br \/>\n?\tHinterf\u00fcllung von Putzschalen<br \/>\n?\tNachstellung von Edel- und Steinputzen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bestandsaufnahme \/ Objektdatenbank \/ Objektatlas. An Hand historischer Firmenunterlagen und ei-gener Erhebungen wurden 311 historische Berliner Bauten mit Edelputzen in einer Objektdatenbank er-fasst. Kriterien wie u.a. Baujahr, Architekt, Fassadenzustand, technologische Merkmale der Putzoberfl\u00e4-chen usw. wurden aufgenommen und damit ein repr\u00e4sentativer \u00dcberblick zum Objektbestand vorgelegt, der gleichzeitig eine Eingrenzung relevanter Oberfl\u00e4chenph\u00e4nomene bei der Instandhaltung erlaubte.<br \/>\nFeldversuche zur Putznachstellung mit industriellen Werktrockenm\u00f6rteln. In einer ersten Pro-jektphase wurden eine Marktrecherche zu industriellen Werktrockenm\u00f6rteln und ein Feldversuch zur Ap-plikation ausgew\u00e4hlter Produkte (Edel- und Steinputze bzw. zur Nachstellung der Vorbilder geeignete Fabrikate) vorgenommen. Ziel der Untersuchung waren Einsatzm\u00f6glichkeiten und Grenzen dieser Pro-dukte im Instandsetzungsbereich bzw. in der Konservierung \/ Restaurierung auszuloten. 120 Fabrikate wurden bei der Recherche betrachtet und ihre chemisch-physikalischen Eigenschaften an Hand der An-gaben der Produktdatenbl\u00e4tter erfasst. 11 Produkte wurden im Rahmen eines in-situ Feldversuches ge-testet. Die Applikationsversuche zeigten zwar, dass in Folge der Kunststoffverg\u00fctung aller Produkte gute bis ausreichende Verarbeitungsm\u00f6glichkeiten gegeben sind, dass aber andererseits durch die Kunststoffverg\u00fctung ein hoher Glanzgrad erreicht wird. F\u00fcr eine Anwendung im Denkmalbereich sind sie daher aus \u00e4sthetischen und bestands\u00e4quivalenten Gr\u00fcnden nur bedingt geeignet.<br \/>\nLabor- und Feldversuche zur Oberfl\u00e4chenreinigung und Anstrichentfernung. Die Versuchsreihen hatten zwei Hauptzielrichtungen: 1. Minimierung denkmalpflegerisch hinnehmbarer Substanzabtr\u00e4ge sowie 2. Wirtschaftlichkeit in der Anwendung, mit dem Ziel auch Verfahren zu betrachten, die im konser-vatorisch-restauratorischen Bereich eher weniger verbreitet sind. Aus der Gruppe der Partikelstrahlver-fahren wurden folgende Technologien betrachtet bzw. getestet: Injektorstrahlverfahren, Druckstrahlver-fahren, Trockeneis- und Schneestrahlverfahren, Mikrofeinsandstrahlen, Turbo-Feuchtstrahlverfahren sowie das Vakuumstrahlverfahren. Aus der Gruppe der chemischen Verfahren wurden verschiedene Kompressen-, Pasten- und Gelrezepturen betrachtet bis hin zu alkalischen Abbeizmitteln und der Gruppe der Ammoniakverbindungen. Die Ergebnisse sind stark zu differenzieren, da abh\u00e4ngig von den me-chanischen Eigenschaften der historischen Putze, ihrer jeweiligen Oberfl\u00e4chenmorphologie sowie se-kund\u00e4rer Oberfl\u00e4chenver\u00e4nderungen und \u0096beschichtungen eine Vielzahl von weiteren Einflussfaktoren das Ma\u00dfnahmeergebnis bestimmen.<br \/>\nRecherche Hinterf\u00fcllmaterialien. Die Teilaufgabe wurde im Rahmen einer Literaturrecherche bearbeitet, in deren Ergebnis eine synoptische \u00dcbersicht der Eigenschaften und Einsatzgebiete konfektionierter als auch baustellen-gemischter Rezepturen vorgelegt wird. Dabei wurde die gesamte Bandbreite relevanter Bindemittel ber\u00fccksichtigt: Kalk, dispergiertes Wei\u00dfkalkhydrat, Spezialzemente, Kiesels\u00e4ureester und Kunstharze.<br \/>\nNachstellung von Edel- und Steinputzen (Baustellenmischungen). Ausgehend von nasschemischen und mikroskopischen M\u00f6rtelanalysen der Bestandsputze, deren Aussagef\u00e4higkeit auf Grund der stoffli-chen Spezifik der Untersuchungsmaterialien teils eingeschr\u00e4nkt ist, konnten im Laborma\u00dfstab sowohl Edel- als auch Steinputze erfolgreich nachgestellt werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Vor allem durch die breite Einbeziehung von KMU\u00b4s aus Bauhandwerk und Restaurierung konnte eine thematische Sensibilisierung und verst\u00e4rkte Pr\u00e4senz der Problematik erzeugt werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Edelputze und Steinputze sind vergleichsweise seltene Putzmaterialien, die sich vor allem hinsichtlich ihres Bindemittels und der Oberfl\u00e4chenbearbeitung signifikant unterscheiden. Edelputze enthalten in der Regel als Hauptbindemittel hydraulische, trocken gel\u00f6schte Kalke. Die hochfesten Steinputze hingegen werden bindemittelseitig von Zementen dominiert und nach Aufbringung im Stadium der Fr\u00fchfestigkeit oder im ausgeh\u00e4rteten Zustand steinmetzm\u00e4\u00dfig bearbeitet, was bei Edelputzen nicht erfolgt.<br \/>\nIn Zusammenarbeit mit klein- und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen der Baustoffbranche und freiberufli-chen Restauratoren wurden die M\u00f6glichkeiten denkmalvertr\u00e4glicher und zugleich wirtschaftlicher In-standhaltungs- und Instandsetzungsstrategien untersucht. Die Vielzahl unterschiedlicher Putzbefunde sowohl bei Edel- als auch bei Steinputzen ist in ihrer oft aufwendigen, handwerklich-vielf\u00e4ltigen Gestal-tung begr\u00fcndet. Dementsprechend sind Ma\u00dfnahmen an derartigen Architekturoberfl\u00e4chen noch weitaus anspruchsvoller als bei \u0084normalen\u0093 Fassadenputzen, da in der Regel individuelle L\u00f6sungen gefunden werden m\u00fcssen. Die grunds\u00e4tzliche Eignung wirtschaftlicher, also nicht zwangsl\u00e4ufig restauratorischer Technologien und Verfahren konnte aufgezeigt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Denkmalbestand Berlins umfasst eine Vielzahl oft bedeutender Bauwerke, deren Architekturoberfl\u00e4-chen durch die Verwendung von Stein- und Edelputzen gekennzeichnet sind. Das Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel geh\u00f6rt dabei zu den prominentesten Beispielen. Diese Putz- und Dekor-materialien besitzen Eigenschaften, Verwitterungsbilder und mithin Restaurierungserfordernisse, die sie deutlich von konventionellen Putzen unterscheiden. 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