{"id":24823,"date":"2025-09-09T10:32:06","date_gmt":"2025-09-09T08:32:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/26217-01\/"},"modified":"2025-09-09T10:32:09","modified_gmt":"2025-09-09T08:32:09","slug":"26217-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/26217-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung von Konservierungsmaterialien und -techniken zum Schutz von Kulturgut vor anthropogen induzierter mikrobieller Zerst\u00f6rung am Beispiel der Ev.-Ref. Dorfkirche zu Sonneborn"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In den letzten Jahren konnte eine Zunahme mikrobieller Besiedlungen an Kunst- und Kulturgut beobach-tet werden. Ursachen hierf\u00fcr sind unter anderem in anthropogenen Prozessen wie zum Beispiel ver\u00e4n-derter Nutzung aber auch restauratorisch notwendigen Ma\u00dfnahmen zu suchen. Im Rahmen des Projektes sollen konservatorische Verfahren und Mittel entwickelt, bzw. modifiziert werden, mit denen eine mik-robielle Besiedlung m\u00f6glichst bereits im Vorfeld verhindert werden kann. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Unbedenklichkeit dieser Methoden f\u00fcr Mensch und Umwelt. Stellvertretend f\u00fcr viele ande-re Objekte erfolgt die objektbezogene Forschung an der Ev.- Ref. Kirche zu Sonneborn. Die Dorfkirche weist wertvolle Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert auf, deren Erhalt durch anthropogen induzierte Salze und eine begleitende mikrobiellen Besiedlung gef\u00e4hrdet ist.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAls erster Schwerpunkt des Projektes sollten anerkannte Konservierungsmethoden modifiziert werden, deren Potential zur Keimaktivierung besonders hoch sind. An dieser Stelle sind zum Beispiel Salzminde-rungen \u00fcber Wasserkompressen zu nennen. Als Alternative zum Einsatz von Hemmstoffen sind beglei-tende Verfahren wie Beleuchtungssysteme, die ein Algenwachstum in Innenr\u00e4umen verringern sollen, UV-Bestrahlung oder Ozonbehandlung oder eine Sauerstoff freie Lagerung, deren m\u00f6gliche  Auswirkung auf die Objektmaterialien ebenfalls untersucht wurde. Auch der Einsatz spezifische Viren \u0096hier gegen Bakterien gerichteter  Phagen- konnte in situ erprobt werden<br \/>\nAls zweiter Schwerpunkt soll untersucht werden, inwieweit Restaurierungsmaterialien, wie zum Beispiel organische Festigungsmittel so ausger\u00fcstet werden k\u00f6nnen, dass sie auch in mikrobiell belasteten Situa-tionen eingesetzt werden k\u00f6nnen. Die bislang \u00fcbliche Ausr\u00fcstung mit lose beigemengten Hemmstoffen, kann zu einer Gef\u00e4hrdung von Mensch und Umwelt bei der alterungsbedingten Freisetzung der Hemm-stoffe f\u00fchren. Die antimikrobiologische Ausr\u00fcstung konnte  mit dem Bindemittel gekoppelt werden, um eine solche Freisetzung zu verhindern. Die Bewertung der materialtechnischen Eigenschaften zeigte je-doch f\u00fcr das gew\u00e4hlte System keine befriedigenden Eigenschaften.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Verschiedenste Befallssituationen an unterschiedlichen Materialgruppen wurden im Hinblick auf m\u00f6gliche konservatorische\/restauratorische Eingriffe und deren Auswirkung auf die Besiedlung untersucht und modifiziert. So wurden zun\u00e4chst ausgepr\u00e4gte rosafarbene Besiedlungsanteile auf Architekturoberfl\u00e4chen und Wandgem\u00e4lden untersucht, Objekte mit dem bereits als h\u00e4ufig verursachenden bisher nicht kulti-vierbaren und daher beschriebenen Archaebakterium mit molekulargenetisch nachgewiesener naher Verwandtschaft zu Halalkalicoccus tibetiensis (isoliert aus einem Natron haltigen Gew\u00e4sser in Tebet) wurden in die weiteren Untersuchungen einbezogen. Am Vergleichsobjekt Urschalling wurden Klimak\u00e4s-ten angebracht und ein Montoring der Aktivit\u00e4t im Klimaverlauf erlaubte Voraussagen zu einer Klimavor-gabe f\u00fcr das Objekt, bei dem keine nennenswerte Aktivit\u00e4t dieser Bakterien zu erwarten ist. Testfl\u00e4chen mit Hemmstoffapplikation zeigten l\u00e4ngerfristig dagegen keinen anhaltenden Schutz. Am Referenzobjekt Sonneborn konnten gegen diese Bakterien gerichtete Phagen (spezifische Viren) aufgebracht werden und deren Auswirkung im Vergleich zu Hemmstoffapplikationen positiv bewertet werden, wobei auch zu ber\u00fccksichtigen ist, dass durch diese Methode eine Gef\u00e4hrdung der Bearbeiter\/Nutzer ausgeschlossen ist. Eine Sauerstoff freie Lagerung verhinderte das Wchatum von Schimmelpilzen vollst\u00e4ndig, f\u00fchrte je-doch bei frisch eingebrachten proteinischen Bindemitteln teilweise zu einer Farbver\u00e4nderung der geteste-ten Pigmente. Ebenso ist eine UV-C Bestrahlung sehr effektiv aber nicht an empfindlichen Materialien auszuf\u00fchren. Gleiches gilt f\u00fcr die Ozonanwendung bei teils eingeschr\u00e4nkter Wirksamkeit. Die Kultur von phototrophen Mikroorganismen wie Algen und Cyanobakterien konnte durch die Anzucht in Gr\u00fcnlicht er-heblich vermindert wreden und stellt somit z. B. in Grabungssituationen (Mikwe in K\u00f6ln) eine gute Alter-native zu Biozidanwendungen dar. Bisher nicht \u00fcberpr\u00fcft werden konnten in diesem Zusammenhang die Auswirkungen der Gr\u00fcnlichtbestrahlung auf gegebenenfalls im objekt vorhandene Schimmelpilze, die u. U. mit ver\u00e4ndertem wachstumsverhalten oder einer Beeinflussung der Konidien-\/Sporenbildung reagieren k\u00f6nnten. Bei erforderlichen Salzverminderungsma\u00dfnahmen erwies sich neben der vorangehenden Tro-ckenreinigung der Oberfl\u00e4chen auch die vorangehende oder im Anschluss erfolgte UV-C Bestrahlung als effektiv, dar\u00fcber hinaus erwiesen sich mineralische Kompressenmaterialien als vorteilhaft. Die durch das Einbringen von Festigungsmaterialien auf Kiesels\u00e4ureesterbasis h\u00e4ufig beobachtete Ausbildung eines massiven Schimmelbefalls in geschlossenen R\u00e4umen konnte durch den Einsatz eines Alkoholabsorbers verhindert werden, nachdem bewiesen war, dass diese Wachstumsf\u00f6rderung durch die Substratwirkung des bei der Reaktion entstehenden Alkohol zu erkl\u00e4ren ist. Die Kopplung eines Biozids mit einem Konsolidierungsmittel auf Zellulosebasis verlief erfolgreich im Hinblick auf die verbleibende Hemmwirkung, allerdings waren die materialtechnischen Eigenschaften de Produkts derart ver\u00e4ndert, dass eine Nutzung nicht mehr m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse wurden einerseits anl\u00e4sslich geeigneter Veranstaltungen in die Lehre an der HAWK, der Fachhochschule Potsdam, der Hochschule f\u00fcr Wissenschaft und Technologie, Berlin und der Hochschu-le f\u00fcr bildende K\u00fcnste, Dresden einbezogen. Dar\u00fcber hinaus wurde im Oktober 2013 eine Veranstaltung f\u00fcr Restauratoren und Objektverantwortlich auch der jeweiligen Landes\u00e4mter durchgef\u00fchrt, bei der die Ergebnisse vorgestellt, diskutiert und weitere Ma\u00dfnahmen an konkreten Objekten abgesprochen wurden. <\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die wesentlichen Ziele des Projektes wurden erreicht und k\u00f6nnen direkt in die restauratorische Praxis \u00fcbernommen werden. Dies gilt sowohl f\u00fcr die modifizierte Ausf\u00fchrung von Arbeitsabl\u00e4ufen als auch f\u00fcr die M\u00f6glichkeit der Wachstumshemmung durch Sauerstoff freie Lagerung, Einsatz hemmender Beleuchtungssysteme bei Algenbefall oder die Alkoholabsorption bei KSE Anwendungen. Dringend erforderlich sind Folgeuntersuchungen zur Auswirkung ver\u00e4nderter Lichtbedingungen auf relevante Schimmelpilze, bei denen eine Beeinflussung insbesondere der Konidienbildung zu erwarten ist, ein Effekt, der bereits gezielt in der Obstlagerung eingesetzt wird. F\u00fcr die Anwendung von Phagen sind weitere Objekte vorgesehen, um die Effektivit\u00e4t und Langzeitwirkung in Situ zu \u00fcberpr\u00fcfen. Im Labor sind dagegen noch die Techniken der Phagenh\u00e4lterung und geeignete Applikationsformen auszuarbeiten, dar\u00fcber hinaus ist auch eine m\u00f6gliche Einschr\u00e4nkung der Wirkung bei Salzbelastungen oder im Zusammenhang mit Schwermetallpigmenten zu \u00fcberpr\u00fcfen. Entsprechende Untersuchungen sollen in K\u00fcrze im Verlauf von Abschlussarbeiten ausgef\u00fchrt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In den letzten Jahren konnte eine Zunahme mikrobieller Besiedlungen an Kunst- und Kulturgut beobach-tet werden. Ursachen hierf\u00fcr sind unter anderem in anthropogenen Prozessen wie zum Beispiel ver\u00e4n-derter Nutzung aber auch restauratorisch notwendigen Ma\u00dfnahmen zu suchen. 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