{"id":24822,"date":"2023-09-30T10:32:32","date_gmt":"2023-09-30T08:32:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/26213-01\/"},"modified":"2023-09-30T10:32:33","modified_gmt":"2023-09-30T08:32:33","slug":"26213-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/26213-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung eines modellhaften integrierten Heiz- und L\u00fcftungssystems zur Vermeidung der Aktivierung anthropogener Umweltschadstoffe und Pilzbefalls in Schloss Stolberg"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bei der Schlossanlage in Stolberg im Harz handelt es sich um ein bedeutendes Kulturdenkmal, das in exponierter Lage \u00fcber der Stadt gelegen ist. Die Geb\u00e4udeteile sind den Umwelteinfl\u00fcssen hier beson-ders stark ausgesetzt. Zum einen handelt es sich um die raue Witterung, zum anderen ist ein Eintrag von Schadstoffen in gel\u00f6ster oder gasf\u00f6rmiger Deposition anzunehmen, der aus regionalen Emissionsstan-dorten stammt. Nach langem Leerstand und starkem Verfall hat sich ein Schadbild eingestellt, das be-reits an den Oberfl\u00e4chen erkennbar von st\u00e4rkster Durchfeuchtung und sich massiv ausbreitendem Pilz-befall gekennzeichnet ist. Es entstehen mit der Sanierung und vor allem der wieder einsetzenden Nut-zung Umwelteinfl\u00fcsse, die unter den Pr\u00e4missen der Vorsorge, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz unter-sucht und positiv gesteuert werden sollen<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenMit der Sanierung der Schlossanlage erfolgen grundlegende planerische Vorgaben zur baulichen Gestaltung, zur technischen Geb\u00e4udeausstattung und letztlich auch zum Nutzerverhalten, die f\u00fcr den sp\u00e4teren Zustand der Geb\u00e4udeteile und auf die Befindlichkeit der Nutzer starken Einfluss haben und die somit zu optimieren sind. Die in 2008 einsetzende neue Nutzung eines Teils der Anlage birgt Risiken f\u00fcr Nutzer und Geb\u00e4ude, die mit dem Projekt festgestellt und denen entgegengesteuert werden soll.<br \/>\nMit dem Projekt wurde ein angepasstes Heiz- und L\u00fcftungssystem unter besonderer Beachtung der vorhandenen Bausubstanz und Ressourcen modellhaft mit Erarbeitung der bauphysikalischen Forderungen geplant und ausgef\u00fchrt. Die Planung sah vor, die Nutzbarkeit in einem Geb\u00e4ude mit einem hohen Restrisiko aus Pilz-Altbefall zu sichern, die Wirksamkeit lokaler Feuchteschutz Ma\u00dfnahmen zu kontrollieren und den m\u00f6glichen Eintrag von Schadsalzen und deren Umwandlungsprozesse zu verhindern. Die Ermittlung der im Vorhaben ben\u00f6tigten Informationen zum Heizw\u00e4rmeverbrauch und zum bauklimatischen Verhalten erforderte zun\u00e4chst die Nachr\u00fcstung von Z\u00e4hlereinrichtungen sowie Klimamesstechnik. Mittels messtechnischer Untersuchungen konnten die Betriebsdaten des Heizsystems und die zugeh\u00f6rigen Geb\u00e4udeparameter ermittelt und auf Grundlage der Analyse schadenspr\u00e4ventive und energieeffiziente Regeln f\u00fcr den Betrieb entwickelt werden. Die planungs- und baubegleitende Entwicklung des DBU Vorhabens erm\u00f6glichte dabei die unmittelbare Pr\u00fcfung der Erkenntnisse aus Messungen und Untersuchungen auf eine Verwertung im fortschreitenden Bauablauf.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die vorliegenden Ergebnisse erm\u00f6glichen eine Charakterisierung des derzeitigen Nebeneinander-Bestehens von Bereichen in Notsicherung, von aktuellen Baustellen und von sanierten und restaurierten Schlossr\u00e4umen. Dieser Zustand ist nicht ungew\u00f6hnlich f\u00fcr eine Denkmalsanierung in Zeiten knapper \u00f6ffentlicher Kassen. Priorit\u00e4t hat dabei das Vermeiden einer Gef\u00e4hrdung von bereits instand gesetzten Bereichen durch Risiken aus Baustellenbetrieb und Leerstand. Dazu z\u00e4hlen neben Feuchte- und W\u00e4rmelasten, Schmutz- und Staubeintrag, Einschleppen von Schadinsekten oder Pilzsporen nat\u00fcrlich auch Sicherheits- und Brandschutzaspekte.<br \/>\nDas DBU Vorhaben beinhaltete die Planung, Ausf\u00fchrung und Pr\u00fcfung eines nachhaltig wirksamen Heiz- und L\u00fcftungssystems zur Vermeidung der Aktivierung anthropogener Umweltschadstoffe und Pilzbefalls. Die bauphysikalisch wirksamen Komponenten sind: Grundheizung zur Sicherung von Nutzbarkeit und Behaglichkeit sowie Feuchteschutzheizung zur Vermeidung von Sommer- und Winterkondensat. Fugenl\u00fcftung zur Grundl\u00fcftung sowie lokale mechanische L\u00fcftung zur Entfeuchtung bei starker Belegung.<br \/>\nEin Widerspruch zeigte sich zwischen den raumklimatischen Verh\u00e4ltnissen und den Feuchtebedingungen im Bauteil. W\u00e4hrend in der Heizperiode die Raumluftfeuchte in den museal genutzten R\u00e4umen eher zu gering ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass im Inneren der ehemals durchfeuchteten massiven W\u00e4nde und Gew\u00f6lbe weiterhin ein hoher Feuchtegehalt vorliegt. Eine trockene Raumluft, wie sie durch Heiz- und L\u00fcftungsma\u00dfnahmen erreicht werden kann, unterst\u00fctzt damit einerseits die langfristige Trocknung von Bauteilen und belastet andererseits die klimaadaptive Raumausstattung.<br \/>\nDer Betrieb der Fu\u00dfbodenheizung im Erdgeschoss hat vorteilhafte Auswirkungen auf Raum- und Bauteilklima. Das \u00fcber die Heizperiode verl\u00e4ngerte Betreiben der Randzonen verhindert Sommerkondensat am aufgehenden Mauerwerk und wird mit der derzeitigen Regelung \u00fcber Taupunktf\u00fchler weiter betrieben werden. Die elektrischen Heizleiter an Einfachfenstern in W\u00e4rmebr\u00fcckensituationen sollen k\u00fcnftig in einem vereinfachten Regelmodus arbeiten, vorzugsweise in Abh\u00e4ngigkeit von der Innen- und Au\u00dfenlufttemperatur, optional mit Nutzung der Raumluftfeuchte. Generell wird zur Vermeidung zu geringer Raumluftfeuchte im Heizbetrieb in den museal genutzten R\u00e4umen ein feuchtebegrenztes Heizen empfohlen.<br \/>\nMit dem Ausbau der im Projekt begonnenen Ermittlung von Lastg\u00e4ngen der W\u00e4rme- und Elektroenergie k\u00f6nnen Daten f\u00fcr eine Weiterentwicklung des Heizsystems gewonnen werden. Durch eine Optimierung der W\u00e4rmeerzeugung und Betriebsweise ist eine Verringerung des Heizenergieverbrauches m\u00f6glich. Neben technischen Einsparpotentialen sollte verst\u00e4rkt auf ein nutzungsbegleitendes Energiedatenmanagement gesetzt werden. Durch hohe Transparenz mit zeitnaher Bereitstellung und Kommunikation von Messdaten zur Verbrauchs- und Kostenkontrolle sind Einsparungen im Energieverbrauch f\u00fcr Raumw\u00e4rme und Warmwasser m\u00f6glich. Voraussetzung ist ein Verursacherprinzip, daher eine Beteiligung des Nutzers an den Verbrauchskosten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Projektergebnisse werden in Form einer Publikation der interessierten \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung gestellt. Damit werden Planern von Geb\u00e4uden mit \u00e4hnlichem Schadensbild wichtige Kriterien f\u00fcr die Entwicklung eines angepassten Heiz- und L\u00fcftungssystems gegeben sowie zuk\u00fcnftigen Nutzern Hinweise zur optimierten Anwendung vermittelt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Projektbeteiligten konnten ein positives Fazit des bisher umgesetzten haustechnischen und bauphysikalischen Konzeptes ziehen. Die im Geb\u00e4ude installierte Heiz- und L\u00fcftungstechnik wird von den Mitarbeitern der Stadt Stolberg gut angenommen. Die Ma\u00dfnahmen haben im Vergleich mit der Situation vor der Sanierung zu einer deutlichen Entsch\u00e4rfung der Feuchteproblematik im Schloss gef\u00fchrt. Auch im Grenzbereich von beheizten zu unbeheizten Bereichen treten aktuell kaum Probleme auf. K\u00fcnftig kommt der Aufwertung des stetigen Bauunterhaltes und der effizienten Bewirtschaftung durch Schaffung geeigneter personeller Kapazit\u00e4ten vor Ort erhebliche Bedeutung zu. Ein zentraler Standort f\u00fcr Geb\u00e4udeleittechnik wird bis Ende 2010 im Schloss eingerichtet.<br \/>\nDie touristische Attraktivit\u00e4t der Stadt Stolberg wird ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt durch ein aktives Schlossleben. Der anhaltende Besucherzuspruch \u00fcberzeugt, eine ganzj\u00e4hrige \u00d6ffnung des Geb\u00e4udes f\u00fcr museale und nicht museale Nutzung ist weiterhin beabsichtigt. Eine bauwerks- und umweltvertr\u00e4gliche Nutzbarkeit des Schlosses kann k\u00fcnftig zu einer Minderung anthropogener Belastungen beitragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bei der Schlossanlage in Stolberg im Harz handelt es sich um ein bedeutendes Kulturdenkmal, das in exponierter Lage \u00fcber der Stadt gelegen ist. Die Geb\u00e4udeteile sind den Umwelteinfl\u00fcssen hier beson-ders stark ausgesetzt. 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