{"id":24720,"date":"2024-12-02T10:32:40","date_gmt":"2024-12-02T09:32:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/25786-01\/"},"modified":"2024-12-02T10:32:41","modified_gmt":"2024-12-02T09:32:41","slug":"25786-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/25786-01\/","title":{"rendered":"Multifunktionale Bewertung von Agroforstsystemen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Agroforstsystemen (AFS) werden trotz ihrer weltweiten Verbreitung und den zahlreichen nachgewiesenen Vorz\u00fcgen auch in der heutigen Zeit viele Vorbehalte der Landwirte entgegengebracht. Hier soll das Projekt helfen Klarheit zu schaffen und gezielt Hemmnisse und Vorbehalte basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen abzubauen. Dazu sollen f\u00fcnf Bereiche genauer untersucht werden, an denen Kl\u00e4rungsbedarf ausgemacht wurde bzw. die die Vorteile von AFS deutlich herausstellen. Diese sind die Quantifizierung positiver Auswirkungen von AFS aus Sicht des Umweltschutzes (Natur-, Arten-, Wasser- und Bodenschutz), die Optimierung von Naturschutzleistungen, die zus\u00e4tzlichen Ertragsm\u00f6glichkeiten sowie die M\u00f6glichkeit der Wertholzproduktion. Als weiterer Schritt sollen die Vorurteile der Landwirte eruiert und bewertet werden und mit den neugewonnen Erkenntnissen gezielt abgebaut werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs sollen verschiedene Varianten von Agroforstsystemen und ihre Auswirkung auf die \u00d6konomie untersucht werden um festzustellen, welche Gewichtung den einzelnen Bestandteilen zukommt. Wichtig ist neben den kurzfristigen Ertr\u00e4gen der Zwischenstreifen die Produktion von wertvollem Holz. Daf\u00fcr sollen sowohl die f\u00fcr dieses Ziel notwendigen Ma\u00dfnahmen (verschiedene Astungsregime) und Auswirkungen (N\u00e4hrstoffentzug und N\u00e4hrstoffdeposition) auf das Gesamtsystem analysiert und quantifiziert werden als auch m\u00f6gliche neue zus\u00e4tzliche Nutzungsm\u00f6glichkeiten der Baumstreifen betrachtet werden. Durch Bodenmessungen von AFS- Fl\u00e4chen und normalen landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen sowie Probenanalysen des Aufwuchses k\u00f6nnen die N\u00e4hrstoffstr\u00f6me verglichen und die Vor- und Nachteile quantifiziert werden.<br \/>\nAls besondere Form der Nutzung der Zwischenstreifen zur Produktion von Energieholz sollen die Vor- und Nachteile hinsichtlich des N\u00e4hrstoffregimes mit Hilfe von N\u00e4hrstoffproben untersucht werden. Da es sich bei AFS um eine \u00f6kologisch besonders wertvolle landwirtschaftliche Nutzungsform handelt, sollen m\u00f6gliche Naturschutzma\u00dfnahmen und ihre Realisierbarkeit z. B. als Ausgleichsma\u00dfnahme, Erosionsschutz u. \u00e4. n\u00e4her beleuchtet werden<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Innerhalb des Projekts konnte eine Minderung der Wasser- und Bodenerosion und damit des N\u00e4hrstoffaustrags durch Baumstreifen festgestellt werden. Im Vergleich zu einer gew\u00f6hnlichen Ackerfl\u00e4che konnte der N\u00e4hrstoffaustrag im AFS um bis zu \u00fcber 90 % reduziert werden. Bez\u00fcglich der Wertholzproduktion wurden verschiedene Astungssysteme im Hinblick auf Zeitaufwand sowie Einfluss auf die Qualit\u00e4t des erzeugten Holzes untersucht. Vor- und Nachteile hinsichtlich Auswirkungen auf das Wachstum, sowie die Qualit\u00e4tsentwicklung des Baumes konnten f\u00fcr verschiedene Astungsvarianten festgestellt werden. Die Funktion als Kohlenstoffspeicher von AFS mit Wertholz und\/oder Biomasseproduktion mit schnellwachsenden Baumarten wurde anhand von Versuchsfl\u00e4chendaten quantifiziert und M\u00f6glichkeiten aufgezeigt wie AFS als dauerhafte Kohlenstoffsenken bewirtschaftet werden k\u00f6nnen. Terrestrisches Laserscanning wurde als innovative technische L\u00f6sung zur Erfassung der Biomasseproduktion eingesetzt, bei dessen Durchf\u00fchrung festgestellt wurde, dass bei dem momentanen Stand der Software f\u00fcr einen praktischen gro\u00dffl\u00e4chigen Einsatz das System noch verbessert werden muss. AFS bieten die M\u00f6glichkeit den Natur- und Ressourcenschutz auf intensiv landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen zu verbessern. Zur Optimierung des Naturschutzes in AFS wurde ein Ma\u00dfnahmenkatalog erarbeitet und die enthaltenen Vorschl\u00e4ge auf ihre Realisierbarkeit hin \u00fcberpr\u00fcft. Interviews von Landwirten und kommunalen Vertretern ergaben, dass AFS grunds\u00e4tzlich als sinnvolle Art der Landbewirtschaftung angesehen werden und besondere Potenziale f\u00fcr den Ressourcen -und Naturschutz bieten. Bestehende Hemmnisse f\u00fcr die Realisierung von AFS, wie z. B. Angst vor Behinderung der Arbeiten durch B\u00e4ume, gesetzlich unsichere Stellung von AFS, wurden erfragt, um in Zukunft gezielt Vorbehalte gegen\u00fcber AFS abbauen zu k\u00f6nnen. Anhand \u00f6konomischer Betrachtungen wurde nachgewiesen, dass die Wertholzproduktion in sich rentabel ist und AFS mit Wertholzproduktion in Zukunft mit den Deckungsbeitr\u00e4gen reinen Ackerbaus konkurrieren k\u00f6nnen. Je nach Standortsg\u00fcte und Preislage f\u00fcr die Agrarprodukte ist dies heute schon der Fall. In Beschattungsversuchen wurde festgestellt, dass die untersuchten Kulturen (Mais, Wintergerste, Gr\u00fcnland) bis zu einer ca. 25 % Beschattung keine Ertragseinbu\u00dfen zeigen. Ist die einfallende Gesamtlichtmenge um 50 % reduziert, zeigen die genannten Kulturen hingegen deutliche Einbu\u00dfen in den Trockenmasseertr\u00e4gen. Die N\u00e4hrstoffentz\u00fcge durch die Wertholzproduktion sowie Biomasseerzeugung mit schnellwachsenden B\u00e4umen in AFS wurden quantifiziert. Durch kompartimentsweise Probennahme und Analyse konnten f\u00fcr drei Edellaubholzarten (Ahorn, Esche, Kirsche) sowie vier Pappelklone die N\u00e4hrstoffkonzentrationen in Rinde, Holz und Reisig bestimmt werden. Im Vergleich zu herk\u00f6mmlicher intensiver Landwirtschaft ist der N\u00e4hrstoffbedarf- bzw. Export durch die Wertholztr\u00e4ger deutlich geringer. Eine D\u00fcngung der Fl\u00e4che ist nicht erforderlich. Auch die Biomasseproduktion entzieht der Fl\u00e4che weniger N\u00e4hrstoffe als z. B. eine Maiskultur.<br \/>\nBewertung des Projekts<br \/>\nDie in diesem Projekt gewonnenen Daten und Ergebnisse sind als \u00fcberaus positiv einzustufen. Wie geplant konnten viele noch offene Fragen zu der Thematik AFS gekl\u00e4rt werden, positive Auswirkungen von AFS aus Sicht des Umweltschutzes (Natur-, Arten-, Wasser- und Bodenschutz) quantifiziert werden, Naturschutzleistungen und zus\u00e4tzliche Ertragsm\u00f6glichkeiten, zum Beispiel durch die M\u00f6glichkeit der Wertholzproduktion optimiert werden. Vor dem Hintergrund der kurzen Projektlaufzeit wurde ein au\u00dferge-w\u00f6hnlich breites Spektrum an Themen bearbeitet. Unterschiedlichste wissenschaftliche Methoden kamen zum Einsatz um die verschiedenen Teilbereiche innerhalb des Projekts zu bearbeiten: Die Vielfalt der Forschungsmethoden und Ergebnisse spiegelt die Komplexit\u00e4t von AFS wider. Nur durch eine solch umfassende Betrachtungs- und Herangehensweise ist es m\u00f6glich die Interaktionen der Bestandteile eines AFS zu erfassen und zu bewerten. Die oben aufgef\u00fchrten Ergebnisse zeigen, dass dies innerhalb des Projekts gelungen ist. Da viele der Daten, auf denen die Ergebnisse basieren jedoch nur eine Vegetationsperiode umfassen, m\u00fcssen Teile der Ergebnisse durch l\u00e4ngerfristige Beobachtungen best\u00e4tigt werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Tagung:<br \/>\nIm Rahmen des Projektes Multifunktionale Bewertung von Agroforstsystemen fand am 06.10.2010 unter dem Titel Agroforstsysteme &#8211; Eine Chance f\u00fcr Bewirtschafter, Natur und Landschaft eine abschlie\u00dfende Tagung in Freiburg i. Br. statt. Zielgruppe waren Landwirte, Kommunen, Ministerien, Landschaftsplaner, Naturschutz, Flurbereinigungsbeh\u00f6rden, Holzverarbeiter, u. a. Die gro\u00dfe Teilnehmerzahl zeigt das rege Interesse an der Thematik<\/p>\n<p>Publikationen aus dem Projekt:<br \/>\nIm Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsarbeit sind bereits folgende Artikel in Fachzeitschriften erschienen:<br \/>\n\tSpringmann, S., Morhart, C., Spiecker, H., Oelke, M., Konold, W., Seidl, F.&#038; Mastel, K. 2010: Agroforstsysteme &#8211; Eine Chance f\u00fcr Bewirtschafter, Natur und Landschaft; AFZ- Der Wald 22; S. 24-25<br \/>\n\tMorhart, C., Springmann, S., Spiecker, H. 2010:Ein modernes Agroforstsystem &#8211; Aufwertung von Kurzumtriebsplantagen mit Wertholzb\u00e4umen; AFZ- Der Wald 22; S. 26-28<br \/>\n\tKaiser, C. 2010: Wertholzb\u00e4ume im Weizenfeld- Zukunftsmusik oder schon praxisreif?; BBZ 41, S.20-21<br \/>\n\tSpringmann, S., Rogers, R. &#038; Spiecker, H. 2010: Impact of artificial pruning on growth and secondary shoot development of wild cherry (Prunus avium L.). Forest Ecology and Management: accepted for publication.<br \/>\nWeitere Publikationen zu einzelnen Themenbereichen des Projekts sind noch derzeit in Bearbeitung oder geplant.<\/p>\n<p>Fernsehbeitrag:<br \/>\nWaetzel, A. 2010: Agroforstsysteme; In: SWR- Baden-W\u00fcrttemberg Aktuell am 06.10.2010<\/p>\n<p>Website:<br \/>\nProjekteigene Website: http:\/\/www.agroforst.multifunktion.uni-freiburg.de<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Ziele des Verbundprojektes konnten alle in dem geplanten Zeitraum erreicht werden. Mit Hilfe der im Projekt durchgef\u00fchrten Grundlagenforschung wurden weitere wichtige Kenntnisse zur Anlage, Bewirtschaftung und Optimierung von Agroforstsystemen in Deutschland gewonnen. Durch intensive \u00d6ffentlichkeitsarbeit konnte das allgemeine Interesse am Thema Agroforst verst\u00e4rkt und Forschungsergebnisse vermittelt werden.<br \/>\nIn Anbetracht der kurzen Projektlaufzeit (12 Monate) konnten durch interdiszipl\u00e4neren Austausch au\u00dfergew\u00f6hnlich viele Themenkomplexe zu Agroforstsystemen effizient und produktiv bearbeitet werden. Aufgrund der erfolgreichen Zusammenarbeit wird von den beteiligten Projektpartnern angestrebt ein Nachfolgeprojekt zu initiieren. Noch offene Fragestellungen sollen beantwortet und dem zunehmenden Interesse in Politik und landwirtschaftlicher Praxis an Agroforstsystemen Rechnung getragen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Agroforstsystemen (AFS) werden trotz ihrer weltweiten Verbreitung und den zahlreichen nachgewiesenen Vorz\u00fcgen auch in der heutigen Zeit viele Vorbehalte der Landwirte entgegengebracht. Hier soll das Projekt helfen Klarheit zu schaffen und gezielt Hemmnisse und Vorbehalte basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen abzubauen. Dazu sollen f\u00fcnf Bereiche genauer untersucht werden, an denen Kl\u00e4rungsbedarf [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[56,2422,50,2423],"class_list":["post-24720","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-baden-wuerttemberg","tag-landnutzung","tag-naturschutz","tag-umweltkommunikation"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"25786\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-25786.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"115.295,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Universit\u00e4t Freiburg\nProfessur f\u00fcr Waldwachstum","dbu_projektdatenbank_strasse":"Tennenbacher Str. 4","dbu_projektdatenbank_plz_str":"79106","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Freiburg","dbu_projektdatenbank_p_von":"2009-10-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2010-09-30 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"12 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"0761 \/ 203-3736","dbu_projektdatenbank_inet":"www.forst.uni-freiburg.de\/Waldwachstum\/","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Baden-W\u00fcrttemberg","dbu_projektdatenbank_foerderber":"124","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"DBU-Abschlussbericht-AZ-25786.pdf","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24720","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24720\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37723,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24720\/revisions\/37723"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24720"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24720"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24720"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}