{"id":24568,"date":"2023-09-24T10:32:23","date_gmt":"2023-09-24T08:32:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/25342-01\/"},"modified":"2023-09-24T10:32:24","modified_gmt":"2023-09-24T08:32:24","slug":"25342-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/25342-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Analyse, Sicherung, Konservierung und Restaurierung der durch Umwelteinfl\u00fcsse stark gesch\u00e4digten historischen Farbglasfenster von 1893 im Chor der Johanneskirche\/Halle"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Starke Verschmutzungen durch die urspr\u00fcnglich in unmittelbarer N\u00e4he befindlichen Fabriken (z. B. Hallesche Maschinenfabrik MAFA) und Werkst\u00e4tten (siehe Anlage 1 &#8211; Zuarbeit des IDK) lassen erhebliche Sch\u00e4den der Malschichten vermuten, die eine komplexe, wissenschaftliche Untersuchung erfordern. Diese soll u.a. auch Grundlage f\u00fcr die modellhafte Restaurierung des Systems: Farbschichten\/ Glas\/Bleistege sein. Ziel sind Recherchen \/ Analysen zum Glas und zu den Ver\u00e4nderungen durch die massiven Umwelteinfl\u00fcsse auf Glas, Malschichten und Blei. Die Ergebnisse flie\u00dfen in die weiteren Arbeiten der Erg\u00e4nzung ein. Unter anderem wird erwogen, ein Modellglas (Musterfl\u00e4che) herzustellen. Auf der Grundlage wissenschaftlicher Analysen und Voruntersuchungen ist vorgesehen, die Restaurierungsma\u00dfnahmen an den Chorfenstern modellhaft und zielgerecht umzusetzen. Begleitende naturwissenschaftliche Analysen in Zusammenarbeit mit dem Institut f\u00fcr Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt dienen dem Ziel, eine optimale L\u00f6sung zu erreichen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenProjektphase I (Anamnese )<br \/>\n1. Literatur\/Patentrecherche<br \/>\n2. Probenahme<br \/>\n3. Bestandsaufnahme\/ Kartierung<br \/>\n4. Untersuchung des anthropogenen Umweltschadens<br \/>\n5. Analyse der Zusammensetzung und des Zustandes von Gl\u00e4sern, Malfarben und Bleistegen <\/p>\n<p>Projektphase II<br \/>\n1. Herstellung eines Modellfeldes mit Malfarben und Bleistegen als Musterst\u00fcck im unteren Bereich eines Chorfensters f\u00fcr Untersuchungen.<br \/>\n2. Ermittlung glasspezifischer Kennwerte f\u00fcr die Herstellung von Gl\u00e4sern zur Schlie\u00dfung und Erg\u00e4nzung der Fehlstellen, Erg\u00e4nzung historischer Gl\u00e4ser in dieser Technik. Entscheidung \u00fcber Material, Art und Weise der Erg\u00e4nzung, sowie Ausf\u00fchrung.<br \/>\n3. Vorschlag zur modellhaften Herstellung eines Schutzes der Fenster<br \/>\n4. Publikation und Pr\u00e4sentation der Ergebnisse<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Rahmen des von der DBU gef\u00f6rderten Modellvorhabens zur Konservierung und Restaurierung der Chorfenster der Johanneskirche in Halle &#8211; Kirche des Jahres in Sachsen-Anhalt &#8211; sollten komplexe, wissenschaftliche Untersuchungen zur modellhaften Restaurierung der Chorfenster erfolgen.<br \/>\nWeiterhin standen Aspekte grunds\u00e4tzlich als Anforderung:<br \/>\n&#8211; Restauratorische Ethik f\u00fcr die Konservierung und Restaurierung historischer Glasmalerei, gilt unabh\u00e4ngig ihrer Entstehungszeit<br \/>\n&#8211; es sollen nicht unbedingt allgemeine Restaurierungsprinzipien wiederholt werden<br \/>\n&#8211; Grundlage ist die Erforschung und Dokumentation<br \/>\n&#8211; Pr\u00e4ventive Konservierung ist Bedingung<br \/>\n&#8211; das Vorsehen einer Schutzverglasung muss unbedingt den konservatorischen Anforderungen von Glasmalerei, dem architektonischen Umfeld sowie den physikalischen Bed\u00fcrfnissen entsprechen<br \/>\n&#8211; es erfordert die Zusammenarbeit einer Gruppe von Spezialisten, z.B. Restauratoren, Kunsthistorikern, Architekten und Naturwissenschaftlern<br \/>\nDie Recherche ergab, dass der Glasmaler, Glastechniker Alois Freystadl (1856-1932) aus Hannover sein Patent Nr. 71653 zur Glasherstellung an den Chorfenstern an Einzelfelder angewandt hat. Als Vorlage f\u00fcr die fig\u00fcrliche Darstellung der Chorfenster dienten die Bayernfenster des K\u00f6lner Domes von 1848.<br \/>\nDer angenommene anthropogene Umweltschaden best\u00e4tigte sich durch die vorgenommene Analysen. Im Probematerial wurde ein hoher Anteil von Kalziumsulfat und Magnesiumverbindungen festgestellt. Die Bestandsaufnahme des Musterfeldes des Chorscheitelfensters ergab, dass Freystadl sein Glas nur partiell und ansonsten verschiedene mundgeblasene Antikgl\u00e4ser und \u00dcberfanggl\u00e4ser mit deutlichem Hobel und starker Bl\u00e4selung, Glasst\u00e4rke 2-5mm, einsetzte.<br \/>\nDie Bestandsaufnahme \/ Kartierung von Glasspr\u00fcngen, Glasfehlstellen, Reparaturglas, Glas nach Freystadls Patent, fr\u00fchere Erg\u00e4nzungen, seitenverkehrter Glaseinsatz, Auslinsungen, Bleinetze, Bleifehlstellen, Bleispr\u00fcngen und Bleibr\u00fccken war Grundlage f\u00fcr die Projektphase II, ebenso die Analyse zum Glas, Malfarben und Bleistegen.<br \/>\nDer innovative Ansatz zum Modellcharakter des Projektes liegt in der Aufgabenstellung der Voruntersuchungen als Grundlage zur Restaurierung, Diskussion innerhalb der Fachgruppe und die damit m\u00f6gliche Auswahl von Material und Ausf\u00fchrungstechnik.<br \/>\nErgebnisse wurden in der Praxis innovativ umgesetzt:<br \/>\n&#8211; Wiederherstellung der Fehlstellen, die den Anforderungen einer gesicherten Rekonstruktion entspricht<br \/>\n&#8211; Kennzeichnung s\u00e4mtlicher Erg\u00e4nzungsgl\u00e4ser auf der R\u00fcckseite mittels Linienradierung und Aufbringung eines zweiten d\u00fcnnen \u00dcberzuges. In der Vergangenheit erfolgte diese vorderseitig mit einer Signatur, die oft unter den Bleiwangen verschwand<br \/>\n&#8211; Kleben von Glasspr\u00fcngen und Erg\u00e4nzungsgl\u00e4sern &#8211; Originalglas in reversibler Technik durch Bestreichen der Glaskanten vor der Verklebung mit Paraloid B72 als Sperrschicht, danach Verklebung mit Araldit 2020A\/B<br \/>\n&#8211; Montage einer au\u00dfen vorgeh\u00e4ngten und au\u00dfenbel\u00fcfteten Schutzverglasung, aus 2-fach entspiegeltem ESG Amiran mit leichter Graut\u00f6nung. Au\u00dfenschutzverglasung als randlose Scheibe pro Feld jedoch am Wandanschluss gedichtet. Scheiben f\u00fcr Reinigung- und Wartungsarbeiten einfach reversibel.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das F\u00f6rderprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt wurde durch Ver\u00f6ffentlichungen in Presse, Rundfunk und Fernsehen in Sachsen-Anhalt vorgestellt und durch Artikel und Zwischenberichte begleitet. Der Bericht zum Modellvorhaben wird dem Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau (IRB) \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Auf Grund der konkret mit der DBU abgestimmten Modellthematik, der intensiven Arbeit der Fachspezialisten der Arbeitsgruppe und der Glaswerkstatt konnte die Aufgabenstellung mit Erfolg umgesetzt werden.<br \/>\n&#8211; Nachweisf\u00fchrung der Anwendung des Freystadl\u00b4schen Patentes<br \/>\n&#8211; Kennzeichnung der Erg\u00e4nzungsgl\u00e4ser &#8211; bundesweit beispielhaft<br \/>\n&#8211; F\u00fcr Mitteldeutschland erstmalige Anwendung einer reversiblen, den bestandssch\u00fctzender Glasklebetechnik<br \/>\n&#8211; Modellhafte Ausf\u00fchrung der Schutzverglasung bezogen auf Materialauswahl, Montageart zum Schutz der historischen Bleiverglasung unter Ber\u00fccksichtigung besonderer Umwelt- und bauphysikalischen Bedingungen<br \/>\nInfolge der sorgf\u00e4ltigen Projektanamnese konnte die Realisierung des Modellvorhabens kosteng\u00fcnstig erfolgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Starke Verschmutzungen durch die urspr\u00fcnglich in unmittelbarer N\u00e4he befindlichen Fabriken (z. 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