{"id":24540,"date":"2023-09-24T10:32:20","date_gmt":"2023-09-24T08:32:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/25274-01\/"},"modified":"2023-09-24T10:32:23","modified_gmt":"2023-09-24T08:32:23","slug":"25274-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/25274-01\/","title":{"rendered":"Erprobung von Managementma\u00dfnahmen in Bremen zum Erhalt der Krebsschere als Leitart f\u00fcr die \u00f6kologisch wertvollen Graben-Gr\u00fcnland-Gebiete der Kulturlandschaft Nordwestdeutschlands"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Zum Schutz der bundesweit gef\u00e4hrdeten Grabenpflanze Krebsschere (Stratiotes aloides) f\u00fchrt Bremen seit Ende der 1980er Jahre auf Teilfl\u00e4chen ein auf ihre spezifischen Lebensraumanspr\u00fcche ausgerichtetes \u00f6kologisches Grabenr\u00e4umprogramm durch. Trotz dieser Bem\u00fchungen haben die Best\u00e4nde in Bremen und anderen Regionen in den letzten Jahren z. T. stark abgenommen. Die konkreten Ursachen f\u00fcr den \u00fcberregionalen R\u00fcckgang sind bisher unklar. Ziel des Vorhabens ist es, die relevanten Faktoren f\u00fcr den R\u00fcckgang der Krebsscherenbest\u00e4nde in Bremen zu ermitteln und geeignete Ma\u00dfnahmen zum Schutz und zur Entwicklung zu erproben.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenArbeitsschritte: (1) Entwicklung von Ma\u00dfnahmen und ma\u00dfnahmenbegleitender Untersuchungen, (2) konkretisierende Erfassung der vorhandenen Krebsscherenbest\u00e4nde (Verbreitung, Vitalit\u00e4t, Geschlechterverteilung), (3) Kontrolle der Grabenwasserqualit\u00e4t (u. a. N\u00e4hrstoffe, pH-Wert), (4) Analyse der Daten zur Be- und Entw\u00e4sserung, (5) Recherche nach tierschonenden Grabenr\u00e4umger\u00e4ten, (6) Umsetzung von Ma\u00dfnahmen zur Wiederbesiedelung ger\u00e4umter Gr\u00e4ben, Bau von Grundwasserpumpen, Anlage von Filterstrecken, Abd\u00e4mmung von Gr\u00e4ben, \u00c4nderungen der Grabenr\u00e4umung (R\u00e4umzeitpunkt, R\u00e4umintensit\u00e4t etc.), (7) Durchf\u00fchrung genetischer Analysen, (8) Durchf\u00fchrung von Wirkungskontrollen (Verbreitung u. Vitalit\u00e4t der Krebsscherenpopulationen, \u00c4nderungen der chem.-physik. Parameter, Auswirkungen auf die Grabenfische etc.), (9) Ableitung relevanter Wirkfaktoren bei eintretenden Ver\u00e4nderungen, (10) R\u00fcckkopplung der Ergebnisse zur Optimierung der umgesetzten Ma\u00dfnahmen, (11) Analyse der Gesamtergebnisse und Ableitung von Ursachen f\u00fcr den R\u00fcckgang der Krebsschere sowie von Empfehlungen, (12) Begleitende \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Fachtagung und Erarbeitung eines Leitfadens zur Grabenr\u00e4umung.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Vorhaben liefert wichtige Erkenntnisse \u00fcber die relevanten Schl\u00fcsselfaktoren f\u00fcr den Erhalt der Krebsschere. Der praxisnahe Forschungsansatz gew\u00e4hrleistet die Integration der neuen Ergebnisse in die Praxis der Pflege und Unterhaltung der Gr\u00fcnlandgr\u00e4ben in Bremen. Es hat sich gezeigt, dass ein Mosaik verschiedener Grabentypen mit vielf\u00e4ltigen Standortbedingungen essenziell f\u00fcr den Schutz der Krebsschere und damit der gesamten Grabenbioz\u00f6nose eines Gebietes ist.<br \/>\nEntwicklung der Krebsscheren: Die Entwicklung bei \u00f6kologischer Normalr\u00e4umung unterscheidet sich nicht von der nat\u00fcrlicher Krebsscherenbest\u00e4nde. Sie gehen schnell in die Optimalphase \u00fcber. Der R\u00e4umzyklus wird auf 3 bis 4 Jahre verk\u00fcrzt. Durch die \u00f6kologischen Intensivr\u00e4umungen im Herbst und Normalr\u00e4umungen im Sp\u00e4tsommer wird eine mindestens einj\u00e4hrige Initialphase bewirkt und der Entwicklungs- zyklus auf 4 bis 6 Jahre verl\u00e4ngert. Hierdurch k\u00f6nnen sich auch die Pionierarten der Gr\u00e4ben entwickeln. Im Niedervieland bleiben die Best\u00e4nde in einem Stadium zwischen Aufbau und Zusammenbruch. Dies weist dort auf ung\u00fcnstige Standortbedingungen hin. Das Entwicklungsstadium des Grabens ist mit Ausnahme des Wasserlinsenstadiums nicht ausschlaggebend f\u00fcr den Erfolg der Beimpfungen mit Krebsschere. Die Intensivr\u00e4umungen beschleunigen den Wiederaufbau der Population, wahrscheinlich auf Grund des vorhandenen Ausbreitungsraums. Die Einspeisung von Grundwasser mittels Pumpen wirkte sich g\u00fcnstig auf die Entwicklung der Krebsschere aus.<br \/>\nWasserqualit\u00e4t: Die Gr\u00e4ben k\u00f6nnen als meso- bis eutroph eingestuft werden, mit einer \u00fcberwiegend geringen bis m\u00e4\u00dfigen N\u00e4hrstoffbelastung. Die R\u00e4umma\u00dfnahmen hatten keine nachhaltigen Ver\u00e4nderungen der Wasserqualit\u00e4ten zur Folge. Die gemessenen Konzentrationen der Einzelparameter sind nicht limitierend f\u00fcr die Krebsschere. Allerdings zeigten die Untersuchungen des Schlammporenwassers, dass im Niedervieland signifikant h\u00f6here Konzentrationen von Hydrogencarbonat, Sulfid, Ammonium und Phosphat vorkommen. Die Sulfid- und Ammoniumkonzentrationen erreichen dabei Werte, die nach Angaben aus der Literatur sch\u00e4digende Einfl\u00fcsse auf die Krebsschere vermuten lassen. Darin wird die Ursache f\u00fcr den andauenden R\u00fcckgang der Krebsschere im Niedervieland gesehen.<br \/>\nFischfauna: Von den durchgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen gehen keine l\u00e4ngerfristigen negativen Auswirkungen auf die Fischfauna aus. Die R\u00e4umung ist zum Erhalt des Lebensraums essentiell erforderlich, auch wenn Fische aus dem Graben entnommen werden. Offenbar wirkt sich eine intensive R\u00e4umart stark verschlammter Gr\u00e4ben positiv auf die Arten- und Individuenzahlen aus. Hierdurch wird der f\u00fcr die Fische bedeutsame freie Wasserk\u00f6rper am besten wiederhergestellt. Von gro\u00dfer Bedeutung ist ein vernetztes Mosaik aus Gr\u00e4ben und gr\u00f6\u00dferen Fleeten (Hauptvorfluter) verschiedener Sukzessionsstadien.<br \/>\nGr\u00fcne Mosaikjungfer: Bei der \u00f6kologischen Normalr\u00e4umung verbleibt ein gro\u00dfer Anteil der in den Krebsscheren vorhandenen Eier und Larven im Gew\u00e4sser. Die R\u00e4umung im Herbst ist ebenso wie die R\u00e4umung in der Optimalphase der Krebsscherentwicklung f\u00fcr die Libellenart g\u00fcnstig zu beurteilen. Beimpfungsbest\u00e4nde werden im ersten Jahr kaum als Eiablageplatz angenommen. Insgesamt ist eine gute Entwicklung der Krebsscherenbest\u00e4nde Voraussetzung f\u00fcr den Erhalt dieser Libellenart.<br \/>\nEmpfehlungen f\u00fcr das Grabenmanagement: (a) Die R\u00e4umintensit\u00e4t sollte sich individuell nach dem Schlammaufkommen im Graben richten. (b) Jeder Graben sollte abschnittsweise etwa alle 5 Jahre ger\u00e4umt werden, um in einem Gebiet ein Mosaik verschiedener Grabentypen zu schaffen, das vielf\u00e4ltige Habitatanspr\u00fcche dauerhaft erf\u00fcllt. (c) Die R\u00e4umung im Sp\u00e4tsommer f\u00f6rdert die Entwicklung der Wasservegetation, eine R\u00e4umung im Herbst f\u00f6rdert die Fischfauna und die Gr\u00fcne Mosaikjungfer. F\u00fcr die Krebsschere sind beide Zeitpunkte geeignet. (d) Gr\u00e4ben sollten bevorzugt in der Optimalphase der Vegetationsentwicklung ger\u00e4umt werden. (e) Beimpfungen mit Krebsscheren sind unmittelbar nach der R\u00e4umung sinnvoll. Beim Einsatz gro\u00dfer Best\u00e4nde mit beiden Geschlechtern, kann die Entwicklung neuer Krebsscherengr\u00e4ben erfolgreich initiiert werden. (f) Zum Erhalt und zur Entwicklung der Krebsschere sind ganzj\u00e4hrig hohe Freiwasserst\u00e4nde durch R\u00fcckhaltung des gebietseigenen Wassers ohne gro\u00dffl\u00e4chiges sommerliches Trockenfallen anzustreben. (g) Der Einfluss gebietseigenen Grundwassers ist wichtig und sollte ggf. durch Zufuhr gef\u00f6rdert werden. (h) Zuleitungswasser aus Flusssystemen, dessen Wasserqualit\u00e4t nicht bereits dem angestrebten Niveau entspricht, sollte nur durch ausreichend bemessene Pflanzenkl\u00e4rstrecken ins Gebiet geleitet werden. (i) Das Sediment im Graben kann ein limitierender Faktor f\u00fcr die Habitatqualit\u00e4t der Krebsschere sein. Hohe Belastungen, vor allem mit Ammonium, Sulfid und Phosphat sollten grunds\u00e4tzlich vermieden werden.<br \/>\nDie Empfehlungen zum Grabenmanagement wurden in einem Leitfaden anschaulich aufbereitet. Er wendet sich an die Praktiker der Grabenr\u00e4umung und verbindet die 20-j\u00e4hrigen Erfahrungen in Bremen mit den Erkenntnissen aus dem Krebsscherenvorhaben.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Vorhaben wurde durch eine intensive \u00d6ffentlichkeitsarbeit begleitet. Ein Pressetermin mit dem Bremer Umweltsenator Dr. Loske und dem Fachbetreuer Dr. Stock von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Jahr 2007 bildete den Auftakt. Es folgten u. a. Exkursionen, Zeitungsartikel, Fernsehbeitr\u00e4ge im Lokalfernsehen, Seminare mit der NNA, Standpr\u00e4sentationen bei der SonderUMK in Mainz sowie der internationalen UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt (COP 9) in Bonn. Ferner fand ein intensiver Austausch mit Kollegen aus den Niederlanden statt. Den Abschluss 2010 bildete die Fachtagung an der Hochschule Bremen. Bei Vortr\u00e4gen und Exkursionen stellte das Projektteam die Ergebnisse vor und diskutierte sie mit den Teilnehmern aus Beh\u00f6rden, Verb\u00e4nden, B\u00fcros und Hochschulen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Durch die gemeinsame, intensive Bearbeitung wurde das vorhandene Fachwissen im Projektteam stark vernetzt. Von den neuen Erkenntnissen und der erweiterten Datenlage \u00fcber die Qualit\u00e4t und das Management der Gew\u00e4ssersysteme in den Erprobungsgebieten hat die Naturschutzpraxis in Bremen sehr profitiert. Insbesondere der entstandene Leitfaden tr\u00e4gt die Projektergebnisse \u00fcber den Abschluss des Vorhabens weiter, zum Schutz der Krebsschere und der artenreichen Kulturlandschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Zum Schutz der bundesweit gef\u00e4hrdeten Grabenpflanze Krebsschere (Stratiotes aloides) f\u00fchrt Bremen seit Ende der 1980er Jahre auf Teilfl\u00e4chen ein auf ihre spezifischen Lebensraumanspr\u00fcche ausgerichtetes \u00f6kologisches Grabenr\u00e4umprogramm durch. Trotz dieser Bem\u00fchungen haben die Best\u00e4nde in Bremen und anderen Regionen in den letzten Jahren z. T. stark abgenommen. 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