{"id":24528,"date":"2023-07-13T15:26:07","date_gmt":"2023-07-13T13:26:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/25231-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:26:08","modified_gmt":"2023-07-13T13:26:08","slug":"25231-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/25231-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung des Naturparks Solling-Vogler zur Kompetenzregion Weidelandschaft"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ausgangssituation<br \/>\nDer rund 52.000 ha gro\u00dfe Naturpark Solling-Vogler liegt fast mittig im Weserbergland und besteht aus den zwei Sandsteingebirgen Solling und Vogler. Der Solling ist gepr\u00e4gt von Landschaften mit ausgedehnten W\u00e4ldern, Wiesent\u00e4lern, klaren B\u00e4chen und weitgehend intakten Mooren. Im Norden des Naturparks liegt der Vogler &#8211; gezeichnet von schmalen Bergr\u00fccken und steilen H\u00e4ngen &#8211; mit dem FFH-Gebiet R\u00fchler Schweiz, einer vielf\u00e4ltigen Kulturlandschaft aus klein gegliederten Gr\u00fcnland- und Ackerfl\u00e4chen, Feldgeh\u00f6lzen und Streuobstwiesen. Mit der Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung geht diese halbof-fene Landschaft jedoch zur\u00fcck, ehemaliges Weideland und Streuobstwiesen verbrachen und nach einigen Jahren meist brennnesseldominierter \u00dcbergangsstadien bildet sich letztlich sukzessiv Wald heraus. Die Fl\u00e4chen wurden aufgegeben oder in eine andere Nutzung (Wald) gebracht, weil sie nach herk\u00f6mmlichen Vorgaben der konventionellen Landwirtschaft keine betriebswirtschaftlich rentable Nutzung zulas-sen.<br \/>\nZielsetzung des Projekts<br \/>\nZiel des Zweckverbands Naturpark Solling-Vogler ist der Erhalt der Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen und deren Pflege in Form der extensiven Beweidung nach definierten Richtlinien und auf Grundlage von Zielsetzungen des Naturschutzes. Im Gegensatz zu erfolgreichen Beweidungsprojekten in anderen Regionen, die meist auf m\u00f6glichst gro\u00dfe, zusammenh\u00e4ngende Weidegebiete gerichtet sind, ist im Naturpark Solling-Vogler der Schwerpunkt auf kleinere, eher isoliert in der Landschaft liegende schutzw\u00fcrdige Bereiche gerichtet. Mit diesen ung\u00fcnstigen Rahmenbedingungen steht der Naturpark Solling-Vogler nicht alleine da. Viele Mit-telgebirgsregionen in Deutschland k\u00f6nnen die in Modellprojekten bzw. Leuchtturm-Projekten entwickelten und erprobten Konzepte nicht kopieren, weil die erforderlichen stimulierenden Rahmenbedingungen nicht gegeben sind. F\u00fcr die Sicherung der extensiven Beweidung im Naturpark Solling-Vogler muss da-her ein L\u00f6sungsweg entwickelt werden, der die ung\u00fcnstigen Bedingungen in der Region ber\u00fccksichtigt. F\u00fcr den Naturpark Solling-Vogler wurde die Gr\u00fcndung einer Weidegenossenschaft als pr\u00fcfenswer-ter Weg zur \u00dcberwindung der nachteiligen Bedingungen und zur Sicherung einer tragf\u00e4higen Weidewirtschaft identifiziert. Von diesem L\u00f6sungsansatz wird insbesondere erwartet:<br \/>\n\tdie Schaffung und Nutzung von Vorteilen bzw. Synergie-Effekten, die eine Senkung der Produkti-onskosten und eine Erh\u00f6hung der Erl\u00f6se bewirken;<br \/>\n\teine hohe Akzeptanz bei den beteiligten Landwirten, da die Rechtsform Genossenschaft in der Landwirtschaft etabliert ist und ein positives Image aufweist;<br \/>\n\teine hohe Flexibilit\u00e4t bei der Gestaltung der Kooperationsbeziehungen zwischen den Genossen und Gesch\u00e4ftspartnern;<br \/>\n\tdie M\u00f6glichkeit der Beteiligung der \u00f6ffentlichen Hand (Naturpark, Kommunen);<br \/>\n\tdie M\u00f6glichkeit der Einbindung und Weiterentwicklung bestehender Netzwerke in der Region.<br \/>\nMit der vorliegenden Vorstudie (erste Projektstufe) sollen die konzeptionellen Grundlagen erarbeitet und die Umsetzung (zweite Projektstufe) vorbereitet werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie zentralen Arbeitsschritte zur Vorbereitung der Errichtung einer Weidegenossenschaft waren:<br \/>\n\tEinrichtung eines Projekt begleitenden Arbeitskreises zur Beteiligung der UNBs der beiden Landkreise und der Landesforsten, der Gemeinde Derental (Partner im Pilotprojekt), der Landwirtschafts-kammer und des Landvolks sowie Experten.<br \/>\n\tErmittlung der Mitwirkungsbereitschaft von Landwirten und Gastronomen \u00fcber Einzelgespr\u00e4che mit rd. 50 interessierten Landwirten und 21 Gastronomen.<br \/>\n\tIdentifikation und Abgrenzung von Schwerpunktr\u00e4umen (nach naturschutzfachlichen Kriterien und entsprechend der Mitwirkungsbereitschaft der Besitzer) mit einer hohen Konzentration an Fl\u00e4chen, die in das Beweidungsprojekt des Naturparks aufgenommen werden sollen.<br \/>\n\tErfassung von Erfahrungen aus Beweidungsprojekten in anderen Regionen; Ableitung des Hand-lungsbedarfs und der erforderlichen Ma\u00dfnahmen der geplanten Weidegenossenschaft.<br \/>\n\tAbschlie\u00dfende Abw\u00e4gung der Sinnhaftigkeit der Rechtsform Genossenschaft im Vergleich zu anderen Rechtsformen und Pr\u00fcfung der Varianten zur Einbindung der Genossen bzw. zur Gestaltung der Inhalte und Aufgaben der Genossenschaft.<br \/>\nGr\u00fcndung einer Weidegenossenschaft in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Derental als Pilotprojekt zur Erprobung der Vor- und Nachteile einer Weidegenossenschaft mit eigenen Rindern werden auf klei-ner Fl\u00e4che; begleitet vom norddeutschen Genossenschaftsverband.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Vorstudie f\u00fcr die Entwicklung des Naturparks Solling-Vogler zu einer Kompetenzregion Weidelandschaft gehen die Ergebnisse Dank der Unterst\u00fctzung des Landes Niedersachsen weit \u00fcber die Erarbeitung konzeptioneller Grundlagen hinaus. Zentrale Ergebnisse sind:<br \/>\n\tVom Land Niedersachsen wurden die erforderlichen Mittel zur Durchf\u00fchrung eines Pilotprojekts bereitgestellt und die Weidegenossenschaft Weideland e. G. gegr\u00fcndet, an der neben dem Natur-park und der Gemeinde Derental zwei Landwirte beteiligt sind. Mit dem Pilotprojekt wird bereits eine extensive Beweidung mit rd. 35 Rindern auf rd. 50 ha an 4 Standorten erreicht; die Ausweitung des Fl\u00e4chen- und Tierbestands ist in Vorbereitung. Mit Unterst\u00fctzung des norddeutschen Genossenschaftsverbands wurde die Satzung festgelegt, aktuell wird das vorl\u00e4ufige Betriebs- und Wirtschaft-lichkeitskonzept weiterentwickelt.<br \/>\n\tMit mehreren Gastronomen aus der Region wurden Vereinbarungen zur Abnahme der Fleischerzeugnisse aus extensiver Beweidung getroffen, in Zusammenarbeit mit der Landschlachterei Schafft wurden spezielle regionale Wurstprodukte entwickelt (Pfefferbei\u00dfer mit Zitronenthymian, Corned Beef, Auerochsen-Salami, Bregenwurst mit K\u00fcmmel etc.).<br \/>\n\tMit der Befragung von rd. 50 interessierten Rinder haltenden Landwirten in der Naturpark-Region wurde der Grundstock f\u00fcr die Beteiligung weiterer landwirtschaftlicher Betriebe gelegt, die Anforderungen der Landwirte und ihre Mitwirkungsbereitschaft analysiert und eine \u00dcbersicht \u00fcber die ggf. bereitgestellten Fl\u00e4chen f\u00fcr die geplante erhebliche Ausweitung der genossenschaftlichen Beweidung geschaffen.<br \/>\n\tIn Zusammenarbeit mit den UNBs der beiden beteiligten Landkreise wurden die naturschutzrelevanten Fl\u00e4chen ermittelt, deren Bewirtschaftung \u00fcber die nieders\u00e4chsischen Agrar-Umweltprogramme (NAU B1 und B2) oder das Kooperationsprogramm Naturschutz f\u00f6rderf\u00e4hig ist. Die Bem\u00fchungen zur Entwicklung der geplanten Weidegenossenschaft werden sich auf f\u00fcnf Modellr\u00e4ume f\u00fcr gemein-schaftliche Weidewirtschaft konzentrieren, in denen sich die von Landwirten ggf. bereitgestellten und gleichzeitig naturschutzfachlich relevanten Fl\u00e4chen h\u00e4ufen und \u00fcberlagern.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Erarbeitung der Vorstudie und die Umsetzung des Pilotprojekts waren von kontinuierlicher \u00d6ffentlichkeitsarbeit begleitet:<br \/>\n\tIn dem Projekt begleitenden Arbeitskreis wurden die Arbeitsschritte und -ergebnisse kontinuierlich in sechs Arbeitskreissitzungen unter Beteiligung von Vertretern der Landwirtschaft abgestimmt und diskutiert; die Vorstudie und das Pilotprojekt wurden kontinuierlich (bei Projektstart und zu geeigneten Anl\u00e4ssen wie Festen und Aktivit\u00e4ten des Naturparks, Ortsterminen mit dem nieders\u00e4chsischen Umweltminister) in der regionalen Presse vorgestellt.<br \/>\n\tMit der Vergabe des Gr\u00fcnlandpreises 2008 durch den Landkreis Holzminden (gef\u00f6rdert durch die neu gegr\u00fcndete Braunschweigische Landessparkasse) erfolgte eine \u00f6ffentliche Honorierung enga-gierter Landwirte f\u00fcr ihre Bereitschaft einer extensiven Beweidung. Damit wird der Boden f\u00fcr die erfolgreiche Ansprache von Landwirten zur Unterst\u00fctzung der Projektziele und der Mitwirkung in der Weidegenossenschaft bereitet.<br \/>\n\tDie Naturparkverwaltung plant f\u00fcr das Fr\u00fchjahr 2009 die Durchf\u00fchrung eines Workshops mit Vertretern aus Regionen mit vergleichbaren Herausforderungen und Beweidungsprojekten. Ziel des Workshops soll die Vorstellung der Arbeitsergebnisse und die kritische Diskussion der Erfolge und der \u00dcbertragbarkeit des L\u00f6sungswegs sein.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcndung einer Weidegenossenschaft, die die Beweidung selbst (mit eigenen Rindern auf eigenen Fl\u00e4chen) durchf\u00fchrt, ist eine ungew\u00f6hnliche L\u00f6sung, aber plausibel:<br \/>\n\tDie Bem\u00fchungen, durch die Bewerbung der Erzeugnisse und durch die Organisation von Vertriebswegen einen mehrfach h\u00f6heren Erl\u00f6s zu erzielen, der die im Naturpark Solling-Vogler \u00e4u\u00dferst auf-w\u00e4ndige und uneffiziente Fleischproduktion kostendeckend und rentabel macht, f\u00fchren alleine nicht zum Ziel. Die Konkurrenz mit deutlich geringeren Erzeugungskosten bei hoher Standardisierung der Fleischproduktion und die geringe Nachfrage der Abnehmer und Endkunden f\u00fcr hochpreisige Produkte aus Landschaftspflege stehen der Wirtschaftlichkeit entgegen. Die Kluft zwischen Erzeuger-kosten und Zahlungsbereitschaft kann nicht durch Bewerbung des Mehrwerts der Erzeugnisse aus extensiver Weidewirtschaft \u00fcberwunden werden.<br \/>\n\tAngesichts der Ungunstfaktoren f\u00fcr die extensive Beweidung im Naturpark Solling-Vogler (kleine Fl\u00e4chen an H\u00e4ngen und in sehr feuchten Auen, Einsatz von Robustrindern mit langsamem Fleisch-zuwachs Region mit geringem \u00fcberregionalem Bekanntheitsgrad) w\u00fcrde mit einer F\u00f6rdergenossen-schaft (nach Vorbild der herk\u00f6mmlichen Weidegenossenschaften) der Sprung zur Wirtschaftlichkeit nicht erreicht, nur in Einzelf\u00e4llen ergeben sich Anreize f\u00fcr die Landwirte zur Beteiligung an einer F\u00f6r-dergenossenschaft.<br \/>\n\tDie in Einrichtung befindliche (und durch Bereitstellung von Personal und Infrastrukturen gef\u00f6rderte) Produktionsgenossenschaft ist somit ein Ausweg bzw. neuer Weg zur Realisierung der Ziele. Mit dem Betrieb einer eigenen Genossenschaft werden erreicht:<br \/>\n&#8211;\tdie Sicherung der extensiven Beweidung auf den naturschutzrelevanten Fl\u00e4chen im Naturpark Solling-Vogler,<br \/>\n&#8211;\tein besserer Einfluss bzw. Zugriff auf die Durchf\u00fchrung der Beweidung<br \/>\n&#8211;\t\u00fcberschaubare Kosten (pro ha) f\u00fcr das Land.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ausgangssituation Der rund 52.000 ha gro\u00dfe Naturpark Solling-Vogler liegt fast mittig im Weserbergland und besteht aus den zwei Sandsteingebirgen Solling und Vogler. Der Solling ist gepr\u00e4gt von Landschaften mit ausgedehnten W\u00e4ldern, Wiesent\u00e4lern, klaren B\u00e4chen und weitgehend intakten Mooren. 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