{"id":24483,"date":"2025-08-02T10:32:04","date_gmt":"2025-08-02T08:32:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/25079-01\/"},"modified":"2025-08-02T10:32:04","modified_gmt":"2025-08-02T08:32:04","slug":"25079-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/25079-01\/","title":{"rendered":"Beispielhafte Revitalisierung landschaftspr\u00e4gender Kleinarchitekturen unter den Aspekten ihrer typologischen Vielfalt und charakteristischer Umweltsch\u00e4den (Ermland\/Polen)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die historische Kulturlandschaft des Ermlands ist von polnischen und deutschen Einfl\u00fcssen gepr\u00e4gt. Ein charakteristisches Element dieser Landschaft sind die zahlreichen Wegkapellen, deren Entstehung in der konfessionellen Sonderstellung der Region begr\u00fcndet liegt &#8211; das Ermland wurde nie reformiert.<br \/>\nZiel des Vorhabens war die Entwicklung und Umsetzung von vielschichtigen Musterl\u00f6sungen zur Bewahrung dieser landschaftspr\u00e4genden Kapellen. Im Mittelpunkt sollten Kapellen stehen, die sowohl die typologische Formen- und Konstruktionsvielfalt widerspiegeln als auch charakteristische Umweltsch\u00e4den aufweisen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNach der Schaffung der administrativen Voraussetzungen nahmen Experten die von den einzelnen Gemeinden des Landkreises Allenstein vorgeschlagenen Kapellen in Augenschein und trafen unter Ber\u00fccksichtigung der Projektziele eine Auswahl. In einem weiteren Schritt untersuchten Historiker der Universit\u00e4t Ermland-Masuren Bau-, Architektur- und Funktionsgeschichte der Kapellen sowie Restauratoren der Universit\u00e4t Thorn Ausf\u00fchrungstechnik, Erhaltungszustand und Schadensursachen. Eine weitere Analyse einer Landschaftsplanerin war der Pflanzenwelt im direkten Kapellenumfeld gewidmet. Anschlie\u00dfend wurden in Abstimmung mit der regionalen Bau- und Denkmalbeh\u00f6rde und unter Beachtung der Projektziele und der Untersuchungsergebnisse Programme zur Revitalisierung der Kapellen und des sie umgebenden Umfeldes entwickelt. Die Umsetzung erfolgte nach einer \u00f6ffentlichen Ausschreibung durch eine kleine Restaurierungswerkstatt exemplarisch an einigen Kapellen, die sich durch ihre Standorte, architektonischen Formen und Schadensbilder voneinander unterschieden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die sich aufgrund der globalen Wirtschaftskrise w\u00e4hrend der Projektrealisierung verschlechternde finanzielle Situation sowohl der einzelnen Gemeinden des Landkreises als auch der Kreisverwaltung Allenstein f\u00fchrte dazu, das der Projektumfang eingeschr\u00e4nkt werden musste. Trotz dieser Eingrenzung brachte das Projekt eine Reihe interessanter Ergebnisse zu tage.<br \/>\nDie Untersuchungen der Historiker zeigten, dass die Kapellen in einem Gebiet liegen, dass sowohl von polnischen als auch von deutschen Einfl\u00fcssen gepr\u00e4gt ist. Sie waren in der Regel Eigentum aller Dorfbewohner und dienten w\u00e4hrend des gesamten Kirchenjahres dem religi\u00f6sen Kultus. Die Kapellen sind somit Ausdruck der traditionellen Fr\u00f6mmigkeit und des Volksglaubens. Teilweise im Barock, vor allem aber im 19. Jahrhundert errichtet, weisen sie eine ausgesprochen gro\u00dfe architektonische Formenvielfalt auf. Zur Ausstattung geh\u00f6ren Skulpturen, Flachreliefs und Bilder von Heiligen, Kruzifixe sowie Inschriften mit Angaben zu Stiftern oder religi\u00f6sen Appellen. <\/p>\n<p>Aus den restauratorischen Untersuchungen resultiert, dass die Kapellen meist auf einem Fundament aus Granit stehen. Sie wurden mit maschinell hergestellten Ziegeln unter Verwendung von Kalkm\u00f6rtel aufgemauert und teilweise oder vollfl\u00e4chig verputzt (Kalkputz). Die Ursache f\u00fcr die Sch\u00e4den an den Kapellen liegen vor allem in einem gegen\u00fcber dem Umfeld zu tief liegenden Terrain (Feuchtesch\u00e4den von unten), einem Standort zu nahe an Verkehrswegen (Rissbildung infolge Ersch\u00fctterungen), fehlender bzw. schadhafter Abdeckung (Feuchtesch\u00e4den von oben) sowie falschen Instandhaltungsma\u00dfnahmen (Zementm\u00f6rtel, dichte Anstrichsysteme). <\/p>\n<p>Die Umfeldanalyse ergab unter anderem, dass die Kapellen am Stadtrand, in der N\u00e4he l\u00e4ndlicher Kirchen (ohne Glocke), nahe privater H\u00e4user (mit Glocke) oder in der freien Landschaft errichtet wurden. Im direkten Umfeld stehen meist zwei oder vier symmetrisch angeordnete B\u00e4ume, \u00fcberwiegend Linden, seltener Ahorn oder Buchen, teilweise auch Str\u00e4ucher. Die Aufgabe der Pflanzen besteht darin, den sakralen Raum um die Kapellen herum vom profanen Raum zu trennten. <\/p>\n<p>Die Revitalsierung erfolgte aufgrund detaillierter Restaurierungsprogramme musterhaft an drei Kapellen, die sich durch unterschiedliche Standorte (in der freien Landschaft, an einer abfallenden Stra\u00dfenkreuzung am Ortsrand, inmitten eines Ortes), architektonische Formen (Sp\u00e4tbarock, Neogotik; ziegelsichtig, verputzt; ein und zweigeschossig; mit und ohne Glocke) und Schadenbilder (Feuchte von unten, Risse infolge Ersch\u00fctterungen, Fehlstellen im Ziegelmauerwerk bzw. in den aus Kalk-Zementputz hergestellten Gesimsen) auszeichneten. Entsprechend den Gestaltungsplanungen zur Umfeldgestaltung wurden sekund\u00e4re Elemente (u. a. Betonsockel, Metall- und Holzz\u00e4une) beseitigt, j\u00fcngere Str\u00e4ucher umgepflanzt und die urspr\u00fcngliche Profilierung der Terrains wiederhergestellt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des Projektes werden auf den Internetseiten des Landkreises Allenstein und der Gesellschaft zur Erhaltung des kulturellen Erbes e.V. dargestellt. Dar\u00fcber hinaus wird der Landkreis in mehreren Artikeln in der lokalen und regionalen Presse \u00fcber das Projekt berichten.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die methodische Vorgehensweise \u00fcber die Erfassung, detaillierte Untersuchung unter vielschichtigen Aspekten und Entwicklung von Programmen zur Restaurierung der Kapellen und Gestaltung ihrer Umfeldes hat sich als richtig erwiesen. Die Eingrenzung auf drei Kapellen f\u00fcr die beispielhafte Umsetzung der Revitalisierungsprogramme aus finanziellen Gr\u00fcnden ist zu bedauern. Durch das Vorhaben wurde jedoch ein wichtiger Schritt zur Erhaltung dieser die erml\u00e4ndische Kulturlandschaft pr\u00e4genden Kleinarchitekturen gemacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die historische Kulturlandschaft des Ermlands ist von polnischen und deutschen Einfl\u00fcssen gepr\u00e4gt. Ein charakteristisches Element dieser Landschaft sind die zahlreichen Wegkapellen, deren Entstehung in der konfessionellen Sonderstellung der Region begr\u00fcndet liegt &#8211; das Ermland wurde nie reformiert. 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