{"id":24467,"date":"2023-07-13T15:26:01","date_gmt":"2023-07-13T13:26:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/25018-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:26:01","modified_gmt":"2023-07-13T13:26:01","slug":"25018-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/25018-01\/","title":{"rendered":"Reet als Dacheindeckungsmaterial &#8211; Qualit\u00e4tssicherung und -erhaltung eines Baustoffs aus nachwachsenden Rohstoffen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Zielsetzung ist entsprechend der komplexen Aufgabenstellung weit gefasst und macht ein umfangreiches Arbeitsprogramm erforderlich. In diesem Projekt geht es in erster Linie darum, im Sinne einer schnell greifenden Schadensbegrenzung die F\u00fclle der m\u00f6glichen Ursachen zu erfassen, einzugrenzen und die am Ende wesentlichen Problembereiche zu definieren, die dann in einem Folgeprojekt eingehend untersucht werden sollen.<br \/>\n   Die Ziele des Projektes lassen sich auf vier Kernbereiche konzentrieren:<br \/>\n&#8211; Dokumentation beispielhafter Schadensf\u00e4lle zur Eingrenzung des m\u00f6glichen Ursachenkomplexes f\u00fcr den Pilzbefall.<br \/>\n&#8211; Sicherung der Reetqualit\u00e4t:<br \/>\n&#8211; Monitoring der Verfahrenskette Reet von der Ernte bis zur Verwertung.<br \/>\n&#8211; Bestimmung von Parametern zur Unterscheidung von Reetqualit\u00e4ten.<br \/>\n&#8211; Entwicklung eines Leitfadens als Grundlage einer einheitlichen Qualit\u00e4tsbeurteilung.<br \/>\n&#8211; Physikalisch\/chemische Beschreibung verschiedener Reetqualit\u00e4ten und ihre Besiedelbarkeit durch sch\u00e4digende Mikroorganismen.<br \/>\n&#8211; Ma\u00dfnahmen zur Schadensminimierung<br \/>\n&#8211; M\u00f6glichkeiten zur Behandlung von befallsgef\u00e4hrdetem Material vor der Verarbeitung durch \u00f6kologisch unbedenkliche Mittel.<br \/>\n&#8211; M\u00f6glichkeiten der Behandlung mit \u00f6kologisch unbedenklichen Mitteln bei Auftreten von Schadsymptomen<br \/>\n  auf bereits gedeckten D\u00e4chern.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenGemeinsam werden wir Proben von 10 Standorten analysieren. Ziel dieser Arbeiten ist  es, einen ersten \u00dcberblick \u00fcber die mikrobielle Population von Reetd\u00e4chern zu erhalten und evt. erste L\u00f6sungskonzepte zu entwickeln. Dazu werden wir Probenmaterialien unter sterilen Bedingungen an zehn auszuw\u00e4hlenden Standorten sammeln. Im geplanten Projekt werden wir dann aus den unterschiedlichen Probenmaterialien Gesamt-DNA extrahieren und mit Hilfe von PCR- und Klonierungsstrategien die DNA in Genbanken hinterlegen. F\u00fcr die schnelle Bestimmung der bakteriellen Population werden wir spezielle Subgenbanken von 16S-rDNA Genen anlegen und diese sequenzieren lassen. Dabei wird es das Ziel sein, m\u00f6glichst viele Klone zu generieren und zu sequenzieren. Anhand der so gewonnenen DNA-Sequenzen k\u00f6nnen wir dann mit Hilfe von \u00c4hnlichkeitsvergleichen in Datenbanken auf die jeweiligen Mikroorganismen schlie\u00dfen. Wir gehen derzeit davon aus, dass wir einige hundert DNA-Sequenzen ben\u00f6tigen. Parallel dazu werden wir  zur molekularen Bestimmung der Pilze die die 18S-rDNA und ITS-Bereiche mittels PCR amplifizieren, sequenzieren und dann \u00e4hnlich verfahren, wie bei den bakteriellen 16S-Sequenzen. Dar\u00fcber hinaus werden wir das Ph\u00e4nomen der Biofilmbildung detailliert untersuchen und der Frage nachgehen, inwieweit die Bakterien mit den Pilzen vergesellschaftet sind.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Als Schadensursachen der fr\u00fchzeitigen Alterung von Reetd\u00e4chern wurden M\u00e4ngel f\u00fcr die folgenden 4 Kate-gorien festgestellt:  Materialqualit\u00e4t, Bauphysikalische Ursachen, Handwerkliche Fehler und Standorteigenschaften.<br \/>\nDer Aspekt der Materialqualit\u00e4t umfasst ein weites Spektrum m\u00f6glicher Fehler. Das beginnt bei der Ernte und pflanzt sich fort \u00fcber Transport- bis zu diversen Lagersch\u00e4den, die dann Grundlagen sind f\u00fcr (Folge-) Sch\u00e4den aufgrund verschiedener biochemischer Prozesse. Gerade dieses Schadensb\u00fcndel ist prototypisch f\u00fcr den komplexen, multikausalen Prozess. Die Ernte und Lagerung von zu nassem Reet spielen hier eine herausragende Rolle, da hohe Feuchtigkeitsgehalte die Voraussetzung der mikrobiellen Folgeprozesse bilden.<br \/>\nTypische Fehler aus dem Bereich der Bauphysik sind in der Regel eine fehlerhafte oder fehlende Hinterl\u00fcftung bzw. Dampfsperre. Durch den zunehmenden Dachausbau der letzten Jahre ist hier sicherlich ein zus\u00e4tzliches Gef\u00e4hrdungspotenzial entstanden.<br \/>\nHandwerkliche Fehler als Schadensursache sind in erster Linie eine zu geringe Halmneigung bei ausreichender Dachneigung oder aber das Reet wurde sehr fest eingedeckt. Die zu geringe Halmneigung beg\u00fcnstigt eine tiefere Durchfeuchtung des Daches, w\u00e4hrend eine zu feste Eindeckung die Austrocknung des Daches verz\u00f6gert.<br \/>\nBei Standortnachteilen ist die Beschattung durch dicht am Haus stehende B\u00e4ume die wesentliche Schadensquelle. Zus\u00e4tzlich sorgt Blattfall auf das Dach f\u00fcr eine Beeintr\u00e4chtigung des Reets. Im Rahmen des Projektes wurden 79 Reetd\u00e4cher eingehend untersucht: 27 davon in Schleswig-Holstein, 34 in Niedersachsen und 15 in Mecklenburg-Vorpommern. Von den 79 Reetd\u00e4chern waren 54 (68%) schadhaft und zeigten Symptome eines dauerfeuchten Daches. 20 D\u00e4cher (31%) waren unauff\u00e4llig oder in einem altersgem\u00e4\u00dfen Zustand; 5 D\u00e4cher (8%) lie\u00dfen sich nicht eindeutig zuordnen. Gemessen an einer Importquote des bei uns verarbeiteten Reets von \u00fcber 80 % kann man nicht davon ausgehen, dass Importreet \u00fcberproportional an der Schadensbilanz betroffener Reetd\u00e4cher beteiligt ist.<br \/>\nBei den als schadhaft eingestuften D\u00e4chern war in den meisten F\u00e4llen eine geringe Qualit\u00e4t des Reets wesentliche Ursache f\u00fcr die fr\u00fchzeitige Alterung der D\u00e4cher. An zweiter Stelle folgten bauphysikalische Ursachen, in der Regel eine fehlerhafte oder fehlende Hinterl\u00fcftung bzw. Dampfsperre.<br \/>\nHandwerkliche M\u00e4ngel als Schadensursache traten ebenfalls auf: wie eingangs erw\u00e4hnt wurden hier h\u00e4ufig zu geringe Halmneigungen und\/oder zu feste Eindeckungsoberfl\u00e4chen festgestellt. Sowohl die zu geringe Halmneigung als auch die zu festen Eindeckungsoberfl\u00e4chen f\u00fchren zu einer wesentlich h\u00f6heren durchschnittlichen Feuchtigkeit in der Reetschicht. Jede der genannten 4 Kategorien der Schadensursachen kann mehrere Einzelursachen haben, so dass hier vorzugsweise von Ursachenb\u00fcndeln zu sprechen ist.<br \/>\nZiel war es, anhand ausgew\u00e4hlter Inhaltsstoffe die Reetqualit\u00e4t zu charakterisieren, und Parameter zur Unterscheidung von Reetqualit\u00e4ten als Grundlage einer einheitlichen Qualit\u00e4tsbeurteilung zu entwickeln. Im Hinblick auf die Langlebigkeit von Reet als Naturbaustoff ist der Wassergehalt von ma\u00dfgeblicher Bedeutung. Er sollte nicht \u00fcber 18% liegen, da Mikroorganismen bei h\u00f6heren Gehalten g\u00fcnstige Wachstumsbedingungen vorfinden und das Reet abbauen.<br \/>\nReet ist ein verholzendes Naturprodukt und besteht im Prinzip aus den zwei wesentlichen Komponenten: Den Kohlenhydraten Zellulose und Hemizellulose und der phenolischen Komponente Lignin; zusammengefasst als Ger\u00fcstsubstanzen Lignozellulose bezeichnet. Sie tragen in hohem Ma\u00dfe zur Halmstabilit\u00e4t bei. Wird die Zellulose bevorzugt abgebaut, bleibt das oxidierte Lignin als braune Masse zur\u00fcck, und man spricht von Braunf\u00e4ule. Im umgekehrten Fall der Wei\u00dff\u00e4ule besteht der R\u00fcckstand aus der gebleichten Zellulose. Die Lignozellulose im Halm und da besonders das Lignin stellen eine Barriere f\u00fcr Mikroorganismen dar. In der Tat zeigten die Ergebnisse, dass der Verrottungsgrad von Dachfl\u00e4chen mit unterschiedlichen Lignozellulosegehalten einhergeht.<br \/>\nAuch zeigte sich, dass der N\u00e4hrstoffgehalt den mikrobiellen Reetabbau beeinflusst. Stark zerst\u00f6rte D\u00e4cher wiesen einen h\u00f6heren Stickstoffgehalt als intakte D\u00e4cher auf. Stickstoff ist gleicherma\u00dfen f\u00fcr Pflanzen aber auch f\u00fcr Pilze das wichtigste N\u00e4hrelement. Erh\u00f6hte Stickstoffgehalte f\u00f6rdern die mikrobielle Aktivit\u00e4t. Der Quotient aus den Gehalten an Stickstoff (N) und Kohlenstoff (C), der als C\/N- Verh\u00e4ltnis bezeichnet wird, k\u00f6nnte ein weiteres Kriterium f\u00fcr die Reetqualit\u00e4t darstellen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse sowie die Forschungsberichte sind im Rahmen von Pressekonferenzen, Zeitungsartikeln sowie auf der Internetseite der QSR GmbH ver\u00f6ffentlicht worden. Parallel fanden mehrere \u00f6ffentliche Informationsveranstaltungen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern statt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Der Schutz von Reet vor vorzeitigem biologischem Abbau beginnt bereits mit der Ernte. Reet kann nur dann von Pilzen befallen werden, wenn freies, d.h. nicht von der Zellwand des Reets gebundenes Wasser zur Verf\u00fcgung steht. Pilzbefall ist also ein Indikator f\u00fcr eine erh\u00f6hte Feuchtigkeit im Reet. Dem Feuchtigkeitsproblem kann nur eine geschlossene Qualit\u00e4ts\u00fcberwachung des Reets von Anbau und Ernte bis zur Anlieferung an der Baustelle entgegenwirken. In diese Richtung gehen daher auch die Bem\u00fchungen von Reeth\u00e4ndlern und<br \/>\nDachdeckern. Erg\u00e4nzend werden in Folgeprojekten an der Erarbeitung von zul\u00e4ssigen Grenzwerten f\u00fcr die Reetinhaltsstoffe die Arbeiten dieses Projekts fortgef\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Zielsetzung ist entsprechend der komplexen Aufgabenstellung weit gefasst und macht ein umfangreiches Arbeitsprogramm erforderlich. 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