{"id":24456,"date":"2023-07-14T10:34:33","date_gmt":"2023-07-14T08:34:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/24921-01\/"},"modified":"2023-07-14T10:34:35","modified_gmt":"2023-07-14T08:34:35","slug":"24921-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/24921-01\/","title":{"rendered":"Einsatz der Mikrosatelliten- und Sequenzanalysen zur genetischen Auswahl von genetisch reinen Zuchttieren f\u00fcr Wiedereinb\u00fcrgerungsma\u00dfnahmen mit G\u00e4nsen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>F\u00fcr die geplante Wiedereinb\u00fcrgerung bzw. damit verbundene, den Bestand st\u00e4rkende Ma\u00dfnahmen (Re-stocking) f\u00fcr die vom Aussterben bedrohte Zwerggans (Anser erythropus) muss gem\u00e4\u00df IUCN-Kriterien f\u00fcr die Wiedereinb\u00fcrgerung von Arten sichergestellt werden, dass die verwendeten Individuen der Originalpopulation so nahe wie m\u00f6glich stehen. Zudem muss die genetische Reinheit der zu verwendenden Zuchttiere gesichert und die Hybridisierung mit verwandten G\u00e4nsearten ausgeschlossen werden. Dazu sind umfangreiche genetische Tests der Proben von Zuchttieren aus Deutschland, Schweden und Finnland n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie genetischen Untersuchungen wurden am Institut f\u00fcr Pharmazie und molekulare Biotechnologie (IPMB) der Universit\u00e4t Heidelberg, Fakult\u00e4t f\u00fcr Biowissenschaften, unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Wink durchgef\u00fchrt. F\u00fcr die Analysen kamen drei Methoden zur Anwendung: 1) Sequenzierung der Mitochondrien-DNS; Ziel: Reinheit der m\u00fctterlichen Linie, Erkennung von Hybriden auf m\u00fctterlicher Seite. 2) Mikrosatelliten-Analyse, auch STR (Short Tandem Repeat)-Analyse genannt; Ziel: Detektion fremder Al-lele, umfassende Populationsgenetik und Bestimmung der Verwandtschaftsstrukturen innerhalb der Zuchttiere. 3) Genetischer Fingerabdruck durch ISSR-PCR; Ziel: Ausschluss von Hybriden zwischen den Arten, auch v\u00e4terliche Seite.<br \/>\nInsgesamt wurden 290 Proben von Zwergg\u00e4nsen aus deutschen, schwedischen und finnischen Zuchtgruppen sowie von 28 wilden Zwergg\u00e4nsen aus Russland (westliche Population) analysiert. Zu Vergleichszwecken wurden Proben von weiteren 100 wilden Bl\u00e4ssg\u00e4nsen (Anser albifrons), 10 wilden Saatg\u00e4nsen (Anser fabalis), 10 wilden Ringelg\u00e4nsen (Branta bernicla) und 15 Graug\u00e4nsen (Anser anser) untersucht. Bereits vorliegende Analyse-Ergebnisse von Streifengans (Anser indicus), Wei\u00dfwangengans (Branta leucopsis), und Kanadagans (Branta canadensis) wurden ebenfalls in den Vergleich einbezogen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>1)\tErgebnisse der Sequenzierung der mitochondrialen DNS: Es konnten keine Hybride zwischen Zwergg\u00e4nsen und Saat-, Streifen-, Wei\u00dfwangen-, Kanada- und Ringelg\u00e4nsen festgestellt werden. Insgesamt 24 Zwergg\u00e4nse aus der finnischen (19) und den schwedischen (5) Zuchten zeigen Haplotypen der Graugans. Zwei Hauptgruppen von Zwerggans-DNA-Typen konnten unterschieden werden, die den bereits aus fr\u00fcheren Studien bekannten \u00f6stlichen und westlichen Entwicklungslinien der Art entsprechen. Auch die wilden Zwergg\u00e4nse aus Russland zeigen dieses Muster. Innerhalb der beiden Hauptlinien konnten 9 Haplotypen definiert werden. Mehrere Haplotypen sind mit Bl\u00e4ssgans-Haplotypen identisch oder diesen sehr \u00e4hnlich.<br \/>\n2)\tErgebnisse der Mikrosatelliten-Analysen: Die meisten der untersuchten Zwergg\u00e4nse, Graug\u00e4nse und Bl\u00e4ssg\u00e4nse zeigen im Ergebnis der mit den Allel-Daten durchgef\u00fchrten Cluster-Analysen deutlich voneinander getrennte Gruppen. 38 Zwerggans-Individuen wurden der Graugans-Gruppe und 6 der Bl\u00e4ssgansgruppe zugeordnet. Die Bl\u00e4ssg\u00e4nse zeigen jedoch ein deutlich unterschiedliches Muster, so dass ausgeschlossen werden kann, dass generell alle Zwergg\u00e4nse mit mitochondrialen Bl\u00e4ss-gans-Haplotypen (siehe 1) Hybride sind.<br \/>\n3)\tErgebnisse der ISSR-PCR-Analysen: Es wurden mehrere unterscheidbare Allele ermittelt, die die Ergebnisse der Mikrosatelliten-Analysen best\u00e4tigen.<br \/>\nDie angewandten genetischen Methoden haben sich als geeignet erwiesen, um die genetische Struktur der Zwergg\u00e4nse in den Zuchten aufzukl\u00e4ren und ihre Entwicklungsgeschichte nachverfolgen zu k\u00f6nnen. Die Zuchtv\u00f6gel sind in ihrer genetischen Struktur den wilden Zwergg\u00e4nsen der westlichen Population sehr \u00e4hnlich, ihre genetische Diversit\u00e4t ist entgegen den Erwartungen hoch. Die meisten Hybridisationsereignisse sind eindeutig identifizierbar.<br \/>\nDie zudem durchgef\u00fchrte molekularbiologische Geschlechtsbestimmung der getesteten Individuen ergab ein weitgehend mit den Angaben der Z\u00fcchter \u00fcbereinstimmendes Ergebnis.<br \/>\nAlle Analyse-Ergebnisse wurden tabellarisch zusammengefasst. Dabei wurde f\u00fcr jedes untersuchte Individuum bewertet, ob seine Nachkommen aufgrund seiner Genetik f\u00fcr die geplanten Wiedereinb\u00fcrgerungsma\u00dfnahmen geeignet sind. Die Tabellen wurden allen Zuchtstationen zur Verf\u00fcgung gestellt mit Empfehlungen, welche Individuen weiterhin f\u00fcr die Zucht verwendet werden sollen und welche aufgrund ihrer fraglichen oder ungeeigneten genetischen Merkmale nicht. Darauf basierend soll jetzt erstmalig ein Zuchtbuch erstellt und gef\u00fchrt werden. Alle Zuchten, die an dem Untersuchungsprogramm teilgenommen haben, weisen einen hohen Anteil an geeigneten Zwergg\u00e4nsen auf, darunter bereits viele Brutpaare. Besonders erfreulich ist das Ergebnis f\u00fcr die deutschen Z\u00fcchter: W\u00e4hrend in den finnischen und schwedischen Zuchten bis zu etwa 20 % der Zwergg\u00e4nse Hybridmerkmale vor allem von Grau- aber auch Bl\u00e4ssgans aufweisen, besitzt nur eines von insgesamt 84 untersuchten Individuen ein fragliches genetisches Merkmal, das auf eine Hybridisierung mit der Graugans hinweist.<br \/>\nDie in den beteiligten Zuchten vorhandenen Zwergg\u00e4nse sind damit nach Ausschluss der fraglichen Individuen f\u00fcr die geplanten Wiedereinb\u00fcrgerungsma\u00dfnahmen geeignet. Durch gezieltes Zusammenf\u00fchren von Individuen und Gruppen kann ihre genetische G\u00fcte weiter verbessert werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der genetischen Untersuchungen wurden durch Prof. Dr. Michael Wink erstmals am 16. Januar 2007 auf der Pressekonferenz zum Start des Zwerggans-Wiedereinb\u00fcrgerungsprojektes Operation Lesser Whitefront \/ Operation Fj\u00e4llgas \/ Aktion Zwerggans im Bundesamt f\u00fcr Naturschutz, Bonn, und danach auf der internationalen G\u00e4nsefachtagung GOOSE 2007 (26. &#8211; 31. Januar 2007) vorgestellt. Die Mitglieder der internationalen Zwerggans-Arbeitsgruppe haben die Ergebnisse per Verteiler erhalten. Derzeit wird die Publikation in den Proceedings zur GOOSE 2007 vorbereitet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit modernen genetischen Methoden wurden alle in Deutschland, Schweden und Finnland verf\u00fcgbaren Zucht-Zwergg\u00e4nse identifiziert, die aufgrund ihrer Genetik f\u00fcr Wiedereinb\u00fcrgerungs- und bestandsst\u00fctzende Ma\u00dfnahmen verwendet werden k\u00f6nnen. Die Ergebnisse sind auch Grundlage f\u00fcr ein zu erstellendes Zuchtbuch, mit dessen Hilfe die vorhandenen Zuchtbest\u00e4nde weiter verbessert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens F\u00fcr die geplante Wiedereinb\u00fcrgerung bzw. damit verbundene, den Bestand st\u00e4rkende Ma\u00dfnahmen (Re-stocking) f\u00fcr die vom Aussterben bedrohte Zwerggans (Anser erythropus) muss gem\u00e4\u00df IUCN-Kriterien f\u00fcr die Wiedereinb\u00fcrgerung von Arten sichergestellt werden, dass die verwendeten Individuen der Originalpopulation so nahe wie m\u00f6glich stehen. 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