{"id":24439,"date":"2023-09-24T10:32:18","date_gmt":"2023-09-24T08:32:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/24886-01\/"},"modified":"2023-09-24T10:32:20","modified_gmt":"2023-09-24T08:32:20","slug":"24886-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/24886-01\/","title":{"rendered":"Bek\u00e4mpfung des Feuerbranderregers (Erwinia amylovora) im Obstbau mittels Xylemapplikation ohne Antibiotika"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Feuerbrand kann im Kernobstbau zu gro\u00dfen Ausf\u00e4llen f\u00fchren. In Deutschland sind zurzeit 13.500 ha Apfel- und Birnenanlagen von dieser Problematik betroffen. F\u00fcr die Bek\u00e4mpfung von Feuerbrand war bis 2004 das Antibiotikum Streptomycin zugelassen, dessen Anwendung nur noch nach \u00a7 11 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 PflSchG bei Gefahr im Verzuge erlaubt ist. Allerdings ist die Anwendung von Antibiotika im Pflanzenschutz heftig umstritten, da unerw\u00fcnschte Auswirkungen auf die Umwelt sowie Wirkungsverluste durch Resistenzbildung zu bef\u00fcrchten sind. Ziel des Projekts ist deshalb die Entwicklung einer praxisreifen Methode zur Bek\u00e4mpfung von Feuerbrand, ohne den Einsatz von Antibiotika (entsprechend der Strategie der europ\u00e4ischen Gemeinschaft zur Bek\u00e4mpfung der Resistenz gegen antimikrobielle Mittel) und unter Verwendung eines umweltneutralen Applikationssystems, welches geeignete Substanzen direkt in das Xylem von B\u00e4umen appliziert.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn einem ersten Arbeitsschritt wurde die Wirkung xylemapplizierter Substanzen, die nach Aufnahme in pflanzliches Gewebe \u00fcber sekund\u00e4re Biosynthesewege eine Resistenzbildung gegen den Feuerbranderreger anregen k\u00f6nnen, in Gew\u00e4chshaus- und Freilandexperimenten untersucht. Parallel dazu entwickelte der Kooperationspartner TU Kaiserslautern einen auf den Einsatzzweck abgestimmten und gewebeschonenden Baumapplikator. In einem weiteren Schritt erfolgt der praxisnahe Einsatz im Freiland. Eine als besonders geeignet ermittelte Wirksubstanz wird auf ihre Wirkung bzgl. prim\u00e4ren Feuerbrandbefalls an Bl\u00fcten im Freiland getestet. Der neu entwickelter Baumapplikator wird an geeigneten B\u00e4umen getestet. Hierbei erfolgen Beurteilungen nicht nur bez\u00fcglich der Wirkung der xylemapplizierten Substanz sowie der auf Grund der Montage des Baumapplikators resultierenden Wunden. Ebenso werden r\u00fcckstandsanalytische Untersuchungen mit den Fr\u00fcchten der im Freilandexperiment eingesetzten Versuchsb\u00e4ume durchgef\u00fchrt. Im Anschluss an das Projekt ist die Vermarktung des neu entwickelten Verfahrens durch die Trifolio-M GmbH geplant.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Als geeignete Alternative zu Streptomycin konnte in den Untersuchungen Prohexadion-Ca, der aktive Wirkstoff von Regalis\u00ae, ermittelt werden. Regalis\u00ae ist bereits zur Bek\u00e4mpfung sekund\u00e4rer Infektionen durch Feuerbrand (Erwinia amylovora) im Kernobstbau zugelassen. Allerdings wird mittels Spritzen und Spr\u00fchen von Regalis\u00ae nach heutigem Kenntnisstand keine zufriedenstellende Wirkung gegen prim\u00e4re Bl\u00fcteninfektionen durch Erwinia amylovora erzielt. Der Einsatz von Prohexadion-Ca mittels Stamminjektion konnte diese Anforderung nun im Freilandversuch als Alternative zu Streptomycin erf\u00fcllen. Die Untersuchungen zur R\u00fcckstandssituation in Fr\u00fcchten mittels Injektion von Prohexadion-Ca behandelter B\u00e4ume erbrachten au\u00dferdem den Nachweis, dass die ermittelten Werte (0,001 mg\/kg &#8211; 0,003 mg\/kg) ein Vielfaches unter dem vorgegebenen Richtwert der EU (0,05 mg\/kg) liegen. Somit w\u00e4re der Einsatz von Prohexadion-Ca mittels Stamminjektion unter dem Gesichtspunkt der Produktionsr\u00fcckst\u00e4nde im Endprodukt unter praxisgerechten Bedingungen problemlos m\u00f6glich. Allerdings wurden an den mit Prohexadion-Ca behandelten B\u00e4umen Triebstauchungen beobachtet, welche auf Grund einer bioregulatorischen Wirkung von Prohexadion-Ca auf das L\u00e4ngenwachstum resultieren und letztendlich zu einem mengenm\u00e4\u00dfigen Ernteverlust f\u00fchrten. Eine Schw\u00e4chung dieser unerw\u00fcnschten Wirkung k\u00f6nnte durch einen wesentlich fr\u00fcher gelegten Applikationszeitpunkt im Herbst, Winter oder zeitigem Fr\u00fchjahr vor dem Austrieb der Bl\u00e4tter erzielt werden. Diesbez\u00fcglich b\u00f6te sich auf Grund der Relevanz zur praktischen Umsetzung des erarbeiteten Verfahrens die Durchf\u00fchrung eines Folgeprojekts zur Kl\u00e4rung der offenen Fragen an, zumal Regalis\u00ae bereits nach \u00a7 18 zur Bek\u00e4mpfung von Feuerbrand (Erwinia amylovora), unter der Nummer 5254-00 zugelassen ist und dadurch die Anmeldung des Verfahrens mittels Stamminjektion vereinfacht.<br \/>\nF\u00fcr den schnellen Applikationsprozess in wenigen Arbeitsschritten (einfache Handhabung, Ergonomie) wurde f\u00fcr das geplante Injektionsverfahren ein entsprechendes Injektionsger\u00e4t erstellt und erprobt. Zwecks hoher Mobilit\u00e4t und einfacher Handhabung im freien Gel\u00e4nde wurde das Ger\u00e4t robust und leicht sowie unabh\u00e4ngig von elektrischer Versorgung als ein rein pneumatisches System ausgef\u00fchrt. Tastexperimente, welche aus Mangel geeigneter Apfelertragsanlagen an urbanen Platanen und Eichen durchgef\u00fchrt wurden, best\u00e4tigten die Praxistauglichkeit des neu entwickelten Injektionsger\u00e4ts. Auf Grund des gro\u00dfen Volumens des Fl\u00fcssigkeitsbeh\u00e4lters sowie der Repetierf\u00e4higkeit des Druckzylinders und der daraus resultierenden Mehrfachbeladung der Versorgungseinheit ohne vorherige Entfernung und Neumontage der Injektoreneinheiten sind Stamminjektionen mit diesem Ger\u00e4t nicht nur an kleineren Solit\u00e4r- und Plantagenb\u00e4umen sondern bevorzugt auch an gro\u00dfen urbanen und Parkb\u00e4umen m\u00f6glich. Dadurch ergibt sich eine Vielzahl erweiterter Einsatzm\u00f6glichkeiten. Die Untersuchung von Stammscheiben gef\u00e4llter Versuchsb\u00e4ume ergab, dass die einzigen Verwundungen am Stamm durch die f\u00fcr den Injektionsvorgang ben\u00f6tigter Bohrl\u00f6cher resultierten. Diese waren jedoch bereits nach einiger Zeit nekrotisiert und vom restlichen Xylem abgeschottet. Es wurden keine Anzeichen f\u00fcr eine potentielle Sekund\u00e4rinfektion beobachtet. Auch resultierten im Xylem, au\u00dfer an den Bohrl\u00f6chern, keine Verf\u00e4rbungen, die auf eine Unvertr\u00e4glichkeitsreaktion bez\u00fcglich der applizierten Substanz h\u00e4tten schlie\u00dfen lassen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Es erfolgte eine deutsche (10 2009 033 777.6) und eine europ\u00e4ische (10 007 347.7) Patentanmeldung.<br \/>\nDer Schlussbericht zum Vorhaben wird im Shaker-Verlag ver\u00f6ffentlicht (ISBN wird nachgereicht).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Somit konnten die Ziele bez\u00fcglich der Entwicklung eines geeigneten Injektionsger\u00e4ts und dem Auffinden einer geeigneten Alternative f\u00fcr den Streptomycin-Einsatz in Form von Prohexadion-Ca erfolgreich umgesetzt werden. Lediglich der unerw\u00fcnschte Einfluss von Prohexadion-Ca auf das Spross-L\u00e4ngenwachstum unterbindet noch die praktische Umsetzung des dargestellten Projekts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Feuerbrand kann im Kernobstbau zu gro\u00dfen Ausf\u00e4llen f\u00fchren. In Deutschland sind zurzeit 13.500 ha Apfel- und Birnenanlagen von dieser Problematik betroffen. 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