{"id":24407,"date":"2023-09-30T10:32:13","date_gmt":"2023-09-30T08:32:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/24796-01\/"},"modified":"2023-09-30T10:32:15","modified_gmt":"2023-09-30T08:32:15","slug":"24796-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/24796-01\/","title":{"rendered":"Die Bergwerksteiche der Revierwasserlaufanstalt Freiberg als Lebensraum einer einzigartigen Teichbodenvegetation &#8211; Gebietshistorie und Vegetations\u00f6kologie als Basis f\u00fcr zuk\u00fcnftige Naturschutzma\u00dfnahmen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das historisch gewachsene Kunstgraben- und Teichsystem der Revierwasserlaufanstalt Freiberg (RWA) steht heute z. T. unter Denkmalschutz und wird vielf\u00e4ltig genutzt. Nutzungsbedingt kam und kommt es in den so genannten Bergwerksteichen zu erheblichen Wasserstandsabsenkungen, die zur Etablierung einer europaweit bedeutsamen, einzigartigen Teichbodenvegetation f\u00fchr(t)en. Diese besteht aus Strandlings- und Zwergbinsengesellschaften (Littorelletalia und Iso\u00ebto-Nanojuncetea) mit dem Scheidenbl\u00fctgras (Coleanthus subtilis). Die Lebensr\u00e4ume als auch zahlreiche Arten sind gesch\u00fctzt bzw. stark gef\u00e4hrdet. Der Kenntnisstand zu den \u00f6kologischen Anspr\u00fcchen und Ausbreitungsmechanismen dieser Arten, auf dem die zu Projektbeginn bestehenden Naturschutzma\u00dfnahmen beruhten, wies z. T. erhebliche L\u00fccken auf. Zus\u00e4tzlich waren die bislang unber\u00fccksichtigte Historie, der Fl\u00e4chenr\u00fcckgang einzelner Arten und zuk\u00fcnftig angestrebte Nutzungs\u00e4nderungen Anlass f\u00fcr das Projekt. Ziel war, die Voraussetzungen f\u00fcr den nachhaltigen Schutz der einzigartigen Teichbodenvegetation zu schaffen, indem Ma\u00dfnahmen zum Schutz und zur weiteren Entwicklung abgeleitet, umgesetzt und in ein Managementkonzept integriert werden. So soll durch eine angepasste Nutzung des Kunstgraben- und Teichsystems der langfristige Erhalt der Teichbodenvegetation gew\u00e4hrleistet werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZum Abbau der Kenntnisdefizite dienten die Rekonstruktion der Gebiets-\/Nutzungshistorie mittels Archivarbeit, die Rekonstruktion der Vegetationsgeschichte durch Samen im Teichsediment gekoppelt mit 14C-Datierungen sowie Untersuchungen zu \u00f6kologischen Anspr\u00fcchen und Ausbreitungsmechanismen der Arten in Form von Keimungs- und Kultivierungsversuchen im Labor sowie verschiedenen Freilandexperimenten. Auf dieser Basis wurden Entwicklungsma\u00dfnahmen zur Zustandsverbesserung bzw. Fl\u00e4chenvergr\u00f6\u00dferung der Teichbodenvegetation abgeleitet und erprobt. All dies erm\u00f6glichte eine Defizitanalyse zum Status quo, die wiederum die Grundlage f\u00fcr die Ableitung naturschutzfachlicher Mindestanforderungen f\u00fcr das Gesamtsystem bildete. Diese gew\u00e4hrleisten gemeinsam mit den untereinander und mit den Naturschutzbelangen abzugleichenden Nutzungsinteressen die zielgerichtete Formulierung genereller Leitlinien und Handlungsspielr\u00e4ume f\u00fcr eine nachhaltige Nutzung und schlie\u00dflich die Ableitung geeigneter Ma\u00dfnahmen als Bestandteil eines Managementkonzepts, wobei lokale\/regionale Akteure sowie Nutzer des Systems mitwirkten.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die anhand von Archivarbeit und Sedimentkernanalysen rekonstruierte Gebiets- und Nutzungshistorie ausgew\u00e4hlter Teiche ergab deutliche Unterschiede zwischen diesen, die vor allem aus der unterschiedlich starken Beeinflussung durch das H\u00fcttenwesen resultierten. Die Anlage der Teiche ist durch Ver\u00e4nderungen mehrerer physikalischer und geochemischer Parameter in den Sedimentkernen sichtbar. Sedimente, die sich im \u00dcbergangsbereich vom bodenartigen Substrat zum Teichsediment befinden, konnten mittels 14C-Methode etwa auf den recherchierten Zeitraum der Anlage der Teiche datiert werden. Seit ihrer Anlage bis heute sind vor allem \u00c4nderungen im Schwermetall- und Organikgehalt festzustellen. Die Analyse von Samen und Fr\u00fcchten in den Sedimentkernen der ausgew\u00e4hlten Teiche zur Rekonstruktion der Vegetationsgeschichte ergab, dass sich die Arten der Teichbodenvegetation, insbesondere der Zwergbinsengesellschaften, bereits kurz nach Anlage der Teiche (z. T. im 16. Jahrhundert), also weit vor der ersten Dokumentation in der Literatur, angesiedelt haben. Ihr Vorkommen im Untersuchungsgebiet hat nach den Resultaten der Kartierung der realen Vegetation sowie den Diasporenbankanalysen bis heute Bestand. F\u00fcr einige Gew\u00e4sser gelangen Neunachweise der Arten, doch ist z. T. ein Fl\u00e4chenr\u00fcckgang zu beobachten bzw. fehlen in einzelnen Gew\u00e4ssern aktuelle Nachweise. Die Untersuchungen zu den \u00f6kologischen Anspr\u00fcchen der Arten ergaben, dass die Ursachen f\u00fcr den R\u00fcckgang des Strandlings (Littorella uniflora) in erster Linie in der Tr\u00fcbung durch Blaualgenbl\u00fcten liegen, die wiederum in einer permanent hohen Bespannung und der damit verbundenen Anreicherung an N\u00e4hrstoffen begr\u00fcndet sind. Dar\u00fcber hinaus konnte festgestellt werden, dass das Bespannungsregime (Zeitpunkt, Dauer und H\u00e4ufigkeit von Wasserspiegelabsenkungen) entscheidend f\u00fcr die Auspr\u00e4gung der Zwergbinsengesellschaften und ihre Diasporenbank ist. Der ideale Zeitpunkt f\u00fcr den Beginn einer (Teil-)Entleerung ist Sp\u00e4tsommer bis Herbst, da in dieser Zeit die f\u00fcr die Keimung notwendigen Temperaturschwankungen herrschen und die Gefahr von entwicklungshemmenden K\u00e4lteeinbr\u00fcchen gering ist. Die Dauer sollte etwa 10 Wochen umfassen, da die Arten in dieser Zeit ihren gesamten Lebenszyklus sicher durchlaufen k\u00f6nnen und die Gefahr der Reproduktion konkurrenzst\u00e4rkerer Arten gering ist. Mit einer 2-maligen Absenkung in 10 Jah-ren k\u00f6nnen gut ausgepr\u00e4gte Best\u00e4nde erhalten werden. Die Untersuchungen zu den \u00f6kologischen An-spr\u00fcchen von Coleanthus subtilis ergaben, dass die Art in Abh\u00e4ngigkeit von Temperaturschwankungen auch unter Wasser keimen kann. Die Keimlinge waren unter Laborbedingungen in der Lage, 21 Tage unter Wasser zu \u00fcberleben und sich nach Beendigung der \u00dcberstauung bis zur Samenreife zu entwickeln, so dass w\u00e4hrend einer Teilentleerung eines Gew\u00e4ssers auftretende pl\u00f6tzliche und starke Niederschlagsereignisse kurzzeitig toleriert werden k\u00f6nnen. F\u00fcr das Vorkommen von C. subtilis ist ein niedriger pH-Wert des Substrates ein entscheidender Standortfaktor. Substrate aus derzeit nicht von C. subtilis besiedelten Gew\u00e4ssern in r\u00e4umlicher N\u00e4he zu besiedelten Gew\u00e4ssern waren f\u00fcr die Keimung geeignet. F\u00fcr Arten der Zwergbinsengesellschaften wurde der Einfluss anaerober Sedimentbedingungen, wie sie in einzelnen Gew\u00e4ssern bei l\u00e4ngerer Bespannung auftreten, auf die Keimf\u00e4higkeit der Samen unter-sucht und dabei im Vergleich zu einer aeroben Lagerung eine Verringerung der Keimrate festgestellt. Der Samentransport \u00fcber den Wasserweg stellt einen wichtigen Ausbreitungsmechanismus im Untersuchungsgebiet dar, was u. a. durch \u00dcberstauungsversuche im Labor und durch Samennachweise im Wasserk\u00f6rper sowie in Sedimenten der Kunstgr\u00e4ben und R\u00f6schen der RWA gezeigt wurde. Dabei k\u00f6nnen die Samen nachweislich Entfernungen von mehreren Kilometern zur\u00fccklegen und zumindest im Labor \u00fcber 1 Jahr schwimmen. Mit einer gezielten Teilentleerung wurde eine Entwicklungsma\u00dfnahme zur Fl\u00e4chenvergr\u00f6\u00dferung der Teichbodenvegetation erfolgreich durchgef\u00fchrt, wobei auch positive Effekte f\u00fcr die Diasporenbank und Fauna auftraten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt wurde durch zahlreiche Vortr\u00e4ge auf regionalen, nationalen und internationalen Tagungen in den Fachbereichen Botanik, Naturschutz und Biodiversit\u00e4t vorgestellt. Dar\u00fcber hinaus wurden Poster zu ausgew\u00e4hlten Fragestellungen auf internationalen Tagungen, u. a. in S\u00fcdafrika und Luxemburg, pr\u00e4sen-tiert und herausragende Ergebnisse in der Literatur ver\u00f6ffentlicht. Ein H\u00f6hepunkt der \u00d6ffentlichkeitsarbeit war die Mitausrichtung der 55. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft s\u00e4chsischer Botaniker mit Vortr\u00e4gen und Exkursionen zum Kunstgraben- und Teichsystem der RWA.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Projektziele konnten entsprechend dem Antrag erreicht werden. Dazu z\u00e4hlten die Rekonstruktion der Gebiets-\/Nutzungs- und Vegetationsgeschichte, die Erfassung der aktuellen Verbreitung der Arten der Teichbodenvegetation sowie umfangreiche Untersuchungen zu den \u00f6kologischen Anspr\u00fcchen der Arten  und ihrer Ausbreitungsbiologie. Aus diesen Ergebnissen wurden Entwicklungsma\u00dfnahmen abgeleitet und in ausgew\u00e4hlten Gew\u00e4ssern erfolgreich erprobt. Die Erkenntnisse aus den Grundlagenuntersuchungen und den Erfolgskontrollen zu den Entwicklungsma\u00dfnahmen bildeten die Basis f\u00fcr die Ableitung von naturschutzfachlichen Handlungsempfehlungen. Diese wurden in den Managementplan zum FFH-Gebiet Freiberger Bergwerksteiche integriert und stehen somit den Nutzern des Systems als wichtige Leitlinien f\u00fcr die Bewirtschaftung zur Verf\u00fcgung. Bei Realisierung des zuk\u00fcnftigen Gebietsmanagements entsprechend der entwickelten Planung sind ein langfristiger Erhalt und eine weitere Zustandverbesserung der Teichbodengesellschaften zu erwarten. Die Arbeit mit den Kooperationspartnern gestaltete sich sehr gewinnbringend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das historisch gewachsene Kunstgraben- und Teichsystem der Revierwasserlaufanstalt Freiberg (RWA) steht heute z. T. unter Denkmalschutz und wird vielf\u00e4ltig genutzt. Nutzungsbedingt kam und kommt es in den so genannten Bergwerksteichen zu erheblichen Wasserstandsabsenkungen, die zur Etablierung einer europaweit bedeutsamen, einzigartigen Teichbodenvegetation f\u00fchr(t)en. 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