{"id":24375,"date":"2025-09-09T10:32:06","date_gmt":"2025-09-09T08:32:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/24692-01\/"},"modified":"2025-09-09T10:32:07","modified_gmt":"2025-09-09T08:32:07","slug":"24692-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/24692-01\/","title":{"rendered":"Etablierung eines beispielhaften regionalen Energiekreislaufs mit Biomasse aus der Landschaftspflege im Naturpark Unteres Saaletal unter besonderer Ber\u00fccksichtigung einer GIS-gest\u00fctzten Absch\u00e4tzung des langfristig zur Verf\u00fcgung stehenden Biomassepote[&#8230;]"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Unteren Saaletal bei Halle (Sachsen-Anhalt) wurde in den letzten Jahrzehnten, wie in vielen anderen Regionen Deutschlands, die Jahrhunderte alte Bewirtschaftung der Kulturlandschaft (Beweidung, Holz- und Obstgewinnung) Schritt f\u00fcr Schritt aufgegeben. Die historische Nutzung von Streuobstwiesen, Trockenh\u00e4ngen, Heiden, Hecken und Kopfweiden ist unrentabel geworden, die in hohem Ma\u00dfe auf fossiler Energie basierende, moderne Landnutzung konzentriert sich weitgehend auf maschinell bearbeitbare Fl\u00e4chen. Dieser Trend steht dem Erhalt vieler Arten und Lebensr\u00e4ume entgegen, die auf eine extensive Nutzung angewiesen sind.<\/p>\n<p>Ohne eine Nutzung der Offenland- bis Halboffenland-Bereiche verbuschen die Fl\u00e4chen, verlieren ihren Charakter und naturschutzfachlichen Wert. Mit ihnen gehen auch viele an Licht und W\u00e4rme angepasste Tier- und Pflanzenarten verloren, die oft unter nationalem und europ\u00e4ischem Schutz stehen. Um die wertvollen Lebensr\u00e4ume mit ihren Arten zu erhalten, werden sie in der Regel durch finanziell und arbeitstechnisch aufw\u00e4ndige, oft manuelle Pflegema\u00dfnahmen offen gehalten. Das bei der Pflege anfallende Material wird bisher in der Regel auf der Fl\u00e4che verbrannt oder aufwendig kompostiert, wodurch erhebliche Kosten entstehen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig besteht &#8211; auch durch die Ziele der Bundesregierung f\u00fcr die Nutzung Nachwachsender Rohstoffe in der W\u00e4rmebereitstellung &#8211; eine steigende Nachfrage nach Holz. Diese Nachfrage kann jedoch nur zu einem Teil \u00fcber eine intensivere Nutzung von W\u00e4ldern gedeckt werden. Neben der Erzeugung von Agrarholz, beispielsweise aus Kurzumtriebsfl\u00e4chen, sollte vor allem die Nutzung von Holz aus der Landschaftspflege einen Beitrag zur Deckung des Bedarfs leisten. Zugleich besteht mit der Nutzung von Landschaftspflegeholz f\u00fcr die Energiegewinnung ein weiterer Anreiz, die wertvolle und sensible Kulturlandschaft zu erhalten und gleichzeitig die regionale Wertsch\u00f6pfung zu f\u00f6rdern. Das vorliegende Projekt versucht, \u00fcber die Entwicklung neuer, energetischer Nutzungsformen (Naturschutz durch Nutzung) f\u00fcr Landschaftspflegeholz eine Verbindung aller dieser gesellschaftlichen Ziele (Naturschutz, Klimaschutz und l\u00e4ndliche Entwicklung) zu erreichen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Verwertung von Landschaftspflegeholz als Energietr\u00e4ger fehlt es h\u00e4ufig an verl\u00e4sslichen Daten zu Potenzialen, technischen M\u00f6glichkeiten der Bereitstellung und Nutzung der \u00f6konomischen Rahmenbedingungen. Zielsetzung des Projektes waren daher die Entwicklung einer Methode (GIS-basiert) f\u00fcr die Potenzialabsch\u00e4tzung und die Ausarbeitung eines Konzeptes f\u00fcr die Bereitstellung und Verwertung von Landschaftspflegeholz als Energietr\u00e4ger unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der naturschutzfachlichen Ziele im untersuchten Gebiet. \u00dcbergeordnete Ziele des Projekts waren demnach die Wiederherstellung und der Erhalt wertvoller Lebensr\u00e4ume, die Inwertsetzung von Landschaftspflegeholz als Rohstoff f\u00fcr die energetische Verwertung und die Initiierung eines beispielhaften Projekts f\u00fcr eine klimaschonende, dezentrale W\u00e4rmeversorgung.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden(1)\tAnalyse des Ist-Zustandes &#8211; Klassifikation des Untersuchungsgebietes auf Grundlage<br \/>\n       hochaufl\u00f6sender Luftbilder (ADS40-Daten) sowie vorhandenen Datenmaterials: Auswahl von<br \/>\n       Landschaftspflegefl\u00e4chen<br \/>\n(2)\tFestlegung und Definition von Nutzungs- und Pflegekategorien nach naturschutzfachlichen<br \/>\n       Zielen<br \/>\n(3)\tEinrichtung von 18 Probefl\u00e4chen zur Verifizierung der H\u00f6henklassen, Durchf\u00fchrung einer<br \/>\n       direkten Biomasseerfassung (Beerntung der Probefl\u00e4chen) inkl. der Erfassung vegetations-<br \/>\n       und standortkundlicher Daten auf den Probefl\u00e4chen<br \/>\n(4)\tEntwicklung eines GIS-basierten Analyseverfahrens zur Biomassepotenzialabsch\u00e4tzung der<br \/>\n       Offenlandlebensr\u00e4ume und Streuobstwiesen<br \/>\n(5)\tAuswahl verschiedener repr\u00e4sentativer Waldbest\u00e4nde (ausschl. mit gebietsfremden<br \/>\n       Geh\u00f6lzarten) und Aufnahme von Stichproben: Ableitung von Waldbestandesformen<br \/>\n(6)\tBerechnung des Biomassevorrats f\u00fcr alle ausgew\u00e4hlten Landschaftspflegefl\u00e4chen (Offenland<br \/>\n       und Streuobstwiesen) und Berechnung des Holzvorrats f\u00fcr die jeweiligen<br \/>\n       Waldbestandesformen<br \/>\n(7)\tAbleitung der tats\u00e4chlich nutzbaren Biomassepotenziale aller Landschaftspflegefl\u00e4chen<br \/>\n(8)\tEntwicklung eines regionalen Modellkonzepts zur Nutzung des Landschaftspflegeholzes f\u00fcr<br \/>\n       eine Heizungsanlage in der Grundschule Wettin; Kostenkalkulation der Heizungsanlage<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Basierend auf den vom Landesumweltamt Sachsen-Anhalt zur Verf\u00fcgung gestellten hochaufl\u00f6senden Luftbildern (ADS40-Befliegung, LAU 2005) und einem digitalen Oberfl\u00e4chenmodell wurde ein automatisiertes Verfahren f\u00fcr die Detektion von Geh\u00f6lzbest\u00e4nden in Offenlandlebensr\u00e4umen sowie zur Bestimmung der jeweiligen H\u00f6hen und Deckungsgrade entwickelt. Die Best\u00e4nde wurden dabei in die zwei Klassen < 5 m und > 5 m unterteilt, eine weitere Klasse wurde f\u00fcr den Lebensraumtyp Streuobstwiesen definiert. F\u00fcr die Berechnung der Biomasse-Vorr\u00e4te erfolgten Probebeerntungen der verschiedenen Geb\u00fcschstadien. Die ermittelten Biomasse-Ertr\u00e4ge wurden hierf\u00fcr mit den im GIS ermittelten H\u00f6henklassen und Deckungsgraden verschnitten.<\/p>\n<p>Mit dem entwickelten Verfahren konnte im Unteren Saaletal ein nutzbares Gesamtpotenzial von energetisch verwertbarem Holz aus der Entbuschung von Trocken- und Halbtrockenrasen bzw. Streuobstwiesen in H\u00f6he von rund 4.400 t TM ermittelt werden. Die Anwendung des Berechnungsverfahrens im Projektgebiet hat gezeigt, dass die ADS40-Daten in Verbindung mit dem digitalen Oberfl\u00e4chenmodell eine gute Grundlage f\u00fcr die Absch\u00e4tzung der Biomassepotenziale bilden. Da die Luftbilddaten f\u00fcr das gesamte Bundesland Sachsen-Anhalt vorliegen, ist eine \u00dcbertragbarkeit der Methode grunds\u00e4tzlich gegeben. Einschr\u00e4nkungen bestehen lediglich in waldbestandenen Bereichen und Gebieten mit starkem Relief. Voraussetzung f\u00fcr eine Anwendung der Methode ist neben aktuellen hochaufl\u00f6senden Luftbildern vor allem auch das Vorhandensein eines aktuellen Oberfl\u00e4chenmodells.<\/p>\n<p>Um das gesamte Potenzial aus holzartiger Biomasse im Projektgebiet absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, wurde f\u00fcr die von gebietsfremden Baumarten (insbesondere Robinie) gepr\u00e4gten W\u00e4lder und wald\u00e4hnlichen Bereichen (50 ha Reinbestand\/170 ha Mischbestand) erg\u00e4nzend eine Biomassepotenzialabsch\u00e4tzung auf Grundlage terrestrischer Untersuchungen durchgef\u00fchrt. Damit k\u00f6nnen im Projektgebiet rund 21.700 t TM Holz aus der Umwandlung und Nutzung von Waldfl\u00e4chen im Sinne des Naturschutzes gewonnen werden.<\/p>\n<p>Insgesamt wurde im Rahmen des Projektes ein nutzbares Potenzial von energetisch verwertbarem Landschaftspflegeholz von rund 26.100 t TM ermittelt, wobei von einer Nutzung dieses Potenzials verteilt \u00fcber einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren ausgegangen wurde.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Vortr\u00e4ge\/Pr\u00e4sentationen im Berichtszeitraum:<br \/>\n15.02.2007 Auftaktveranstaltung mit Vertretern der Gemeinde Wettin und Beh\u00f6rden, in Wettin<br \/>\n03.-06.04.2008 Vortrag auf der Internationalen Renaturierungstagung an der HS Anhalt (FH)<br \/>\n03.-06.04.2008 Posterpr\u00e4sentation auf der Internationalen Renaturierungstagung an der HS Anhalt (FH)<br \/>\n29.\/30.09.2008 2 Posterpr\u00e4sentationen auf der Tagung Bioenergie in Kommunen im Rahmen der Europ\u00e4ischen Biomassetage der Regionen 2008, Ministerium f\u00fcr Landwirtschaft und Umwelt im Land Sachsen-Anhalt<br \/>\n06.\/07.11.2008 Vortrag auf der 8. Biomasse &#8211; Tagung Rheinland-Pfalz, Umweltcampus Birkenfeld<br \/>\n13.11.2008 Vortrag zum Vereinstreffen netzwerk GIS | Sachsen-Anhalt, Bernburg<\/p>\n<p>In Planung\/Arbeit:<br \/>\nErgebnisworkshop mit der Gemeinde, den Beh\u00f6rden sowie weiteren regionalen Akteuren<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Am Beispiel des Unteren Saaletals bei Halle konnte eine auf der Auswertung hochaufl\u00f6sender Luftbild- und Geodaten ADS40 Scannerbefliegung 2005, Quelle LAU Sachsen-Anhalt) basierende Methode zur fl\u00e4chendeckenden Bestimmung des kontinuierlich zur Verf\u00fcgung stehenden holzartigen Biomassepotenzials aus der Landschaftspflege erarbeitet und erprobt werden. Sowohl mit der Entwicklung einer GIS-basierten Methode zur Absch\u00e4tzung des Biomassepotenzials von Trocken-, Halbtrockenrasen und Streuobstwiesen mittels Luftbildern als auch mit dem Nachweis der Machbarkeit einer wirtschaftlich tragf\u00e4higen dezentralen Energieversorgung aus Landschaftspflegeholz unterst\u00fctzt das vorliegende Projekt die politisch gew\u00fcnschte Verkn\u00fcpfung des Erhalts seltener Lebensr\u00e4ume mit der klimaneutralen Nutzung von Energieholz und der Inwertsetzung von Kulturlandschaften. Die Projektergebnisse sind ein wichtiger Baustein f\u00fcr eine wirtschaftliche Optimierung und Pr\u00e4zisierung der energetischen Nutzung von Landschaftspflegeholz offener und halboffener Lebensr\u00e4ume.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Unteren Saaletal bei Halle (Sachsen-Anhalt) wurde in den letzten Jahrzehnten, wie in vielen anderen Regionen Deutschlands, die Jahrhunderte alte Bewirtschaftung der Kulturlandschaft (Beweidung, Holz- und Obstgewinnung) Schritt f\u00fcr Schritt aufgegeben. 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