{"id":24355,"date":"2023-07-13T15:25:40","date_gmt":"2023-07-13T13:25:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/24607-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:25:43","modified_gmt":"2023-07-13T13:25:43","slug":"24607-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/24607-01\/","title":{"rendered":"Hermannst\u00e4dter Umweltkonferenz 2006"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>15 Jahre nach der Revolution leidet die rum\u00e4nische Gesellschaft immer noch unter einem fehlenden Umweltbewusstsein. An Stra\u00dfenr\u00e4ndern, auf Parkpl\u00e4tzen, in W\u00e4ldern und auf bergen spiegelt sich die weit verbreitete Wegwerfmentalit\u00e4t besonders in den M\u00fcllbergen wieder, die Privatleute dort hinterlassen. Erst der angestrebte Beitritt Rum\u00e4niens (siehe Anhang1) am 1. Januar 2007 in die EU hat das Thema st\u00e4rker ins Bewusstsein der Bev\u00f6lkerung und aus Not auch in die der Verwaltungen gebracht. Wenn eine Gro\u00dfstadt wie Sibiu\/Hermannstadt sich \u00fcber eine ISPA-F\u00f6rderung eine neue Kl\u00e4ranlage f\u00fcr Abwasser einrichtet und eine neue nach EU-Normen-gerechte M\u00fclldeponie betreibt, so ist im ganzen Land bei vielen der kleineren Kommunen selbst die notwendige Fachinformation noch gar nicht durchgedrungen, geschweige denn umgesetzt.<br \/>\nDer j\u00fcngste Forschrittsbericht der EU-Kommission ist in Sachen Umwelt f\u00fcr Rum\u00e4nien besser ausgefallen, allerdings war das Kapitel 22, neben Reform der Justiz und Landwirtschaft eines der schwierigsten an welchem der EU-Beitritt im Januar 2007 scheitern h\u00e4tte k\u00f6nnen. Im Rahmen der ausgehandelten \u00dc-bergangsfrist bis 2018 muss z.B. Rum\u00e4nien in den n\u00e4chsten 12 Jahren rund 29,3 Mrd. Euro in Umweltschutzma\u00dfnahmen investieren, um die europ\u00e4ischen Standards zu erreichen. Die Mittel daf\u00fcr stammen haupts\u00e4chlich aus europ\u00e4ischen Fonds und zu 20% aus Staats- und Kommunalbudgets. Die Wirtschaftstr\u00e4ger selbst m\u00fcssen 7 Mrd. Euro daf\u00fcr beitragen (26,6%). Hierzu ist zu erw\u00e4hnen, dass allein die europ\u00e4ische IPPC-Direktive (Integrated Polution Prevention and Control) 536 Gesellschaften aus Bereichen wie Chemie, Erd\u00f6lverarbeitung, Energie, H\u00fcttenwesen, Papier und Tierzucht betreut, welche 2,7 Mrd. Eu-ro f\u00fcr die Modernisierungen ihrer Anlagen aufbringen m\u00fcssen.<br \/>\nDieser Schritt ist auch bei den Kommunen f\u00e4llig: Laut Angaben des Umweltministeriums m\u00fcssen \u00fcber 65 \u00d6kom\u00fcllhalden eingerichtet, die M\u00fcllverbrennungskapazit\u00e4t auf 63.000 Tonnen erh\u00f6ht und 250 der bestehenden Halden geschlossen werden. 21,87 Mio. Euro PHARE-Gelder werden z.B. in diesem Jahr f\u00fcr kleine Projekte im Bereich der M\u00fcllverwaltung und -entsorgung durch das Umweltministerium f\u00fcr Projekte von Kommunalverwaltungen mit bis zu 50.000 Einwohnern zur Verf\u00fcgung gestellt. Wie viele dieser Ver-waltungen \u00fcberhaupt in der Lage sind \u00fcber Projekte diese Gelder abzurufen ist schwer einsch\u00e4tzbar. Nicht viel anderes sieht es mit den Kl\u00e4ranlagen f\u00fcr Abwasser aus, denn von den insgesamt 1.500 Anlagen entspricht ca. die H\u00e4lfte den Anforderungen.<br \/>\nDie Palette der durchzuf\u00fchrenden Ma\u00dfnahmen ist breit: in Kinderschuhen steht somit auch die Recyclingproblematik: Wenn man in Rum\u00e4nien die M\u00fclltrennung aus dem Fernseher und von den westlichen L\u00e4ndern her kennt, so muss das Land laut EU-Vereinbarung bis 2011 bis zu 50% seines Plastikm\u00fclls getrennt einsammeln sowie einen Recycling grad von 15% erreichen. Schwer vorstellbar bei einem Land, dass sogar sein Bier in der 2-Liter-PET-Verpackung konsumiert. Hergestellt wurden im Jahr 2004 235.000 t Plastikbeh\u00e4lter, wovon 80.000 t PET-M\u00fcll. Nur 4-5% dieser wurden gesammelt und umweltgerecht entsorgt. Bei Glasm\u00fcll muss Rum\u00e4nien ann\u00e4hernd 60% einsammeln und 55% recyceln. Bis Ende 2008 muss dann Rum\u00e4nien ca. 110 Verbrennungsanlagen f\u00fcr Medical-M\u00fcll in Krankenh\u00e4usern entweder modernisieren oder schlie\u00dfen.<br \/>\nSomit setzte sich die Evangelische Akademie Siebenb\u00fcrgen (EAS) schon 2004 im Jahresprogramm zum Ziel, die Umweltproblematik Rum\u00e4niens nicht nur ins Bewusstsein der Mitb\u00fcrger und der breiten \u00d6ffentlichkeit zu bringen, sondern gemeinsam mit den Verantwortungstr\u00e4gern im Land und Experten aus dem Ausland in Erfahrungsaustausch und Fachgespr\u00e4ch auch L\u00f6sungen zu den verschiedenen Problembe-reichen zu finden und somit auch zum \u00fcbergeordneten Ziel &#8211; der Beitritt Rum\u00e4niens am 1. Januar 2007 in die EU &#8211; einen Beitrag zu leisten.<br \/>\nDaf\u00fcr wurde 2004 von 20.-23. Juni 2004 bei der Evangelischen Akademie Siebenb\u00fcrgen eine \u00d6kologiekonferenz zum Thema Transformation und \u00d6kologie veranstaltet, deren Erfolg sich im Jahr 2005 in einer internationalen Konferenz vom 13.-15. Juni 2005 zum Thema Paradies in Gefahr: Rum\u00e4nien und seine W\u00e4lder widerspiegelte, welche von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gef\u00f6rdert wurde. Die Ergebnisse der beiden Konferenzen werden im Anhg. 2 und Anhg. 3 dargestellt.<br \/>\nDie Dritte Hermannst\u00e4dter \u00d6kologie-Konferenz will nun mit Experten aus dem In- und Ausland, Vertretern des Umwelt- und des Wirtschaftsministerium, Unternehmern, die im Umweltbereich t\u00e4tig sind, sowie Vertretern von Umweltgruppen, NGOs und Kirchen eine Bestandsaufnahme der Probleme erreichen und nach M\u00f6glichkeiten und Auswegen aus der M\u00fcllproblematik suchen. Es wird nach nationalen und internationalen F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Umweltinvestitionen gefragt (z. B. EU). Die Chancen und Perspektiven des Transfers von neuen Umwelttechnologien im Bereich der Verpackungs- und Recycling-Industrie sollen dabei ebenso im Mittelpunk stehen wie die Frage einer Umweltp\u00e4dagogik auf verschiedenen Ebenen zur St\u00e4rkung des Umweltbewusstseins (Schule, Kirchen, staatliche Werbema\u00dfnahmen). Die Frage nach staatlichen Sanktion- und Interventionsm\u00f6glichkeiten im Bereich illegaler Abfallentsorgung soll ebenfalls diskutiert werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenVorgeschlagen ist eine dreit\u00e4gige Konferenz mit nationaler und internationaler Beteiligung mit Teilnahme von Umweltpolitikern, Unternehmer, Umweltgruppen, Kirchenvertretern, NGOs und Medien. Die Konferenzsprachen (Simultan\u00fcbersetzung) sind Deutsch, Englisch, Rum\u00e4nisch. Die Teilnehmerzahl wird auf ca. 60 Personen gesch\u00e4tzt. Konferenzablauf, Verpflegung und \u00dcbernachtung der Teilnehmer erfolgen im Tagungshaus Hans-Bernd-von-Haeften der Evangelischen Akademie Siebenb\u00fcrgen (RO-550042, Si-biu, Str. Livezii55, Tel\/Fas: +40 269 21 99 14)<\/p>\n<p>Zum Programm: Nach der Durchf\u00fchrung der Ist-Analyse und Darstellung der rechtlichen Grundlagen sollen Themen wie Abfallverwaltung, Recycling, spezifischer Technologie- und Know-how-Transfer im Mittelpunk der Pr\u00e4sentationen und Gespr\u00e4che stehen. Das ergibt folgenden Tagungsablauf: <\/p>\n<p>Tagungsablauf<\/p>\n<p>14. Juni 2006:              Er\u00f6ffnung; Gru\u00dfworte<br \/>\nI.\tAbfallwirtschaft in Rum\u00e4nien: Erfassung des Ist-Zustands<br \/>\n&#8211;\tAnalyse der gegenw\u00e4rtigen Situation und Probleme<br \/>\n&#8211;\tAbfallwirtschaftskonzepte in Rum\u00e4nien<br \/>\n&#8211;\tFrage nach fl\u00e4chendeckender M\u00fcllentsorgung<br \/>\n&#8211;\tFrage nach bestehenden Recycling-M\u00f6glichkeiten und &#8211; Kreisl\u00e4ufen<br \/>\n&#8211;\tSpannungsverh\u00e4ltnis Mehrweg-\/Einwegverpackungen<br \/>\n&#8211;\tAktuelle Lage in Rum\u00e4nien und EU-Erwartungen an Rum\u00e4nien<br \/>\n15. Juni 2006<br \/>\nII.\tRechtliche Grundlagen in der EU und Rum\u00e4nien und M\u00f6glichkeiten der Umsetzung im Abfallwirtschaftsbereich:<br \/>\n&#8211;\tRechtslage in Rum\u00e4nien und der EU<br \/>\n&#8211;\tM\u00f6glichkeiten der Durchsetzung der Rechtsvorschriften<br \/>\n&#8211;\tStaatliche Sanktions- und Interventionsm\u00f6glichkeiten<br \/>\nIII.\tStimulierung des Transfers neuer Umwelttechnologien und des Aufbaus eines fl\u00e4chendeckenden Abfallwirtschafts- und Recyclingkonzepts:<br \/>\n&#8211;\tBegr\u00fcndung des Notwendigkeit nationaler bzw. regionaler Abfallwirtschaftskonzepte<br \/>\n&#8211;\tEntwicklung von Komponenten solcher Konzepte<br \/>\n&#8211;\tStaatliche und internationale F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten des Transfers von<br \/>\n&#8211;\tUmwelttechnologien und von Investitionen im Bereich von<br \/>\n&#8211;\tAbfallwirtschaft und Recycling<br \/>\n&#8211;\tAttraktivit\u00e4t neuer Umwelttechnologien f\u00fcr Investoren aus dem In- und Ausland als zukunftsorientierte Wirtschaftsbranche<br \/>\n&#8211;\tGrenz\u00fcberschreitende Kooperation im Rahmen einer zukunftsorientierten Umweltforschung im Hinblick auf Abfallentsorgung<br \/>\n&#8211;\tAufbau eines Zentrums f\u00fcr Industrietechnologie: Wer? Wo? Wie?<br \/>\n16. Juni 2006<br \/>\nIV.\tUmweltp\u00e4dagogik &#8211; Umweltbewusstsein<br \/>\n&#8211;\tErziehung zur Abfallvermeidung und ordnungsgem\u00e4\u00dfer Entsorgung als staatliche und gesellschaftliche Aufgabe<br \/>\n&#8211;\tErzieherische Ma\u00dfnahme: Schule und Kindergarten<br \/>\n&#8211;\tStaatliche Werbema\u00dfnahmen f\u00fcr gr\u00f6\u00dferes Umweltbewusstsein<br \/>\n&#8211;\tRolle und M\u00f6glichkeiten von Kirchen, NGOs und Umweltgruppen<br \/>\n&#8211;\tFinanzierung entsprechender Ma\u00dfnahmen<\/p>\n<p>Abschlu\u00df: Evaluierung der Konferenz, Ergebnissicherung<\/p>\n<p>Referenten und Teilnehmer (eingeladen bzw. Zusagen):<br \/>\n&#8211;\tProf. Dr. Klaus T\u00f6pfer, UNO<br \/>\n&#8211;\tProf. Dr. Walter Zsilincsar, Institut f\u00fcr Geographie und Raumforschung Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz<br \/>\n&#8211;\tMag. Dr. Wolfgang Fischer, Institut f\u00fcr Geographie und Raumforschung Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz<br \/>\n&#8211;\tFirma Schuster-Ecologies Sibiu<br \/>\n&#8211;\tSiegfried Fuchs, Kirchlicher Umweltberater der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Bayern<br \/>\n&#8211;\tBernd Brinkmann, Kirchlicher Umweltberater der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Bay-ern<br \/>\n&#8211;\tIndustrie- und Handelsgremien: Wirtschaftsverb\u00e4nde<br \/>\n&#8211;\tVertreter des Umwelt- und des Wirtschaftsministeriums sowie der regional Umweltagenturen<br \/>\n&#8211;\tVertreter von Kirchen, NGOs und Umweltgruppen<br \/>\n&#8211;\tMedien und Vertreter von Umwelteinrichtungen<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Veranstaltung versammelte rund 60 Experten aus dem Umweltministerium, der Umweltgarde, den Umweltagenturen, der Wissenschaft, Umweltgruppen und -aktivisten sowie Lehrer und Sch\u00fcler, um \u00fcber diese Problematik zu diskutieren.<\/p>\n<p>Adina Amarendei vom Umweltministerium stellte die Nationale Strategie der Abfallwirtchaft (Strategia Nationala si Planul National de Gestionare a deseurilor) und die relevanten EU-Richtlinien vor. Diesen Plan zur Implementierung von EU-Standards hat die Rum\u00e4nische Regierung 2004 verabschiedet. Er ge-h\u00f6rt zum Kapitel 22 des Erweiterungsprozesses. Bis  2007 sollen nun regionale Konzepte zur Umsetzung erarbeitet werden. Die Abfallpyramide sieht die M\u00fcllvermeidung und -reduzierung, die Wiederverwer-tung oder das Recycling, die Energiegewinnung aus M\u00fcll sowie die qualifizierte Endlagerung als Oberziele vor. Ziel ist eine nachhaltige Entwicklung in diesem Bereich, die die nat\u00fcrlichen Ressourcen schont. In drei Schritten will das Land die Abfallwirtschaft auf europ\u00e4ische Standards bringen. Zwischen 2004 und 2006 werden Pilotprojekte und Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung des Umweltbewusstseins durchgef\u00fchrt. Von 2007 bis 2017 soll im ganzen Land die M\u00fclltrennung nach westlichem Vorbild durchgef\u00fchrt werden. Von 2017 bis 2022 schlie\u00dflich soll das System in Problemzonen wie abgelegenen Orten und  entlegenen Gebirgsd\u00f6rfern eingef\u00fchrt werden. Dazu m\u00fcssen noch 65 den EU-Standards konforme M\u00fclldeponien eingerichtet werden.<br \/>\nDie stellvertretende Leiterin der regionalen Umweltagentur, Mariana Havarneanu, stellte das regionale Konzept im Kreis Hermannstadt und die entsprechenden Pilotprojekte vor. Mihai Toniuc, der im Um-weltministerium f\u00fcr die EU-Strukturfonds zust\u00e4ndig ist, zeigte auf, welche Mittel von der EU f\u00fcr Investitio-nen in diesem Bereich zu erhalten sind. So wird das ISPA-Programm fortgef\u00fchrt, au\u00dferdem gibt es Mittel aus EU-Strukturfonds (Regionalentwicklung und Entwicklung im l\u00e4ndlichen Raum. Darauf k\u00f6nnen vor al-lem Kommunen zur\u00fcckgreifen. Doch Toniuc best\u00e4tigte, dass auch Public-Private-Partnerships hier f\u00f6rde-rungsf\u00e4hig seien.<br \/>\nEinig waren sich alle Experten, dass es mit Strategien und F\u00f6rdermitteln allein nicht getan ist. Ion Dan Triesteni, Hauptberater des Chefkommissars der Rum\u00e4nischen Umweltgarde, verwies auf die Notwendigkeit eines ausgepr\u00e4gteren Umweltbewusstseins. Er sieht dabei auch die Kirchen in der Pflicht. Der Chefkommissar der Umweltgarde hat diesbez\u00fcglich einen Brief an die Kirchenf\u00fchrer in Rum\u00e4nien gerichtet und die Kirchen um Mithilfe gebeten. Reagiert haben nur das Rum\u00e4nische Orthodoxe Patriarchat und die Griechisch-Katholische Kirche. Triesteni machte deutlich: Von der Familie, \u00fcber den Kindergarten und die Schule bis hin zu Politik, Gesellschaft und Kirchen braucht es eine enge Zusammenarbeit, um das Umweltbewusstsein in Rum\u00e4nien zu f\u00f6rdern. Der Umweltgarde kann dabei nicht nur r\u00fcckwirkend handeln, sondern auch in Zusammenarbeit mir anderen Institutionen die Bildung des Umweltbewusstseins f\u00f6rdern. Dabei besitzt die Umweltgarde auch handfeste Sanktionsm\u00f6glichkeiten. So wurden zum Beispiel ab Mai 2006 in 901 Kommunen 1036 Kontrollen durchgef\u00fchrt und 337 Strafen in einer Gesamth\u00f6he von 600-900 Lei (RON) verh\u00e4ngt. Die Umweltagentur ist also kein zahnloser L\u00f6we. Doch die Ausstattung ist noch zu niedrig. So gibt es in Rum\u00e4nien in 41 Kreiskommissariaten 600 Umweltkommissare bei 23 Millionen Einwohnern. In Holland gibt es 5000 Umweltkommissare bei etwa neun Millionen Einwohnern.<br \/>\nGeneraldirektor Gheorghe Barbu von der Hermannst\u00e4dter Abfallentsorgungsfirma Schuster Ecologic machte deutlich, dass die Umsetzung der EU-Standards auch aus Kostengr\u00fcnden schwierig sei. Die Finanzierung und die Besteuerung der Dienstleistungen  in diesem Bereich ist ein gro\u00dfes Problem. Finanzierungsprogramme fehlen zum Teil oder sind schwer zug\u00e4nglich. Die Geb\u00fchren f\u00fcr die Dienstleistungen m\u00fcssen im Rahmen des f\u00fcr die Kunden Ertr\u00e4glichen liegen, was ein echtes Handicap bedeutet, weil die entsprechende Technologie und die Anlagen aus der EU zu europ\u00e4ischen Preisen importiert werden m\u00fcssen. Die Rum\u00e4nische Regierung sollte die Konkurrenz stimulieren, nicht nur st\u00e4ndig in Regierungsdekreten neue Geb\u00fchren, neue Steuern und neue Richtlinien einf\u00fchren. Die EU-Standards m\u00fcssten im \u00dcbrigen auch bei den M\u00fclldeponien verst\u00e4rkt eingef\u00fchrt werden.<br \/>\nDer renommierte Experte f\u00fcr Abfallwirtschaft, Professor Dr. Walter Zsilincsar vom Institut f\u00fcr Geographie und Raumforschung der Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz in \u00d6sterreich, nannte die M\u00fcllproblematik eine Folge des Wohlstands und der Wegwerfgesellschaft, f\u00fcr die nicht nur die Abfallwirtschaft verantwortlich gemacht werden darf.  Er kritisierte den Verpackungs- und Hygienewahn, der aus den USA und Kanada nun auch nach Europa \u00fcbergeschwappt sein. Wenn jeder Apfel einzeln in Plastik verpackt wird, ist es kein Wunder, dass wir dem M\u00fcll nicht mehr Herr werden. Wer heute mit dem Einkaufskorb einkauft, statt mit der Plastikt\u00fcte, gilt als Alien. Zsilincsar erinnerte an den westlichen M\u00fclltourismus der M\u00fcllmafia in osteurop\u00e4ische L\u00e4nder nach 1989. Die Regierungen wollten Devisen bekommen f\u00fcr den Dreck, den wir im Westen nicht mehr brauchten. Dabei sch\u00e4dige jede wilde M\u00fclldeponie das Grundwas-ser. Das M\u00fcllproblem sei auch in Ungarn und anderen Transformstaaten virulent, wie der Geograph im L\u00e4ndervergleich nachwies. So sind in Ungarn 62,5 % der M\u00fclldeponien umweltgef\u00e4hrdend, nur 10 % sind relativ sicher und 5 % entsprechen den Standards. 41 % des M\u00fclls werden auch im Nachbarland Ungarn illegal deponiert. Rum\u00e4nien habe die M\u00f6glichkeit, aus den Fehlern der westeurop\u00e4ischen L\u00e4nder zu lernen und diese zu vermeiden. So der Professor.<br \/>\nZentral ist die Entwicklung einer Umweltp\u00e4dagogik und eines Umweltbewusstsein. Der Umweltberater der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Bernd Brinkmann, gab dazu wichtige Impulse aus den Erfahrungen in Deutschland in den letzten Jahrzehnten. Er verwies auf die hohen Produktionsabf\u00e4lle. So entstehen beim Bau eines Autos etwa 25.000 Kilogramm Abfall. Das entspricht etwa dem 20fachen sei-nes Gewichts. Bei der Herstellung einer Aluminiumdose entsteht etwa das Zw\u00f6lffache ihres Gewichtes an Abfall. Bereits in Kinderg\u00e4rten und Schulen und in der Jugendarbeit m\u00fcsste die Umwelterziehung begin-nen, etwa mit Projekt- und Aktionstagen. Abfalltrennung und der Sammlung von Wertstoffen. Wichtig seien auch Kampagnen der Regierung, von Naturschutzverb\u00e4nden und Umweltorganisationen, B\u00fcrgerini-tiativen und die Vernetzung von im Umweltschutz Engagierten. Der Staat m\u00fcsse den Umweltschutzge-danken in den Verfassungen verankern, die Lehrpl\u00e4ne an den Schulen entsprechend gestalten, Lehrer fortbilden und B\u00fcrgerinitiativen und Umweltschutzverb\u00e4nde f\u00f6rdern. Sein Kollege Siegfried Fuchs, eben-falls Umweltberater der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, zeigte Sparm\u00f6glichkeiten im Energiebereich an \u00f6ffentlichen und privaten Geb\u00e4uden auf. Er unterstrich die Vorbildfunktion der Kirche in diesem Bereich und zeigte Bilder mit Photovoltaikanlagen auf Kirchen und kirchlichen Geb\u00e4uden.<br \/>\nMehrere konkrete Projekte im Bereich von NGOs und Schulen zeigten auf, dass es der jungen Generation keineswegs gleichg\u00fcltig ist, was mit der Umwelt geschieht. Tatiana Spanu von Mare Nostrum aus Konstanza zeigte ein Projekt zur M\u00fclltrennung und M\u00fcllvermeidung an der rum\u00e4nischen Schwarzmeer-k\u00fcste auf. Ihre Organisation hat rund 50 freiwillige Helfer, die mehrere Wochen lang systematisch Plastikm\u00fcll an den Str\u00e4nden, um die Badeg\u00e4ste zu einem entsprechenden Handeln zu animieren. Aus einigen gesammelten Flaschen wurde ein Plastikflaschenboot gebastelt. Umweltprojekte des Lyzeums Gustav G\u00fcndisch in Heltau, des Colegiul Tehnic de Industrie Alimentara Terezianum aus Hermannstadt und des Bios-Arbeitskreises der Wirtschaftsschule in Hermannstadt zeigten, dass den jungen Sch\u00fclern die Problematik l\u00e4ngst vertrauter ist als manchen Erwachsenen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>\u00dcber die Veranstaltung wurde in den Medien Rum\u00e4niens ausf\u00fchrlich berichtet (siehe Anh\u00e4nge der deutschsprachigen Medien). Desgleichen wurde seitens der EAS ein Pressebericht erstellt, welche an den internen und an externen Emailverteiler sowie auch an die Medien weitergeleitet wurde, und bei die-sen auch Widerklang fand.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Rum\u00e4nien hat ein M\u00fcllproblem. Es gibt zu viele Einwegverpackungen aus Plastik und zu wenig Recyclinganlagen. Das Umweltbewusstsein ist kaum ausgepr\u00e4gt. In Fl\u00fcssen wie dem Olt, auf Parkpl\u00e4tzen und am Stra\u00dfenrand werden Plastikflaschen und anderer M\u00fcll entsorgt. Auch in der freien Landschaft in manchen Winkeln in St\u00e4dten und D\u00f6rfern wachsen wilde M\u00fcllhalden vor sich hin.<\/p>\n<p>Es braucht eine st\u00e4rkere M\u00fcllvermeidung und eine Verbesserung der Recycling-Kreisl\u00e4ufe. Der Staat und die EU m\u00fcssen solche Investitionen f\u00f6rdern. Gleichzeitig muss das Umweltbewusstsein verbessert wer-den. Dabei kommt auch den Kirchen eine gro\u00dfe Bedeutung zu. Sie spielen eine wichtige Rolle, geht es doch hier nicht um einen Selbstschutz des Menschen, sondern um den Schutz der Sch\u00f6pfung Gottes.<\/p>\n<p>Das Problem ist auch ein psychologisches. Solange Sammelstellen und Recycling-Anlagen fehlen, ist die Bev\u00f6lkerung kaum zu motivieren, ihren M\u00fcll zu sortieren und zum Recycling zu bringen. Dabei legt die Europ\u00e4ische Union besonderen Wert auf eine nachhaltige Abfallwirtschaft, die aus mehreren Komponen-ten besteht: M\u00fcllvermeidung, M\u00fclltrennung, Mehrwegverpackungen und Recycling.<\/p>\n<p>Desgleichen forderten die Teilnehmer die EAS auf, die Reihe der internationalen Konferenzen, wo es sich um Umweltproblematik handelt, weiterzuf\u00fchren, um das Umweltbewusstsein der Bev\u00f6lkerung zu f\u00f6rdern<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens 15 Jahre nach der Revolution leidet die rum\u00e4nische Gesellschaft immer noch unter einem fehlenden Umweltbewusstsein. An Stra\u00dfenr\u00e4ndern, auf Parkpl\u00e4tzen, in W\u00e4ldern und auf bergen spiegelt sich die weit verbreitete Wegwerfmentalit\u00e4t besonders in den M\u00fcllbergen wieder, die Privatleute dort hinterlassen. Erst der angestrebte Beitritt Rum\u00e4niens (siehe Anhang1) am 1. Januar 2007 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[1266,51,2423,53],"class_list":["post-24355","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-grenzueberschreitend","tag-ressourcenschonung","tag-umweltkommunikation","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"24607\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-24607.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"10.700,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern\nBeauftragter f\u00fcr Umweltfragen","dbu_projektdatenbank_strasse":"Marsstr. 19","dbu_projektdatenbank_plz_str":"80335","dbu_projektdatenbank_ort_str":"M\u00fcnchen","dbu_projektdatenbank_p_von":"2006-04-19 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2007-12-31 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"1 Jahr und 8 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"089\/5595-0","dbu_projektdatenbank_inet":"www.bayern-evangelisch.de","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Grenz\u00fcberschreitend","dbu_projektdatenbank_foerderber":"134","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24355","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24355\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37358,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24355\/revisions\/37358"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24355"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24355"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24355"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}