{"id":24352,"date":"2023-09-30T10:32:13","date_gmt":"2023-09-30T08:32:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/24593-01\/"},"modified":"2023-09-30T10:32:14","modified_gmt":"2023-09-30T08:32:14","slug":"24593-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/24593-01\/","title":{"rendered":"Evaluierung und Konkretisierung von Methoden zur Vermeidung und Kompensation von Eingriffen und zur F\u00f6rderung von Feldhamster-Populationen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Feldhamster ist in Deutschland stark gef\u00e4hrdet &#8211; vor allem durch die Intensivierung der Landwirtschaft: Immer fr\u00fchere Erntetermine und der direkt anschlie\u00dfende Umbruch der Felder, bessere Erntetechniken mit geringeren Ernteverlusten und immer gr\u00f6\u00dfere, zeitgleich abgeerntete Schl\u00e4ge beschr\u00e4nken das Nahrungsangebot f\u00fcr den Feldhamster, mindern die Chancen einer erfolgreichen \u00dcberwinterung und erh\u00f6hen das Pr\u00e4dationsrisiko f\u00fcr Tiere, die die Ernte zum Verlassen ihres Baus zwingt. Zudem wirkt die Bodenbearbeitung als St\u00f6rquelle und unmittelbare Gefahr f\u00fcr Feldhamster. Aber auch Lebensraumzerst\u00f6rung und -zerschneidung durch gro\u00dfe Bauvorhaben haben dazu beigetragen, dass die Feldhamsterbest\u00e4nde in den letzten Jahrzehnten in ganz Deutschland dramatisch zur\u00fcckgegangen sind.<br \/>\nIm letzten verbliebenen Verbreitungsgebiet des Feldhamsters in Bayern &#8211; in den L\u00f6ssgebieten Mainfrankens &#8211; versucht man den Bestandseinbr\u00fcchen mit verschiedenen Ma\u00dfnahmen zu begegnen, die auf eine Lebensraumoptimierung oder &#8211; im Zusammenhang mit Bauvorhaben &#8211; auf die Beseitigung von Wanderungshindernissen und den Ausgleich von Lebensraumverlust abzielen. Deren Effizienz ist jedoch bislang kaum untersucht. Die vorliegende Studie sollte daher die Wirksamkeit g\u00e4ngiger Schutz-ma\u00dfnahmen am Beispiel von Ausgleichsma\u00dfnahmen f\u00fcr Stra\u00dfenbauvorhaben in Feldhamsterlebensr\u00e4umen Mainfrankens pr\u00fcfen, sie weiterentwickeln und Empfehlungen zur Effizienzsteigerung k\u00fcnftiger Ausgleichsma\u00dfnahmen, aber auch des Feldhamsterschutzes insgesamt erarbeiten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn der vorliegenden Studie wurden zwischen 2007 und 2010 insbesondere<br \/>\n&#8211;\tdie Wirksamkeit verschiedener Typen von Stra\u00dfendurchl\u00e4ssen, die die isolierende Wirkung gro\u00dfer Stra\u00dfen auf Feldhamsterpopulationen mindern und den genetischen Austausch zwischen zer-schnittenen Teilpopulationen sicherstellen sollen, mittels Video\u00fcberwachung \u00fcberpr\u00fcft,<br \/>\n&#8211;\tin einer Telemetriestudie und in Fang-Wiederfang-Versuchen anhand verschiedener Parameter &#8211; Winter- und Sommermortalit\u00e4t, H\u00e4ufigkeit des Fl\u00e4chenwechsels, \u00dcberlebensdauer etc. &#8211; die Effizienz verschiedener mutma\u00dflich hamsterfreundlicher Bewirtschaftungsformen auf Kompensationsfl\u00e4chen im Vergleich zu umliegenden konventionell genutzten Agrarfl\u00e4chen gepr\u00fcft,<br \/>\n&#8211;\tdurch Vergr\u00e4mungsversuche an telemetrierten Feldhamstern die Wirksamkeit des Schwarzpfl\u00fcgens als g\u00e4ngige Methode zur Vergr\u00e4mung von Feldhamstern im Vorfeld von Bauma\u00dfnahmen untersucht.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>&#8211;\tDie prinzipielle Eignung von Stra\u00dfendurchl\u00e4ssen als Querungshilfe f\u00fcr Feldhamster und zur Vermeidung genetischer Isolation wurde durch die Zusammenarbeit mit einem \u00e4hnlichen, auf der im vorliegenden Projekt erarbeiteten Methodik aufbauenden Projekt in Sachsen-Anhalt belegt: W\u00e4hrend im DBU-Projekt kaum Feldhamsternachweise in den untersuchten Durchl\u00e4ssen gelangen, wurden diese in Sachsen-Anhalt regelm\u00e4\u00dfig in gro\u00dfer Zahl genutzt. Pr\u00e4ferenz f\u00fcr einen bestimmten Durchlasstyp war nicht zu erkennen. Die Diskrepanz zwischen den Ergebnissen beider Projekte wird prim\u00e4r auf das Fehlen effizienter Leiteinrichtungen und die Barrierewirkung der den Durchl\u00e4ssen vorgelagerten asphaltierten Feldwege im DBU-Projektgebiet zur\u00fcckgef\u00fchrt.<br \/>\n&#8211;\tDen positiven Effekt einer hamsterfreundlichen Bewirtschaftung auf die Population konnten die Fang-Wiederfang-Versuche an 432 markierten Feldhamstern und die Telemetrie von 74 Tieren best\u00e4tigen &#8211; zumindest f\u00fcr den Anbau von Wintergetreide mit Ernte nicht vor Beginn der Winterruhe der Feldhamster und zumindest f\u00fcr den kritischen Zeitraum ab Ernte und Umbruch auf konventionell bewirtschafteten Fl\u00e4chen: Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Lebensbedingungen auf konventionell genutzten Fl\u00e4chen und auf Fl\u00e4chen mit hamsterfreundlicher Bewirtschaftung \u00e4hnlich positiv. Ernte und Umbruch auf konventionell genutzten Fl\u00e4chen induzieren aber die Abwanderung dort lebender Feldhamster, die deren Pr\u00e4dationsrisiko deutlich erh\u00f6ht. Zeitgleich steigen auf den untersuchten Ausgleichsfl\u00e4chen die Bestandsdichten sprunghaft an. Auf konventionell genutzten Fl\u00e4chen vollziehen Feldhamster zudem mehr Fl\u00e4chenwechsel und unterliegen einer h\u00f6heren Sommermortalit\u00e4t als bei hamsterfreundlicher Bewirtschaftung.<br \/>\n&#8211;\tEine Verbesserung der Lebensbedingungen durch den Anbau von Luzerne lie\u00df sich nicht belegen: Die untersuchten Luzernefl\u00e4chen wiesen zwar zu Beginn der Projektlaufzeit vor einem zyklischen Zusammenbruch der Feldhamsterbest\u00e4nde noch hohe Best\u00e4nde auf. In den Folgejahren waren die Best\u00e4nde dort aber weit geringer als auf Fl\u00e4chen mit Wintergetreide, und zeitweilig waren die Luzernefl\u00e4chen sogar v\u00f6llig verwaist.<br \/>\n&#8211;\tDie M\u00f6glichkeiten einer Vergr\u00e4mung von Feldhamstern durch Schwarzpfl\u00fcgen im Vorfeld von Bauvorhaben sind nach den im Projekt erarbeiteten Daten in Frage zu stellen. Der Stichprobenumfang der m\u00f6glichen Vergr\u00e4mungsversuche war allerdings noch zu klein f\u00fcr endg\u00fcltige Aussagen. Auch die Frage ob die Vergr\u00e4mung durch Attraktionsfl\u00e4chen erg\u00e4nzt oder ersetzt werden k\u00f6nnte, m\u00fcsste noch in vertiefenden Untersuchungen gekl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Einbeziehung der \u00f6rtlichen Bev\u00f6lkerung und insbesondere der Landwirte vor Ort war wegen des problematischen Images des Feldhamsters eine Grundvoraussetzung f\u00fcr die Projektumsetzung. Daf\u00fcr wurden ein Projektfaltblatt erstellt und in den Projektgemeinden an alle Haushalte verteilt und dort zudem Vortragsabende organisiert, bei denen Ziele, Inhalte und Ergebnisse des Vorhabens \u00f6ffentlich vorgestellt und intensiv mit den anwesenden Landwirten diskutiert wurden. Zudem wurden im Lauf des Vorhabens zahlreiche Einzelgespr\u00e4che mit \u00f6rtlichen Landwirten gef\u00fchrt, um Vorbehalte gegen\u00fcber dem Feldhamsterschutz abzubauen und sie f\u00fcr die Unterst\u00fctzung des Vorhabens zu gewinnen.<br \/>\nEin weiterer Schwerpunkt der \u00d6ffentlichkeitsarbeit lag in der st\u00e4ndigen Kommunikation mit einer projektbegleitenden Arbeitsgruppe aus lokalen und regionalen Naturschutz-, Landwirtschafts- und Flurbereinigungsbeh\u00f6rden, die im Anschluss an das Projekt dessen Erkenntnisse zum Beispiel im bayerischen Feldhamsterhilfsprogramm oder in der Bauleitplanung umsetzen m\u00fcssen. Diesen Beh\u00f6rden und weiteren Akteuren des Feldhamsterschutzes in Mainfranken wurden zudem die Projektergebnisse in schriftlicher Form zur Verf\u00fcgung gestellt.<br \/>\n\u00dcber diesen unmittelbar mit dem Feldhamsterschutz befassten Personenkreises hinaus wurde \u00d6ffentlichkeitsarbeit u. a. auf landesweiten Vortragsveranstaltungen, \u00fcber verschiedene LBV-Publikationen, einen f\u00fcr die ARD erstellten Film \u00fcber Tiere der Agrarlandschaft und \u00fcber eine im Rahmen des Vorhabens erstellte Projekt-Website betrieben.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Vorhaben konnte eine ganze Reihe f\u00fcr den Feldhamsterschutz insgesamt, nicht nur f\u00fcr die Gestaltung von Ausgleichsma\u00dfnahmen wichtiger Fragestellungen kl\u00e4ren. Es zeigt aber auch, dass die bislang im Feldhamsterschutz in Mainfranken umgesetzten Ma\u00dfnahmen nur der ber\u00fchmte Tropfen auf den hei\u00dfen Stein sind und dass die Stabilisierung der Population nur Chancen hat, wenn es gelingt, die im Projekt als zielf\u00fchrend identifizierten Ma\u00dfnahmen produktionsintegriert in die Fl\u00e4che zu bringen. Wie dies gelingen k\u00f6nnte &#8211; insbesondere, wie Vorbehalte und Widerst\u00e4nde in Teilen der Landwirtschaft auszur\u00e4umen sind -, m\u00fcsste in einem eigenen Umsetzungsprojekt in einer Modellgemeinde eruiert und erprobt werden. In dessen Rahmen k\u00f6nnten zudem noch einige weitere, im Projekt offen gebliebene oder sich daraus erst ergebende Fragestellungen bearbeitet werden, zum Beispiel zur notwendigen Streuung und Dichte von R\u00fcckzugsfl\u00e4chen in Feldhamsterlebensr\u00e4umen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Feldhamster ist in Deutschland stark gef\u00e4hrdet &#8211; vor allem durch die Intensivierung der Landwirtschaft: Immer fr\u00fchere Erntetermine und der direkt anschlie\u00dfende Umbruch der Felder, bessere Erntetechniken mit geringeren Ernteverlusten und immer gr\u00f6\u00dfere, zeitgleich abgeerntete Schl\u00e4ge beschr\u00e4nken das Nahrungsangebot f\u00fcr den Feldhamster, mindern die Chancen einer erfolgreichen \u00dcberwinterung und erh\u00f6hen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[57,2422,50],"class_list":["post-24352","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-bayern","tag-landnutzung","tag-naturschutz"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"24593\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-24593.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"111.203,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Landesbund f\u00fcr Vogelschutz in Bayern (LBV) e. 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