{"id":24288,"date":"2023-09-24T10:32:14","date_gmt":"2023-09-24T08:32:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/24390-01\/"},"modified":"2023-09-24T10:32:16","modified_gmt":"2023-09-24T08:32:16","slug":"24390-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/24390-01\/","title":{"rendered":"Vergleich und Evaluierung von Regenfleckenbek\u00e4mpfungsstrategien im \u00d6kologischen Obstbau"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Regenfleckenkrankheit stellt v. a. in niederschlagreichen Obstregionen (Bodensee, Norddeutschland) ein Problem dar. Durch die Pflanzung von schorfresistenten Sorten und dem daraus resultierenden extensiven Pflanzenschutz konnte sich in \u00f6kologisch bewirtschafteten Obstanlagen \u00fcber die Jahre ein Pilzbestand (Inokulum) aufbauen, der zu einem starken Auftreten von Regenflecken in den Anlagen f\u00fchrt. Auf Grund der Verbrauchererwartung m\u00fcssen \u00f6kologisch produzierte \u00c4pfel zunehmend makellos vermarktet werden. Zur Bek\u00e4mpfung von Regenflecken wird in \u00f6kologischen Obstbaubetrieben Schwefelkalk in der Aufwandmenge 15 bis 25 l je Hektar und Anwendung eingesetzt. Auf Grund fehlender Versuchsanstellung konnte bisher das Auftreten von Regenflecken nicht prognostiziert werden. In den Betrieben wird daher eine Sicherheitsstrategie von bis zu 10 Schwefelkalkbehandlungen gefahren. Zielsetzung des Projektes ist, eine Alternative zu Schwefelkalkanwendungen zu entwickeln sowie durch eine bessere Vorhersage der Infektionen die Anzahl der Behandlungen zu minimieren.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenGegenstand der F\u00f6rderung war die Durchf\u00fchrung von Versuchen zur Bek\u00e4mpfung von Regenflecken im \u00f6kologischen Obstbau. Das Ziel der dreij\u00e4hrigen Projektarbeit war, eine praxistaugliche Strategie zur Bek\u00e4mpfung von Regenflecken zu entwickeln, bei der gleichzeitig eine m\u00f6glichst geringe Belastung der Umwelt erreicht wird. Daf\u00fcr wurden zwei Herangehensweisen verwendet. Dies war zum einen die Testung neuer Fungizide auf der Basis von Kalium(bi)carbonaten (Armicarb, Vitisan und Ventex) als Alternative zum Schwefelkalk. Zum anderen wurde die Terminierung der Spritzungen anhand fortlaufend optimierter Behandlungskriterien erforscht.<br \/>\nDie Spritzversuche wurden an drei Standorten mit unterschiedlich hohem Risiko f\u00fcr Infektionen durch Regenflecken durchgef\u00fchrt. Es wurden verschiedene Terminierungen f\u00fcr die Applikationen getestet. Eine Terminierungsart war die Behandlung nach dem Regenfleckenmodul Sooty Blotch der Schorfprognosesoftware RIMpro. Weitere Terminierungsparameter f\u00fcr eine Behandlung waren unterschiedliche Summen von Feuchtestunden (Blattn\u00e4sse und relative Luftfeuchte) als vorbeugende Belagsbehandlungen sowie die Terminierung in Anlehnung an die Schorfprognose nach MILLS. Es wurde ab einem Mills-Wert von 3,0 in die Infektion und zum Teil auf das nasse Blatt gespritzt. Ein Mills-Wert von 3,0 entspricht der Aufsummierung von drei Schorfinfektionsperioden, da davon ausgegangen wird, dass die Erreger der Regenflecken eine wesentlich l\u00e4ngere Feuchteperiode f\u00fcr eine Infektion ben\u00f6tigen als der Erreger des Apfelschorfs.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bei der Mittelpr\u00fcfung hatten alle kaliumcarbonathaltigen Mittel eine reduzierende Wirkung auf Regenflecken. Die beste Wirkung hatte das Versuchspr\u00e4parat Ventex, gefolgt von Armicarb in der Kombination mit Netzschwefel. Diese zwei Pr\u00e4parate zeigten eine Wirkung, die mit der von Schwefelkalk vergleichbar oder besser ist. Beide Mittel sind in Deutschland nicht als Pflanzenschutzmittel zugelassen. Vitisan, das im Vergleich zu den anderen Pr\u00e4paraten die schw\u00e4chste Wirkung zeigte, steht als Pflanzenst\u00e4rkungsmittel den Obstbauern zur Verf\u00fcgung. Am Standort Jork wurde mit Vitisan keine zufriedenstellende Reduzierung der Regenflecken erreicht, am Versuchsstandort Bavendorf wurde eine gute Wirksamkeit durch die Kombination von Vitisan mit Kokosseife oder Netzschwefel erzielt.<br \/>\nDie Terminierung der Spritzungen nach einem Mills-Wert von 3,0 in die Infektion scheint eine gute Herangehensweise zur Regulierung der Regenflecken bei gleichzeitiger Einsparung unn\u00f6tiger Applikationen zu sein. Wenn dieser Wert erreicht ist, ist die Regenperiode lang genug, um Infektionen durch Regenflecken zu erm\u00f6glichen. Das Regenfleckenmodul Sooty Blotch zeigte w\u00e4hrend des letzten Projektjahres eine \u00dcbereinstimmung der prognostizierten Infektionstermine mit den Behandlungsterminen nach Mills 3,0. In den kommenden Jahren muss die \u00dcbereinstimmung beider Prognosemodelle weiter beobachtet werden, um die Ergebnisse abzusichern. Um die Wirkung der Versuchspr\u00e4parate zu optimieren, m\u00fcsste bei den Behandlungen in die Infektion der Zeitrahmen festgelegt werden, innerhalb dem die Behandlungen stattfinden sollen, wenn der Mills-Wert von 3,0 erreicht ist.<br \/>\nAlternativ zu den Behandlungen nach Mills-Werten wurde die Terminierung nach Feuchtestunden durchgef\u00fchrt. Mills-Werte von 3,0 wurden w\u00e4hrend ausdauernder Regenperioden erreicht. Zu diesem Zeitpunkt waren die Obstanlagen nur noch eingeschr\u00e4nkt befahrbar. Die regelm\u00e4\u00dfigen vorbeugenden Behandlungen nach einer bestimmten Summe von Feuchtestunden konnten so terminiert werden, dass sie vor Regenereignissen lagen. Eine Summe von 100 Feuchtestunden erwies sich w\u00e4hrend der drei Versuchsjahre zur Terminierung der Behandlungen als praktikabel. Ob diese Summe ausreichend ist, muss durch weiterf\u00fchrende Versuche noch best\u00e4tigt werden.<br \/>\nIn Gebieten mit hohem Infektionsrisiko f\u00fcr Regenflecken ist die Bek\u00e4mpfung von Regenflecken problematisch. Sind die Regenflecken erst einmal vorhanden, ist es sehr schwierig, sie in niederschlagsreichen Regionen mit einer geringen Anzahl an Behandlungen erfolgreich zu bek\u00e4mpfen. Auf Grund dessen sollten die Behandlungen gegen Regenflecken schon ab T-Stadium stattfinden, wenn Infektionsbedingungen vorhanden sind, um so das Auftreten der 1. Symptome m\u00f6glichst lange zu unterbinden. In Regionen mit mittlerem bis geringem Risiko f\u00fcr Infektionen durch Regenflecken waren zwei bis drei Behandlungen nach oben genannten Kriterien ausreichend, um die Regenflecken zufriedenstellend zu reduzieren.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Versuchsarbeit wurden w\u00e4hrend der gesamten Projektlaufzeit \u00fcber betriebliche Beratungen in der obstbaulichen Praxis umgesetzt.<br \/>\nAm 12.11.2009 wurden die Ergebnisse bei einer internen Besprechung mit dem Hersteller des Produktes Ventex vorgestellt.<br \/>\nAm 3.12.2009 wurden die Ergebnisse den Praktikern und Beratern beim Treffen der F\u00d6KO S\u00fcd in Bavendorf vorgestellt.<br \/>\nAn der internationalen Wissenschaftstagung ecofruit vom 22.-24.2.2010 in Stuttgart Hohenheim werden die Ergebnisse in einem Vortag pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Auch wenn das angestrebte Ziel einer ausreichenden Regenfleckenbek\u00e4mpfung in Gebieten mit hohem Risiko f\u00fcr Infektionen durch Regenflecken nicht erreicht wurde, ist ein positives Fazit zu ziehen.<br \/>\nArmicarb und Ventex scheinen eine wirksame Alternative zu Schwefelkalk zu sein. Beide Pr\u00e4parate sind bislang in Deutschland nicht zugelassen, so dass noch auf Schwefelkalk zur\u00fcckgegriffen werden muss. Hier muss die Zulassung dieser Pr\u00e4parate angestrebt sowie weitere Alternativen erprobt werden.<br \/>\nEs kann davon ausgegangen werden, dass ab einem Mills-Wert von 3,0 Infektionen durch Regenflecken erfolgen. Um den Behandlungserfolg zu optimieren, m\u00fcsste der zeitliche Rahmen festgelegt werden, innerhalb dem die Behandlungen erfolgen sollen, wenn der Wert erreicht ist.<br \/>\nAls Alternative zur Terminierung nach Mills kann die Behandlung nach einer definierten Summe von Feuchtestunden gesehen werden. Die Applikationstermine k\u00f6nnen so gew\u00e4hlt werden, dass die Befahrbarkeit der Obstanlage gew\u00e4hrleistet ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Regenfleckenkrankheit stellt v. a. in niederschlagreichen Obstregionen (Bodensee, Norddeutschland) ein Problem dar. 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