{"id":24245,"date":"2023-09-30T10:32:07","date_gmt":"2023-09-30T08:32:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/24270-01\/"},"modified":"2023-09-30T10:32:10","modified_gmt":"2023-09-30T08:32:10","slug":"24270-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/24270-01\/","title":{"rendered":"Nachhaltige und modellhafte Pflege der national bedeutenden Wandmalereien der Kirche in Eilsum durch Klimamonitoring und Entwicklung von individuellen, angepassten L\u00f6sungsstrategien"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Projektziel war die Entwicklung und Erprobung einer langfristigen Erhaltungsstrategie am Beispiel der mittelalterlichen Wandmalereien der Kirche in Eilsum. Dabei handelt es sich um Klimaregulierungen im Chorraum und ein Monitoring der pflegebed\u00fcrftigen Ausmalungen. Die wertvollen Wandmalereien sind durch Feuchteeinwirkung sowie durch biologische Aktivit\u00e4t und standortbedingte Salzbelastung so stark gesch\u00e4digt, dass eine grundlegende Schadensbeobachtung zur Einleitung einer nachhaltigen Therapie dringend erforderlich ist.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDa eine dauerhafte Entsalzung des Backsteinmauerwerks mit den herk\u00f6mmlichen Verfahren nicht m\u00f6glich ist, wurde im Rahmen der bestandssichernden Kontrollen versucht, die bausch\u00e4dliche Wirkung der Salze durch Stabilisierung des Raumklimas mit speicherprogrammierbaren Regelungsanlagen einzuschr\u00e4nken bzw. zu verhindern. <\/p>\n<p>Flankierend wurde im interdisziplin\u00e4ren Verbund die Zustandserfassung der Wandmalerei in ausgew\u00e4hlten Teilbereichen halbj\u00e4hrlich wiederholt, um dadurch systematisch strukturierte Korrekturen des Raumklimas zu erm\u00f6glichen (Referenzfl\u00e4chen-Monitoring). Dabei kamen restauratorische Schadensdokumentationen in Korrelation mit klimatologischen, bauphysikalischen und technischen Untersuchungen, unter Anwendung innovativer Verfahren und Methoden, zum Einsatz.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Regulierung des Raumklimas im Chor<br \/>\nIm Chorbereich der St. Petrus-Kirche in Krummh\u00f6rn-Eilsum wurde zu Beginn des Jahres 2008 eine L\u00fcftungsanlage installiert. Die Steuerung wird von einer automatischen Regelung \u00fcbernommen, die das Raumklima zum Schutz der Wandmalereien in der Chorapsis in Abh\u00e4ngigkeit von der relativen Raumluftfeuchte beeinflusst. Die Klimaverl\u00e4ufe zeigen, dass sich die relative Luftfeuchtigkeit zun\u00e4chst oberhalb des definierten Grenzwertes von 65 % bewegte. Die L\u00fcftungsanlage war somit im betrachteten Zeitraum allein nicht in der Lage, die relative Luftfeuchte ausreichend stark abzusenken. Aus diesem Grund wurde im n\u00e4chsten Schritt die erforderliche Klimakontrolle mittels Temperierung der Raumluft erzielt. Die Regelungsanlage war schon so konzipiert, dass die Integration der Temperiereinrichtung keine grundlegenden \u00c4nderungen der Steuerungstechnik erforderte. Aus energetischen Gr\u00fcnden wird die Temperierung immer nur dann eingesetzt, wenn die Klimakontrolle mittels Luftaustausch nicht ausreichend ist. Leider f\u00fchrte der Anschluss der Temperierungsanlage durch eine ortsans\u00e4ssige Firma zu St\u00f6rungen, die bis Dezember 2009 noch nicht beseitigt waren, aber dringend und nachhaltig behoben werden m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Monitoring an fotografisch erstellten Referenzfl\u00e4chen durch die Amtsrestauratoren<br \/>\nMit dem Verfahren des Fotovergleichs wurden gute Ergebnisse erzielt. Die gew\u00e4hlte Methode ist einfach zu handhaben, preiswert und alltagstauglich, da insbesondere der Ger\u00e4teaufwand sehr gering ist. Um Aussagen \u00fcber den Zustand der Wandmalereien treffen zu k\u00f6nnen, ist es immer erforderlich, das Objekt direkt durch einen Restaurator in Augenschein nehmen zu lassen. Wichtig ist vor allem, das Objekt ganzheitlich zu betrachten, um gegebenenfalls Ver\u00e4nderungen entsprechend zu bewerten und eingreifen zu k\u00f6nnen. Der Zustand der Wandmalereien zeigte im Rahmen der Projektlaufzeit keine erkennbare Ver\u00e4nderung. Wie sich die Klimatisierung auf den Zustand der Wandmalereien zuk\u00fcnftig auswirken wird, muss mittels Monitoring festgestellt werden, das seitens der Restauratoren des NLD in Abstimmung mit den Verantwortlichen der Ev.-ref. Kirche fortgesetzt wird. Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Instandsetzung und -haltung der Klimasteuerung. <\/p>\n<p>Wandmalerei-Monitoring mittels Multispektralfotografie und Differenzbildtechnik<br \/>\nDas Verfahren wurde im Deutschen Bergbaumuseum entwickelt und in Zusammenarbeit mit dem NLD praxistauglich erprobt. An den gemeinsam bestimmten Referenzfl\u00e4chen wurden im Rahmen der Projektlaufzeit Ver\u00e4nderungen festgestellt, die mit dem blo\u00dfen Auge nicht erkennbar sind. Diese werden als Indikatoren betrachtet, deren Relevanz hinsichtlich der zerst\u00f6rungsfreien Zustandserfassung bzw. der Schadensdiagnose allerdings noch nicht gekl\u00e4rt werden konnten. Die erforderliche interdisziplin\u00e4re Untersuchung der indizierten Referenzfl\u00e4chen ist vorgesehen. Im Vordergrund steht dabei die Fortsetzung des Wandmalerei-Monitorings in der Kirche in Eilsum durch die Amtsrestauratoren des NLD. F\u00fcr die Interpretation der Differenzbilddaten ist insbesondere die restauratorische Untersuchung am Objekt unverzichtbar. Das Wandmalerei-Referenzfl\u00e4chen-Monitoring mittels Multispektralfotografie und Differenzbildtechnik bildet eine methodische Erg\u00e4nzung der bew\u00e4hrten Verfahren. Ihre besondere Bedeutung wird zuk\u00fcnftig vermutlich in der Fr\u00fcherkennung von Schadensprozessen und in der Schadensvorsorge liegen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Publikation \u00fcber das Vorhaben, Zwischen- und Endergebnisse in der Fachliteratur und im Internet schon erfolgt bzw. noch geplant, z. B. Homepage und Schriftenreihe des NLD.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt diente zur Entwicklung und Erprobung einer langfristigen Erhaltungsstrategie im Sinne der Qualit\u00e4tssicherung. Dies beinhaltet die erforderliche Klimasteuerung im Chorraum der Kirche von Eilsum in Verbindung mit einem Referenzfl\u00e4chenmonitoring.<br \/>\nHinsichtlich der Klimasteuerung wurden die kurzfristige Instandsetzung und die langfristige Instandhaltung seitens des Projekttr\u00e4gers zugesagt. Hinsichtlich des Monitorings hat sich gezeigt, dass das bew\u00e4hrte Verfahren der restauratorischen Objektuntersuchung unverzichtbar ist. Das Monitoring mittels Multispektralfotografie und Differenzbildtechnik bildet eine methodische Erg\u00e4nzung und Erweiterung. Die Ergebnisse dieses Verfahrens bed\u00fcrfen einer sorgf\u00e4ltigen \u00dcberpr\u00fcfung in Bezug auf die diagnostische Bedeutung bzw. die Schadensrelevanz der festgestellten Ver\u00e4nderungen.<br \/>\nDie Klimaregulierung wird erfahrungsgem\u00e4\u00df sehr langsam zu erkennbaren Ver\u00e4nderungen der Wandmalereioberfl\u00e4chen f\u00fchren. Die Amtsrestauratoren des NLD werden daher das Monitoring in den n\u00e4chsten Jahren fortsetzen. In diesem Zusammenhang werden die Ergebnisse des Multispektralverfahrens hinsichtlich ihrer Bedeutung f\u00fcr die Fr\u00fcherkennung von positiven oder negativen Ver\u00e4nderungen im Sinne des Qualit\u00e4tsmanagements \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Projektziel war die Entwicklung und Erprobung einer langfristigen Erhaltungsstrategie am Beispiel der mittelalterlichen Wandmalereien der Kirche in Eilsum. Dabei handelt es sich um Klimaregulierungen im Chorraum und ein Monitoring der pflegebed\u00fcrftigen Ausmalungen. 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