{"id":24212,"date":"2023-07-13T15:25:14","date_gmt":"2023-07-13T13:25:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/24149-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:25:15","modified_gmt":"2023-07-13T13:25:15","slug":"24149-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/24149-01\/","title":{"rendered":"Sanierung und modellhafte Sicherung umweltgesch\u00e4digter Glasmalereien an der Marienkirche Rostock"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Hochchor der Rostocker Marienkirche befinden sich ab 20 Meter H\u00f6he seit 1893 zehn bleiverglaste ornamental bemalte Fenster. Die Gl\u00e4ser wurden durch Bombensch\u00e4den und Umwelteinfl\u00fcsse stark besch\u00e4digt. Es wurden die Altgl\u00e4ser restauriert und hinter einer Schutzverglasung mit neuartiger vertikaler Bleistreifenandichtung an das Mauerwerk, installiert. Die Wirksamkeit der Andichtung wurde durch bauphysikalische Messungen \u00fcber 12 Monate \u00fcberpr\u00fcft und bewertet.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNach Ausbau der Chorfenster wurden die Fensterpfeiler stabilisiert. Auf die Altquereisen wurden Edelstahlklemmen aufgesetzt, die bleieingefasste Schutzverglasung aufgeschraubt und neue Windeisen aus Edelstahl eingesetzt. Der \u00e4u\u00dfere vertikale Anschluss an das Mauerwerk wurde statt M\u00f6rtel durch eine auf die Glaseinfassung aufgel\u00f6tete Bleistreifenlippe, die an die Mauersteine angedr\u00fcckt wird, hergestellt.<br \/>\nInnen zwischen Stein und Schutzverglasung liegt ein Hanfstrick, auf den eine M\u00f6rtelfuge aufgebracht wurde Die Malereifenster wurden restauriert.<br \/>\nDie \u00e4u\u00dfere Patina blieb erhalten. Diese Malereigl\u00e4ser wurden dann von innen im Abstand von ca. 80 mm mit der Verschraubung der Schutzverglasung zwischen Deckschienen aus Edelstahl eingeklemmt. Unten und oben sind diese Verglasungen angeneigt, um den Glaszwischenraum zum Kircheninneren zu be- und entl\u00fcften. Der untere Rand des Zwischenraumes wurde mit einer Bleiwanne versehen, die m\u00f6glicherweise anfallendes Kondens- und eindringendes Regenwasser nach au\u00dfen ableitet. Zur Bestimmung des Zwischenraumklimas und damit zum Nachweis m\u00f6glicher mikrobiologischer Sch\u00e4digungen wurde die Luftdichtheit der Schutzverglasung und deren Anschl\u00fcsse mit verschiedenen Methoden bestimmt. Im Langzeitversuch \u00fcber ein Jahr wurde das Klima im Zwischenraum sowie innen und au\u00dfen st\u00fcndlich registriert und aufgezeichnet. Parameter hierzu wurden an verschiedenen Stellen je eines Nord- und S\u00fcd-fensters ermittelt (Lufttemperaturen und -feuchten, Luftgeschwindigkeit im Zwischenraum, Luftdruckdifferenzen zwischen innen und au\u00dfen sowie zum Zwischenraum, Mauerwerksfeuchten indirekt mit verschiedenen Methoden \u00fcber Kalibrierkurven, Feuchteanzeiger in den Bleiwannen.) Mikrobiologische Untersu-chungen an ausgew\u00e4hlten Stellen zum Versuchsanfang und -ende begleiteten die Messungen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>isher wurden Kirchefenster dieses Typs beidseitig im Anschlag verputzt. Je nach Qualit\u00e4t fiel der Putz nach gewisser Zeit au\u00dfen ab und die Fenster wurden am Anschlag undicht. Feuchte konnte eindringen. Unverhofft und aus gro\u00dfer H\u00f6he herabfallende Putzteile sind eine Gefahr. Fenster in gro\u00dfer H\u00f6he sind nur kostenintensiv zu reparieren. Im hier vorliegenden Fall wird kein Vergleich mit der Einputzmethode gesucht, sondern Bezug genommen auf die gro\u00dfe H\u00f6he der Fenster und die Luftstr\u00f6mung\/Kaminwirkung zwischen Schutzverglasung (au\u00dfen) und Glasmalereifeldern (innen). Die kunsthistorische Bedeutsamkeit der Malereifenster gestattet eine derartige Andichtung, f\u00fcr die bisher keine Erfahrungen vorliegen.<br \/>\nAus den Kurz- und Langzeituntersuchungen konnten folgende Erkenntnisse gewonnen werden:<br \/>\na)\tDichtigkeit der Schutzverglasung<br \/>\nDurch qualitative (Ultraschall und Rauch bei \u00dcberdruck) sowie quantitative Untersuchungen (l\u00e4ngenbezogener Fugendurchlasskoeffizient aF = 0,45 < 1,0 m\u00b3\/(mh(daPa)2\/3 ) wurde die Dichtigkeit der Verglasung und deren Randanschl\u00fcsse nachgewiesen. In den Langzeituntersuchungen wurden diese Ergebnisse durch das g\u00fcnstige Verh\u00e4ltnis der Luftdruckdifferenzen zwischen innen, Mitte und au\u00dfen unterst\u00fctzt.\nb)\tTauwasserbildung\nAus den in verschiedenen H\u00f6hen und Tiefen der Fenster an der Nord- und S\u00fcdseite gemessenen Temperaturen und Luftfeuchten konnten die Taupunkttemperaturen an den verschiedensten Stellen bestimmt werden. Sobald die gemessenen Temperaturen unterhalb der Taupunkttemperaturen lie-gen, ist mit Tauwasserausfall und ggf. Schimmelpilzbildung zu rechnen. F\u00fcr die verschiedenen Messorte wurden das Auftreten von Tauwasser sowie das Vorhandensein von Feuchte in der Bleischale unter Beachtung der Regenangaben des DWD \u00fcber das Jahr aufgenommen.\nc)\tThermischer Auftrieb  im Glaszwischenraum\nDer 80 mm breite Zwischenraum ist oben und unten mit dem Kircheninneren verbunden.\nDer thermische Auf- bzw. Abtrieb, der messtechnisch durch Hitzdrahtanemometer und einer Vielzahl von Thermoelementen nachgewiesen wurde, bewirkt, dass die bemalten Scheiben etwa die gleichen oder h\u00f6here Temperaturen als die Kircheninnenluft auf gleicher H\u00f6he aufweisen. Die Tauwassergefahr, die ein mikrobiologisches Wachstum auf den Malereien f\u00f6rdert, wird dadurch reduziert. Geringf\u00fcgige Tauwasserausf\u00e4lle insbesondere auf der S\u00fcdseite konnten nachgewiesen werden.\nd)\tDie mikrobiologischen Untersuchungen auf den bemalten Scheiben nach einem Jahr ergaben, dass Pilze und andere Mikroorganismen, deren Ausscheidungsprodukte die Malereien zerst\u00f6ren k\u00f6nnen, sich in geringem Ma\u00dfe sich auf den Scheiben ansiedeln konnten, aber nicht mehr vital waren. Dies war auf die nur kurzfristige Betauungsperiode zur\u00fcckzuf\u00fchren.\ne)\tDas an die Fenster angrenzende Mauerwerk ist als trocken anzusehen und liefert keinen Beitrag zur Feuchtebilanz des Fensterzwischenraumes.\nWegen des letzten milden Winters werden die Messungen fortgesetzt\n\n\n\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation\n\n1)\tKolloquium am 23.11.2007 in der Nikolaikirche und Marienkirche Rostock\n2)\tVer\u00f6ffentlichung in der Zeitschrift BAUPHYSIK, W. Ernst &#038; Sohn, Berlin im Jahr 2008\n\n\nFazit\n\nDie Messungen und Auswertungen ergaben im konkreten Fall von Fenstern in gro\u00dfer H\u00f6he aus Backsteinmauerwerk eine ausreichende \u00e4u\u00dfere Dichtigkeit des neuartigen Bleistreifenanschlusses.\nDie Bel\u00fcftung zwischen Schutzverglasung und Malereischeibe ist ausreichend f\u00fcr den Erhalt der Glasmalerei.\nIn \u00e4hnlicher Situation kann diese Andichtungsart auch f\u00fcr Einfachverglasungen angewandt werden.\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Hochchor der Rostocker Marienkirche befinden sich ab 20 Meter H\u00f6he seit 1893 zehn bleiverglaste ornamental bemalte Fenster. Die Gl\u00e4ser wurden durch Bombensch\u00e4den und Umwelteinfl\u00fcsse stark besch\u00e4digt. Es wurden die Altgl\u00e4ser restauriert und hinter einer Schutzverglasung mit neuartiger vertikaler Bleistreifenandichtung an das Mauerwerk, installiert. 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