{"id":24199,"date":"2024-11-27T10:38:08","date_gmt":"2024-11-27T09:38:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/24096-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:38:10","modified_gmt":"2024-11-27T09:38:10","slug":"24096-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/24096-01\/","title":{"rendered":"Management von Offenland im Wald"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>\u00c4sungsfl\u00e4chen des nieders\u00e4chsischen Staatswaldes bilden \u00f6kologisch einzigartige Strukturelemente f\u00fcr eine mannigfaltige Lebensgemeinschaft aus Tier- und Pflanzenarten. Andere Fl\u00e4chen sind gekennzeichnet durch eine massive Ausbreitung von Brachezeigern. Dabei fehlen Kenntnisse zum Handlungsbedarf und zur potentiellen Gef\u00e4hrdung der Biotope durch ungeeignete Ma\u00dfnahmen. Ziel des Projekts ist die Erhaltung, Wiederherstellung und Etablierung des gesamten Spektrums an Offenlandbiotopen im Wald unter besonderer Ber\u00fccksichtigung seines Wertes f\u00fcr Reh- und Rotwild. Kern des Vorhabens ist die Erarbeitung eines Managementplans f\u00fcr die wichtigsten Offenlandbiotope im Wald. Der Plan soll einer Revierleiterin oder einem Revierleiter erm\u00f6glichen, anhand leicht erkennbarer Kennarten oder Deckungsgrade von Brachezeigern den \u00f6kologischen Wert und die Pflegenotwendigkeit eine Fl\u00e4che einzusch\u00e4tzen und die Erfolg versprechende Ma\u00dfnahme festzulegen. Zus\u00e4tzlich soll das Management so ausgelegt sein, dass die Forst\u00e4mter an bestehenden und k\u00fcnftigen F\u00f6rderprogrammen teilnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUm Daten zur Indikation, Aufwandabsch\u00e4tzung, Nutzwirkung und Erfolgskontrolle von Pflegema\u00dfnahmen f\u00fcr repr\u00e4sentative \u00c4sungsfl\u00e4chen zu gewinnen, sollen im Zust\u00e4ndigkeitsbereich der beiden kooperierenden Forst\u00e4mter Bewirtschaftungsexperimente durchgef\u00fchrt werden. Die insgesamt sieben Varianten Gr\u00fcnland umfassen 21 \u00c4sungsfl\u00e4chen ohne und mit Brachezeigern sowie f\u00fcnf Bewirtschaftungsmodi: einsch\u00fcrige Fr\u00fchsommer-Mahd, einsch\u00fcrige Fr\u00fchsommer-Mahd mit Striegeln, zweisch\u00fcrige Mahd, Einsaat ohne Umbruch, Einsaat mit Umbruch. Auf jenen 15 Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen mit Mahd soll das Heu auf seine di\u00e4tetisch relevanten Inhaltsstoffe hin analysiert werden. Flankierend sind Ma\u00dfnahmen wie Waldrandgestaltung vorgesehen inklusive der Saumpflege. Hinzu kommen noch 60 Fl\u00e4chen, in denen nach Umbruch verschiedene Saatst\u00e4rken und D\u00fcngerintensit\u00e4ten ausprobiert werden, um zu testen, mit welchem minimalen Aufwand an D\u00fcngermitteln und Saatgut es m\u00f6glich ist, eine \u00c4sungsfl\u00e4che zu etablieren. Alle Varianten sollen in dreifacher Wiederholung durchgef\u00fchrt werden. Bodenparameter sowie Ver\u00e4nderungen der Vegetationszusammensetzung w\u00e4hrend der dreij\u00e4hrigen Versuchsreihe werden dokumentiert. Dar\u00fcber hinaus erfolgt eine Evaluierung von Pflanzenarten als Zeiger artenreicher Offenlandbiotope im Wald zur Erfolgskontrolle der Pflege- und Bewirtschaftungsma\u00dfnahmen durch die Bewirtschafter\/innen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die hohen Rohfaser-Werte von 30,1 % des Heus von altem Gr\u00fcnland, Variante Mulch kommen durch die \u00fcberst\u00e4ndigen Halme und Fruchtst\u00e4nde des durch Mahdgut bedeckten Aufwuchs zustande, in dem junges Gras in der zweiten H\u00e4lfte des Jahres nicht durchw\u00e4chst. Dagegen zeigen die Werte von 22,4 % und 24,9 % im alten Gr\u00fcnland der Mahdvarianten, dass der Durchwuchs signifikant \u00e4rmer an Cellulose ist. Die auffallend geringen Kaliumwerte des gemulchten Alten Gr\u00fcnlands von 13,4 g\/kg TS \u00e4hneln den vergleichbar geringen der einges\u00e4ten Brachen und k\u00f6nnten mit dem N\u00e4hrstoffaneignungs-Verm\u00f6gen der hier beteiligten Ertragsbildner zusammenh\u00e4ngen. Der Proteingehalt und Calciumgehalt im Heu der Juli\/August-Ernte auf den Mahdfl\u00e4chen entspricht dem eines gr\u00e4serreichen Aufwuchs von Wirtschaftsgr\u00fcnland. <\/p>\n<p>Die mittleren Artenzahlen pro Fl\u00e4cheneinheit zeigen die h\u00f6chsten Werte auf der umgebrochenen Brache (n = 51,8) und die geringsten auf dem zweisch\u00fcrigen alten Gr\u00fcnland (n = 35,9). Ein Vergleich der Varianten zeigt die Rangfolge Einsch\u00fcrig mit Striegeln > Einsch\u00fcrig > Mulch > Zweisch\u00fcrig. Grund ist die Verfilzung (Moos, tote Biomasse), da Samen und Fr\u00fcchte auf diesem Substrat nicht auflaufen und sich konkurrenzschwache Arten nicht vegetativ vermehren k\u00f6nnen. Dagegen profitieren von den sich st\u00e4rker erw\u00e4rmenden Strukturen Tagfalter des Waldes. Beim Umbruch wird die Narbe vollkommen zerst\u00f6rt, kurzzeitig die Artenvielfalt erh\u00f6ht, aber auf lange Sicht sind andere Konkurrenzverh\u00e4ltnisse geschaffen, unter denen sich kampfkr\u00e4ftige Gr\u00e4ser und Kr\u00e4uter ungest\u00f6rt auf Kosten seltener Pflanzenarten etablieren. Dagegen bleiben beim blo\u00dfen Striegeln die vorhandenen Arten erhalten, neue Arten, sogar Arten der \u00c4cker treten hinzu. <\/p>\n<p>In nicht zu untersch\u00e4tzender Weise tragen Wildschweine zur floristischen Vielfalt bei. Bereits im ersten Jahr des Umbruchs durch Wildschweine zeigen sich erste Segetalarten, im zweiten Jahr die ersten Mehrj\u00e4hrigen. Diese nat\u00fcrlichen Umbruchfl\u00e4chen repr\u00e4sentieren hot spots (Orte hoher Artenvielfalt) in der \u00c4sungsfl\u00e4che.<br \/>\nAls Zeigerpflanzen wurden identifiziert:<br \/>\nGruppe 1: Konkurrenzschwache Wiesenpflanzen (n = 16)<br \/>\nGruppe 2: Ackerunkr\u00e4uter (Segetalarten) (n = 11)<br \/>\nGruppe 3: Kampfkr\u00e4ftige Brachezeiger, meist Hochstauden (n = 9)<br \/>\nAls vierte Gruppe sind sechs Giftpflanzen zu nennen, deren Auftreten in einem Tierfutter Probleme bereiten k\u00f6nnte: Roter Fingerhut, Gew\u00f6hnlicher Wurmfarn, Adlerfarn, Jakobs-, Wald- und Gew\u00f6hnliches Greiskraut.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Beteiligung am Projekt Umwelt baut Br\u00fccken, allj\u00e4hrliche Ergebnisvorstellung f\u00fcr Projektpartner in Form von Arbeitstreffen in den Forst\u00e4mtern sowie in der Universit\u00e4t Bremen. Posterbeitrag zum Umwelttag der Stadt Bremen, sowie zur Gf\u00d6-Tagung 2008. Thematisierung des Projekts im Rahmen von Lehrveranstaltungen der Tier\u00e4rztlichen Hochschule Hannover.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Weder die intensive Form des Umbruchs noch die bequeme des Mulchens (Mahd ohne Abr\u00e4umen des Schnittgutes) kann als Ma\u00dfnahme zur Steigerung standorttypischer Diversit\u00e4t gelten. Auf den vermoosten Fl\u00e4chen steigert oberfl\u00e4chliches Aufkratzen des Bodens (Striegeln) unabh\u00e4ngig vom Gr\u00fcnlandtyp die floristische Vielfalt und damit die Biotopqualit\u00e4t. Ein Einfluss der N\u00e4hrstoffversorgung des Bodens auf die Artenvielfalt ist nicht erkennbar. Durch das Auftreten leicht erkennbarer Zeigerpflanzen des Verfilzungsgrades und der St\u00f6rungsintensit\u00e4t haben Bewirtschafter die M\u00f6glichkeit, den Status einer sich \u00e4ndernden Biotopqualit\u00e4t des Standorts anhand weniger Arten fr\u00fchzeitig festzustellen. Kostensparendes, aber \u00f6kologisch nicht weniger effizientes Management von Offenland im Wald l\u00e4sst sich ohne Ernte des Aufwuchs und ohne Umbruch durchf\u00fchren. Dagegen bildet nat\u00fcrlicher Umbruch durch Wildschweine einer der wichtigsten Faktoren f\u00fcr Artenvielfalt.<\/p>\n<p>Die Option Verwertung bleibt weiterhin offen: Ob und welche Verwertungsm\u00f6glichkeiten eines Futters mit den hier festgestellten Konzentrationen an Makro- und Mikron\u00e4hrstoffen bei insgesamt geringen Rohproteingehalten und dem Vorkommen von Giftpflanzenarten sich anbieten, wird noch der Recherche und gegebenenfalls F\u00fctterungsversuchen an Nutz- oder Zootieren bed\u00fcrfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens \u00c4sungsfl\u00e4chen des nieders\u00e4chsischen Staatswaldes bilden \u00f6kologisch einzigartige Strukturelemente f\u00fcr eine mannigfaltige Lebensgemeinschaft aus Tier- und Pflanzenarten. 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