{"id":24198,"date":"2023-09-30T10:32:07","date_gmt":"2023-09-30T08:32:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/24095-01\/"},"modified":"2023-09-30T10:32:09","modified_gmt":"2023-09-30T08:32:09","slug":"24095-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/24095-01\/","title":{"rendered":"Beispielhafte und \u00fcbertragbare Ausgestaltung einer kleingew\u00e4sserreichen Ackerbaulandschaft mit dem Ziel der Entwicklung und nachhaltigen Sicherung von Amphibienpopulationen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Kleingew\u00e4sserreiche Ackerbaugebiete Nordostdeutschlands sind wichtige Lebensr\u00e4ume f\u00fcr eine Vielzahl, z. T. hochgradig gef\u00e4hrdeter Amphibienarten. F\u00fcr solche, durch intensive Landnutzung gekennzeichneten Landschaften fehlen jedoch tragf\u00e4hige, finanzierbare und nachhaltige Konzepte des Amphibienschutzes. Das Vorhaben hat daher das Ziel, f\u00fcr kleingew\u00e4sserreiche Ackerbaulandschaften Nutzungs- und Gestaltungskonzepte zu entwickeln, die unter den Bedingungen einer leistungsf\u00e4higen Landwirtschaft einen wirksamen Schutz von Amphibien erm\u00f6glichen. Weiterhin sollen Entscheidungshilfen f\u00fcr Amphibienschutzma\u00dfnahmen zur kurzfristig-operativen sowie zur langfristig-planerischen Ent-scheidungsfindung f\u00fcr Akteure aus Landwirtschaft, Naturschutz und Politik entwickelt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZur \u00f6kologischen sowie betriebswirtschaftlich-\u00f6konomischen Wirkungsanalyse von amphibienschutzrelevanten Nutzungs- und Gestaltungsma\u00dfnahmen wird im Rahmen des Vorhabens ein f\u00fcr Amphibien be-deutsames, ca. 1.500 ha umfassendes Ackerbaugebiet in Ostbrandenburg f\u00fcr den Schutz dieser Tiergruppe beispielhaft umgestaltet und in Zusammenarbeit mit Landwirten als repr\u00e4sentatives Beratungs- und Demonstrationsgebiet zum Thema Amphibienschutz in Ackerbaulandschaften entwickelt.<br \/>\nDie wissenschaftlichen Begleituntersuchungen (WB) zur Wirkung der Ma\u00dfnahmen (Gew\u00e4ssersanierung durch Entschlammung und Geh\u00f6lzentnahme; Anlage von strukturierenden Feldhecken auf Ackerfl\u00e4chen; Schaffung zus\u00e4tzlicher st\u00f6rungsarmer Landlebensr\u00e4ume im Randbereich von Vermehrungsgew\u00e4ssern und Feldgeh\u00f6lzen; amphibienschutzangepasste Modifizierung pflanzenbaulicher Anbausysteme u. a.) erfolgt durch gew\u00e4sser\u00f6kologische Untersuchungen (Wasserf\u00fchrung u. -g\u00fcte), durch Amphibienuntersuchungen (Raum-\/Zeitverhalten, Wirkungsanalysen pflanzenbaulicher Ma\u00dfnahmen &#8211; u. a. mittels Fang-\/Wiederfang-, Enclosure- und Transektuntersuchungen sowie durch betriebswirtschaftlich-\u00f6konomische Analysen. Diese gewonnenen Ergebnisse dienen unter Einbeziehung von Literatur- und Expertenwissen dazu, Regeln f\u00fcr die Entscheidungshilfe bei der Restaurierung, Gestaltung und ackerbaulichen bzw. agrarischen Nutzung dieser Gebiete abzuleiten. Abschlie\u00dfend soll ein Handbuch Grundlagen, Konflikte und L\u00f6sungen f\u00fcr den Amphibienschutz in kleingew\u00e4sserreichen Ackerbaugebieten darlegen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Untersuchungsgebiet Eggersdorf ist durch eine Reihe von Defiziten bez\u00fcglich der Existenzbedingungen von Amphibien gekennzeichnet. Mehr als 50 % aller Kleingew\u00e4sser wiesen bez\u00fcglich Wasserf\u00fchrung und Strukturierung eine ungen\u00fcgende Vermehrungseignung f\u00fcr Amphibien auf. Die durchgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen der Gew\u00e4sserrestaurierung konnten die Wasserf\u00fchrung und -qualit\u00e4t zwar deutlich verbessern, f\u00fchrten aber oft nicht zu den angestrebten und f\u00fcr Amphibien wichtigen sonnenexponierten Flachwasserbereichen. Da aus Gr\u00fcnden der ackerbaulichen Fl\u00e4chennutzung eine Ausdehnung der Ge-w\u00e4sser zulasten der umgebenden Nutzfl\u00e4chen nicht m\u00f6glich war, f\u00fchrte die Vertiefung der Gew\u00e4sser meist zu einer Versteilung der Ufer und somit zur Verringerung der Anteile flacherer Gew\u00e4sserbereiche. Unter diesen Umst\u00e4nden wird die Anlage von Stufen innerhalb des Gew\u00e4ssers empfohlen.<br \/>\nDas Untersuchungsgebiet ist durch sehr geringe Anteile (ca. 5 %) von Strukturelementen gekennzeichnet, der Anteil an Ackerfl\u00e4che betr\u00e4gt etwa 95 %. Amphibien m\u00fcssen im Mittel etwa 300 m Ackerfl\u00e4che \u00fcberwinden um zu den Vermehrungsgew\u00e4ssern zu gelangen. W\u00e4hrend der Feldpassage treffen die einzelnen Arten und deren Altersstufen sehr unterschiedlich h\u00e4ufig mit Ma\u00dfnahmen der Landbewirtschaftung zusammen. Die erwachsenen Individuen der zeitig im Fr\u00fchjahr aktiven Amphibienarten, wie Moorfrosch und Kammmolch, sind mit bis zu 80 % Populationsanteil zeitlich koinzident mit der Minerald\u00fcngung zu Wintergetreide und Raps. Besondere Relevanz (hohe koinzidente Populationsanteile) besitzt auch die Ausbringung von Bodenherbiziden in Sommerkulturen, z. B. Futtererbse, im Fr\u00fchjahr. Im Sp\u00e4tsommer, wenn vor allem Jungtiere, aber auch erwachsene Individuen von Kammmolchen und Rotbauchunken die Vermehrungsgew\u00e4sser verlassen, werden die mehr oder weniger dicht bewachsenen Stoppelfl\u00e4chen zu scheinbar attraktiven Landlebensr\u00e4umen der Amphibien. Die Tiere finden dort vermutlich g\u00fcnstig Nahrung und Deckung. Die nachfolgende Bodenbearbeitung, oft mit dem Pflug, vernichtet die in den Stoppelfl\u00e4chen lebenden Tiere vollst\u00e4ndig. Somit k\u00f6nnen Stoppelfelder erhebliche Fallen bzw. Senken f\u00fcr Amphibienpopulationen darstellen. Demgegen\u00fcber sind vegetationsarme Felder nicht f\u00fcr den Landaufenthalt geeignet und werden z\u00fcgig durch Amphibien \u00fcberwandert. Bevorzugte Aufenthaltsorte nach derartigen Passagen stellen Felds\u00e4ume, Hecken oder auch Stilllegungsfl\u00e4chen dar.<br \/>\nDas Risiko f\u00fcr populationsrelevante Tiersch\u00e4digungen kann auf zwei Wegen verringert werden:<br \/>\n\tdurch eine Erh\u00f6hung des Anteils von Strukturelementen und einer entsprechend engmaschigen Verteilung dieser Fl\u00e4chen im Agrargebiet und<br \/>\n\tdurch Anpassungen im landwirtschaftlichen Produktionsgeschehen.<br \/>\nVor allem durch die Anlage von linienf\u00f6rmigen Strukturelementen (Felds\u00e4ume und Hecken) sowie auch Gew\u00e4sserr\u00e4nder kann die Notwendigkeit f\u00fcr lange Feldpassagen der Tiere deutlich verringert werden. Im Untersuchungsgebiet Eggersdorf ist es m\u00f6glich, durch die Umnutzung von nur 5 % der Ackerfl\u00e4che f\u00fcr die Anlage von Strukturelementen die mittleren Wanderdistanzen von Vermehrungsgew\u00e4ssern zu Landlebensr\u00e4umen von urspr\u00fcnglich 303 m auf unter 67 m zu verringern.<br \/>\nAnpassungen der Landbewirtschaftung betreffen vor allem die st\u00f6rungsarme Einbringung von Minerald\u00fcngern in den Boden (Injektion), eine zeitliche Verlagerung der D\u00fcngetermine sowie den Verzicht auf Anwendung des Pfluges.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das wichtigste Ergebnis des Projektes ist die Erarbeitung eines Handbuchs zum Amphibienschutz in kleingew\u00e4sserreichen Ackerbaugebieten. Es vermittelt m\u00f6glichst praxisnah Grundlagen der Landwirtschaft sowie der \u00f6kologischen Anspr\u00fcche von Amphibien, zeigt detailliert Konflikte zwischen Ackernutzung und Amphibienschutz auf und stellt ein breites Spektrum an Schutzma\u00dfnahmen dar. Es beschr\u00e4nkt sich nicht nur auf unmittelbar landwirtschaftliche Aspekte, sondern bezieht auch Fragen der Restaurierung der Vermehrungsgew\u00e4sser sowie der Notwendigkeit zur Landschaftsstrukturierung ein.<br \/>\nIn mehreren Vortr\u00e4gen ist sehr h\u00e4ufig \u00fcber die Inhalte dieses Projektes berichtet worden. Ab 2006 wurden etwa f\u00fcnf internationale sowie 10 nationale wissenschaftliche Vortr\u00e4ge gehalten. Vor der landwirtschaftlichen und Naturschutz-Praxis wurden acht Vortr\u00e4ge gehalten. Vor Ministerien bzw. \u00c4mtern wurde f\u00fcnfmal \u00fcber dieses Projekt berichtet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Amphibienschutz in kleingew\u00e4sserreichen Ackerbaugebieten ist auch unter den Bedingungen intensiven Ackerbaus m\u00f6glich. Beachtet werden muss dabei jedoch, dass es ein Mindestma\u00df an geeigneten und st\u00f6rungsarmen Landlebensr\u00e4umen geben muss, die sich in m\u00f6glichst geringer Entfernung zu den Vermehrungsgew\u00e4ssern befinden. Des Weiteren sind Anpassungen im landwirtschaftlichen Bewirtschaf-tungsgeschehen notwendig und m\u00f6glich. Diese erfordern vereinzelt Ausgleichszahlungen, gehen jedoch nicht in jedem Fall mit erheblichen finanziellen Einbu\u00dfen der Betriebe einher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Kleingew\u00e4sserreiche Ackerbaugebiete Nordostdeutschlands sind wichtige Lebensr\u00e4ume f\u00fcr eine Vielzahl, z. T. hochgradig gef\u00e4hrdeter Amphibienarten. F\u00fcr solche, durch intensive Landnutzung gekennzeichneten Landschaften fehlen jedoch tragf\u00e4hige, finanzierbare und nachhaltige Konzepte des Amphibienschutzes. Das Vorhaben hat daher das Ziel, f\u00fcr kleingew\u00e4sserreiche Ackerbaulandschaften Nutzungs- und Gestaltungskonzepte zu entwickeln, die unter den Bedingungen einer leistungsf\u00e4higen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[59,2422,50,2423],"class_list":["post-24198","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-brandenburg","tag-landnutzung","tag-naturschutz","tag-umweltkommunikation"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"24095\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-24095.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"576.340,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Agrarlandschaftsforschung ZALF e. V.\nProgrammbereich 2 Landnutzung und Governance","dbu_projektdatenbank_strasse":"Eberswalder Str. 84","dbu_projektdatenbank_plz_str":"15374","dbu_projektdatenbank_ort_str":"M\u00fcncheberg","dbu_projektdatenbank_p_von":"2005-12-02 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2008-12-02 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"3 Jahre","dbu_projektdatenbank_telefon":"0170\/2217716","dbu_projektdatenbank_inet":"www.zalf.de","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Brandenburg","dbu_projektdatenbank_foerderber":"126","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24198","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24198\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37201,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24198\/revisions\/37201"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24198"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24198"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24198"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}