{"id":24174,"date":"2023-09-30T10:32:07","date_gmt":"2023-09-30T08:32:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/24000-01\/"},"modified":"2023-09-30T10:32:08","modified_gmt":"2023-09-30T08:32:08","slug":"24000-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/24000-01\/","title":{"rendered":"Reduzierung umweltbedingter Sch\u00e4digungen von au\u00dfenexponierten Marmorobjekten am Beispiel der Schlossbr\u00fcckenfiguren Unter den Linden, Berlin"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Freiluftbewitterte Steinskulpturen erleiden durch die Einfl\u00fcsse der Witterung in Verbindung mit Schadstoffemissionen erhebliche Substanzverluste. Marmor geh\u00f6rt in unseren Breitengraden zu den besonders gef\u00e4hrdeten Materialien. Entsprechend besorgniserregend ist der aktuelle Zustand der acht Figurengruppen aus Carrara-Marmor auf der Schlossbr\u00fccke in Berlin. F\u00fcr deren Erhaltung am \u00fcberlieferten Standort besteht ein akuter Handlungsbedarf. Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, in einem Modellvorhaben in interdisziplin\u00e4rer Zusammenarbeit mit Geologen, Bauphysikern, Materialwissenschaftlern, Restauratoren, Denkmalpflegern, Ingenieuren und Architekten ein innovatives Wintereinhausungssystem f\u00fcr die Schlossbr\u00fcckenskulpturen zu entwickeln, welches den hohen konservatorischen, bauphysikalischen, bautechnischen, k\u00fcnstlerischen und stadtr\u00e4umlichen Anforderungen gerecht wird. Es wurde gepr\u00fcft, ob und welche Art der Einhausung sowohl die sch\u00e4dlichen Umwelteinfl\u00fcsse reduzieren als auch dem Wunsch entgegenkommen k\u00f6nnen, die Skulpturen auch in den Wintermonaten f\u00fcr Passanten im Stadtbild zu pr\u00e4sentieren. Gegenw\u00e4rtig wird der winterliche Schutz f\u00fcr Kunst- und Kulturgut in exponierten Lagen, wie auf Br\u00fccken oder Attikas, und auf schwer zug\u00e4nglichem Gel\u00e4nde vernachl\u00e4ssigt, u. a. auch aus ungel\u00f6sten konstruktiv-statischen Gr\u00fcnden und in Ermangelung eines flexibel einsetzbaren Systems. Daher ist die Entwicklung eines modellierbaren und nachweisbar wirksamen Einhausungssystems f\u00fcr Marmorskulpturen ein wesentlicher Beitrag zur Bewahrung national wertvoller Kulturg\u00fcter und zum Ressourcenschutz und stellt damit ein Element nachhaltigen Umweltschutzes dar.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenErstmals soll eine Wintereinhausung in einer komplexen wissenschaftlichen Untersuchung auf ihre Nachhaltigkeit hin gepr\u00fcft werden. Aus konservatorischer Sicht steht der Schutz der Skulpturen vor physikalischen, chemischen und biologischen Umwelteinfl\u00fcssen im Vordergrund. Hier m\u00fcssen vor allem die Auswirkungen von Niederschl\u00e4gen, Temperaturschwankungen und den Strahlungsanteilen auf das Innenklima und in Folge auf den Marmor untersucht und ausgewertet werden. Das Projekt wurde in sieben Arbeitspakete untergliedert, inhaltlich durch die Projektpartner und der UdK-Berlin &#8211; Lehrstuhl f\u00fcr Konstruktives Entwerfen und Tragwerkslehre &#8211; bearbeitet und beinhaltet zusammenfassend die folgenden Schwerpunkte:<\/p>\n<p>&#8211;\tdie Ermittlung des State of the Art von Einhausungen im nationalen und internationalen Kontext<br \/>\n&#8211;\tdie Erstellung eines Anforderungsprofils an eine innovative tempor\u00e4re Einhausung<br \/>\n&#8211;\tdie Zustandserfassung und Materialcharakterisierung der Br\u00fcckenskulpturen<br \/>\n&#8211;\tdie Messung der klimatischen Bedingungen<br \/>\n&#8211;\tdie Bestimmung der hygrothermischen Materialeigenschaften von Naturstein und Membran<br \/>\n&#8211;\t&#8211; die vergleichende Erfassung des Mikroklimas sowohl der frei bewitterten Objekte als auch einer durch tempor\u00e4re Holzeinhausung und durch Neueinhausung gesch\u00fctzten Skulptur<br \/>\n&#8211;\tdie Entwicklung einer innovativen und denkmalgerechten Einhausung<br \/>\n&#8211;\tdie Verwitterungssimulation zur \u00dcberpr\u00fcfung der Wirksamkeit von Einhausungen<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Es wurden Recherchen zu den allgemein \u00fcblichen Einhausungen zum Schutz von denkmalgesch\u00fctzten Objekten und Skulpturen durchgef\u00fchrt sowie eine Ermittlung von Material- und Klimadaten und der klimasch\u00e4dlichen Emissionen. Die Materialcharakterisierung und Zustandserfassung beinhaltete eine Schadensanalytik, eine Zustandsbeschreibung mit Kartierung sowie eine Ermittlung von Basiswerten zur Wirksamkeit von Einhausungssystemen. Im Wesentlichen wurde die mineralogische, gef\u00fcgekundliche und petrophysikalische Charakterisierung der verwendeten Marmortypen zur Einsch\u00e4tzung der Verwitterungssensibilit\u00e4t. Dazu war es erforderlich Materialfunktionen zur Simulation der hygrothermischen Eigenschaften und der Stofftransporte innerhalb der Marmorskulpturen zu ermitteln. Im Einzelnen bedurfte es der Herstellung geeigneter Auslagerungsk\u00f6rper f\u00fcr die hygrothermische Materialuntersuchung und einer Ermittlung der Materialkennwerte von Marmor sowie unterschiedlicher Einhausungsmaterialien, dar\u00fcber hinaus einer Freilandexposition des Referenzmarmors. Zur Ermittlung der Klimadaten an den Skulpturen sowie innerhalb und au\u00dferhalb der Einhausungen war der Aufbau einer Wetterstation erforderlich mit der kontinuierlichen Aufzeichnung der relevanten Messgr\u00f6\u00dfen Temperatur und rel. Luftfeuchte, Wind-geschwindigkeit und Strahlungsparameter. Die Messungen erm\u00f6glichten eine Aussage zur hygro-thermischen Belastung der Skulpturen mit und ohne Einhausung und lieferten Basiswerte f\u00fcr die Raumklimasimulationen. In Kooperation mit der UdK-Berlin wurde ein Einhausungs-Prototyp entworfen und dieser einer bauklimatischen Simulation unterzogen und auf statisch-konstruktive Realisierbarkeit gepr\u00fcft. Hierbei sollte unter unterschiedlichen au\u00dfenklimatischen Randbedingungen modelliert werden, wie sich die geplante Einhausung auf die thermischen und hygrischen Eigenschaften der Skulpturen auswirken wird. Final erfolgte eine Bewertung des Einflusses von Einhausungen auf das Verwitterungsverhalten von Carrara-Marmor. Dazu wurden Dilatationsmessungen zur Beurteilung des Verwitterungsprozesses und petrophysikalische Analysen zur \u00dcberpr\u00fcfung der Verwitterungsintensit\u00e4ten durchgef\u00fchrt. Parallel zum Forschungsprojekt wurden erg\u00e4nzend umfangreiche Untersuchungen und Messungen im Zuge der Restaurierung der Figurengruppen (2007-2010) auf Initiative des LDA durchgef\u00fchrt. Die Projektergebnisse in Form von Recherchen, Messungen, Analysen und Simulationen sind Bestandteil des ausf\u00fchrlichen Abschlussberichtes des LDA-Berlins vom 31.01.2011.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Joerg Ruedrich, York Rieffel, Stephan Pirskawetz, Holger Alpermann, Ute Joksch, Christoph Geng-nagel, Frank Weise, Rudolph Plagge, Jianhua Zhao &#038; Siegfried Siegesmund (2010) Development and assessment of protective winter covers for marble statuaries of the Schlossbruecke, Berlin (Germany).<br \/>\n\tThomas Will (Hg.) (2009) Ein Haus f\u00fcr G\u00f6ttinnen. Einhausungen f\u00fcr die Skulpturen der Berliner Schlossbr\u00fccke, TU-Dresden 2009.<br \/>\n\tSarah N\u00e4gl (2008) Zwei Skulpturen aus Carrara-Marmor auf der Schlossbr\u00fccke in Berlin, unver\u00f6ffentl. Dipl.-Arbeit FH-Potsdam 2008.<br \/>\n\tKatie Friedmann (2007) Die Restaurierungsgeschichte der Schlossbr\u00fcckenfiguren &#8211; Literatur- und Quellenrecherche mit Schadensfortschrittanalyse, unver\u00f6ffentl. Seminararbeit FH-Potsdam 2007.<br \/>\n\tExpertenkolloquium am 12.10.2007 und 29.10.2010 in Berlin<br \/>\n\tGeplante Projektvorstellung auf einer internationalen Tagung: Conservation of Stone in Parks, Gardens and Cemeteries, Paris 22.-24.06.2011<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich wurde durch das Projekt aktuell der Beweis gef\u00fchrt, dass eine Einhausung die Objekte aus Carrara-Marmor sch\u00fctzt. Die Verwitterungsprozesse k\u00f6nnen durch die Einhausung aber nicht signifikant verz\u00f6gert werden. Eine wesentliche Erkenntnis der Analytik und der numerischen Simulation ist, dass neben den winterlichen Frost-\/Tauwechseln auch die Auswirkungen der thermischen und hier vor allem der thermohygrischen Dilatation, und zwar im Winter und im Sommer, ausschlaggebend f\u00fcr den Prozess der Sch\u00e4digung von Carrara-Marmor sind. Ein eigens am Institut f\u00fcr Bauklimatik der TU-Dresden entwickeltes Auswertungsverfahren erm\u00f6glicht  \u00fcber so genannte Belastungskennzahlen die Eignung von Einhausungssystemen miteinander zu vergleichen. Das Ziel, die Belastungen der Marmorskulpturen durch ein geeignetes System zu minimieren, fordert eine komplexe Beurteilungsweise. Einhausungskonditionen, die positive Effekte bei den filigranen Marmorbereichen ausl\u00f6sen, k\u00f6nnen sich bei den massiven Marmorskulpturelementen negativ auswirken und umgekehrt. Zudem bestehen Wechselwirkungen zwischen den Klimaeinfl\u00fcssen, den Einhausungssystemen und der Marmorskulptur, die sich nicht auf ein einfaches Ursache-Wirkungs-Prinzip reduzieren lassen. Abschlie\u00dfend stellt sich die Frage nach der Wirksamkeit einer ausschlie\u00dflichen Winter-Einhausung angesichts der vor allem bei Temperaturwechseln unter Feuchteeinwirkung festgestellten ganzj\u00e4hrigen Sch\u00e4digung von Marmorfiguren. Vor diesem Hintergrund gilt es, ma\u00dfgeblich die hygrischen und thermischen Fluktuationen in den Einhausungen zu minimieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Freiluftbewitterte Steinskulpturen erleiden durch die Einfl\u00fcsse der Witterung in Verbindung mit Schadstoffemissionen erhebliche Substanzverluste. Marmor geh\u00f6rt in unseren Breitengraden zu den besonders gef\u00e4hrdeten Materialien. 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