{"id":24157,"date":"2023-09-30T10:32:07","date_gmt":"2023-09-30T08:32:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23940-01\/"},"modified":"2023-09-30T10:32:08","modified_gmt":"2023-09-30T08:32:08","slug":"23940-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23940-01\/","title":{"rendered":"Erarbeitung einer Kombinationsstrategie mit verschiedenen biologischen Verfahren zur Reduktion des Insektizideinsatzes gegen den Apfelwickler"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Apfelanbau (31.200 ha in Deutschland) ist eine Sonderkultur mit sehr hohem Pflanzenschutzeintrag. Gegen Apfelwickler als einem Hauptsch\u00e4dling m\u00fcssen normalerweise mehrmals j\u00e4hrlich Insektizide ein-gesetzt werden. Gegen\u00fcber dem Apfelwicklergranulovirus, dem wichtigsten biologischen Verfahren zur Bek\u00e4mpfung des Apfelwicklers, sind in letzter Zeit Resistenzerscheinungen beobachtet worden. Es ist daher notwendig, auch bei biologischen Verfahren Resistenzmanagement zu betreiben.<br \/>\nIn diesem Projekt sollen verschiedene biologische Verfahren als Bausteine f\u00fcr eine Einbindung in eine individuell auf die Bed\u00fcrfnisse jedes Betriebes zugeschnittene Gesamtstrategie zur Praxisreife gebracht und hinsichtlich Wirkung, Wirkungssicherheit und Kosten optimiert werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn enger Zusammenarbeit mit den Obstbaubetrieben sollen in einem Verbundprojekt aus Wissenschaft, mittelst\u00e4ndischen Unternehmen, Beratung und Praxis verschiedene biologische Verfahren zur Reduzierung der Apfelwicklerpopulation zur Praxisreife gebracht werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Bek\u00e4mpfung der ausgewachsenen Larven w\u00e4hrend der \u00dcberwinterungssaison. Hier sind die Bedingungen auf jedem Betrieb je nach Klima, Bodentyp, Baumerziehung, Anlagenform (Ger\u00fcst, Pf\u00e4hle usw.) und -bewirtschaftung (Bodenbearbeitung, Begr\u00fcnung, Herbizid) sehr unterschiedlich. Daher werden mehrere Verfahren entwickelt, die sich jeweils f\u00fcr entsprechende spezifische Situationen eignen. Sie sollen Bausteine f\u00fcr eine individuell auf die Bed\u00fcrfnisse jedes Betriebes zugeschnittene Kombinationsstrategie darstellen.<br \/>\nBei den Verfahren handelt es sich um den entomopathogenen Pilz Beauveria bassiana, entomopathogene Nematoden, k\u00fcnstliche Verstecke zum Abfangen der Larven sowie um Bacillus thuringiensis.<br \/>\nEs werden Gro\u00dfparzellenversuche auf den Betrieben mit Auswertung der Folgegeneration des Apfelwicklers sowie Kleinparzellenversuche, bei denen die Mortalit\u00e4t der Larven an Einzelb\u00e4umen erfa\u00dft wird, angelegt. Detailfragen werden in Halbfreilandversuchen gekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im ersten Projektjahr wurde ein neues resistenzbrechendes Isolat des Apfelwicklergranulovirus, das kurzfristig zur Verf\u00fcgung stand, erstmals im Freiland zur Bek\u00e4mpfung der schl\u00fcpfenden Larven erfolgreich eingesetzt. Bacillus thuringiensis hat nur ein geringes Potential als Baustein zur Reduzierung der Population der ersten Generation. NeemAzal-T\/S k\u00f6nnte hier unter Umst\u00e4nden f\u00fcr bestimmte Situationen interessant sein, dies muss aber noch n\u00e4her untersucht werden.<br \/>\nW\u00e4hrend der Pilz Beauveria bassiana (Pr\u00e4parat Naturalis) entt\u00e4uschende Ergebnisse zeigte, so dass die Arbeit an diesem Verfahren nach zwei Jahren stark reduziert wurde, erwiesen sich Entomopathogene Nematoden (EPN) als das Verfahren, das ein hohes Potential als Baustein zur Bek\u00e4mpfung der ausgewachsenen Larven w\u00e4hrend der \u00dcberwinterung zeigte. Dieses Verfahren zur Praxisreife zu bringen und Empfehlungen f\u00fcr einen optimalen Einsatz je nach Klima, Baumerziehung und Anlagenform sowie Unterst\u00fctzungsmaterial auszuarbeiten, bildete einen Schwerpunkt des Projekts. Die Versuchsanstellung war aufgrund der versteckten Lebensweise der Diapauselarven sehr aufw\u00e4ndig. In Untersuchungen zu den \u00dcberwinterungsorten der Diapauselarven des Apfelwicklers konnte eine auf die entsprechenden Gegebenheiten der einzelnen Anlagen abgestimmte Applikationstechnik erarbeitet werden. Die notwendigen Voraussetzungen f\u00fcr eine erfolgreiche Anwendung wurden eingegrenzt und mit zahlreichen Freilandversuchen an verschiedenen Standorten belegt. Auf der Basis dieser belastbaren und mehrj\u00e4hrigen Ergebnisse kann daher davon ausgegangen werden, dass bei einer Behandlung mit Steinernema feltiae bei einer Temperatur \u00fcber 8 \u00b0C und mindestens 12 Stunden N\u00e4sse oder besser Feuchtigkeit nach der Applikation in der Regel ein Wirkungsgrad auf den Fruchtschaden in der ersten Generation des Apfelwicklers von ungef\u00e4hr 50 % erzielt wird. Diese Anwendung ist inzwischen fester Bestandteil von Beratungsempfehlungen zur Reduktion hoher Apfelwicklerpopulationen.<br \/>\nGesicherte Aussagen \u00fcber das Potential von Formulierungen, die durch Feuchthalten der St\u00e4mme eine Anwendung von EPN auch bei suboptimalen Witterungsbedingungen erm\u00f6glichen, k\u00f6nnen trotz intensiver Versuchst\u00e4tigkeit in der Saison 2009\/2010 leider nicht getroffen werden. Tendenziell k\u00f6nnte ein gewisser Effekt durchaus gegeben sein, es scheint aber sehr fraglich, ob er ausreicht, um den Aufwand f\u00fcr die Formulierungen (Kosten ca. 20 \u0080 pro ha, Arbeitsaufwand f\u00fcr das Anmischen) zu rechtfertigen. Daher wurde f\u00fcr die Praxis keine diesbez\u00fcgliche Empfehlung ausgesprochen. Auch eine Halbierung der emp-fohlenen Aufwandmengen von 750 Mio Nematoden pro ha und mKh scheint nicht machbar, so dass f\u00fcr das Verfahren Kosten von etwa 160 \u0080 pro ha entstehen, wenn die gesamte Baumh\u00f6he behandelt werden muss. Soll eine hohe Population auf ein niedriges Niveau reduziert werden, wird dieser Kostenrahmen von der Praxis auch akzeptiert. Der Schwerpunkt der Anwendungen liegt jedoch im \u00d6kologischen Obstbau, wo das Verfahren inzwischen ein wichtiger Baustein der Strategie des Resistenzmanagements f\u00fcr das Apfelwicklergranulovirus darstellt. Deutlich gezeigt werden konnte auch, dass bestimmte Unter-st\u00fctzungsmaterialien (Bambusst\u00e4be, Weichholzpf\u00e4hle) sich sehr gut als Winterverstecke f\u00fcr die Diapauselarven eignen und so den Populationsaufbau beg\u00fcnstigen. Inzwischen ist es eine Standardempfehlung im \u00d6kologischen Obstbau, in Befallslagen des Apfelwicklers bei Neupflanzungen auf entsprechende Unterst\u00fctzungsmaterialien zu verzichten. Dies hat mittelfristig eine gro\u00dfe Bedeutung als Baustein einer Ge-samtstrategie, die direkte und indirekte Bek\u00e4mpfungsma\u00dfnahmen optimal vereint.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse wurden an zahlreichen Veranstaltungen Praxis und Beratung vorgestellt (\u00d6kologische Obstbautagung 2007-2011, Tagung der Pflanzenschutzberater im Obstbau in Gr\u00fcnberg 2007 und 2008) und auch entsprechend publiziert. International erfolgte eine Pr\u00e4sentation an der Ecofruit 2008 und 2010. Au\u00dferdem wurden die Ergebnisse an der Deutschen Pflanzenschutztagung vorgestellt. Auf der Basis der Projektergebnisse wurde eine abschlie\u00dfende Beratungsempfehlung ausgearbeitet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Vorgehensweise, mehrere Verfahren jeweils als Baustein f\u00fcr eine Gesamtstrategie auszuarbeiten, hat sich vor dem Hintergrund der Ausgangssituation gut bew\u00e4hrt. Im Projektverlauf kamen bei den Verfahren zur Bek\u00e4mpfung der schl\u00fcpfenden Larven aufgrund neuer Ergebnisse von Firmen und anderen Versuchsanstellern noch zwei Bausteine dazu. Im Fall der neuen CpGV-Isolate erfolgte nach den ersten Ergebnissen eine intensive international vernetzte Entwicklungsarbeit der betroffenen Firmen, so dass es nicht mehr notwendig war, diese Fragestellung im Rahmen dieses Projekts weiterzuverfolgen. Bei Neem-Azal-T\/S liegen Ergebnisse vor, die es erlauben, das Thema in anderem Rahmen weiter zu verfolgen.<br \/>\nF\u00fcr die Verfahren zur Bek\u00e4mpfung der bereits ausgewachsenen Larven ist die Versuchsanstellung me-thodisch extrem schwierig, weil eine direkte Bonitur des Bek\u00e4mpfungserfolgs aufgrund der versteckten Lebensweise der Larven nicht m\u00f6glich ist. Da die Wirkungsgrade der Verfahren sich eher im mittleren als im hohen Bereich bewegten, mussten viele Versuche an verschiedenen Standorten mit unterschiedlicher Methodik \u00fcber mehrere Jahre ausgewertet werden, um \u00fcberhaupt belastbare Aussagen zu erm\u00f6glichen. Zum Einsatz und zur Wirkung von Entomophathogenen Nematoden k\u00f6nnen zu Projektende belastbare Empfehlungen an die Beratung gegeben werden, die in die Praxis auch Eingang finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Apfelanbau (31.200 ha in Deutschland) ist eine Sonderkultur mit sehr hohem Pflanzenschutzeintrag. Gegen Apfelwickler als einem Hauptsch\u00e4dling m\u00fcssen normalerweise mehrmals j\u00e4hrlich Insektizide ein-gesetzt werden. Gegen\u00fcber dem Apfelwicklergranulovirus, dem wichtigsten biologischen Verfahren zur Bek\u00e4mpfung des Apfelwicklers, sind in letzter Zeit Resistenzerscheinungen beobachtet worden. 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