{"id":24152,"date":"2023-07-24T10:32:08","date_gmt":"2023-07-24T08:32:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23925-01\/"},"modified":"2023-07-24T10:32:09","modified_gmt":"2023-07-24T08:32:09","slug":"23925-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23925-01\/","title":{"rendered":"Neuartiges Konzept zur genetischen Auswahl von G\u00e4nsen f\u00fcr Wiederansiedlungsprojekte"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Rahmen der Projektvorbereitung des Wiedereinb\u00fcrgerungsprojektes der Zwerggans durch BUND, Aktion Zwerggans und Allianz Umweltstiftung ist eine zus\u00e4tzliche Herausforderung auf das Projektteam zugekommen. Die Auswahl der f\u00fcr die Wiedereinb\u00fcrgerung geeigneten G\u00e4nse erfordert umfangreiche genetische Untersuchungen. Entgegen urspr\u00fcnglicher Zusagen werden f\u00fcr die genetischen Analysen keine bereits aufbereiteten Proben der skandinavischen wilden Zwergg\u00e4nse zur Verf\u00fcgung gestellt. Solche Referenzwerte sind aber unabdingbar, um sicherzustellen, dass die im Projekt zu verwendenden Zuchtg\u00e4nse keine Hybridisierungen aufweisen und damit die Wildpopulationen gef\u00e4hrden. Daher muss nun umfangreiches Probenmaterial aus Russland, Finnland und Deutschland aufgearbeitet und zus\u00e4tzlich analysiert werden. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen alle f\u00fcr das Projekt verf\u00fcgbaren Zwergg\u00e4nse in Zuchten nach neuesten Methoden getestet werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenMitochondriale DNA wird \u00fcber die Sequenzen des Zytochrom-B-Gens und ND2-Gens analysiert. Mit dieser Methode k\u00f6nnen gr\u00f6\u00dfere Populationsunterschiede erkannt werden. Um Hybridisierung erfassen zu k\u00f6nnen, wird das genomische Fingerprinting mittels ISSR eingesetzt. Mit dieser Methode werden alle vorhandenen Proben aus Wildpopulationen wie auch aus Zuchten untersucht und verglichen.<br \/>\nDie genetischen Untersuchungen werden an der Universit\u00e4t Heidelberg, Fakult\u00e4t f\u00fcr Biowissenschaften, Institut f\u00fcr Pharmazie und molekulare Biotechnologie (IPMB), Abteilung II Biologie unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Wink durchgef\u00fchrt. Die Analysen finden gem\u00e4\u00df abgestimmtem Zeitplan im August 2005 statt. Die Auswertung wird bis Mitte September 2005 abgeschlossen sein.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In der ersten Untersuchungsrunde standen Blutproben von 28 Zwergg\u00e4nsen aus deutscher Zucht zur Verf\u00fcgung. Als Vergleich dienten 7 Zwergg\u00e4nse aus russischen Wildvorkommen und diverse Blut- und Federproben aus Schweden und Finnland. Zus\u00e4tzlich wurden Blutproben von Bl\u00e4ss-, Grau-, Nonnen-, Ringel-, Saat- und Kanadag\u00e4nsen verarbeitet.<br \/>\nAus den Proben wurde DNA isoliert, was bei allen Blutproben gelang; etliche Federproben enthielten nur degradierte DNA, die daher nicht auswertbar war. Leider waren auch \u00fcber 10 Federproben von russischen Wildv\u00f6geln darunter, sodass die russische Vergleichsgruppe nur 7 Tiere umfasst.<br \/>\nAus den vorhandenen DNA-Proben wurden 2 mitochondriale Gene (cyt b und ND2) mittels PCR amplifiziert und sequenziert. \u00dcber die alignten Sequenzen konnten Stammb\u00e4ume berechnet werden. Danach bilden fast alle Zwergg\u00e4nse eine monophyletische Gruppe, die mit Bl\u00e4ssg\u00e4nsen sehr nah verwandt ist. Nur 2-3 V\u00f6gel clustern mit anderen G\u00e4nsearten, z. B. Bl\u00e4ssg\u00e4nsen. Dies hei\u00dft, dass Hybride in der maternalen Linie selten sind und deutlich unter 20% liegen.<br \/>\nInnerhalb der Zwergg\u00e4nse sind zwei gro\u00dfe Untergruppen zu erkennen, die offenbar mit den von Ruokonen beschrieben W1 und E1-Subtypen identisch sind. Innerhalb der deutschen Zuchtv\u00f6gel sind beide Subpopulationen in etwa gleich gro\u00df. Aber auch innerhalb der russischen Wildv\u00f6gel treten beide Gruppen in etwa gleich auf. Damit entspricht die Zusammensetzung der Zuchtv\u00f6gel weitgehend der nat\u00fcrlichen Situation.<br \/>\nIn einem zweiten Analyseverfahren wurden genomische Fingerprints mittels ISSR f\u00fcr alle Proben erhoben. Auch dieses Verfahren belegt die nahe Verwandtschaft zwischen Zwergg\u00e4nsen und anderen Vertretern der Gattung Anser. Einige der DNA-Banden tauchen bei mehreren G\u00e4nsearten auf, die auf m\u00f6gliche Hybridisierung der m\u00e4nnlichen und weiblichen Linie hinweisen. Die Zahl der m\u00f6glichen Hybridtiere liegt auch hier deutlich unter 20%.<br \/>\nInzwischen haben wir begonnen, ein noch h\u00f6her aufl\u00f6sendes DNA-Verfahren zu etablieren; die Mikrosatelliten-Analyse, die eine komplette Typisierung aller Verwandtschaftsbeziehungen zul\u00e4sst. Die Etablierung des Verfahrens ist aufwendig, so dass erste Ergebnisse erst im Februar 2006 vorliegen werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse werden den Experten der Bonner Konvention, den zust\u00e4ndigen Fachbeh\u00f6rden in Deutschland und Fennoskandien zur Verf\u00fcgung gestellt.<br \/>\nEine anschlie\u00dfende Pressearbeit wird mit dem zust\u00e4ndigen Ansprechpartner der DBU abgesprochen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die genetischen Methoden sind ad\u00e4quat, die genetische Zugeh\u00f6rigkeit und Integrit\u00e4t der Zwergg\u00e4nse aufzukl\u00e4ren. Man kann schon jetzt sagen, dass das deutsche Zuchtmaterial deutlich besser ist, als Kritiker gemeint haben. Vermutlich sind \u00fcber 80% der Zwergg\u00e4nse zur Nachzucht geeignet. Damit ist das gesetzte Ziel der ersten Untersuchungsphase erreicht.<br \/>\nIn einer zweiten Runde wird es darum gehen, alle verf\u00fcgbaren Zuchttiere in Europa zu typisieren (mtDNA, ISSR, Mikrosatelliten), um die besten Zuchtpaare zusammenstellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Rahmen der Projektvorbereitung des Wiedereinb\u00fcrgerungsprojektes der Zwerggans durch BUND, Aktion Zwerggans und Allianz Umweltstiftung ist eine zus\u00e4tzliche Herausforderung auf das Projektteam zugekommen. Die Auswahl der f\u00fcr die Wiedereinb\u00fcrgerung geeigneten G\u00e4nse erfordert umfangreiche genetische Untersuchungen. 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