{"id":24150,"date":"2024-11-27T10:38:02","date_gmt":"2024-11-27T09:38:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23920-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:38:08","modified_gmt":"2024-11-27T09:38:08","slug":"23920-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23920-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung einer zum baulichen Substanzerhalt optimierten Methode der Mauerwerkstrocknung beim Wiederaufbau der Herzogin Anna Amalia Bibliothek"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die historische Herzogin Anna Amalia Bibliothek war bis zur Brandkatastrophe am 2. September 2004 gleichzeitig Denkmal und aktive Bibliothek. Durch den Brand und das L\u00f6schwasser gab es starke Verluste bzw. Sch\u00e4den am Buchbestand und an der historischen Bausubstanz. Aus dem ehrgeizigen Plan, das Bibliotheksgeb\u00e4ude  bereits im Oktober 2007 wieder zu er\u00f6ffnen, ergab sich nach der Sicherung  der Bausubstanz die Aufgabe, m\u00f6glichst alle mit der Brand- und L\u00f6schwassereinwirkung im Zusammenhang stehenden Risiken in einem sehr kurzen Zeitraum bis 2007 zu beseitigen. Gegenstand des Projektes ist die Entwicklung, Durchf\u00fchrung und Bewertung einer Technologie zur Beseitigung der am st\u00e4rksten feuchtebelasteten  Decken- und Wandkonstruktionen der Renaissances\u00e4le. Ziel war eine Technologie, die in dem vorgegebenen Zeitrahmen umsetzbar ist, den Grundsatz des geringst m\u00f6glichen Eingriffes in die Bausubstanz ber\u00fccksichtigt, die historischen Putzschichten und Farbfassungen langfristig sichert und, ebenfalls langfristig, eine schadensfreie Nutzung garantiert.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNach Erfassung des Bauzustandes unmittelbar nach dem Brand wurde, gest\u00fctzt durch hygrothermische Simulationsrechnung, das erste Konzept zur Beseitigung der Feuchtesch\u00e4den erarbeitet.<br \/>\nZur Beschreibung der Wirkmechanismen der Feuchtebelastung w\u00e4hrend und nach der Einwirkung wur-den f\u00fcr die ausgew\u00e4hlte Bausubstanz der Renaissances\u00e4le der konstruktive und der Materialbestand, die Verteilung des Wassers und der Schadsalze sowie die r\u00e4umlichen Schadenspotentiale erfasst. Auf die-ser Grundlage wurden innovative Technologien zur beschleunigten Trocknung vorausgew\u00e4hlt und in Probebereichen bewertet. Die daraus abgeleitete bauabschnittsweise angewendete Kombination einer tech-nischen Trocknung \u00fcber raumklimatische Verfahren und direkter Energiezufuhr in die Bauteile wurde \u00fcber die gesamte Anwendungszeit messtechnisch begleitet. Eingesetzt wurden Sensoren zur kontinuierli-chen Erfassung der Temperatur und der Feuchte\u00e4nderungen.<br \/>\nAuf Grundlage dieser Messdaten wurden durch softwaregest\u00fctzte Simulationsrechnungen die Abl\u00e4ufe der technischen Trocknung optimiert. Die einzelnen Schritte bei der Probleml\u00f6sung und die Technologie zur technischen Trocknung wurden m\u00f6glichst nachvollziehbar dokumentiert, wissenschaftlich ausgewertet und im Hinblick auf die \u00dcbertragbarkeit auf vergleichbare Sachverhalte bewertet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mit der Entwicklung und dem Einsatz einer speziellen Technologie zur beschleunigten technischen Trocknung an Mauerwerk und Deckenkonstruktionen der historischen Herzogin Anna Amalia Bibliothek wurde das Ziel der Wiederherstellung der Gebrauchstauglichkeit der l\u00f6schwassergesch\u00e4digten Bauteile in den Renaissances\u00e4len im geplanten Zeitraum von ca. 10 Monaten erreicht. Die technische Trocknung der am st\u00e4rksten wasserbelasteten Mauerwerks- und Deckenkonstruktionen war mit elektrisch betriebenen Heizst\u00e4ben m\u00f6glich.<br \/>\nDie denkmalpflegerischen und restauratorischen Vorgaben konnten erf\u00fcllt werden.<br \/>\nDie Erkenntnisse aus den Probebereichen waren eine entscheidende Grundlage f\u00fcr die Planung und Durchf\u00fchrung der Ma\u00dfnahmen zur technischen Trocknung. Sch\u00e4den an der Bausubstanz traten nicht auf, Bindemittelver\u00e4nderungen wurden nicht festgestellt.<br \/>\nMit der von der Firma ISOTEC konstruierten Steuereinheit f\u00fcr die temperaturgeregelten Heizst\u00e4be und dem am Fallbeispiel der Herzogin Anna Amalia Bibliothek entwickelten sensorgest\u00fctzten Monitoringsystem wurde ein technisches System entwickelt und erprobt, das f\u00fcr vergleichbare Einsatzf\u00e4lle zur Ver-f\u00fcgung steht.<br \/>\nDie Ergebnisse der instation\u00e4ren Bauteilsimulationen zum zweidimensionalen Abbilden von W\u00e4rme und Feuchtetransportprozessen waren eine wesentliche Grundlage, sowohl die Feuchtezunahme als auch die Feuchteabnahme in den Konstruktionsquerschnitten in zeitlicher Abh\u00e4ngigkeit hinreichend genau zu bestimmen, den Einfluss verschiedener Randbedingungen quantitativ zu bewerten und anhand der Er-gebnisse die  geeigneten Konzepte zur Trocknung zu entwickeln. Die Simulations- und Modellrechnungen waren dabei eine sinnvolle Erg\u00e4nzung zu den durchgef\u00fchrten Bauzustandsuntersuchungen und der messtechnisch unterst\u00fctzten Bauwerksdiagnostik.<br \/>\nMit der technischen Trocknung wurden wichtige Voraussetzungen f\u00fcr den Verbleib und Erhalt der Holz-konstruktionen w\u00e4hrend der Sanierung geschaffen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Projektergebnisse wurden auf verschiedenen Fachveranstaltungen pr\u00e4sentiert und in der Fachliteratur publiziert. Als Beispiele seien hier die internationalen Kolloquien der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V. &#8211; WTA in Hildesheim 2006 und in Wien 2007 sowie die Ver\u00f6ffentlichungen im Tagungsband des 26. Mitteldeutschen Bau-Reko-Kolloquiums in Weimar genannt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die durch L\u00f6schwasser verursachten Feuchtesch\u00e4den sind besonders in historischen Baukonstruktionen erheblich. Bei ungen\u00fcgender Austrocknung bestehen gro\u00dfe Risiken f\u00fcr die l\u00f6schwasserbelastete Bau-substanz, insbesondere f\u00fcr Holzbauteile sowie bei kapillar- und hygroskopisch aktiven Bestandsmaterialien. Als geeignetes Verfahren f\u00fcr die beschleunigte technische Trocknung der Mauerwerksk\u00f6rper im Bereich der Renaissances\u00e4le der Herzogin Anna Amalia Bibliothek erwies sich die W\u00e4rmezufuhr direkt in die am st\u00e4rksten feuchtebelasteten Mauerwerksbereiche \u00fcber steuerbare, elektrisch betriebene Heizst\u00e4be.<br \/>\nBesonders bei historischen Baukonstruktionen und Materialien ist f\u00fcr die baubegleitende Kontrolle die Prozesssteuerung der technischen Trocknung und f\u00fcr den Erfolgsnachweis der Einsatz eines sensorge-st\u00fctzten Bauwerksmonitorings erforderlich.<br \/>\nAn der historischen Herzogin Anna Amalia Bibliothek wurde ein problembezogenes Monitoring entwickelt und erfolgreich angewendet. Die in diesem Zusammenhang im Bauwerk installierten Sensoren erm\u00f6glichen auch in der Nutzungsphase die zerst\u00f6rungsfreie Erfassung von Bauzustandsdaten.<br \/>\nDie Kombination von raumklimatischen Verfahren mit der angewendeten thermischen Trocknungstechnologie ist eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Ma\u00dfnahme f\u00fcr die vollst\u00e4ndige und beschleunigte Beseitigung von L\u00f6schwasser in historischer Bausubstanz. An der Herzogin Anna Amalia Bibliothek hat diese Ma\u00dfnahme wesentlich dazu beigetragen, dass zum Einen die wertvolle Bausubstanz durch Folgeprozesse nicht weiter gesch\u00e4digt wurde und dass zum Anderen das Bauwerk bereits drei Jahre nach den enormen L\u00f6sc-wassersch\u00e4den wieder als Bibliothek der \u00d6ffentlichkeit \u00fcbergeben werden konnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die historische Herzogin Anna Amalia Bibliothek war bis zur Brandkatastrophe am 2. September 2004 gleichzeitig Denkmal und aktive Bibliothek. Durch den Brand und das L\u00f6schwasser gab es starke Verluste bzw. Sch\u00e4den am Buchbestand und an der historischen Bausubstanz. Aus dem ehrgeizigen Plan, das Bibliotheksgeb\u00e4ude bereits im Oktober 2007 wieder zu [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[47,2425,51,71,52,53],"class_list":["post-24150","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-klimaschutz","tag-kulturgueter","tag-ressourcenschonung","tag-thueringen","tag-umweltforschung","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"23920\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-23920.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"104.500,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Klassik Stiftung Weimar\nStiftung des \u00f6ffentlichen Rechts\nSonderbeauftragter des Pr\u00e4sidenten","dbu_projektdatenbank_strasse":"Burgplatz 4","dbu_projektdatenbank_plz_str":"99423","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Weimar","dbu_projektdatenbank_p_von":"2005-10-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2007-10-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre","dbu_projektdatenbank_telefon":"03643-545-103","dbu_projektdatenbank_inet":"www.klassik-stiftung.de","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Th\u00fcringen","dbu_projektdatenbank_foerderber":"137","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24150","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24150\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37153,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24150\/revisions\/37153"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24150"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24150"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24150"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}