{"id":24135,"date":"2023-07-13T15:25:02","date_gmt":"2023-07-13T13:25:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23880-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:25:02","modified_gmt":"2023-07-13T13:25:02","slug":"23880-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23880-01\/","title":{"rendered":"Sukzessionsw\u00e4lder als Fl\u00e4chennutzungsalternative"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Waldneubildung durch Sukzession kann eine wirtschaftliche Alternative zur k\u00fcnstlichen Bestandesbegr\u00fcndung f\u00fcr verschiedene aus der Nutzung fallende Fl\u00e4chen sein. Im Vorhaben werden naturschutzfachliche, \u00f6konomische und politisch\/rechtliche Aspekte der Neuwaldbildung analysiert. Ziele des Projektes sind die Untersuchung bestehender Sukzessionsw\u00e4lder unterschiedlichen Alters hinsichtlich ihrer vegetations\u00f6kologischen Eigenschaften, die naturschutzfachliche und \u00f6konomische Einsch\u00e4tzung von Varianten kosteng\u00fcnstiger Waldmehrung und die Beratung der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Leistungen und Grenzen von Sukzessionsw\u00e4ldern.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Arbeitsschritte umfassten die Auswahl von insgesamt 24 Referenzfl\u00e4chen im K\u00fcstenraum Vorpommerns f\u00fcr die Durchf\u00fchrung der vegetations- und standortkundlichen Untersuchungen. In ausgew\u00e4hlten Best\u00e4nden auf der Insel Usedom wurden erg\u00e4nzende Bodenuntersuchungen durchgef\u00fchrt. Danach wurden die Sukzessionsw\u00e4lder nach vegetations\u00f6kologischen Kriterien charakterisiert und klassifiziert und die Untersuchungsfl\u00e4chen miteinander verglichen. Die \u00f6kologischen Leistungen von Sukzessionsw\u00e4ldern wurden qualitativ beschrieben. F\u00fcr die finanz\u00f6konomische Analyse erfolgte eine nach Baumarten differenzierte Herleitung der Verfahrenskosten f\u00fcr Bestandesbegr\u00fcndung und Kultursicherung. Dabei wurden auf Grund der topographischen Besonderheiten und der gro\u00dfr\u00e4umigeren agrarstrukturellen Verh\u00e4ltnisse in Mecklenburg-Vorpommern entsprechende Anpassungen bei der Fl\u00e4chenvorbereitung und der Pflanzung vorgenommen. Erg\u00e4nzend wurde eine Literaturrecherche zu Verfahren kosteng\u00fcnstiger Waldneubegr\u00fcndungen durchgef\u00fchrt. Die Rentabilit\u00e4t einer konventionellen Neuaufforstung wurde mit Hilfe der dynamischen Investitionstheorie mit der Waldbildung durch Sukzession verglichen. Die rechtlichen Aspekte von Sukzessionsw\u00e4ldern, Fragen zur Akzeptanz und m\u00f6gliche Fl\u00e4chenpotenziale wurden in einem Unterauftrag vom Institut f\u00fcr \u00d6konomie der Forst- und Holzwirtschaft am Jo-hann Heinrich von Th\u00fcnen Institut in Hamburg untersucht.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Nach Nutzungsaufgabe m\u00e4\u00dfig frischer Ackerstandorte besiedeln innerhalb weniger Jahre Pioniergeh\u00f6lze die nicht mehr bewirtschafteten Fl\u00e4chen. Die untersuchten Fl\u00e4chen zeigen vielf\u00e4ltige Entwicklungen in allen Schichten mit unterschiedlichen Baumarten. F\u00fcr die Absch\u00e4tzung der Etablierung und Entwicklung der W\u00e4lder sind die Standorteigenschaften von hoher Relevanz. Au\u00dferdem bestimmen weitere Faktoren, wie z. B. der Zeitpunkt der Nutzungsaufgabe und angrenzende Geh\u00f6lze die vielf\u00e4ltigen Ausbreitungsm\u00f6glichkeiten von Sukzessionsw\u00e4ldern. Die \u00f6kologischen Leistungen von Sukzessionsw\u00e4ldern unterscheiden sich von denen herk\u00f6mmlich aufgeforsteter W\u00e4lder bez\u00fcglich des Erosions- und Windschutzes kaum. Die bei der Aufforstung von Freifl\u00e4chen bekannten Probleme, insbesondere der geringe Humusgehalt sowie die klimatischen Freilandbedingungen, k\u00f6nnen durch Sukzessionsw\u00e4lder abgemildert werden. Vorteile gegen\u00fcber herk\u00f6mmlich aufgeforsteten W\u00e4ldern bestehen auch im Bereich des Arten- und Biotopschutzes. Standorte mit mittlerer N\u00e4hrkraft verf\u00fcgen \u00fcber eine h\u00f6here Baumartenvielfalt als \u00e4rmere und besonders reiche Standorte. Mosaikartig verschiedene Vorwaldgesellschaften, die sich oftmals in unmittelbarer Nachbarschaft etablieren, k\u00f6nnen langfristig eine h\u00f6here \u00f6kologische Stabilit\u00e4t aufweisen als herk\u00f6mmlich aufgeforstete einschichtige W\u00e4lder. Auf kr\u00e4ftigen bis reichen Standorten bilden sich W\u00e4lder, die auch wirtschaftlich interessant sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Barwertvergleich einer aufgeforsteten mit einer durch nat\u00fcrliche Sukzession entstandenen Eichenkultur zeigt bei einem Diskontsatz von 3% p.a. einen Vorteil von 4.218 EUR je ha f\u00fcr die Sukzession. Liegen in der nat\u00fcrlichen die laufenden Kosten um 30 EUR je ha und Jahr niedriger als bei der k\u00fcnstli-chen Variante und liefert der Sukzessionswald nach 25 Jahren einen Holzertrag von 30 EUR je ha und Jahr, so vergr\u00f6\u00dfert sich der Barwertvorteil der Sukzession auf 5.500 EUR je ha. Weitere Betrachtungen zum Diskontsatz, wie auch zu m\u00f6glichen Holzpreissteigerungen, zeigen, dass die nat\u00fcrliche Sukzession nur in recht extremen Ausnahmef\u00e4llen dem gepflanzten Wald finanz\u00f6konomisch unterlegen ist.<\/p>\n<p>Der rechtliche Rahmen beg\u00fcnstigt Sukzessionsw\u00e4lder, indem sie anders als die Erstaufforstung nicht genehmigungspflichtig sind. Gesetzliche Rodungsbeschr\u00e4nkungen, die die Dispositionsfreiheit \u00fcber die Bodennutzung verhindern, betreffen auch die Sukzessionsw\u00e4lder. Ein weiteres Hemmnis sind vorhandene Zahlungsanspr\u00fcche auf landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen. In vielen Regionen werden ankommende Sukzessionsw\u00e4lder permanent zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, um die Zahlungsanspr\u00fcche nicht zu verlieren. Im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre lagen Aufforstungen landwirtschaftlicher Fl\u00e4chen nur ausnahmsweise \u00fcber 3.000 ha pro Jahr. Bei der Neuwaldbildung bestehen erhebliche Fl\u00e4chenpotenziale insbesondere bei der Rekultivierung von Braunkohletagebaufl\u00e4chen, im Recycling urbaner und suburbaner Brachfl\u00e4chen sowie in der Konversion ehemaliger milit\u00e4rischer Liegenschaften. Das Fl\u00e4chenpotenzial wird auf etwa 260.000 ha gesch\u00e4tzt. Ein Teil dieser Fl\u00e4chen ist bereits durch Sukzession bewaldet, der Rest befindet sich in Konkurrenz mit k\u00fcnstlich zu begr\u00fcndenden W\u00e4ldern und anderen Fl\u00e4chennutzungsalternativen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des Projektes wurden im Rahmen eines Workshops den geladenen Experten aus Naturschutz und Forstwissenschaft und -politik pr\u00e4sentiert. Bei der Diskussion der Ergebnisse wurde ein gro\u00dfes Interesse an weiterf\u00fchrenden Untersuchungen offenbar. Die bereits vorhanden (Zwischen-) Ergebnisse werden im Internet und im Rahmen von Fachpublikationen der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Sukzessionsw\u00e4lder sind rentabler als durch Pflanzung begr\u00fcndete Laubw\u00e4lder und sollten daher ihren Platz in landeskulturellen Planungen erhalten, wenn ihnen aus standortkundlichen und anderen Erw\u00e4gungen nichts im Wege steht. Es ist wahrscheinlich, dass in Deutschland faktisch mehr Wald durch Sukzession als durch Pflanzung neu entsteht. Dies bekr\u00e4ftigt die Forderung, den Sukzessionswald weiterhin interdisziplin\u00e4r zu untersuchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Waldneubildung durch Sukzession kann eine wirtschaftliche Alternative zur k\u00fcnstlichen Bestandesbegr\u00fcndung f\u00fcr verschiedene aus der Nutzung fallende Fl\u00e4chen sein. 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