{"id":24111,"date":"2023-07-13T15:24:55","date_gmt":"2023-07-13T13:24:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23813-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:24:57","modified_gmt":"2023-07-13T13:24:57","slug":"23813-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23813-01\/","title":{"rendered":"Einfache dezentrale Abwasserreinigung \u00fcber Strohgro\u00dfballen mit landwirtschaftlicher Verwertung der Reststoffe im Hinblick auf die Anwendung in osteurop\u00e4ischen EU-Beitrittsl\u00e4ndern"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die dezentrale Abwasserentsorgung kleinerer Ortschaften oder von Einzelanwesen stellt in Deutschland inzwischen eine dynamische, wirtschaftlich und technisch akzeptierte Verfahrensweise dar. Diese Art der Abwasserentsorgung muss f\u00fcr L\u00e4nder, die \u00fcber weniger technische und infrastrukturelle Ressourcen verf\u00fcgen, in lokal angepasster  Form implementiert werden &#8211; ohne dass hierbei das Hauptziel, n\u00e4mlich eine deutliche Verbesserung der abwassertechnischen Situation, aus den Augen verloren wird.  Eine Verkn\u00fcpfung mit Nutzungsformen innerhalb der Landwirtschaft ist zudem w\u00fcnschenswert, weil &#8211; insbesondere in den Beitrittsl\u00e4ndern der EU &#8211; weite Bereich ausgesprochen landwirtschaftlich gepr\u00e4gt sind.<br \/>\nVorgesehen war die Konzeption eines Verfahrens, bei dem mechanisch vorgereinigtes Abwasser, \u00e4hnlich einer Tropfk\u00f6rpertechnik, \u00fcber Gro\u00dfstrohballen (Rundballen) fl\u00e4chig verrieselt und im Naturluftzug bel\u00fcftet wird. Es wurde davon ausgegangen, dass die spezifische Struktur der Strohballen eine Ansiedlung kohlenstoffabbauender Mikroorganismen und damit einen biologischen Abbau der Substrate im Abwasser nachhaltig unterst\u00fctzt. Bedingt durch die Struktur des Biofilms wurden auch nitrifizierende und denitrifizierende Vorg\u00e4nge vermutet.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1.\tProjektvorbereitung<br \/>\n2.\tAufbau der Anlagentechnik und der Steuerung<br \/>\n3.\tStilllegen der bisher betriebenen Belebungsanlage und Nutzen als Vorreinigung und Anbindung der h\u00e4uslichen Entw\u00e4sserung des Anwesens<br \/>\n4.\tInbetriebnahme und Betrieb<br \/>\n5.\tBeprobung der Abw\u00e4sser gem\u00e4\u00df Untersuchungsplan<br \/>\n6.\tUntersuchungen zur Dimensionierung und unterschiedlichen Strohmaterialien<br \/>\n7.\tUntersuchung zur Standzeit und zum Ausbringverhalten<br \/>\n8.\tAbschlu\u00dfbericht<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Projektvorbereitung<\/p>\n<p>Ausgesucht f\u00fcr den Bau der Testanlage wurde das Anwesen der Firma Amann in Wahlberg bei Nattheim\/Landkreis Heidenheim (Schw\u00e4bische Alb, Standort etwa auf 650 m \u00fc. NN). Die vorhandene Kleinkl\u00e4ranlage hielt die Ablaufwerte vor Projektbeginn nicht ein. Das Objekt war technisch geeignet, weil die auf dem Grundst\u00fcck vorhandene Belebtschlammanlage als Vorreinigung genutzt werden konnte. <\/p>\n<p>Aufbau der Anlagentechnik  <\/p>\n<p>Der Aufbau der Anlage erfolgte im August 2005 entsprechend der Planungen. Es zeigte sich, dass der Strohballen nahezu keine Retentionskapazit\u00e4t aufweist. Auff\u00e4llig war von vorne herein eine deutliche Braunf\u00e4rbung. Die ersten Stichproben zeigten, dass der Ablauf der Vorkl\u00e4rung etwa 700 mg\/l CSB auf-wies und etwa 400 mg BSB5 (= Zulauf Strohballen) mit f\u00e4kalem bis dumpfem Geruch und intensiver Braunf\u00e4rbung. Der Ablauf der Strohballen war immer noch braun gef\u00e4rbt, allerdings fehlte der f\u00e4kale Geruch. Stichprobenanalysen zeigten, dass die Ablaufwerte nicht wesentlich reduziert werden konnten. Die entsorgten Ballen zeigten eine klare Struktur. In der Mitte ein durchweichter Kern mit br\u00e4unlicher F\u00e4rbung und au\u00dfen ein nahezu unbehelligter, etwa 20 cm breiter Rand. Es gab keinen unangenehmen Geruch,  im Randbereich zeigte sich eine Besiedlung mit h\u00f6heren Tieren (Schwebefliegen, Kleinmilben etc ohne n\u00e4heren Nachweis).<\/p>\n<p>Atypische Belastung<\/p>\n<p>Bedingt durch Bauma\u00dfnahmen am Jauchebeh\u00e4lter unter der Festmistplatte waren Undichtigkeiten aufgetreten. Sickerwasser war aus dem Festmist in die Kl\u00e4ranlage eingedrungen. Weitere Untersuchungen ergaben, dass seit geraumer Zeit Sickerwasser aus der Dunglege in die Kleinkl\u00e4ranlage eingedrungen war. Nach Dichtung der Dunglege und Optimierung der Zulaufleitung als Eigenleistung des Betreibers wurde am 2. Juni 2006 die Versuchsanlage mit vier neuen Strohballen angefahren. Obwohl der Zulauf danach h\u00e4uslichem Abwasser mit gr\u00e4ulicher Farbe und f\u00e4kalem Geruch glich, zeigten die Ablaufwerte erneut die Braunf\u00e4rbung. Die Beprobung des Ablaufs ergab nur eine geringe Abbaukapazit\u00e4t innerhalb der Strohballen, die Ablaufwerte waren nicht zufrieden stellend. Im August zeigte sich wiederum die mangelnde Standfestigkeit der Strohballen. Die Ballen sanken durch ihr Eigengewicht zusammen. Eine gerichtete Durchstr\u00f6mung war nicht mehr gegeben. Daraufhin wurde der Versuch bzw. das Projekt abgebrochen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Aufgrund des erforderlich gewordenen Projektabbruchs sind keine gesonderten Ver\u00f6ffentlichungen und Pr\u00e4sentationen durchgef\u00fchrt worden. Die Aufstellung der Versuchsanlage war in einem Gebiet, das h\u00e4ufig von Wanderern begangen wird. Da die Anlage sichtbar war, wurden an zwei Stellen Informationsplakate ausgeh\u00e4ngt. Bei einer politischen Diskussion des CDU-Ortsverbandes Ulm mit der Landesministerin f\u00fcr Umwelt Baden-W\u00fcrttemberg Tanja G\u00f6nner wurde unter anderem auch dieses Projekt als besondere Innovation vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Ziel der Entwicklung eines neuen Verfahrens zur dezentralen Abwasserreinigung \u00fcber Strohgro\u00dfballen mit landwirtschaftlicher Verwertung der Reststoffe konnte nicht erreicht werden. Eine \u00dcbertragung des Verfahrens in L\u00e4nder Mittel- und Osteuropas ist nicht m\u00f6glich. Trotz l\u00e4ngerer Inbetriebnah-me \/Einarbeitungszeit der Strohballen stellte sich keine nennenswerte Reinigungsleistung bzw. Reduzierung der Ablaufwerte ein. Vermutlich bildeten sich in den Ballen schwer abbaubare Humins\u00e4uren, die im Durchlauf durch die Anlage hohe CSB-Konzentrationen erzeugten. Eine dauerhafte mikrobiologische Aufwuchsfl\u00e4che f\u00fcr die Abwasserreinigung entsteht auf dem Stroh nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die dezentrale Abwasserentsorgung kleinerer Ortschaften oder von Einzelanwesen stellt in Deutschland inzwischen eine dynamische, wirtschaftlich und technisch akzeptierte Verfahrensweise dar. 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