{"id":24085,"date":"2023-07-29T10:32:02","date_gmt":"2023-07-29T08:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23736-01\/"},"modified":"2023-07-29T10:32:04","modified_gmt":"2023-07-29T08:32:04","slug":"23736-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23736-01\/","title":{"rendered":"ntersuchung der Effizienz, Standzeit und Handhabbarkeit eines von arche noVa entwickelten mobilen Langsam-Sand-Kohlefilters f\u00fcr den Einsatz im Irak und eines kommerziellen Keramikfiltersystems im Bereich der humanit\u00e4ren Selbsthilfe und Entwicklungsz[&#8230;]"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Jahr 2003 wurde von arche noVa innerhalb eines Nothilfeprojektes zur medizinischen Versorgung, Hygieneaufkl\u00e4rung und Wasserversorgung in Diyala, Irak ein dezentrales Sand-Kohle-Filtersystem implementiert. Durch das Fehlen bzw. dem schlechten Zustand der zentralen Wasserver- und entsorgung sind viele Menschen in l\u00e4ndlichen Gegenden mittlerweile l\u00e4ngerfristig auf eine dezentrale Wasseraufbereitung angewiesen. Da die im Jahr 2003 vom arche noVa mit lokalen Materialien entwickelten Wasserfil-ter keine kurzfristige \u00dcbergangsl\u00f6sung mehr darstellten, sollte eine Testreihe Aussagen zur Effizienz, Standzeit und Handhabbarkeit der Sandfilter liefern, um daraus Empfehlungen f\u00fcr die langfristige Benutzung der Filter vor Ort abzuleiten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenArche noVa e.V. hat in Dresden einen der traditionellen irakischen Tonfilter nachbauen lassen. Ein kommerzielles Keramikkerzenfiltersystem war bereits vorhanden. Diese beiden Filtersysteme wurden mit Hilfe der Stadtentw\u00e4sserung Dresden GmbH und dem kooperierenden Labor DGI Umweltanalytik Ebersbach getestet. Seit August 2005 wurden die Recherchen und Vorbereitungen f\u00fcr die Testreihe begonnen. Von Februar bis Juli 2006 liefen die Tests mit den Filtern.<br \/>\nDiese Filter wurden t\u00e4glich mit ca. 40 Litern Spreewasser bef\u00fcllt. Ein- bis zwei mal pro Woche erfolgte \u00fcber einen Zeitraum von 6 Monaten die Beprobung des Rohwassers und des Filtrates hinsichtlich der Gesamtkeimzahl, E. Coli, coliforme Keime, Clostridium perfringens, Tr\u00fcbung und sprektraler Adsorbi-onskoeffizienten. Die Ergebnisse sollten Aussagen zur Handhabbarkeit, Effizienz und Standzeit und Wirkung des Filters liefern, um daraus Empfehlungen f\u00fcr die Benutzung und Verbesserung der Filter abzuleiten.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Folgende Empfehlungen f\u00fcr den Bau und die Handhabung von Sandfiltern lassen sich aus den gewonnenen Erkenntnissen und Ergebnissen der Testreihe ableiten:<br \/>\nDie K\u00f6rnung der Gesteinsschichten soll nach untern immer feiner werden, damit sich diese nicht vermischen (Ein- und Aussp\u00fclungen). Diese sollten sp\u00e4testens alle 6 Monate gereinigt bzw. ausgewechselt werden.<br \/>\nEs sollten keine organischen Materialien (Gewebe) in den Filter eingebracht werden, da diese im Inneren des Filters zersetzt werden und ein anaerobes Milieu bilden. Besser geeignet zur Trennung der Schichten sind mineralische Materialien (Gaze, Vlies).<br \/>\nDas Einbringen von fein gestampfter Kohle in einem Tuch in den Filter ist nicht zwingend f\u00fcr die Effizienz des Filters erforderlich, kann bei richtiger Handhabung aber kurzfristig eine effektive Sperrschicht f\u00fcr Keime darstellen. Da diese Schicht durch den biologischen Metabolismus zur Bildung eines anaeroben Milieus f\u00fchrt, sollte die Kohleschicht alle 14 Tage ausgewechselt werden. Um das Auswechseln einfacher zu gestalten sollte die Kohleschicht unter die oberste Schicht aus grobem Kies herausnehmbar eingebracht werden.<br \/>\nEin Aufbringen eines f\u00fcr die Reinigung auswechselbaren Baumwolltuches \u00fcber der letzen Filterschicht und mit gro\u00dfen Kieselsteinen beschwert, erh\u00f6ht die Effizienz und Standzeit des Filters, weil sofort Tr\u00fcbungspartikel und Keime zur\u00fcckgehalten werden.<br \/>\nDas Auffanggef\u00e4\u00df aus Ton f\u00f6rdert die Wiederverkeimung des Filtrats und ist f\u00fcr eine sachgem\u00e4\u00dfe Chlorung (Durchmischung) ungeeignet. Weiterhin k\u00f6nnen sich Partikel aus dem Tongef\u00e4\u00df l\u00f6sen und die Tr\u00fcbung im Filtrat erh\u00f6hen. Daher sind offene Auffanggef\u00e4\u00dfe aus anderen Materialien (z.B. saubere Eimer) geeigneter. F\u00fcr die kurzfristige Aufbewahrung des desinfizierten Wassers sollte das Gef\u00e4\u00df abgedeckt werden.<br \/>\nDer Filter sollte permanent mit Wasser \u00fcberstaut sein, damit der biologische Rasen nicht trocken f\u00e4llt und eine Sauerstoffdurchsetzung der Schichten gef\u00f6rdert wird. Dies kann durch regelm\u00e4\u00dfige Schwallbeschickung gew\u00e4hrleistet werden.  Zwischen Filter- und Auffanggef\u00e4\u00df muss eine Abdeckung mittels einer Plane oder \u00e4hnlichem eingerichtet werden, um Kontamination des Filtrats und Auffanggef\u00e4\u00df zu verhindern.<br \/>\n Diese Art von dezentraler Wasserversorgung ist nur mit einf\u00fchrender und begleitender Hygienebildung und Monitoring seitens lokaler Hygieneverantwortlicher sinnvoll, denn die Aufbereitung mit diesem Sandfiltersystem und anschlie\u00dfender Chlorung kann nur richtig benutzt werden, wenn ein Wissen um seine Funktionsweise und Wirkung dieser Behandlung vorhanden ist.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Literaturrecherche und die wichtigsten Erkenntnisse der ersten Testreihe werden unter dem Titel Dezentrale Wasseraufbereitung in der humanit\u00e4ren und entwicklungsorientierten Nothilfe als pdf-Druckversion in englischer und deutscher Sprache auf der Homepage des arche noVa e.V. (www.arche-nova.org) ver\u00f6ffentlicht. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus Auslandsprojekten im Bereich der Trinkwasserversorgung und aus der Testreihe im Inland werden von der \u00d6ffentlichkeitsarbeit des arche noVa e.V., beispielsweise bei Ausstellungen, Info-St\u00e4nden und Vortr\u00e4gen an eine interessierte \u00d6ffentlichkeit getragen. Das Bildungsprojekt des arche noVa e.V. eine Welt &#8211; deine Welt thematisiert in seinen Bildungsmodulen Wasser &#8211; ein globales Problem und Helfen &#8211; eine Gratwanderung das Thema Wasserversorgung in der Nothilfe und benutzt die Erfahrungen der Auslands- und Inlandsprojekte als Fallbeispiele und Anschauungsmaterial f\u00fcr die Bildungsveranstaltungen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Testreihe zur  Untersuchung der Effizienz, Standzeit und Handhabbarkeit eines von arche noVa e.V. entwickelten Sand-Kohle-Filters f\u00fcr den Einsatz im Irak hat gezeigt, dass mit lokal verf\u00fcgbaren, traditionellen und kosteng\u00fcnstigen Materialien, ohne Fremdtechnologie und elektrischen Betrieb ein Filtersystem implementiert werden kann, welches kurzfristig effizient die Tr\u00fcbung und coliforme Keime und Parasiten reduziert. Mittels anschlie\u00dfender sachgem\u00e4\u00dfer Desinfektion kann ein gesundheitlich unbedenkliches Wasser aufbereitet werden. Mit verbesserten einf\u00fchrenden und begleitenden Hygienebildungsprogram-men und einfachen Modifizierungen des bisherigen Filtersystems kann die Effizienz des Filters erh\u00f6ht, die Standzeit verl\u00e4ngert und seine Handhabbarkeit vereinfacht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Jahr 2003 wurde von arche noVa innerhalb eines Nothilfeprojektes zur medizinischen Versorgung, Hygieneaufkl\u00e4rung und Wasserversorgung in Diyala, Irak ein dezentrales Sand-Kohle-Filtersystem implementiert. Durch das Fehlen bzw. dem schlechten Zustand der zentralen Wasserver- und entsorgung sind viele Menschen in l\u00e4ndlichen Gegenden mittlerweile l\u00e4ngerfristig auf eine dezentrale Wasseraufbereitung angewiesen. 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