{"id":24080,"date":"2025-06-25T10:32:23","date_gmt":"2025-06-25T08:32:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23729-01\/"},"modified":"2025-06-25T10:32:24","modified_gmt":"2025-06-25T08:32:24","slug":"23729-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23729-01\/","title":{"rendered":"Honorierung \u00f6kologischer Leistungen der Landwirtschaft im Ackerland durch ein Ausschreibungsverfahren"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Mit dem Beitritt zur Biodiversit\u00e4tskonvention hat sich Deutschland verpflichtet, Konzepte zur F\u00f6rderung und zum Erhalt der Biodiversit\u00e4t zu entwickeln. Ein gro\u00dfes Defizit besteht allerdings bei der Entwicklung von Konzepten f\u00fcr den Lebensraum Acker. Hier herrscht einerseits wegen des deutlichen Artenverlustes ein gro\u00dfer Bedarf an F\u00f6rderkonzepten, andererseits wird die Integration von Biodiversit\u00e4tsleistungen in die Ackerschl\u00e4ge nur durch wenige Programme gef\u00f6rdert. Handlungsorientierte Programme, die durch das Vorschreiben und Verbieten von Ma\u00dfnahmen wirken, haben zudem eine schlechte Akzeptanz bei Landwirten und verfehlen h\u00e4ufig sogar die beabsichtigte Wirkung.<br \/>\nIn diesem Projekt soll eine ergebnisorientierte F\u00f6rderung und Honorierung von Leistungen erfolgen, die Landwirte durch eigene Managementma\u00dfnahmen erbringen. Das Ergebnis wird an messbaren Kriterien im Feld gemessen und erst bei Erfolg honoriert.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUm eine effiziente Erzeugung der Leistungen zu erm\u00f6glichen, wird erstmals ein Ausschreibungsverfahren in einem kompletten Landkreis angewandt. Im Zentrum des Verfahrens steht ein regionaler Beirat, der die Nachfrage nach den \u00f6kologischen Leistungen (hier auch G\u00fcter genannt) formuliert und ggf. steuert. Auf eine Ausschreibung hin k\u00f6nnen alle interessierten Landwirte Angebote \u00fcber die Produktion und den geforderten Preis machen. Aus den Angeboten findet eine Auswahl nach Effizienzkriterien statt (Preis und Qualit\u00e4t des Angebotes), die zum Zuschlag f\u00fchrt. Die Landwirte, die einen Zuschlag erhalten, k\u00f6nnen mit der Produktion der Artenvielfalt beginnen und erhalten bei erfolgreichen Vorkommen einer bestimmten Artenzahl den vereinbarten Preis. Zur Kommunikation und zur Beschreibung der Leistungen wird ein Katalog von \u00f6kologischen G\u00fctern der Artenvielfalt verwendet.<br \/>\nDie Arbeitsschritte in dem Vorhaben beinhalten die komplette Vorbereitung und Durchf\u00fchrung des Ausschreibungsverfahrens. Arbeitsleistungen sind erforderlich f\u00fcr die Anpassung des G\u00fcterkataloges und des Kontrollverfahrens, das in dieser Form erstmals angewandt wird. Stichprobenhafte Kartierungen sind erforderlich, um die Effizienz, die Repr\u00e4sentativit\u00e4t und die Regionalit\u00e4t zu evaluieren. Die Projekt- und Kooperationspartner erm\u00f6glichen mit Eigenleistungen eine wissenschaftlich und administrativ fundierte Entwicklung bis zur Umsetzungsreife.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Durch ein Ausschreibungsverfahren wurden Angebote bzw. Preisforderungen \u00fcber die Produktion von Artenvielfalt durch Landwirte eingereicht. Preiswerte Angebote sollten einen bevorzugten Zuschlag erhalten. Bei Nichterf\u00fcllung sollte die Auszahlung unterbleiben. Das Verfahren wurde in zwei Durchg\u00e4ngen im Landkreis Northeim durchgef\u00fchrt. Die zu erbringende Leistung waren durch einen regionalen Beirat vorab festgelegte Artenzahlen von Ackerunkr\u00e4utern. Konventionell bewirtschaftete Fl\u00e4chen (mindestens 10 Arten je 100 m\u00b2) und \u00f6kologischer Landbau (mind. 14 Arten je 100 m\u00b2) wurden getrennt behandelt. Insgesamt gingen 65 (2007) und 104 (2008) Angebote ein. Die Preisforderungen reichten von 50 bis 750 \u0080 ha-1 (2007) bzw. von 99 bis 700 \u0080 ha-1 (2008). Ein Anstieg der angebotenen Fl\u00e4chen von der ersten zur zweiten Ausschreibung weist auf ein hohes Interesse und Akzeptanz der teilnehmenden Landwirte und somit eine gute Praktikabilit\u00e4t des Programms hin. Dies zeigt zudem, dass das Programm erfolgreich eine L\u00fccke innerhalb existierender Agrarumweltprogramme schlie\u00dfen konnte und ausreichend \u00f6konomische Anreize f\u00fcr die Landwirte bot. Bei 33 % (2007) bzw. 21 % (2008) der Angebote wurde das Ergebnis nicht erreicht. Besonders die Wintergetreidefl\u00e4chen zeigten geringere Artenzahlen. Insgesamt wurden in beiden Jahren 150 ha Ackerland mit einem Budget von 43.876 \u0080 honoriert.<br \/>\nVon den eingegangenen Angeboten wurde die Mehrzahl von \u00f6kologisch wirtschaftenden Landwirten abgegeben. Dies ist nicht verwunderlich, da \u00f6kologisch bewirtschaftete Fl\u00e4chen unabh\u00e4ngig von der dort angebauten Kulturart meist \u00fcber eine h\u00f6here Pflanzenartenvielfalt verf\u00fcgen als konventionell bewirtschaftete Fl\u00e4chen. F\u00fcr die \u00f6kologisch wirtschaftenden Landwirte war die Produktion des \u00f6kologischen Gutes daher mit weniger Anstrengungen in Bezug auf eine Anpassung der Bewirtschaftung und einem geringeren Risiko angesichts m\u00f6glicher Ertragsverluste verbunden. Dieser Tatsache wurde allerdings schon bei der Budgetverteilung durch den Regionalen Beirat Northeim Rechnung getragen. Die vermutlich h\u00f6heren Produktionskosten der konventionellen Landwirte zeigten Auswirkungen auf die Angebotspreise, die deutlich \u00fcber denen der \u00f6kologisch wirtschaftenden Betriebe lagen. Zudem wiesen die Angebotspreise beider Ausschreibungen eine hohe Spanne sowohl innerhalb der \u00f6kologischen Fl\u00e4chen aber insbesondere innerhalb der konventionellen Fl\u00e4chen auf. Dies deutet darauf hin, dass die teilnehmenden Landwirte mit unterschiedlichen Opportunit\u00e4tskosten und Standortbedingungen konfrontiert waren. In beiden der durchgef\u00fchrten Ausschreibungen erreichten ca. 33 % der angebotenen Fl\u00e4chen die vorgeschriebene Artenzahl nicht und erhielten somit keine Honorierungszahlungen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Beitr\u00e4ge in Regionalpresse, H\u00f6rfunk und auf Fachtagungen<br \/>\nPublikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften sind in Vorbereitung bzw. bereits eingereicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Ein Anstieg der angebotenen Fl\u00e4chen von der ersten zur zweiten Ausschreibung weist auf ein hohes Interesse und Akzeptanz der teilnehmenden Landwirte und somit eine gute Praktikabilit\u00e4t des Programms hin. Dies zeigt zudem, dass das Programm erfolgreich eine L\u00fccke innerhalb existierender Agrarumweltprogramme schlie\u00dfen konnte und ausreichend \u00f6konomische Anreize f\u00fcr die Landwirte bot.<br \/>\nDer Eindruck, dass besonders im Jahr 2008 weniger Unkr\u00e4uter auf den Ackerfl\u00e4chen zu finden waren als in anderen Jahren, wurde auch von den beteiligten Landwirten best\u00e4tigt, die oftmals sowohl mehr Unkrautarten als auch -pflanzen auf ihren Fl\u00e4chen erwartet hatten. Dies deutet auf relativ hohes und nicht vom Management der Fl\u00e4che abh\u00e4ngiges Risiko bei der Produktion der \u00f6kologischen G\u00fcter auf Ackerfl\u00e4chen hin. Bei der Programmplanung ist diesem Ph\u00e4nomen besondere Beachtung zu widmen. Diese unverschuldete Nichterf\u00fcllung der vereinbarten Leistung muss auf eine f\u00fcr alle Seiten (Landwirte und Verwaltung) tragbare Weise geregelt werden.<br \/>\nWeiterer Forschungsbedarf besteht hinsichtlich der Frage, ob die potentiell h\u00f6here Kosteneffizienz des entwickelten Ausschreibungsverfahrens auch ausreichend ist, um zus\u00e4tzlich anfallende Kosten wie beispielsweise f\u00fcr die G\u00fcterkontrolle auf den einzelnen Fl\u00e4chen tragen zu k\u00f6nnen. Ein weiterer diskussionsw\u00fcrdiger Punkt ist die auf ein Jahr begrenzte Laufzeit des entwickelten Programms, die den meist auf eine Laufzeit von 5 Jahren angelegten Agrarumweltprogrammen gegen\u00fcbersteht. Das bisher in der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik der EU) bestehende Dogma der F\u00fcnfj\u00e4hrigkeit sollte jedoch kein Hebel sein, um innovative Ans\u00e4tze zu verhindern. Im Gegenteil: Das Erfordernis f\u00fcnfj\u00e4hriger Abschl\u00fcsse ist zu hinterfragen. Ergebnisorientierte Verfahren erreichen per se bereits im ersten Jahr ihre Wirkung und sind daher auch f\u00fcr einj\u00e4hrige Vertr\u00e4ge geeignet. Abschlie\u00dfend zeigen die bisher gesammelten praktischen Erfahrungen, dass sich Ausschreibungsverfahren auch auf Ackerfl\u00e4chen praktisch umsetzen lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Mit dem Beitritt zur Biodiversit\u00e4tskonvention hat sich Deutschland verpflichtet, Konzepte zur F\u00f6rderung und zum Erhalt der Biodiversit\u00e4t zu entwickeln. Ein gro\u00dfes Defizit besteht allerdings bei der Entwicklung von Konzepten f\u00fcr den Lebensraum Acker. 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