{"id":24074,"date":"2024-11-27T10:38:02","date_gmt":"2024-11-27T09:38:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23695-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:38:03","modified_gmt":"2024-11-27T09:38:03","slug":"23695-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23695-01\/","title":{"rendered":"Entscheidungshilfesystem zum Management von Gro\u00dfcarnivoren"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Rund 200 Jahre nach ihrer Ausrottung wird die R\u00fcckkehr von Wolf, B\u00e4r und Luchs in die dichtbesiedelten Kulturlandschaften Westeuropas diskutiert, und der Schutz dieser Arten ist auf nationaler und internationaler Ebene in Gesetzen, Richtlinien und Aktionspl\u00e4nen verankert. In Deutschland verl\u00e4uft die R\u00fcckkehr gro\u00dfer Beutegreifer bislang noch sehr verhalten. Zwar konnte der Wissensstand vor allem zur \u00d6kologie von Raubtieren im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte erheblich verbessert  und eine Vielzahl der f\u00fcr Mensch &#8211; Raubtier &#8211; Beziehungen relevanten Einflussfaktoren identifiziert werden. Allerdings wurden die meisten dieser Arbeiten in Gebieten durchgef\u00fchrt, in denen Gro\u00dfraubtiere relativ h\u00e4ufig vorkommen bzw. nie vollst\u00e4ndig ausgerottet waren. Aufgrund der spezifischen Situation in Deutschland &#8211; die betreffenden Arten waren nahezu 200 Jahre lang verschwunden &#8211; sind in anderen Regionen der Erde entwickelte Konzepte zur Koexistenz mit gro\u00dfen Raubtieren nicht uneingeschr\u00e4nkt \u00fcbertragbar. Dementsprechend kontrovers verlaufen die Diskussionen um Ma\u00dfnahmen, die eine R\u00fcckkehr gro\u00dfer Raubtiere nach Deutschland zielgerichtet unterst\u00fctzen k\u00f6nnten, und konkrete Entscheidungen hinsichtlich einer dauerhaften Etablierung der betreffenden Arten stehen derzeit noch immer aus.<br \/>\nIm Rahmen des hier beschriebenen Vorhabens wurde am Beispiel des Eurasischen Luchses (Lynx lynx) getestet, inwieweit Entscheidungshilfen zur Vorbereitung einer R\u00fcckkehr gro\u00dfer Carnivoren in westeurop\u00e4ische Kulturlandschaften systematisch erarbeitet werden k\u00f6nnen. Ziel des Projekts ist es, die Schnittstellen zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Umsetzung des Wissens in die Naturschutz-praxis konzeptionell zu verbessern.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUnsere Untersuchung erfolgte in zwei Phasen. Phase 1 diente dazu, die derzeitige Situation des Luchses sowie den status quo des Luchsmanagements in Deutschland zu erfassen. Hierf\u00fcr wurden zun\u00e4chst alle \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Informationen gesichtet und ausgewertet. Zus\u00e4tzlich f\u00fchrten wir im Rahmen  eines komplement\u00e4ren Projekts (BfN Z.1.3 &#8211; 892 11 &#8211; 3\/07) eine Umfrage bei den zust\u00e4ndigen L\u00e4nderbeh\u00f6rden zum Vorgehen beim Luchsmanagement durch.<br \/>\nIm Verlauf dieser ersten Projektphase kristallisierten sich das Ausbreitungspotential des Luchses in Kul-turlandschaften, der Einfluss der Raubkatze auf nat\u00fcrliche Beutetierpopulationen sowie auf eingeb\u00fcrgerte Paarhufer und potentielle Sch\u00e4den an Weidetieren als Themenfelder heraus, zu denen seitens des Wildtiermanagements Informationsbedarf besteht.<\/p>\n<p>In Projektphase 2 strebten wir an, den Informationsstand zu den in der ersten Projektphase als relevant identifizierten Themenfeldern zu verdichten und damit die Grundlagen f\u00fcr systematische Entscheidungshilfen zu schaffen. Hierf\u00fcr wurden folgende Arbeitsschritte durchgef\u00fchrt:<br \/>\n1.\tBewertung derzeit verf\u00fcgbarer Habitat- und Ausbreitungsmodelle f\u00fcr den Luchs hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit beim Luchsmanagement in Kulturlandschaften.<br \/>\n2.\tR\u00e4umlich-explizite Analyse von Faktoren, die das Pr\u00e4dations-Risiko von Schafen beeinflussen.<br \/>\n3.\tTest der \u00dcbertragbarkeit identifizierter Pr\u00e4dationsrisikofaktoren auf verschiedene Gebiete.<br \/>\n4.\tStrukturanalyse zur Schafhaltung im Schwarzwald<br \/>\n5.\tBewertung der Eignung verschiedener Abundanzsch\u00e4tzer f\u00fcr Populationen des Luchses sowie seiner Beutetiere.<br \/>\n6.\tTestweise \u00dcbertragung von Pr\u00fcfgr\u00f6\u00dfen zur Prognose des Pr\u00e4dationseinflusses des Luchses auf eingeb\u00fcrgerte Paarhuferpopulationen am Beispiel der G\u00e4mse (Rupicapra rupicapra) im Schwarzwald.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die R\u00fcckkehr von Gro\u00dfraubtieren nach Deutschland ist sowohl \u00f6kologisch als auch naturschutzpolitisch von gro\u00dfem Interesse. Aufgrund des Konfliktpotentials, das die Thematik beinhaltet, sowie vor dem Hintergrund stark fragmentierter und vom Menschen dicht besiedelter Lebensr\u00e4ume stellt die R\u00fcckkehr von Wolf, Luchs oder B\u00e4r in unsere Kulturlandschaften hohe Anforderungen an den Natur- und Artenschutz. Die Herausforderungen sind vielschichtig und betreffen \u00f6kologische und sozio\u00f6konomische Themenfelder. Die vorliegende Untersuchung erarbeitet Grundlagen f\u00fcr ein systematisches Vorgehen bei der R\u00fcckf\u00fchrung des Luchses in Kulturlandschaften. Aufgrund der unterschiedlichen hierbei zu ber\u00fccksichtigenden thematischen Bereiche, ist die Arbeit modular aufgebaut. <\/p>\n<p>Situation des Luchses in Deutschland. Regelm\u00e4\u00dfige Vorkommen des Luches sind derzeit in Deutschland nur im Harz und im Gebiet des Bayerischen Waldes an der Grenze zu Tschechien und \u00d6sterreich zu finden. Beide Vorkommen k\u00f6nnen noch nicht als gesicherte Populationen betrachtet werden. Nachweise der Katzenart liegen auch aus weiteren Regionen Deutschlands vor. Die Herkunft dieser in der Regel sehr weit von m\u00f6glichen Quellpopulationen entfernt nachgewiesenen Luchse ist bislang ungekl\u00e4rt. Illegale Aussetzungen oder aus Gehegen entlaufene Tiere k\u00f6nnen als Ursprung der spontan auftauchenden Luchse nicht ausgeschlossen werden.<br \/>\nDie Monitoringdaten aus der Harzregion zeigen, dass einzelne der dort ausgewilderten Luchse das Mittelgebirge verlassen haben und in das weitere Harzumland abgewandert sind. Nach derzeitigem Wissensstand zum Ausbreitungsverhalten des Luchses ist aber davon auszugehen, dass sich Luchspopulationen selbst bei hohem Populationsdruck innerhalb von Kulturlandschaften kaum ausbreiten (Zimmermann 2004). Die dazu in der Schweiz gewonnenen Erkenntnisse werden durch die Situation des Luchses in Deutschland gest\u00fctzt, wo in verschiedenen Regionen seit Jahrzehnten immer wieder einzelne Luchse nachgewiesen werden, sich jedoch bislang ohne eine aktive Wiederansiedlung nirgendwo Vorkommen etablieren konnten. Vor diesem Hintergrund ist f\u00fcr die meisten Gebiete in Deutschland nicht zu erwarten, dass der Luchs durch selbst\u00e4ndige Zuwanderung und ohne aktive Unterst\u00fctzung wieder heimisch werden wird. <\/p>\n<p>Derzeitiger Stand beim Luchsmanagement in Deutschland. Hinweise auf Luchse werden inzwischen in allen relevanten Gebieten in Deutschland mit Hilfe von Meldernetzwerken erfasst und durch geschulte Personen verifiziert. In nahezu allen von der Thematik betroffenen Bundesl\u00e4ndern wird das Luchsmonitoring als langfristige Verwaltungsaufgabe verstanden.<br \/>\nDie Vorgehensweise beim Monitoring in den verschiedenen Gebieten beruht in der Regel auf der Erfassung von Zufallshinweisen. In allen Bundesl\u00e4ndern werden die Hinweise inzwischen nachvollziehbar ka-tegorisiert. Gr\u00f6\u00dftenteils erfolgt die Bewertung gem\u00e4\u00df sogenannter SCALP-Kriterien bzw. lassen sich die zugrunde gelegten Bewertungsschemata in die drei SCALP-Bewertungskategorien \u00fcberf\u00fchren.<br \/>\nDie Monitoringdaten liegen somit prinzipiell in bundesweit qualitativ vergleichbarer Form vor. Quantitative Vergleiche zwischen den Regionen sind derzeit aber noch nicht ohne Weiteres m\u00f6glich, weil nicht von einer fl\u00e4chendeckend identischen Intensit\u00e4t der Erfassung und Motivation der Melder ausgegangenen werden kann.<br \/>\nAuff\u00e4llig ist, dass in den meisten Regionen Deutschlands nur relativ wenige Hinweise der SCALP-Kategorie 2 anfallen. Diese indirekten, durch Experten \u00fcberpr\u00fcften Hinweise sind von hoher Aussagekraft und bilden die Basisdaten eines Luchsmonitorings. Der intensiven \u00dcberpr\u00fcfung von indirekten Nachweisen im Feld kommt deshalb vor allem in solchen Gebieten eine gro\u00dfe Bedeutung zu, in denen die Situation des Luchses noch weitgehend ungekl\u00e4rt ist (Kaphegyi et al. 2006). Eine intensive \u00dcberpr\u00fcfung indirekter Nachweise setzt voraus, dass die lokalen Experten und Luchsberater zeitnah informiert und die Hinweise dann auch unverz\u00fcglich im Freiland \u00fcberpr\u00fcft werden. Eine Intensivierung der \u00dcberpr\u00fcfung potentieller C 2 &#8211; Hinweise l\u00e4sst eine Erh\u00f6hung der Aussagekraft des Luchsmonitorings in nahezu allen betroffenen Regionen in Deutschland erwarten.<\/p>\n<p>Neben den oben erw\u00e4hnten Aspekten fielen im Rahmen unserer das Monitoring betreffenden Analyse eher marginale Inkonsistenzen auf, die vor allem die Auswertung und die Darstellung der Monitoringdaten betreffen. Beispielsweise werden zum Teil fotografische Aufnahmen, die mittels gezielt platzierten (z. B. an Rissen) Fotofallen gewonnen wurden, als C1 Nachweise im Zusammenhang mit Zufallshinweisen dargestellt. <\/p>\n<p>Um bei der Planung und auch im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsarbeit rasch auf die Meldesituation reagieren zu k\u00f6nnen, ist die zeitnahe Bereitstellung der Daten wichtig. Regelm\u00e4\u00dfige \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Monitoring-Berichte sind bislang die Ausnahme und werden nur von der Forschungsanstalt f\u00fcr Wald\u00f6kologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz f\u00fcr das Gebiet des Pf\u00e4lzerwaldes verwirklicht. Die verz\u00f6gerte Aufarbeitung und Ver\u00f6ffentlichung der Monitoringdaten verhindert einen aktuellen \u00dcberblick \u00fcber die Situation des Luchses und kann zu Einbu\u00dfen bei der Informationsqualit\u00e4t der Daten f\u00fchren. Das von uns entwickelte und im Rahmen eines komplement\u00e4ren Projekts optimierte Monitoring-Erfassungs-Werkzeug kann die Erfassung, Aufarbeitung und zeitnahe Darstellung der Monitoringdaten wesentlich unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Bis auf wenige Ausnahmen verf\u00fcgen inzwischen alle L\u00e4nder \u00fcber eigene online Auftritte, die zur Verbreitung und Bereitstellung von Informationen f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit sehr gut geeignet sind. Aufgrund der Internetauftritte der L\u00e4nder ist der Bedarf an einer zentralen Gro\u00dfraubtier &#8211; Informations-Webseite nicht vorhanden. Eine zentrale Internet-Plattform ist nur dann sinnvoll, wenn die dort angebotenen Informationen \u00fcber das Angebot der von den L\u00e4ndern geschalteten websites hinausgehen. Ein von den L\u00e4ndern gemeinsam regelm\u00e4\u00dfig erstellter Monitoring-Bericht k\u00f6nnte ein solches Angebot darstellen. Zu pr\u00fcfen ist aber, ob f\u00fcr die Verteilung solcher Informationen nicht weniger aufw\u00e4ndige bzw. bereits vorhandene Werkzeuge genutzt werden k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Die bisher in verschiedenen Bundesl\u00e4ndern durchgef\u00fchrten genetischen Analysen verdeutlichen, dass die hinsichtlich der Herkunftsnachweise in diese Methode gesetzten Erwartungen deutlich relativiert werden m\u00fcssen. Abgesehen von labortechnischen Schwierigkeiten, aus im Freiland gewonnenen Proben ausreichend Luchs-DNA zu extrahieren, lassen sich gewonnene DNA-Profile h\u00e4ufig nicht eindeutig einer potenziellen Herkunftspopulation zuordnen. Dieses Problem wurde durch das Aussetzen von in Gefangenschaft gez\u00fcchteten Luchsen noch erheblich versch\u00e4rft. Ein genetisches Monitoring der in Deutschland vorkommenden Luchse ist trotzdem wichtig, um Einblicke in die genetische Struktur einer sich m\u00f6glicherweise gr\u00fcndenden Population zu erlangen. Allerdings ist darauf zu achten, dass s\u00e4mtliche Analysen mittels deutschlandweit und mit den Nachbarl\u00e4ndern abgestimmten, vergleichbaren Methoden durchgef\u00fchrt werden. <\/p>\n<p>Ebenfalls wichtig im Zusammenhang mit der Herkunftsfrage der auftretenden Luchse ist der Einblick in bzw. die Kontrolle von Gehegehaltungen. Die Zusammenarbeit der Monitoring-Verantwortlichen mit den Beh\u00f6rden, die f\u00fcr die Genehmigung und \u00dcberwachung von Gehegehaltungen zust\u00e4ndig sind, sowie der direkte Kontakt und die Kooperation mit den Gehegebetreibern sollte aufgebaut werden. <\/p>\n<p>Unsere Analyse verdeutlicht, dass Verbesserungen und Modifizierungen beim Luchsmonitoring in Deutschland weniger auf der inhaltlich-methodischen Seite notwendig sind. Die methodischen Anforde-rungen sind klar und k\u00f6nnen durch die in den L\u00e4ndern t\u00e4tigen Experten ohne weiteres bew\u00e4ltigt werden. Weitere Investitionen in Methodik-Manuals sind deshalb nicht notwendig. F\u00fcr Vorgehensweisen, wie beispielsweise Fotofallenmonitoring, die \u00fcber die Erfassung von Zufallshinweisen hinausgehen, stehen fundierte und umfassende Informationen \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich zur Verf\u00fcgung (Zimmermann et al. 2007; Fat-tebert et al. 2008; Breitenmoser et al. 2006).<br \/>\nEine grunds\u00e4tzliche Erh\u00f6hung des Ressourceneinsatzes f\u00fcr das Monitoring ist differenziert zu betrachten. Die geringe Hinweisdichte in den meisten Regionen bedingt, dass die Arbeiten im Rahmen der Erfassung und Verifizierung sehr unregelm\u00e4\u00dfig anfallen und dadurch schwer planbar sind. Am ehesten d\u00fcrften sich die Arbeitskapazit\u00e4ten f\u00fcr das Monitoring \u00fcber ehrenamtliche Mitarbeiter erweitern lassen. Im Gegenzug ist es wichtig, die Motivation der eher selten zum Einsatz kommenden Luchsberater aufrecht zu halten. Entscheidend ist, die Berater eng in das Geschehen einzubinden und ihnen R\u00fcckkopplung und Einblicke in die Datenlage zu bieten, die \u00fcber die \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Informationen hinausgehen. J\u00e4hrliche Berichte und Treffen reichen hierf\u00fcr sicher nicht aus. Auch hier kann das bereits zur Verf\u00fcgung stehende Erfassungswerkzeug wichtige Funktionen \u00fcbernehmen und den Arbeitsaufwand f\u00fcr die hauptamtlich mit dem Monitoring befassten Personen reduzieren. Neben der effizienten Datenerfassung &#8211; die Berater k\u00f6nnen Hinweise direkt in das Werkzeug eingeben &#8211; besteht zus\u00e4tzlich die M\u00f6glichkeit, die ehrenamtlichen bzw. externen Luchs-Berater \u00fcber das Werkzeug in den Informationsfluss einzubinden (BfN Z.1.3 &#8211; 892 11 &#8211; 3\/07).<\/p>\n<p>In nahezu allen betroffenen Bundesl\u00e4ndern haben sich die in die Thematik involvierten Interessensgruppen zu Arbeitsgemeinschaften zusammengeschlossen. Regelm\u00e4\u00dfige Treffen dienen dem Informations-austausch und mildern potenzielle Konflikte ab. Ohnehin sind aufgrund der geringen Abundanz des Luchses aktuell gravierende Konflikte nicht vorhanden. <\/p>\n<p>Bei regelm\u00e4\u00dfigem Vorkommen des Luchses muss mit Sch\u00e4den an kleineren Weidetierarten wie Schafen und Ziegen gerechnet werden. Zur Umsetzung geeigneter Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen liegen umfassende Erfahrungen und Handreichungen vor (Angst et al. 2000f; Angst et al. 2002). Die f\u00fcr das Management notwendigen Informationen sind \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich und k\u00f6nnen abgerufen werden (www.kora.ch). Entsprechende Handb\u00fccher m\u00fcssen f\u00fcr Deutschland nicht nochmals separat erstellt werden.<br \/>\nZur Kompensation von Sch\u00e4den, die der Luchs an Haustieren verursacht, wurden in einigen Bundesl\u00e4ndern bereits im Vorfeld einer R\u00fcckkehr der Raubkatze entsprechende Fonds eingerichtet. Die Erfahrungen aus der benachbarten Schweiz zeigen, dass die zu erwartenden Sch\u00e4den, die Luchse an Weidetieren verursachen, im Vergleich zum Schadensumfang durch andere Gro\u00dfraubtiere eher moderat sind und sich aufgrund bestimmter verhaltens\u00f6kologischer Aspekte als zuverl\u00e4ssiger prognostizierbar darstellen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Konfliktfeld neben den erw\u00e4hnten Sch\u00e4den an Weidetieren bietet die Jagd, wobei die vermeintliche Konkurrenz Luchs &#8211; J\u00e4ger als Konfliktpunkt jedoch weitestgehend \u00fcberwunden scheint. Bedenken werden vielmehr dar\u00fcber ge\u00e4u\u00dfert, dass die Anwesenheit des Luchses Ver\u00e4nderungen der Jagdaus\u00fcbung nach sich ziehen k\u00f6nnte. Bei der Bearbeitung dieses Themenkomplexes muss zur Kenntnis genommen werden, dass der Luchs nur ein Element in dem h\u00e4ufig emotionsgeladenen Diskussionsfeld Wald &#8211; Wild darstellt. Kooperationsf\u00f6rdernd und vertrauensbildend in diesem Zusammenhang sind Ans\u00e4tze z. B. in Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg, die darauf abzielen, einen Gro\u00dfteil der Verantwortung f\u00fcr die Abschussplanung auf die J\u00e4gerschaft zu \u00fcbertragen und damit mehr Flexibilit\u00e4t bei der Umsetzung forst- und jagdwirtschaftlicher Managementziele zu erreichen.<br \/>\nWeitere m\u00f6gliche Konflikte im Zusammenhang mit der Jagd ergeben sich durch potenzielle Eingriffe des Luchses in die Populationen eingeb\u00fcrgerter Ungulaten. Diese Wildarten stehen dort, wo sie vorkommen, meist im Zentrum des jagdlichen Interesses. Aufgrund fehlender Anpassung an die Lebensr\u00e4ume, in denen sie ausgewildert wurden, sind diese Arten m\u00f6glicherweise gegen\u00fcber zur\u00fcckkehrenden gro\u00dfen Pr\u00e4datoren \u00fcberproportional exponiert (Molinari-Jobin et al. 2002; Babotai et al. 2000; Baumann et al. 2000). Welchen Einfluss der Luchs auf die Populationen eingeb\u00fcrgerter Huftierarten aus\u00fcbt, ist derzeit nur ansatzweise untersucht. Neben dem reinen Managementaspekt ist diese Frage deshalb auch von erheblichem wissenschaftlichem Interesse. <\/p>\n<p>Identifizierung von Luchslebensr\u00e4umen in Kulturlandschaften. Das Auftreten des Luchses in Deutschland wird h\u00e4ufig sehr medienwirksam dargestellt. In weiten Teilen der \u00d6ffentlichkeit entsteht dadurch der Eindruck, die einst ausgerottete Raubkatze h\u00e4tte sich bereits wieder etabliert bzw. ihre R\u00fcckkehr w\u00e4re bereits erfolgreich im Gange. Im Gegensatz zum Wolf stellt sich das Ausbreitungsverhalten des Luchses jedoch als sehr konservativ dar. Bei n\u00e4herer Betrachtung wird deutlich, dass von einer selbst\u00e4ndigen R\u00fcckkehr der Raubkatze in die potentiell in Deutschland zur Verf\u00fcgung stehenden Habitate zumindest in n\u00e4herer Zukunft nicht auszugehen ist. Die Etablierung \u00fcberlebensf\u00e4higer Luchspopulationen ist in den meisten Regionen Deutschlands offensichtlich auf aktive Unterst\u00fctzung des Menschen angewiesen. Wiederansiedlungsma\u00dfnahmen f\u00fcr gro\u00dfe Beutegreifer sind langwierig und aufw\u00e4ndig. Vor dem Hintergrund knapper Ressourcen kommt der Auswahl der f\u00fcr die Ma\u00dfnahmen geeigneten Gebiete eine Schl\u00fcsselrolle zu, wobei die Auswahlkriterien auf \u00f6kologischen aber auch auf soziologischen und \u00f6konomischen Zusammenh\u00e4ngen basieren.<br \/>\nF\u00fcr die Gebietsauswahl nach \u00f6kologischen Gesichtspunkten wird in der Regel die Durchf\u00fchrung von Lebensraumanalysen empfohlen. Die momentan f\u00fcr den Luchs verf\u00fcgbaren Habitat- und Ausbreitungsmodelle sollen als Werkzeuge f\u00fcr derartige Analysen dienen.<\/p>\n<p>Zwar sind die derzeit zur Verf\u00fcgung stehenden Modelle in sich konsistent, hinsichtlich des Verhaltens des Luchses in Kulturlandschaften bleibt die Parametrisierung der Modelle jedoch auf eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geringe Datenbasis beschr\u00e4nkt. Ohne das entsprechende Wissen, wie sich der Luchs tats\u00e4chlich gegen\u00fcber den einzelnen Habitattypen verh\u00e4lt, sind Aussagen zur Eignung von potentiellen Luchslebensr\u00e4umen nur bedingt m\u00f6glich. An dieser Stelle wird deutlich, dass pr\u00e4zisere Aussagen und damit auch verl\u00e4sslichere Prognosen hinsichtlich der Eignung von Luchslebensr\u00e4umen weniger \u00fcber modifizierte Modelliertechniken zu erwarten sind, vielmehr sollte das Wissen zur Verhaltens\u00f6kologie des Luchses in vom Menschen intensiv genutzten Kulturlandschaften verdichtet werden.<br \/>\nIn Deutschland lassen sich derartige Informationen momentan nur in Bayern oder in der Harzregion erarbeiten. Die in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gestarteten Telemetrieprojekte k\u00f6nnten wichtige Beitr\u00e4ge dazu leisten. Allerdings m\u00fcssten die Projekte konzeptionell auf die f\u00fcr eine R\u00fcckkehr des Luchses in Kulturlandschaften relevanten Fragestellungen ausgerichtet werden. Dies ist wiederum nur bei einer erheblichen Erweiterung des Umfangs der jeweiligen Projekte m\u00f6glich. Entsprechende Investitionen in Projekterweiterungen sind allerdings nur dann sinnvoll, wenn die beiden derzeit in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gestarteten Vorhaben inhaltlich eng verzahnt werden und dauerhaft kooperieren.<\/p>\n<p>Pr\u00e4dationsrisiko von Weidetieren. Sch\u00e4den an Nutztieren stellen grunds\u00e4tzlich eine zentrale Thematik beim Management gro\u00dfer Beutegreifer dar. Mit der vorliegenden Arbeit konnten Einblicke in die Zusammenh\u00e4nge des Pr\u00e4dationsverhaltens des Luchses und des Schadensaufkommens in Luchsgebieten gewonnen werden. Hierf\u00fcr analysierten wir Luchs\u00fcbergriffe auf Haustiere, die \u00fcber einen Zeitraum von 16 Jahren in den Schweizer Nordwestalpen erfasst und dokumentiert wurden.<br \/>\nHaupts\u00e4chlich betroffen von Luchsattacken auf Weidetiere sind Schafe. Die Anzahl gerissener Tiere ist im Verh\u00e4ltnis zur Gesamtzahl der Schafe, die sich auf den Weiden befinden, sehr gering. Obwohl sie nach Gr\u00f6\u00dfe und Verf\u00fcgbarkeit zu urteilen als Luchsbeute geradezu pr\u00e4destiniert erscheinen, passen Schafe offensichtlich nicht ins Beuteschema des Luchses. Luchsattacken auf Schafe erfolgen nahezu ausschlie\u00dflich aus der Deckung des geschlossenen Waldes heraus, wobei in der Regel nur ein Tier pro Angriff get\u00f6tet wird. Obwohl Schafe f\u00fcr den Luchs sicher m\u00fchelos zu erbeuten sind, weicht die Raubkatze bei ihren Angriffen nicht von ihrer Jagdstrategie als Ansitzj\u00e4ger ab, die notwendig ist, um nat\u00fcrliche Beute wie Rehe und G\u00e4msen zu \u00fcberraschen. Interessant ist, dass sich dieses Verhalten gegen\u00fcber Schafen nicht \u00e4nderte, obwohl Luchse seit ihrer Wiederansiedlung in den 1970ziger Jahren Erfahrungen mit den grunds\u00e4tzlich leichter zu erbeutenden Weidetieren sammeln konnten. Dementsprechend zeigten unsere Auswertungen, dass das Pr\u00e4dationsrisiko f\u00fcr Schafe im Wesentlichen durch den Abstand des Aufenthaltsorts eines Tieres zum n\u00e4chstgelegenen Waldrand bestimmt wird. Dar\u00fcber hinaus deutete sich an, dass je nach Gebietsstruktur weitere Faktoren, wie beispielsweise die Besiedlungsdichte durch den Menschen das Pr\u00e4dationsrisiko m\u00f6glicherweise beeinflussen. Die Wirkung von Faktoren, die mit Besiedlungsdichte und Infrastruktur in Zusammenhang stehen, konnte mit den uns vorliegenden, auf den siedlungsfernen alpinen Weiden erhobenen Daten jedoch nicht vertiefend analysiert werden.<br \/>\nNeben Abwehrma\u00dfnahmen gegen\u00fcber Luchsangriffen stellt das Entfernen schadenstiftender Tiere eine praktizierte Managementma\u00dfnahme dar. In bestimmten F\u00e4llen, wenn das Tier z. B. durch Krankheit nicht in der Lage ist, nat\u00fcrliche Beute zu jagen, kann der Abschuss sogenannter Schadluchse die ultima ratio darstellen. Grunds\u00e4tzlich bedeutet die Entnahme aber immer auch einen erheblichen Eingriff in die Luchspopulation. Deshalb sind die Kriterien f\u00fcr die Entnahme von Tieren aus der Wildbahn sehr sorgf\u00e4l-tig zu definieren. <\/p>\n<p>Verschiedene Untersuchungen aus dem Franz\u00f6sischen Jura befassten sich mit dem Pr\u00e4dationsrisiko von Schafen durch den Luchs. Die betreffenden Autoren stellten fest, dass sich Luchs\u00fcbergriffe auf bestimmten Weiden fortsetzten, obwohl dort schadenstiftende Luchse entfernt wurden. Postuliert wurde, dass sich aufgrund spezifischer Eigenschaften bestimmter Weiden Luchs\u00fcbergriffe in sogenannten Schadens &#8211; &#8220;hot spots&#8221; konzentrieren. Durch \u00dcbertragung der in diesen Arbeiten formulierten normativen Definition lie\u00dfen sich auch im Gebiet der Schweizer Nordwestalpen solche &#8220;Schadensbrennpunkte&#8221; ausweisen. Unsere Analysen ergaben jedoch, dass Faktoren, die sich auf die Landschaftsstruktur beziehen, wie z. B. die Distanz eines Schafes zum Wald, nicht f\u00fcr das Zustandekommen der vermeintlichen Schadens &#8211; hot spots verantwortlich sind. Wir k\u00f6nnen vielmehr zeigen, dass die r\u00e4umlich inhomogene Verteilung der Luchs\u00fcbergriffe ma\u00dfgeblich von der Vorkommensdichte der Schafe im jeweiligen Gebiet abh\u00e4ngt.<br \/>\nNeben Landschaftsfaktoren wurde das Angebot an nat\u00fcrlicher Beute als Einflussfaktor auf die H\u00e4ufigkeit von Luchs\u00fcbergriffen auf Nutztiere vermutet. Abundanzen von Wildtieren lassen sich grunds\u00e4tzlich nur schwer erfassen. Wir testeten, ob und inwieweit sich aus vorhandenen Datens\u00e4tzen zu verschiedenen Mortalit\u00e4tsursachen bei Rehen, G\u00e4msen und beim Luchs Kenngr\u00f6\u00dfen zur Populationsentwicklung dieser Arten ableiten lassen. Durch Verschneidung verschiedener Datenquellen konnte ein Optimum an verf\u00fcgbarer Information f\u00fcr einen Zeitraum von 1990 bis 2005 f\u00fcr unser Bezugsgebiet in den Schweizer Nordwestalpen herausgearbeitet und mittels Methoden der Zeitreihenanalyse untersucht werden. Inhaltlich weisen die Resultate auf einen eher geringen Einfluss des Luchses auf die Populationsentwicklung von G\u00e4msen und Rehen im Untersuchungsgebiet hin. Die Analysen machten aber deutliche Einschr\u00e4nkungen sichtbar, was die Eignung verschiedener Kenngr\u00f6\u00dfen als Sch\u00e4tzer f\u00fcr Luchs- bzw. G\u00e4msen- und Rehwildabundanzen betrifft. Vor allem Jagdstatistiken, die aufgrund ihrer Verf\u00fcgbarkeit h\u00e4ufig als Dichteindikatoren f\u00fcr Ungulatenpopulationen verwendet werden, erwiesen sich als wenig robuste Parameter.<\/p>\n<p>Als Fazit l\u00e4sst sich festhalten, dass in Luchsgebieten immer mit \u00dcbergriffen der Raubkatze auf  kleinere Weidetiere wie Schafe oder Ziegen gerechnet werden muss. Obwohl Schafe grunds\u00e4tzlich leicht zu er-beuten sind, verursacht der Luchs lediglich einen geringen Anteil der Gesamtmortalit\u00e4t ges\u00f6mmerter Schafe. Urs\u00e4chlich hierf\u00fcr scheint der Umstand, dass Luchse bei Angriffen auf augenscheinlich leicht zu erbeutende Schafe im Wesentlichen an den Verhaltensmustern des \u00dcberraschungsj\u00e4gers festhalten. Aufgrund des langen Betrachtungszeitraums der vorliegenden Analysen kann davon ausgegangen wer-den, dass dieses Verhaltensmuster seitens des Luchses auch dann beibehalten wird, wenn Luchse und Schafe \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume im selben Gebiet vorkommen.<br \/>\nAuf der Basis momentan verf\u00fcgbarer Pr\u00fcfgr\u00f6\u00dfen konnte kein Zusammenhang zwischen der Verf\u00fcgbarkeit nat\u00fcrlicher Beute und der H\u00e4ufigkeit von Luchs\u00fcbergriffen auf Haustiere festgestellt werden. Unter den im Untersuchungszeitraum herrschenden Bedingungen h\u00e4ngt die Schadensh\u00f6he offensichtlich vor allem von der H\u00e4ufigkeit der Begegnungen von Luchs und Schafen ab. <\/p>\n<p>Schadensprognosen f\u00fcr potentielle Luchsgebiete. Hier testeten wir, in wie weit sich die gewonnenen Erkenntnisse f\u00fcr Schadensprognosen in potentiellen Luchsgebieten umsetzen lassen. Das grunds\u00e4tzlich eher geringe Schadaufkommen zeigt, dass Sch\u00e4den durch den Luchs in jedem Fall von einer geringeren \u00f6konomischen Dimension sind als dies bei Wolf oder auch B\u00e4r zu erwarten ist. Die Sicherheit von Schadensprognosen f\u00fcr den Luchs wird dadurch erh\u00f6ht, dass die Raubkatze auch bei \u00dcbergriffen auf Weidetiere an der Strategie des \u00dcberraschungsj\u00e4gers festh\u00e4lt und zudem Schafe offensichtlich dem Beuteschema des Luchses nicht in dem zu erwartenden Ma\u00df entsprechen. Diese Zusammenh\u00e4nge lassen keine besonders gro\u00dfen Schwankungen der Schadensraten erwarten. Das bedeutet selbstverst\u00e4ndlich nicht, dass von dauerhaft gleichbleibenden Schadensumf\u00e4ngen ausgegangen werden kann. Die Entwicklung der Luchssch\u00e4den in der Schweiz zeigt, dass bei zunehmender Abundanz des Pr\u00e4dators innerhalb eines Gebietes die Sch\u00e4den durchaus zunehmen k\u00f6nnen.<br \/>\nLandschaftsanalysen f\u00fcr das Testgebiet Schwarzwald weisen eine deutlich h\u00f6here Risikobewertung hinsichtlich des Faktors Distanz der Schafe zum Waldrand auf als f\u00fcr die Weidegebiete in den Nordwestalpen. Andererseits k\u00f6nnten Faktoren wie beispielsweise die Dichte menschlicher Besiedlung das Pr\u00e4dationsrisiko im Schwarzwald relativieren. Wie erw\u00e4hnt, k\u00f6nnen Effekte dieses potentiellen Faktors aufgrund fehlender Daten bislang nicht weitergehend analysiert und quantifiziert werden. Deutlich wird an dieser Stelle, dass in allen Gebieten, in denen Luchse auftreten, entsprechende Daten systematisch erfasst und f\u00fcr Auswertungen zug\u00e4nglich gemacht werden m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Strukturanalyse der Schafhaltung im Schwarzwald. H\u00e4ufig wird das Ausma\u00df der an Weidetieren ver-ursachen Sch\u00e4den als ausschlaggebend f\u00fcr die Akzeptanz betrachtet, die Gro\u00dfraubtieren wie dem Luchs entgegengebracht wird. Den Luchs betreffend wird die \u00f6konomische Relevanz der Sch\u00e4den offensichtlich h\u00e4ufig \u00fcbersch\u00e4tzt. Die Schadensregulierung im Gro\u00dfraubtiermanagement basiert in der Re-gel auf den Pfeilern Pr\u00e4vention und Entsch\u00e4digung. Vor allem den Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen kommt dabei eine wichtige Bedeutung zu, weil sie bereits vor der Schadensentstehung ansetzen und dadurch zus\u00e4tzlichen Konfliktpotentialen wie Entsch\u00e4digungsmissbrauch und nicht eindeutig zu beurteilenden Schadensf\u00e4llen vorbeugen. Zudem bieten sich im Rahmen der Konzeption und vor allem bei der Umsetzung von Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen sehr gute M\u00f6glichkeiten, Interessensgruppen und unmittelbar betroffene Tierhalter direkt in das Vorgehen einzubinden. Diese offenkundigen Vorteile bergen jedoch die Gefahr eines ineffizienten Ressourceneinsatzes, n\u00e4mlich dann, wenn die Aufwendungen f\u00fcr entsprechend wirksame Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen die Kosten f\u00fcr eine Entsch\u00e4digung bei weitem \u00fcbersteigen. Diese Situation kann vor allem bei insgesamt geringen Schadensumf\u00e4ngen und eher sporadisch anfallenden Schadereignissen auftreten. Sobald Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen offensichtlich gegen \u00f6konomische Grunds\u00e4tze versto\u00dfen, ist auch ihre akzeptanzf\u00f6rdernde Wirkung in Frage gestellt, weil die get\u00e4tigten Aufwendungen als unangebrachte Verschwendung verstanden werden k\u00f6nnen. Hier wird klar, dass das Verh\u00e4ltnis von Pr\u00e4vention und reinen Entsch\u00e4digungsleistungen sehr sorgf\u00e4ltig abgewogen werden muss. Die Einkommensstruktur und Einkommensquellen der Schafhalter in einer bestimmten Region spielt hierbei m\u00f6glicherweise eine wichtige Rolle. Wird ein Gro\u00dfteil der Erl\u00f6se aus Prim\u00e4rprodukten der Schafhaltung erzielt, werden Sch\u00e4den durch den Luchs sicher eher als schmerzhafte Verluste betrachtet als dies der Fall ist, wenn Schafe haupts\u00e4chlichen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes unter Gesichtspunkten der Landschaftspflege gehalten werden. Meist werden beide Einkommensquellen genutzt. Eine Strukturanalyse der Schafhaltung im Schwarzwald soll das Verh\u00e4ltnis der beiden Einkommensquellen herausarbeiten und aufzeigen, inwieweit die Thematik entscheidungsrelevante Aspekte f\u00fcr ein Gro\u00dfraubtiermanagement beinhaltet. Die Analyse zeigt, dass Prim\u00e4rprodukte zwar noch immer einen wichtigen Anteil der aus der Schafhaltung erzielten Erl\u00f6se ausmachen. Andererseits ergeben sich f\u00fcr Schafhalter aber auch Einkommensquellen im Rahmen von Landschaftsoffenhaltungsma\u00dfnahmen. Vor diesem Hintergrund wird klar, dass die Raubtier-Schadenspr\u00e4vention vor allem in Kulturlandschaften einer verst\u00e4rkten Kosten-Nutzen-Kalkulation unterworfen werden sollte.<\/p>\n<p>Pr\u00e4dationsexposition von eingeb\u00fcrgerten Paarhuferarten. In verschiedenen Regionen Deutschlands kommen Paarhuferarten au\u00dferhalb ihrer nat\u00fcrlichen Verbreitungsgebiete vor. Die entsprechenden Arten werden in der Regel inzwischen als heimisch betrachtet bzw. durch das Jagdrecht als heimische Wildarten definiert. Die Verwundbarkeit dieser Vorkommen gegen\u00fcber Fressfeinden kann die Akzeptanz, die zur\u00fcckkehrenden Gro\u00dfraubtiere seitens der Jagd entgegengebracht wird, regional ma\u00dfgeblich beeinflussen. Ungulaten, die in Gebieten angesiedelt wurden, die nicht ihren nat\u00fcrlichen Habitaten entsprechen, sind dort m\u00f6glicherweise in ihrem Feindvermeidungsverhalten beeintr\u00e4chtigt und deshalb einem \u00fcberproportionalen Pr\u00e4dationsdruck  ausgesetzt. Weil die angesiedelten Paarhuferarten meist als attraktives Jagdwild gelten, kann sich ein Konfliktpotential im Zusammenhang mit dem Auftreten gro\u00dfer Beutegreifer ergeben. Fundierte Einsch\u00e4tzungen hinsichtlich m\u00f6glicher Auswirkungen der Pr\u00e4dation auf die Populationsentwicklung der entsprechenden Paarhuferarten sind deshalb eine Grundlage f\u00fcr sachliche Diskussionen und damit Voraussetzung f\u00fcr die langfristige Re-Etablierung von Gro\u00dfraubtieren. Am Beispiel der im Schwarzwald angesiedelten G\u00e4msen testeten wir M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Erstellung entsprechender Prognosen. Hierf\u00fcr wurden aus derzeit zur Verf\u00fcgung stehenden Forschungsarbeiten Parameter abgeleitet, um Gamshabitate hinsichtlich ihrer Eignung zur Feinvermeidung beurteilen zu k\u00f6nnen. Die entsprechende Analyse ergab, dass der Schwarzwald G\u00e4msen nur sehr unzureichende M\u00f6glichkeiten zur Vermeidung von Fressfeinden bietet. Die Aussagekraft der Untersuchung wird jedoch durch die geringe Datenbasis, die der Parametrisierung zugrunde liegt, stark eingeschr\u00e4nkt. Zudem muss sich die Arbeit zum momentanen Zeitpunkt noch rein auf die Analyse der Habitatausstattung beschr\u00e4nken. M\u00f6glicherweise relevante Einflussfaktoren wie z. B. Alters- und Sozialstruktur der R\u00e4uber- und der Beutepopulationen oder das Angebot an alternativer Beute k\u00f6nnen aufgrund noch fehlender Erkenntnisse und Daten derzeit noch nicht in die Bewertung integriert werden. Untersuchungen in diesem Themenfeld sind sehr aufw\u00e4ndig und m\u00fcssten in gro\u00dfem Umfang in Gebieten mit unterschiedlicher Lebensraumausstatung und unter Anwesenheit von Luchs- und Beutetierpopulationen durchgef\u00fchrt werden. Die Thematik ist nicht nur f\u00fcr das Management relevant, sondern bietet vor allem interessante M\u00f6glichkeiten, Mecha-nismen von R\u00e4uber &#8211; Beute &#8211; Beziehungen unter Kulturlandschaftsaspekten intensiv zu untersuchen &#8211; ein Thema das zuk\u00fcnftig sicher an Bedeutung gewinnen wird, falls die R\u00fcckkehr von Gro\u00dfraubtieren in westeurop\u00e4ische Lebensr\u00e4ume ernsthaft unterst\u00fctzt werden soll.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Unterschied zum Wolf, der durch selbst\u00e4ndige Zuwanderung die Durchf\u00fchrung von Managementma\u00dfnahmen f\u00fcr jedermann nachvollziehbar erforderlich macht, ist im Fall des Luchses die aktive Unterst\u00fctzung der R\u00fcckkehr der Raubkatze notwendig, um eine dauerhafte Etablierung und Verbreitung dieses ehemals heimischen Beutegreifers in Deutschland \u00fcberhaupt erst zu erm\u00f6glichen. Damit ist die zentrale Frage, die sich den f\u00fcr ein Luchsmanagement in Deutschland Verantwortlichen derzeit stellt, klar vorgegeben: Es muss dar\u00fcber entschieden werden, ob Luchspopulationen in weiteren Gebieten neben Harz und Bayerisch-B\u00f6hmischen Wald etabliert werden sollen. Solange die \u00fcbergeordneten Zielvorgaben nicht klar definiert sind, laufen auch Managementpl\u00e4ne, die teilweise bereits f\u00fcr einzelne Regionen bzw. Bundesl\u00e4nder entwickelt wurden, ins Leere. Die derzeit auf L\u00e4nderebene verf\u00fcgbaren Konzepte beschr\u00e4nken sich auf Vorgaben zum Umgang mit der jeweils vorherrschenden Situation. Zwar stellt dies die origin\u00e4re Aufgabe von Managementpl\u00e4nen dar, innerhalb einer konsistenten Gesamtstrategie m\u00fcssen jedoch den Managementpl\u00e4nen zun\u00e4chst Aktionspl\u00e4ne vorgeschaltet werden, in denen \u00fcbergeordnete Ziele definiert und der Handlungsablauf zur Erreichung des Gesamtziels dargestellt ist. Diese wichtigen Schritte wurden bei den Bem\u00fchungen um eine Etablierung des Luchses in Deutschland bislang ausgelassen.<br \/>\nUm die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen f\u00fcr die R\u00fcckkehr der Raubkatze nach Deutschland zu schaffen, sind zun\u00e4chst grunds\u00e4tzliche Fragen zu kl\u00e4ren:<br \/>\nSoll die Etablierung des Luchses in Deutschland aktiv unterst\u00fctzt werden?<br \/>\nIn welche Regionen soll der Luchs zur\u00fcckkehren?<br \/>\nIst eine l\u00e4nder\u00fcbergreifende Ressourcen- und Aufgabenverteilung zwischen den Bundesl\u00e4ndern im Sinne eines Luchsmanagement auf Metapopulationsebene grunds\u00e4tzlich gewollt und m\u00f6glich?<br \/>\nDie Ergebnisse der vorliegenden Arbeit k\u00f6nnen grundlegende Entscheidungen zum zuk\u00fcnftigen Umgang mit dem Luchs in Deutschland unterst\u00fctzen. Unsere Analysen zeigen Forschungsbedarf auf, sie machen aber auch deutlich, welche Bereiche derzeit nicht oder nicht mehr im Zentrum der Anstrengungen und Investitionen stehen m\u00fcssen. Klar wurde beispielsweise, dass auf L\u00e4nderebene kein weiterer Entwicklungsbedarf beim Monitoring und hinsichtlich der Methoden zur Schadenspr\u00e4vention besteht. In allen in Frage kommenden Regionen stehen den verantwortlichen Beh\u00f6rden Fachleute zur Verf\u00fcgung. Hinsichtlich Methodik und technischen Anleitungen zur Umsetzung kann bereits seit geraumer Zeit auf umfangreiche Erfahrungen (Kaphegyi et al. 2009; Kaphegyi et al. 2006; Anders 2008; Huckschlag 2007; Kaczensky et al. 2009) und auf \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliches Material aus den Nachbarl\u00e4ndern, namentlich aus der Schweiz, zur\u00fcckgegriffen werden (Angst 1998; Angst et al. 2000g; Angst et al. 2002). Zur Unterst\u00fctzung einer effizienten Datenverarbeitung und Vorbereitung eines l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Monitoring-Datenaustauschs steht seit dem Fr\u00fchjahr 2009 ein online Erfassungswerkzeug zur Verf\u00fcgung (Kaphegyi et al. 2009). Die Akzeptanzf\u00f6rderung betreffend, ist der Dialog zwischen den Interessensgruppen in nahezu allen mit der Thematik befassten Bundesl\u00e4ndern inzwischen in Arbeitskreisen organisiert. Hinzu kommt, dass sich die Schadensproblematik den Luchs betreffend als weniger schwerwiegend darstellt und damit verbundene Konfliktpotentiale in der Vergangenheit offensichtlich h\u00e4ufig \u00fcbersch\u00e4tzt wurden.<br \/>\nForschungsbedarf besteht auf \u00f6kologischer Seite. So sind die meisten Zusammenh\u00e4nge, die der Ausbreitung und der Dynamik von Luchspopulationen in Kulturlandschaften zugrunde liegen, bislang noch weitgehend unklar. Neue Erkenntnisse hierzu k\u00f6nnen den zuk\u00fcnftigen Schutz und das Management des Luchses in Westeuropa ma\u00dfgeblich unterst\u00fctzen. Wie die Etablierung des Luchses in der Schweiz zeigt, kann die erfolgreiche R\u00fcckf\u00fchrung des Beutegreifers aber durchaus bereits zum jetzigen Zeitpunkt und auf der Basis des derzeitigen Wissens angestrebt werden.<br \/>\nUnsere Arbeiten zeigen, dass die sehr schleppende Etablierung des Luchses in Deutschland im Wesentlichen darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, dass die momentanen Planungs- und Arbeitsans\u00e4tze nicht mit den Lebensraumanforderungen des Luchses in Einklang stehen. Was bislang fehlt, sind l\u00e4nder\u00fcbergreifende Konzepte, die sich vorwiegend an Lebensr\u00e4umen und nicht an administrativen Grenzen orientieren. Ent-sprechende Konzeptionen m\u00fcssen \u00fcber einen Daten- bzw. Informationsaustausch zwischen L\u00e4nderverwaltungen hinausgehen. Wichtig w\u00e4re ein bundesweit abgestimmtes Management, das alle potentiellen und tats\u00e4chlichen Vorkommen in Deutschland und den angrenzenden Staaten im Rahmen eines Meta-Populationskonzeptes behandelt. Neben ad\u00e4quaten Voraussetzungen f\u00fcr Schutz und Management bietet ein solches Vorgehen M\u00f6glichkeiten, die oben erw\u00e4hnten offenen Forschungsfragen zu beantworten. Die Bearbeitung \u00f6kologischer Aspekte erfordert den Einsatz von Ressourcen und kann nur in Gebieten mit Luchsvorkommen durchgef\u00fchrt werden. Nationale Konzepte m\u00fcssen deshalb die Bildung von Forschungsverb\u00fcnden beinhalten und einen l\u00e4nder\u00fcbergreifenden, zielgerichteten Ressourceneinsatz gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Rund 200 Jahre nach ihrer Ausrottung wird die R\u00fcckkehr von Wolf, B\u00e4r und Luchs in die dichtbesiedelten Kulturlandschaften Westeuropas diskutiert, und der Schutz dieser Arten ist auf nationaler und internationaler Ebene in Gesetzen, Richtlinien und Aktionspl\u00e4nen verankert. In Deutschland verl\u00e4uft die R\u00fcckkehr gro\u00dfer Beutegreifer bislang noch sehr verhalten. Zwar konnte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[56,2422,50],"class_list":["post-24074","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-baden-wuerttemberg","tag-landnutzung","tag-naturschutz"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"23695\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-23695.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"90.098,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Albert-Ludwigs-Universit\u00e4t FreiburgInstitut f\u00fcr Geo- und Umweltnaturwissenschaften","dbu_projektdatenbank_strasse":"Tennenbacher Str. 4","dbu_projektdatenbank_plz_str":"79106","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Freiburg","dbu_projektdatenbank_p_von":"2006-02-28 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2009-09-30 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"3 Jahre und 7 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"0761 203 3642","dbu_projektdatenbank_inet":"www.forstzoo.uni-freiburg.de","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Baden-W\u00fcrttemberg","dbu_projektdatenbank_foerderber":"126","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"DBU-Abschlussbericht-AZ-23695.pdf","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24074","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24074\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37077,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24074\/revisions\/37077"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24074"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24074"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24074"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}