{"id":24071,"date":"2026-01-27T10:32:02","date_gmt":"2026-01-27T09:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23687-01\/"},"modified":"2026-01-27T10:32:04","modified_gmt":"2026-01-27T09:32:04","slug":"23687-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23687-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung eines Konzepts zur Bewahrung und Nutzung der historischen Weinbau-Kulturlandschaft unter besonderer Ber\u00fccksichtigung ihres \u00f6kologischen und kulturellen Wertes"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Historische Trockenmauerweinberge sind eindrucksvolle Dokumente menschlichen Gestaltungswillens und der Geschichte des Weinbaus. Zudem bieten sie Lebensraum f\u00fcr viele Tier- und Pflanzenarten. In den vergangenen Jahrzehnten wandelte man sie auf Grund ihrer ung\u00fcnstigen betriebswirtschaftlichen Situation in ertragreichere Produktionsfl\u00e4chen um oder gab ihre Nutzung dort auf, wo eine Flurneuord-nung nicht m\u00f6glich war. Nur ein bescheidener Teil wird heute noch in traditioneller Weise bewirtschaftet, so dass er seinen historischen Charakter behielt. Das Ziel des Vorhabens bestand darin, einen Leitfaden f\u00fcr den Erhalt historischer Terrassenweinberge gemeinsam mit Winzern, der Denkmalpflege, dem Natur-schutz, der Politik und Verb\u00e4nden zu erarbeiten. Dar\u00fcber hinaus sollte das Bewusstsein von Nutzern und Sch\u00fctzern f\u00fcr ihre hohen kulturellen, \u00e4sthetischen, sozialen, \u00f6konomischen und naturwissenschaftlich begr\u00fcndeten Werte geweckt und gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas transdisziplin\u00e4re Forschungskonzept gliederte sich in sieben Arbeitsschritte: Landschaftsanalyse Modul I und II (Dokumentation des Landschaftswandels, Kartierung baulicher Strukturen und der Vegetation, Erarbeitung von Trockenmauer- und Treppentypologien, Analyse des Entw\u00e4sserungssystems, Definition von Bewertungskriterien), Erhebung des Meinungsbildes von Jugendlichen sowie von Experten des Weinbaus (elf Personen) und -handels (vier Personen), Politikfeldanalyse, Leitfadenentwicklung\/ Abschlusskonferenz. Die Arbeiten waren in verschiedene Ans\u00e4tze der Akteursbeteiligung, der Umweltbildung und \u00d6ffentlichkeitsarbeit eingebettet. Angewendet wurden Methoden der historischen Geographie, der empirischen Sozialforschung und teilweise der Vegetations\u00f6kologie. Um die \u00dcbertragbarkeit auf andere Trockenmauerweinberge sicherzustellen, wurden sechs Weinberge mit unterschiedlicher geologischer Ausgangssituation, Geschichte und gegenw\u00e4rtigen Nutzung in S\u00fcdwestdeutschland und der Schweiz untersucht. Die Erhebung des Meinungsbildes von Jugendlichen (127 Befragte) hinsichtlich der Wahrnehmung ihrer Heimatlandschaft und deren Schutzw\u00fcrdigkeit wurde in zwei Weinbaugemeinden durchgef\u00fchrt (Ro\u00dfwag\/ Enzkreis und Pfaffenweiler\/ Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, beide Baden-W\u00fcrttemberg). In Ro\u00dfwag entspricht die Landschaft weitgehend dem traditionellen Bild. Pfaffenweiler ist dagegen ausschlie\u00dflich von flurbereinigten Weinbergen umgeben. Dieser Arbeitsschritt sollte kl\u00e4ren, ob und wie die unterschiedliche Landschaftsqualit\u00e4t das Meinungsbild der Jugendlichen beeinflusst und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Wenn auch die Fl\u00e4che der historischen Weinbaukulturlandschaft in j\u00fcngerer Zeit stark abgenommen hat, blieben bis heute einige ausgesprochen vielf\u00e4ltige Terrassenweinberge erhalten. Deren Diversit\u00e4t wird in den unterschiedlichen Gesamtanlagen, den Mauern und Treppen, der speziellen Wasserableitung sowie der Flora und Vegetation deutlich. In den untersuchten Weinbergen wurden elf Treppentypen und zwei grunds\u00e4tzliche Muster der Wasserableitung angetroffen. Die Mauertypen variieren sehr stark. Sie h\u00e4ngen vom verwendeten Steinmaterial, dem Erbauer und den gew\u00e4hlten Konstruktionsmethoden ab. Ihre Typisie-rung erlaubt R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Entstehung, die (ehemaligen) Besitzverh\u00e4ltnisse und die Entwicklungs-geschichte der Terrassenweinberge. Die Erhebung des Meinungsbildes der Jugendlichen zeigte, dass die Befragten, die Weinbergslandschaft, die sie umgibt, gut kennen und differenziert wahrnehmen. Sie sch\u00e4tzen die Sch\u00f6nheit und Eigenart der historischen Terrassenweinberge. Gleichzeitig benennen sie die anstrengende Handarbeit und die h\u00f6heren Produktionskosten als limitierende Faktoren ihrer Erhaltung. In den Einstellungen der Jugendlichen aus den zwei Orten wurden signifikante Unterschiede festgestellt, die auf die landschaftliche Qualit\u00e4t der Rebberge zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. So f\u00fchren etwa die Vielfalt und damit das gr\u00f6\u00dfere Erlebnispotenzial der Landschaft um Ro\u00dfwag zu einem deutlich gr\u00f6\u00dferen Interesse an ihrer Bewahrung und der Sicherung der traditionellen Landnutzung. In den Experteninterviews standen die Motivation der Befragten zur Nutzung der Terrassenweinberge, die Verbindung von landschaftlicher Quali-t\u00e4t und Weinmarketing sowie potenzielle Ans\u00e4tze der Erhaltung von historischen Rebfl\u00e4chen im Zentrum. Es bestand einhellige Meinung dar\u00fcber, dass Terrassenweinberge, soweit sie das stand\u00f6rtliche Potenzial zur Erzeugung von hochwertigen Weinen mitbringen, zu Orten der Produktion von Spitzenweinen werden m\u00fcssen. Sch\u00f6nheit und Eigenart der Landschaft, naturnahe An- und schonende Ausbaumethoden sowie die Pers\u00f6nlichkeit des Winzers wurden als Schl\u00fcsselfaktoren eines nachhaltigen Weinmarketings genannt. Das \u00f6konomische Potenzial der Terrassenweinberge sowie die Wahrnehmung ihres sozio-kulturellen Wertes und das damit verbundene Heimatgef\u00fchl sind f\u00fcr die Winzerinnen und Winzer die wichtigste Triebkraft zur Bewirtschaftung der historischen Lagen.<br \/>\nDie Breite der Ergebnisse bildete die Grundlage f\u00fcr die Ausarbeitung des Leitfadens zum Erhalt der histori-schen Terrassenweinberge. Er gibt einen ausf\u00fchrlichen \u00dcberblick \u00fcber die pr\u00e4genden Elemente historischer Terrassenweinberge (bauliche Strukturen, Elemente der nat\u00fcrlichen Gel\u00e4ndemorphologie, Flora und Vegetation). Er erl\u00e4utert die Effektivit\u00e4t der Nutzung von nat\u00fcrlichen Ressourcen durch fr\u00fchere Winzerge-nerationen und stellt die Terrassenlagen als Ergebnis des Zusammenspiels von nat\u00fcrlichen Bedingungen und sozialen Verh\u00e4ltnissen vor. In seinem Hauptteil werden<br \/>\n\tKriterien zur Bewertung historischer Terrassenweinberge aus Sicht der Denkmalpflege und des Natur-schutzes formuliert,<br \/>\n\tMethoden zur Erfassung, Sanierung und Pflege vorgestellt und diskutiert sowie<br \/>\n\tInstrumente (finanzielle, ordnungsrechtliche, planerische, organisatorische, informationelle) zu ihrer Erhaltung aufgezeigt.<br \/>\nDie Zusammenfassung der Hintergr\u00fcnde, Methoden und Ergebnisse eines Fallbeispiels (Castellberg-Pro-jekt, Ballrechten-Dottingen, S\u00fcdbaden) veranschaulicht die im Leitfaden pr\u00e4sentierten Strategien.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt war und ist in der \u00d6ffentlichkeit in verschiedenen Formen pr\u00e4sent. Neben einem zweisprachi-gen Faltblatt (deutsch\/englisch) wurde eine Projekthomepage (http:\/\/www.landespflege-freiburg.de\/HistorischeWeinberge\/index.html) entwickelt. Ziele, Methodik und Ergebnisse wurden in Vortr\u00e4-gen national und international pr\u00e4sentiert sowie in Fachpublikationen ver\u00f6ffentlicht. F\u00fcr die Bev\u00f6lkerung in den Untersuchungsgemeinden wurden Weinbergsf\u00fchrungen und Gespr\u00e4chsabende angeboten. Zus\u00e4tzlich wurden zwei Fachtagungen (2007 &#038; 2008) ausgerichtet, die sich an breite Interessensgruppen wandten. Weiterhin erfolgten Beratungen im Bereich der Trockenmauer- und Weinbergssanierung auf kommunaler sowie auf L\u00e4nderebene. Zur Vermittlung der Werte von historischen Terrassenweinbergen wurden denkmal- und landschaftsp\u00e4dagogische Konzepte erarbeitet (F\u00fchrungen zum Tag des offenen Denkmals, Tro-ckenmauerbau mit Kindern, Trockenmauerpatenschaften, Entwicklung von zwei Unterrichtsmodulen, Durchf\u00fchrung einer Projektwoche zum Thema Lebensraum Weinberg f\u00fcr Grundsch\u00fcler, Entwicklung und Durchf\u00fchrung des Projekts Kinder als Nachwuchswinzer, Einrichtung einer Kultur-Infoline am Castellberg in Ballrechten-Dottingen\/S\u00fcdbaden). Der Leitfaden zur Erhaltung historischer Terrassenweinberge wird im Jahr 2011 in der Schriftenreihe Culterra des Instituts f\u00fcr Landespflege erscheinen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Wenn es darum geht, historische Terrassenlagen in Wert zusetzen, sind integrative und transdisziplin\u00e4re Ans\u00e4tze, wie sie im Projekt Historische Weinberge verfolgt wurden, notwendig. Die Beteiligung ver-schiedener Stakeholder erm\u00f6glichte die Formulierung eines praxisnahen Erhaltungsleitfadens f\u00fcr Tro-ckenmauerweinberge und f\u00f6rderte die Sensibilisierung von Nutzern und Sch\u00fctzern f\u00fcr deren Werte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Historische Trockenmauerweinberge sind eindrucksvolle Dokumente menschlichen Gestaltungswillens und der Geschichte des Weinbaus. Zudem bieten sie Lebensraum f\u00fcr viele Tier- und Pflanzenarten. In den vergangenen Jahrzehnten wandelte man sie auf Grund ihrer ung\u00fcnstigen betriebswirtschaftlichen Situation in ertragreichere Produktionsfl\u00e4chen um oder gab ihre Nutzung dort auf, wo eine Flurneuord-nung nicht m\u00f6glich war. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[56,2425,2422],"class_list":["post-24071","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-baden-wuerttemberg","tag-kulturgueter","tag-landnutzung"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"23687\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"","dbu_projektdatenbank_bsumme":"224.212,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Albert-Ludwigs-Universit\u00e4t Freiburg\nProfessur f\u00fcr Naturschutz und Landschafts\u00f6kologie","dbu_projektdatenbank_strasse":"Stefan-Meier-Str. 76","dbu_projektdatenbank_plz_str":"79104","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Freiburg","dbu_projektdatenbank_p_von":"2006-06-22 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2010-10-31 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"4 Jahre und 4 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"+49 (0)761 203-67770","dbu_projektdatenbank_inet":"www.landespflege-freiburg.de","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Baden-W\u00fcrttemberg","dbu_projektdatenbank_foerderber":"138","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24071","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24071\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37074,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24071\/revisions\/37074"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24071"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24071"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24071"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}