{"id":24061,"date":"2023-09-21T10:32:12","date_gmt":"2023-09-21T08:32:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23649-01\/"},"modified":"2023-09-21T10:32:12","modified_gmt":"2023-09-21T08:32:12","slug":"23649-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23649-01\/","title":{"rendered":"Konzept zur Weichholzauen-Entwicklung als Beitrag zum naturvertr\u00e4glichen Hochwasserschutz an Bundeswasserstra\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Eine zentrale Frage beim Vorlandmanagement unserer Fl\u00fcsse besch\u00e4ftigt seit Jahren Natur- und Hochwasserschutz gleicherma\u00dfen und wird h\u00e4ufig als Konflikt wahrgenommen: Auwaldentwicklung und Hochwasserschutz &#8211; Wie passt das zusammen? Auf der einen Seite ist unzweifelhaft, dass durch die bisherige Nutzung Auw\u00e4lder auf ein Minimum reduziert wurden. Ihre Gef\u00e4hrdung und ihre Schutzbed\u00fcrftigkeit stehen au\u00dfer Frage und auf Basis verschiedener nationaler und internationaler Richtlinien und Gesetze wird versucht, Auw\u00e4lder wieder zu etablieren. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass Geh\u00f6lzbewuchs, an falscher Stelle platziert, die Hochwassergefahr versch\u00e4rfen kann. Vor dem Hintergrund der dramatischen Hochwasserereignisse der letzten Jahre werden daher Planungen zur Auwaldregeneration h\u00e4ufig kritisch gesehen. An dieser Stelle setzte das interdisziplin\u00e4re Projekt KoWeB &#8211; Konzept zur Weichholzauen-Etablierung an Bundeswasserstra\u00dfen als Beitrag zum naturvertr\u00e4glichen Hochwasserschutz an, das zum Ziel hatte, einen L\u00f6sungsweg zu erarbeiten, der den Belangen von Hochwasser- und Naturschutz an Bundeswasserstra\u00dfen Rechnung tr\u00e4gt. Das erarbeitete Konzept kann im Rahmen eines nachhaltigen Flussgebietsmanagements als Instrument zur Auwald-Etablierung eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDer Ansatz war eine speziell entwickelte, gekoppelte Modellierung: Zur Identifizierung geeigneter Anpflanzungsfl\u00e4chen aus biologischer Sicht wurde eine Habitatprognosemodellierung durchgef\u00fchrt. Die dabei als geeignet identifizierten Anpflanzungsfl\u00e4chen wurden danach mit Hilfe eines hoch aufgel\u00f6sten zweidimensionalen hydrodynamisch-numerischen Str\u00f6mungsmodells (2D-HN-Modell) in verschiedenen Szenarien aus hydraulischer Sicht bewertet. So konnten aus der Kopplung beider Modellans\u00e4tze diejenigen \u00f6kologisch geeigneten Anpflanzungsfl\u00e4chen identifiziert werden, deren Lage und Formgebung hydraulisch g\u00fcnstig sind und die sich im Belastungsfall hochwasserneutral verhalten. Das Verfahren wurde an einem Abschnitt der Elbe angewendet und die Ergebnisse wurden modellhaft durch 5 ha Auwaldpflanzungen umgesetzt. Zus\u00e4tzliche populationsgenetische Untersuchungen an der Korbweide als Modellart f\u00fcr Weichholzauen wurden mit Hilfe von Mikrosatelliten-Markern durchgef\u00fchrt und dienten dazu, geeignetes Pflanzmaterial auszuw\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ergebnisse im KoWeB-Projekt zeigen auf, dass Auw\u00e4lder &#8211; in geeigneten Auenbereichen platziert &#8211; im Einklang mit dem Hochwasserschutz etabliert werden k\u00f6nnen. F\u00fcr das Modellgebiet der Elbe konnte dabei ein betr\u00e4chtliches Weichholzauen-Entwicklungspotenzial ermittelt werden. So ergab sich f\u00fcr zwei Szenarien mit 32 ha und 49 ha zus\u00e4tzlicher Weichholzaue keine signifikante Wasserspiegellagenerh\u00f6hung. Der Vergleich mit dem Referenzzustand zeigte, dass die gr\u00f6\u00dfte Differenz bei max. 3 bzw. 5 cm lag und lokal begrenzt war. Das hier f\u00fcr Weichholzauenw\u00e4lder angewendete Verfahren l\u00e4sst sich auch auf Hartholzauenw\u00e4lder \u00fcbertragen, wenn angepasste Habitatprognosemodelle und Widerstandsbeiwerte implementiert werden.<br \/>\nDie Untersuchungen zur populationsgenetischen Struktur der Korb-Weide haben gezeigt, dass eine ausgepr\u00e4gte klonale Struktur vorliegt, die sich vor allem in den alten Vorderdeichsbest\u00e4nden manifestiert. Gleichzeitig waren keine negativen Effekte auf die genetische Diversit\u00e4t durch Auenfragmentierung und Isolation der Best\u00e4nde nachweisbar. Die populationsgenetischen Aspekte waren eine wichtige Hilfestellung f\u00fcr die Auswahl von Material f\u00fcr Pflanzungsma\u00dfnahmen. <\/p>\n<p>Auf Basis dieser Ergebnisse konnten 5 ha Weichholzaue im Projektgebiet gepflanzt werden. <\/p>\n<p>Der entwickelte Leitfaden richtet sich an die Akteure im Flussgebietsmanagement (Download: http:\/\/www.uni-marburg.de\/fb17\/fachgebiete\/naturschutz\/naturschutzbiologie\/praxis\/leitfadenkoweb.pdf). Er pr\u00e4sentiert das entwickelte Verfahren zur Identifizierung von \u00f6kologisch und hydraulisch geeigneten Bereichen zur Weichholzauen-Entwicklung mit einer genauen Darstellung der eingesetzten Methoden. Am Beispiel des Modellgebietes R\u00fchst\u00e4dt-B\u00e4lower Bogen (Brandenburgische und Sachsen-Anhaltinische Elbaue) werden das Konzept und die Verfahrensschritte anschaulich erl\u00e4utert. Dar\u00fcber hinaus findet der Leser konkrete Informationen zum Vorgehen von Weichholzauen-Pflanzungen, die auf genetischen Untersuchungen zur Auswahl geeigneten Pflanzmaterials und den langj\u00e4hrigen Erfahrungen von Auwald-Neuanlagen basieren.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Zu Beginn wurde das Projekt in einer Auftaktveranstaltung den regionalen Akteuren im Projektgebiet erl\u00e4utert. Durch mehrere Zeitungsartikel (u. a. Frankfurter Rundschau) und durch ein Interview mit dem Deutschlandfunk wurde auch \u00fcberregional auf das Projekt aufmerksam gemacht. Im Internet pr\u00e4sentiert es sich unter www.weichholzaue.de (bis 2012). Die Ergebnisse wurden auf f\u00fcnf nationalen und drei internationalen Tagungen pr\u00e4sentiert (z. B. Deutscher Naturschutztag, Jahrestagung Conservation Biology, Society for Ecological Restoration). Insgesamt sind 10 Zeitschriftenartikel entstanden, davon 5 in internationalen Zeitschriften mit Begutachtungsverfahren.<br \/>\nDer Praxis-Leitfaden ist allen relevanten Akteuren und Beh\u00f6rden zug\u00e4nglich gemacht worden. In einer Abschlussveranstaltung im Projektgebiet haben wir die regionalen Akteure \u00fcber die Ergebnisse und ihre Umsetzung informiert.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>In diesem interdisziplin\u00e4ren Projekt mit \u00d6kologen und Wasserbauingenieuren ist es gelungen, Belange des Naturschutzes und Aspekte des Hochwasserschutzes erfolgreich zusammen zu f\u00fchren. So konnten \u00f6kologisch und hydraulisch geeignete Standorte ermittelt werden, die sich f\u00fcr eine Neuanlage von Auwald eignen. Damit ist es m\u00f6glich, Auw\u00e4ldern unter gleichzeitiger Gew\u00e4hrleistung der Hochwassersicherheit Raum zu geben. Die Umsetzung solcher Ma\u00dfnahmen verlangt dabei ein hohes Ma\u00df an interdisziplin\u00e4rer Zusammenarbeit, eine gute Koordination sowie den politischen Willen von Bund, L\u00e4ndern und Kommunen, sich auf neue, nachhaltige Wege im Flussgebietsmanagement einzulassen. Der Gewinn ist ein gesicherter Hochwasserschutz bei einer naturn\u00e4heren Entwicklung unserer Auenlandschaften. Das im KoWeB-Projekt entwickelte Verfahren kann dabei als Instrument des Auwaldmanagements einen Beitrag zu diesen Zielen leisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Eine zentrale Frage beim Vorlandmanagement unserer Fl\u00fcsse besch\u00e4ftigt seit Jahren Natur- und Hochwasserschutz gleicherma\u00dfen und wird h\u00e4ufig als Konflikt wahrgenommen: Auwaldentwicklung und Hochwasserschutz &#8211; Wie passt das zusammen? Auf der einen Seite ist unzweifelhaft, dass durch die bisherige Nutzung Auw\u00e4lder auf ein Minimum reduziert wurden. 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