{"id":24002,"date":"2023-07-13T15:23:21","date_gmt":"2023-07-13T13:23:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21508-02\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:22","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:22","slug":"21508-02","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21508-02\/","title":{"rendered":"Technische Erprobung der SINCERUS-ECA-Anlage zur Desinfektion unterschiedlicher W\u00e4sser am Beispiel des Kl\u00e4ranlagenablaufs der Kl\u00e4ranlage Moosburg a.d. Isar (zweite Phase)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Zielsetzung des Projektes ist die Beantwortung folgender Fragestellungen:<\/p>\n<p>\tWie weit lassen sich die mikrobiologischen Parameter im Abwasser reduzieren, wenn allein die SIN-CERUS-ECA-Technologie zum Einsatz kommt, d. h. f\u00fcr den Fall, dass das Desinfektionsmittel OXI-DAT direkt in den Gesamtablauf der Kl\u00e4ranlage (Ablaufgerinne) eingebracht wird?<br \/>\n\tWie kann das OXIDAT effektiv in den Abwasservolumenstrom eingemischt werden (Anforderungen an die Dosierstelle)?<br \/>\n\tL\u00e4sst sich eine Steuerungsstrategie f\u00fcr eine bedarfsorientierte Dosierung von OXI-DAT in Abh\u00e4ngigkeit der mikrobiologischen Belastungsgr\u00f6\u00dfen mit Hilfe einer Online-Messung der Escherichia coli entwickeln?<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie gro\u00dftechnisch eingesetzte SINCERUS ECA-Anlage verf\u00fcgte \u00fcber eine Produktionskapazit\u00e4t von rund 2.000 Liter OXIDAT pro Stunde. Die Anlage wurde im Geb\u00e4ude direkt neben der Ablauf-MID-Messung untergebracht (Auslauf-Messtation). Die Untersuchungen mit der SINCERUS-Technologie wurden auf der Kl\u00e4ranlage Moosburg a. d. Isar im Zeitraum Juli bis November 2006 durchgef\u00fchrt. Im Untersuchungszeitraum wurden insgesamt 57 Versuchsreihen durchgef\u00fchrt. Das Produkt OXIDAT wurde mit der SINCERUS-ECA-Anlage im benachbarten Geb\u00e4ude in einen separaten Tank hinein frisch produziert. Von dort aus erfolgte die F\u00f6rderung des OXIDATS mit Hilfe einer Kolbenmembranpumpe zur Dosierstelle im Ablaufgerinne. Es wurde zun\u00e4chst mit einer OXIDAT-Dosierung von 1.450 Liter pro Stunde gearbeitet. Im Versuchsverlauf wurde die OXIDAT-Dosierung auf 1.700 Liter pro Stunde angehoben. Zum Nachweis der Wirkung der SINCERUS-Technologie auf die Mikrobiologie wurden die mikrobiologischen Parameter Escherichia coli, Enterokokken und Coliforme (jeweils in der Nullprobe und der behandelten Probe) untersucht. Zur Beurteilung der Umweltvertr\u00e4glichkeit wurden die chemischen Parameter Trichlormethan, Bromdichlormethan, Dibromchlormethan, Tribrommethan und AOX in das Analysenprogramm mit einbe-zogen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Es konnte nachgewiesen werden, dass bei einer OXIDAT-Konzentration oberhalb von 6 l\/m\u00b3, die Grenz-werte der Bagegew\u00e4sserrichtlinie (2006) f\u00fcr den Parameter Escherichia coli sicher unterschritten wer-den k\u00f6nnen. In 89,5 % der F\u00e4lle wurde der Grenzwert Gute Qualit\u00e4t und in 84,2 % der F\u00e4lle der Grenz-wert Ausgezeichnete Qualit\u00e4t (Badegew\u00e4sserrichtlinie (2006)) unterschritten. In 36,8 % der F\u00e4lle wurde der Leitwert 100 cfu\/100 ml der alten EG-Badegew\u00e4sserrichtlinie unterschritten. Dieser Leitwert ist derzeit bei der Verwendung des desinfizierten Abwassers als Brauchwasser einzuhalten (Mindestanforderung). In der Regel wird daher bei der Verwendung des mit Hilfe der SINCERUS-Technologie desinfizierten Abwassers als Brauchwasser eine Filtrationsstufe vorzuschalten sein, wie dies bereits bei der Kl\u00e4ranlage R\u00fcdesheim realisiert worden ist. Um dieses Ergebnis abzusichern, sollten weitere Versuche in diesem Konzentrationsbereich unternommen werden. F\u00fcr den mikrobiologischen Parameter Enterokokken ergab sich ein \u00e4hnliches Bild. Die Ablaufwerte in den Einzelproben unterschritten in 94,7 % der F\u00e4lle den Grenzwert f\u00fcr eine Gute Qualit\u00e4t und in 73,7 % der F\u00e4lle den Grenzwert f\u00fcr eine Ausgezeichnete Qualit\u00e4t. In 68,4 % der F\u00e4lle wurde der Leitwert 100 cfu\/100 ml der alten EG-Badegew\u00e4sserrichtlinie unterschritten.<br \/>\nDas verwendete Dosier-T-St\u00fcck (mit 1 mm Lochperforierung) zum Einbringen der OXIDAT-L\u00f6sung in den zu desinfizierenden Abwasservolumenstrom hat sich im Betrieb bew\u00e4hrt.<br \/>\nDer Maximalwert der Trihalogenmethane in den durchgef\u00fchrten Versuchsreihen lag bei 2,0 \u00b5g\/l. Dieser Wert ist als umweltvertr\u00e4glich und damit als unbedenklich einzustufen, auch vor dem Hintergrund der Trinkwasserverordnung (TrinkwV, 2003), wonach ein Grenzwert f\u00fcr die Trihalogenmethane von 50 \u00b5g\/l einzuhalten ist.<br \/>\nAus den Versuchen in der ersten Phase des Forschungs- und Entwicklungsprojektes [Strunkheide, 2004] wurde auch eine Anhebung dieses Parameters AOX erwartet. Die AOX-Werte in den durchgef\u00fchrten Versuchen bewegten sich in den meisten F\u00e4llen an oder oberhalb des abwasserabgabenrelevanten Wertes von 0,1 mg\/l Grenzwertes, so dass hier Handlungsbedarf besteht, die AOX-Werte auch im k\u00fcnftigen Dauerbetrieb der SINCERUS-Technologie deutlich unter diesem abwasserabgabenrelevanten Wert zu halten.<br \/>\nF\u00fcr die im Ablauf der Kl\u00e4ranlage Moosburg a. d. Isar eingebaute SINCERUS\u00aeeca-Anlage wurden die j\u00e4hrlichen Betriebs- und Kapitalkosten (AfA + Zins) zu 0,04 \u0080\/m\u00b3 ermittelt und liegen damit in der Gr\u00f6\u00dfenordnung der von Popp et al. (2004) angegebenen Kosten f\u00fcr die UV-Desinfektion zwischen 0,03 und 0,05 \u0080\/m\u00b3 behandelten Abwassers. Ber\u00fccksichtigt ist bei dieser Wirtschaftlichkeitsbetrachtung noch nicht die M\u00f6glichkeit der Einsparung von Abwasserabgaben hinsichtlich des CSB-Ablaufwertes, da im Ver-suchsbetrieb nachgewiesen werden konnte, dass der CSB-Ablaufwert durch OXIDAT signifikant gesenkt werden konnte. Jedoch ist noch die AOX-Problematik in den Griff zu kriegen, da sonst eine Abwasserabgabe in nicht unbetr\u00e4chtlicher H\u00f6he zu entrichten ist.<br \/>\nAuch sollte k\u00fcnftig auch eine Kopplung der OXIDAT-Dosierung an die Ablauf-MID-Messung erfolgen, um die Betriebskosten infolge \u00dcberdosierungen (z. B. in den Nachtstunden) zu optimieren.<br \/>\nEine Steuerungsstrategie f\u00fcr eine bedarfsorientierte Dosierung von OXIDAT in Abh\u00e4ngigkeit der mikrobiologischen Belastungsgr\u00f6\u00dfen mit Hilfe einer Online-Messung der Escherichia coli konnte im vorliegenden Projekt aufgrund fehlender Finanzmittel nicht realisiert werden, so dass dies auch Gegenstand zu-k\u00fcnftiger Untersuchungen sein wird.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse werden in einer der n\u00e4chsten Ausgaben der Zeitschrift wwt ver\u00f6ffentlicht. Ferner erfolgt eine Pr\u00e4sentation der Ergebnisse im Rahmen der Veranstaltung 2. K\u00f6lner Abwasser- und Gew\u00e4sserforum (September 2007).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Durch die untersuchte SINCERUS-ECA-Technologie konnte eine signifikante Desinfektion des Abwassers erzielt werden. Eine negative Beeintr\u00e4chtigung der Umwelt liegt nicht vor. Da der AOX-Wert jedoch meist oberhalb des abwasserabgabenrelevanten Wertes von 0,1 mg\/l lag, sollten auch aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden noch Modifikationen an der Technologie vorgenommen und abschlie\u00dfend untersucht werden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Zielsetzung des Projektes ist die Beantwortung folgender Fragestellungen: Wie weit lassen sich die mikrobiologischen Parameter im Abwasser reduzieren, wenn allein die SIN-CERUS-ECA-Technologie zum Einsatz kommt, d. h. f\u00fcr den Fall, dass das Desinfektionsmittel OXI-DAT direkt in den Gesamtablauf der Kl\u00e4ranlage (Ablaufgerinne) eingebracht wird? 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