{"id":23994,"date":"2023-07-13T15:24:39","date_gmt":"2023-07-13T13:24:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23400-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:24:40","modified_gmt":"2023-07-13T13:24:40","slug":"23400-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23400-01\/","title":{"rendered":"\u00d6kologische Hafensanierung am D\u00fcmmer"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Vereinshafen f\u00fcr Segelboote wurde in den 60er Jahren unter den damals \u00fcblichen Bedingungen (Stahlspundw\u00e4nde) in den Schilfg\u00fcrtel des D\u00fcmmer gebaut, und zwar unmittelbar angrenzend an ein Naturschutzgebiet. Aufgrund der fortschreitenden Eutrophierung ist der Schilfg\u00fcrtel inzwischen verschwunden. Durch die rechteckige Form f\u00fcgt sich der Hafen wenig in den Naturraum ein, das angrenzende Naturschutzgebiet wird durch die Aktivit\u00e4ten im Hafen beeintr\u00e4chtigt.<br \/>\nDer Hafen soll nun saniert werden mit dem Ziel, eine \u00f6kologische Verbesserung der Situation zu erreichen, eine Pufferzone zum angrenzenden Naturschutzgebiet zu bilden, einen Teil des urspr\u00fcnglichen Schilfg\u00fcrtels wieder herzustellen und eine bessere Einbindung in den sensiblen Naturraum zu erreichen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDer neue Hafen wird unter Anwendung klassischer wasserbaulicher Methoden (Stein- und Sandsch\u00fcttung) als ein sich organisch in die Umgebung einf\u00fcgender Nutzungsraum gestaltet, und zwar insbesondere durch weitestgehenden Verzicht auf Spundw\u00e4nde und unter Verwendung von sanften, naturnahen Formen und B\u00f6schungen. S\u00e4mtliche wasserseitigen B\u00f6schungen werden mit autochthonen Schilfarten bepflanzt, zus\u00e4tzlich wird ein 200m langer Schilfg\u00fcrtel mit Wellenbrecher entlang der Deichlinie gestaltet. Durch die Formgebung des Hafens mit mehreren Inseln, kleinen Wasserl\u00e4ufen, sanft ansteigenden B\u00f6schungskanten einerseits und die gezielte Bepflanzung der B\u00f6schungen und \u00fcbrigen Oberfl\u00e4chen andererseits wird ein Naturraum geschaffen, der zu einer \u00f6kologischen Aufwertung der Gesamtsituation f\u00fchrt und einen sanften \u00dcbergang zum angrenzenden Naturschutzgebiet erm\u00f6glicht. Zus\u00e4tzlich wird erwartet, dass die bisher regelm\u00e4\u00dfig einsetzende Verschlammung des Hafens durch Str\u00f6mungs-Totr\u00e4ume aufgrund der gezielten Vermeidung dieser str\u00f6mungsarmen Zonen deutlich verlangsamt wird. Die Umsetzung des Projektes erfolgt in zwei Phasen: Im Herbst und Winter 2005 werden die Erd- und Wasserbauarbeiten sowie der Steg- und Br\u00fcckenbau durchgef\u00fchrt, im Fr\u00fchjahr und Sommer 2006 die Pflanzarbeiten im Hafen und an der Deichlinie.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bereits vor und w\u00e4hrend der Bauphase wurden an verschiedenen Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben am Rand des D\u00fcmmers und im Bereich der Baugrube Rhizome von Schilf und R\u00f6hrichtpflanzen gesammelt und vorsichtig durch Teilung vorhandener Pflanzen gewonnen. Dieses Pflanzenmaterial wurde insbesondere zur Begr\u00fcnung der im Hafenbecken befindlichen Steinsch\u00fcttung verwendet und durch hinzu gekaufte heimische Arten erg\u00e4nzt. Im Fr\u00fchjahr und Sommer 2006 haben sich diese Pflanzungen sehr gut etabliert. An der Nordseite des Hafens entwickelt sich in einem durch Steinsch\u00fcttungen gesch\u00fctzten Bereich derzeit eine typische Spontanvegetation, die an wechselnde Wasserst\u00e4nde angepasst ist. Die zun\u00e4chst geplante Bepflanzung eines 200 m langen G\u00fcrtels an der Nordseite parallel zum Deich wurde in Abstimmung mit der Naturschutzbeh\u00f6rde zun\u00e4chst zur\u00fcckgestellt, da bisher noch nicht gekl\u00e4rt werden konnte, wie und wo autochtones Pflanzenmaterial f\u00fcr diesen Bereich gewonnen werden kann. Interessanterweise kann jedoch schon jetzt beobachtet werden, dass sich die wenigen noch vorhandenen Schilfbest\u00e4nde entlang des Deiches an der Nordseite, die innerhalb der gesetzten Eichenpfahlreihe wachsen und somit brandungsgesch\u00fctzt sind, gut erholt haben und sich weiter ausbreiten. Am 01. Dezember 2006 fand dazu ein Kolloquium im neuen Hafen der SVH statt, an dem Vertreter der Naturschutzbeh\u00f6rden und Naturschutzverb\u00e4nde teilnahmen. Dabei wurden insbesondere die Bepflanzung und die oben beschriebenen Beo-bachtungen begutachtet und er\u00f6rtert. Das Kolloquium soll in j\u00e4hrlichen Abst\u00e4nden fortgesetzt werden, um die Entwicklung des Pflanzenbestandes weiter zu beobachten und weitere Ma\u00dfnahmen zu besprechen. Noch w\u00e4hrend der Bauphase und im gesamten Sommer 2006 wurden im Hafenbecken des \u00f6fteren gr\u00f6\u00dfere und kleinere Fische beobachtet, die sich bevorzugt im Bereich der Steinsch\u00fcttungen und neu gesetzten Wasserpflanzen aufhielten. Im Herbst 2006 und Winter 2006\/2007 wurden gr\u00f6\u00dfere Fischschw\u00e4rme im Hafenbecken gesichtet, insbesondere nach Abschluss der Segelsaison, nachdem alle Schiffe aus dem Hafen entfernt wurden. W\u00e4hrend des gesamten Winters 2006\/2007 wurde der Hafen von mehreren Tausend M\u00f6wen bev\u00f6lkert, die den ganzen Tag damit besch\u00e4ftigt waren, im Hafenbecken zu fischen. Offensichtlich hatten Fische im Sommer die Steinsch\u00fcttungen innerhalb des Hafens als Laichplatz entdeckt und f\u00fcr eine erhebliche Ausweitung des Fischbestandes im Hafenbereich gesorgt, was wiederum durchziehende M\u00f6wenbest\u00e4nde im Winter angelockt hat. Auch diese Beobachtung wurde von den Teilnehmern des Kolloquiums positiv bewertet. Die vielen Inseln und kleinen Buchten im neuen Hafen dienten im gesamten Winter auch als Rastplatz f\u00fcr verschiedene durchziehende Wasserv\u00f6gel. Die in der Saison 2006\/2007 durchgef\u00fchrten Regatten mit internationaler Beteiligung konnten diesmal ohne die fr\u00fcher regelm\u00e4\u00dfig zu beklagende Beeintr\u00e4chtigung des angrenzenden Naturschutzgebietes durchgef\u00fchrt werden, weil durch den neuen Hafen eine ausgedehnte Pufferzone zwischen dem genutzten und dem nicht genutzten Bereich mit \u00dcbergang zum Naturschutzgebiet geschaffen wurde. Der Regattabetrieb konzentriert sich damit auf die S\u00fcdseite des Hafens und ist r\u00e4umlich durch die Architektur des Hafens und die Bepflanzung vollkommen getrennt vom sensibleren Nordteil.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Am 22.10.2005 erfolgt der Erste Spatenstich durch Prominente Vertreter des \u00f6ffentlichen Lebens unter Beteiligung der \u00d6ffentlichkeit und der Presse, im Fr\u00fchling\/Sommer 2006 ist die feierliche Er\u00f6ffnung geplant, Im Sommer 2007 ein abschlie\u00dfendes Fachkolloquium mit einer ersten Bewertung des Vorhabens. Die gesamte Bauphase ist in \u00fcber 1.000 Photos von Mitgliedern der SVH dokumentiert worden. Auf der Website der Seglervereinigung H\u00fcde ist unter www.svh-duemmer.de eine ausf\u00fchrliche Projektbeschreibung der \u00f6kologischen Hafensanierung hinterlegt sowie die gesamte Photodokumentation, sortiert nach unterschiedlichen Bauabschnitten. Zus\u00e4tzlich fand eine intensive Pressearbeit statt, die das Projekt in allen Phasen der Entstehung immer wieder durch zahlreiche Zeitungsartikel in der regionalen und \u00fcberregionalen Presse bekannt machte.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit der erfolgreichen Durchf\u00fchrung des Projektes konnte unter Beweis gestellt werden, dass die Sanierung eines Sportboothafens unter \u00f6kologischen Gesichtspunkten in einem sensiblen Naturraum m\u00f6glich ist. Eine Aufwertung der \u00f6kologischen Situation konnte nicht nur rechnerisch im Rahmen des Antragverfahrens nachgewiesen werden, sondern bereits im ersten Jahr nach der Fertigstellung durch Beobachtung der Flora und Fauna im Hafenbecken und dem angrenzenden Naturschutzgebiet. Pflanzen und Tiere haben das neue Gel\u00e4nde sehr schnell angenommen und als Brut- und Rastst\u00e4tte benutzt. Durch die Verwendung von bepflanzten Steinsch\u00fcttungen statt Stahlspundw\u00e4nden konnte zus\u00e4tzlicher Lebensraum f\u00fcr Fische und andere Wasserlebewesen geschaffen werden.<br \/>\nGleichzeitig konnte die Eignung dieses Hafenkonzeptes f\u00fcr die Durchf\u00fchrung internationaler Regatten unter weitestgehender Schonung der nat\u00fcrlichen Umgebung unter Beweis gestellt werden. Die im Projektantrag beschriebenen Ziele des Vorhabens k\u00f6nnen somit als vollst\u00e4ndig erf\u00fcllt betrachtet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Vereinshafen f\u00fcr Segelboote wurde in den 60er Jahren unter den damals \u00fcblichen Bedingungen (Stahlspundw\u00e4nde) in den Schilfg\u00fcrtel des D\u00fcmmer gebaut, und zwar unmittelbar angrenzend an ein Naturschutzgebiet. Aufgrund der fortschreitenden Eutrophierung ist der Schilfg\u00fcrtel inzwischen verschwunden. Durch die rechteckige Form f\u00fcgt sich der Hafen wenig in den Naturraum ein, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2422,50,64,51,53],"class_list":["post-23994","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-landnutzung","tag-naturschutz","tag-niedersachsen","tag-ressourcenschonung","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"23400\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-23400.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"124.000,00","dbu_projektdatenbank_firma":"SVH Seglervereinigung H\u00fcde e. V.","dbu_projektdatenbank_strasse":"D\u00f6rpel Nr. 9","dbu_projektdatenbank_plz_str":"49406","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Eydelstedt","dbu_projektdatenbank_p_von":"2005-10-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2007-09-30 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"1 Jahr und 12 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"05442\/2866","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Niedersachsen","dbu_projektdatenbank_foerderber":"126","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23994","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23994\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36997,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23994\/revisions\/36997"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23994"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23994"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23994"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}